Klassische Eleganz: Ein Ford „Rheinland“ Cabriolet

Klassische Eleganz – sicher nicht das Erste, was man mit dem Ford-Produktionsstandort Köln in Verbindung bringt.

Vom gotischen Dom abgesehen wurde die Stadt im 2. Weltkrieg schwer verheert, den Rest erledigten anschließend die „modernen“ Stadtentwickler, denen wie in Frankfurt/Main schon in den 1930er Jahren die alte Bausubstanz ein Dorn im Auge gewesen war.

Heimlich mag mancher Karrierist hierzulande der Royal Air Force für ihre gründliche Ausführung der „Area Bombing Directive“ dankbar gewesen sein, die auf die flächendeckende Vernichtung der historischen Zentren und Wohngebiete abzielte.

Dass es beim Wiederaufbau auch anders hätte gehen können, zeigten nach 1945 die Münchner. Ein Vergleich von Lebensqualität und Immobilienpreisen verrät heute, wer es damals richtig gemacht hat – Köln jedenfalls nicht.

Doch geht es hier nicht um das heutige Erscheinungsbild, sondern um etwas, was die Römerstadt vor dem Krieg hervorgebracht hat – deutsche Klassik vom Feinsten.

Die Rede ist vom Ford „Rheinland“ – der in Deutschland von 1934-36 gebauten Variante des Vierzylindermodells 40/4 (auch als Model B bekannt). Dieses war zwar in den USA nach kurzer Zeit dem weit beliebteren V8 gewichen, doch am deutschen Markt eroberte sich der 50 PS leistende Vierzylinder einen achtbaren Platz am Markt.

So begegnet man dem Ford „Rheinland“ auf Vorkriegsaufnahmen recht häufig – meist in der Ausführung als Limousine mit Ganzstahlaufbau von Ambi-Budd:

Ford „Rheinland“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Charakteristisch für den Typ waren die geschwungen ausgeführten Luftschlitze in der Haube und die am deutschen Markt sonst eher sportlichen Wagen vorbehaltenen Drahtspeichenräder.

Die Frontpartie entsprach weitgehend dem wesentlich stärkeren amerikanischen V8-Modell, welches in einer Vielzahl von Ausführungen später auch in Deutschland Käufer fand.

Auch die leicht v-förmig gestaltete Vorderstoßstange des V8 fand sich am Ford „Rheinland“ – was dem Wagen zusätzliches Prestige verliehen haben mag:

Ford „Rheinland“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Der aus dem Model A abgeleitete Motor war zwar entwicklungstechnisch betrachtet von „gestern“ und kam für Auto-Gourmets kaum in Betracht.

Aber wer nüchtern rechnete, hatte mit dem Ford „Rheinland“ ein überdurchschnittlich starkes Auto, mit dem man einem teuren Mercedes 200 beispielsweise die Rücklichter zeigen konnte. Hinzu kam eine dynamischere Optik, wenn man Wert darauf legte.

Doch auch für den Freund der klassischen Eleganz hatte Ford beim Modell „Rheinland“ etwas in petto. So gab es nämlich auch dieses schicke Vierfenster-Cabriolet:

Ford „Rheinland“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Wie man sieht, entspricht die Frontpartie ganz der bei der Serienlimousine des Ford „Rheinland“. Der offene Aufbau mit niedriger Frontscheibe und nach hinten abfallender Gürtellinie verkörpert dagegen ganz den deutschen Stil jener Zeit.

Ob dieser schöne Aufbau nun vom Karosseriewerk „Deutsch“ in Köln selbst geliefert wurde oder von einer anderen Manufaktur stammte, weiß vielleicht ein Leser, der sich mit den Ford-Modellen der 1930er Jahre besser auskennt als ich.

Jedenfalls ist dieses Fahrzeug für mich ein Musterbeispiel für deutsche Klassik im Automobilbau jener Zeit – auch wenn das Verdeck etwas liederlich niedergelegt zu sein scheint – so litten sowohl die elegante Linie als auch der Blick in den Rückspiegel.

Doch die junge Dame am Lenkrad scheint das nicht gestört zu haben – sie repräsentiert mit ihrem Erscheinungsbild selbst ein klassisch-elegantes Ideal, welches in unseren Tagen rar geworden ist…

Michael Schlenger, 2022. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

5 Gedanken zu „Klassische Eleganz: Ein Ford „Rheinland“ Cabriolet

  1. Sehr geehrter Herr Schlenger,

    bei den „Dochten“ auf der Oberkante der Windschutzscheibe dürfte es sich wohl in Wirklichkeit um zwei hochgeklappte Sonnenblenden handeln (so etwas hatte auch mein früheres Cabriolet vorzuweisen).

    mfG Josef Boers

  2. Sehr gerne, Herr Schlenger ! Weitere Besonderheiten sehe ich rund um die Windschutzscheibe; einmal die (heutigen Vorschriften zur passiven Sicherheit entgegenstehenden) Dochte auf der Oberkante, und dann vermute ich Winker, die in die A-Säule integriert sind. Schließlich die Anbringung des Außenspiegels und die Positionsleuchten … auch Alexis Kellner gehört hier ebenso zu den denkbaren Möglichkeiten. Zweck der Dochte war vielleicht auch ein Windschott – da wurde dann wohl bei Restaurierung eine praktischere und sicherere Lösung gewählt, die für das Verdeck wie auch das Windschott gleichermaßen taugt.
    Bei den Fensterführungen muß ich allerdings meine Sicht auf die Lage womöglich revidieren … die am Fahrerfenster könnte auch abgewinkelt und nach vorne gerichtet sein, so wie Karl Deutsch es – jedoch ohne den Verstärkungspfosten – ebenfalls konstruiert hatte.

  3. Besten Dank für diese Analyse!

  4. Beim 4-Fenster-Cabriolet mit der jungen Dame am Steuer sind auch die nach innen, auf die Vordersitzlehnen hin geschwenkten Fensterführungen an der als B-Säule aufragenden Verdeckstützstrebe auffällig. Von Hebmüller und Buhne konnte ich keine dazu passenden Abbildungen finden, ebenso auch nicht von Drauz und Deutsch, wo eben auch keine Abstützstrebe für das Verdeck ersichtlich ist. Nur auf dieser Website

    https://classiccarcatalogue.com/FORD_D_1934.html

    sehe ich solche, nach innen in den Fahrgastraum hineinreichende Fensterführungen, abgebildet an einem „V8 Cabriolet von Papler“. Weitere Nachweise, die eine Herstellung durch das Karosseriewerk Papler belegen, konnte ich aber leider nicht finden, sodaß ich dies hier nur als Vermutung hinterlasse, denn es könnte ebensogut bei MiGö entstanden sein …

    https://www.fomcc.de/fordsetzung/03_3/migoe.htm

    https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343733

    So bin auch ich gespannt auf eine präzisere Aufklärung zu diesem womöglich einzigartigen Bilddokument !

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