Platz für zwei: (Wieder) ein Opel 8/25 PS

Freunde von Vorkriegswagen haben ein großes Herz – das müssen sie auch, denn Autos von einst abertausenden Herstellern warten darauf, dass man sich ihrer annimmt.

Doch bei aller Offenheit für solche ungeregelte und produktive Vielfalt – nebenbei das Gegenteil heutiger Verhältnisse, wo einige wenige Marken dem Wunschdenken tausender bildungs- und technikferner Politiker ausgesetzt sind – hat doch jeder seine Favoriten.

Mir sind bislang keine Beschwerden untergekommen, dass jemand keine wiederholte Betrachtung seines Lieblingsgefährts mögen würde. Das trifft gewiss auch für den Gegenstand des heutigen Blog-Eintrags zu.

Dabei gilt das Motto „Platz für zwei“ nicht nur in doppelter Hinsicht, sondern gleich mehrfach. Beginnen wir kurzerhand mit Nummer 1, die sicher manchem Leser vertraut ist:

Opel 8/25 PS (Typ 8M21); Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Dieser fesche Opel mit messerscharfer Optik wurde 1925 in Langelsheim (Harz) aufgenommen. Er ließ sich als Typ 8/25 PS identifizieren – ein neues Modell der frühen 1920er Jahre, das unterhalb des traditionellen Typs 9/25 PS angesiedelt war.

Statt aus 2,3 Litern wie beim Opel 9/25 PS schöpfte das auch als 8M21 bekannte Modell seine Leistung aus deutlich weniger Hubraum: In dem neuen Aggregat war nur noch Platz für zwei – Liter, in diesem Fall – das aber verbunden mit agilerer Charakteristik.

Platz für (nur) zwei war ganz offensichtlich auch im Innenraum – hier haben wir nämlich einen schicken Zweisitzer mit Bootsheck vor uns, wie man ihn von Opel in dieser Klasse nicht alle Tage zu sehen bekommt.

Lange glaubte ich, dass ich kein zweites solches Foto auftreiben würde, und in gewisser Hinsicht stimmt das auch. Denn mir selbst ist das bislang nicht gelungen – dafür aber dem Sammlerkollegen Matthias Schmidt aus Dresden.

Und wieso sollte in meinem Blog nicht Platz für zwei sein – wenn es sich um denselben Wagentyp handelt? Es gibt wahrlich schlimmere Wiederholungen als diese hier:

Opel 8/25 PS (Typ 8M21); Originalfoto aus Sammlung Matthias Schmidt (Dresden)

Abgesehen davon, dass der Fotograf hier nicht so in die Knie gegangen ist wie bei der ersten Aufnahme, sehen wir hier einen Opel 8/25 PS Zweisitzer aus praktisch identischem Blickwinkel.

Die Unterschiede sind auch auf den zweiten Blick minimal: Die unteren Scheinwerfer zur Ausleuchtung des Vorfelds des Wagens sind hier stärker zu den Straßenrändern ausgerichtet, die häufig recht abrupt im Graben endeten.

An der Frontscheibe ist hier nicht nur „Platz für zwei“ links und rechts der Mittelstrebe, sondern fahrerseitig auch oben und unten, während beim ersten Foto diese Hälfte nicht zweigeteilt ist.

Ganz klar „Platz für zwei“ ist bei beiden Wagen hinter dem Vorderkotflügel, und zwar für die Ersatzräder. Im Fall des zweiten Fotos wäre freilich noch Platz für einen davon.

„Platz für zwei“ ist außerdem bei beiden Autos auf der rechten Fahrzeugseite – nämlich für Schalt- und Bremshebel, wie das Anfang der 1920er Jahre noch sehr verbreitet war.

Der Opel auf der Aufnahme von Matthias Schmidt hatte aber auch noch Platz für einen Suchscheinwerfer auf der Fahrerseite – etwas, was wieder in Mode kommen könnte, wenn man weiter bloß trübe Funzeln als angebliche „Energiesparlampen“ installiert.

Platz für zwei – das gilt nicht zuletzt für unterschiedliche Typen – den sich sportlich gebenden jungen Mann mit Prinz-Heinrich-Mütze, der energisch den Ganghebel umfasst, und den gereifter wirkenden Herrn, der seine Sturm-und-Drang-Phase hinter sich hat.

So verschiedenen Charaktere bot vor bald 100 Jahren der Opel 8/25 PS Zweisitzer Platz – und wie ich weiß, steht in den Herzen mancher Opel-Vorkriegsfreunde unter meinen Lesern genau dieses Modell sogar auf dem ersten Platz!

Anmerkung: Das erste Foto in diesem Blog-Eintrag habe ich für die 2019 erschienene Neuausgabe (2019) von Werner Oswalds Klassiker „Deutsche Autos 1920-1945“ auf S. 412 zur Verfügung gestellt. Die dort wiedergegebene Modellbezeichnung „10/35 PS Viersitzer“ ist allerdings falsch, einer von etlichen redaktionellen Mängeln dieser Ausgabe).

© Michael Schlenger, 2020. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

2 Gedanken zu „Platz für zwei: (Wieder) ein Opel 8/25 PS

  1. Hallo Michael,
    du schreibst, dass die Frontscheibe vor dem Fahrer auf dem ersten Bild nicht horizontal geteilt ist (im Gegesatz zum zweiten Foto). Aber genau eine solche horizontale Teilung der Fahrerscheibenhälfte ist auf dem ersten Bild erkennbar, wenn man näher heranzoomt. Es sind am Rahmen Teilungsschlitze erkennbar und am Lenkradkranz oben erkennt man eine horizontale Brechung, wo die Scheibe geteilt ist. Weiterhin hat der Scheibenrahmen dieselbe Flügelschraube in Fahrtrichtung rechts zum feststellen der ausgestellten Scheibe.
    Mach bitte weiter so mit deinem großartigen Blog.
    Viele liebe Grüße René

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