Großer Auftritt vor dem Abtritt: Rex-Simplex um 1920

Die frühe Automobilproduktion der Firma Friedrich Hering (später Richard & Hering) im thüringischen Ronneburg ist einigermaßen gut dokumentiert.

Nach den bis ins Jahr 1902 zurückgehenden Anfängen mit Nachbauten führender französischer Modelle wie DeDion-Bouton (von dort bezog man zunächst auch die Motoren) ging man ab 1907 zu Eigenentwicklungen über.

Ab 1912 baute man einen 10/30 PS-Typ (zunächst wohl 10/28 PS). Daneben gab es ein 17/40 PS-Modell und eines mit Spezifikation 22/50 PS.

Nach dem 1. Weltkrieg baute man offenbar nur den kleineren 10/30 PS-Typ kurze Zeit weiter. Ich vermute, dass wir ein solches Exemplar auf dem folgenden Foto sehen:

Rex-Simplex Typ 10/30 PS um 1920; Originalfoto aus Sammlung Klaas Dierks

Neben dieser Aufnahme aus dem Fundus von Leser Klaas Dierks sind inzwischen weitere Fotos aufgetaucht, die ganz ähnliche Spitzkühlermodelle von Rex-Simplex zeigen.

Diese sind allerdings – bei grundsätzlich ähnlicher Gestaltung durchgängig größer dimensioniert.

Sie verfügten im Unterschied zu obigem Exemplar über einen oben stärker abgeflachten Kühler und ein größeres Kühlernetz:

Rex-Simplex, Typ 17/40 PS um 1920 oder 12/40 PS ab 1921; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Auch der größere Radstand und die gepfeilte Windschutzscheibe sprechen für ein anderes Modell – aber welches?

Auch wenn es in der Literatur nicht ausdrücklich erwähnt wird, könnte ich mir vorstellen, dass Rex-Simplex Wagen während der nur kurz währenden Episode nach dem 1. Weltkrieg auch in der Vorkriegsmotorisierung 17/40 PS weitergebaut wurden.

Eine Alternative wird in der Literatur genannt: So übernahm ab 1921 die Berliner Elitewagen AG die Automobilproduktion von Richard & Hering und baute für kurze Zeit unter dem alten Markennamen Rex-Simplex ein von Elite 1919 herausgebrachtes 12/40 PS-Modell.

In der Literatur finden sich kaum Bildbelege dafür, doch nach dem vorherigen Foto hat sich zwischenzeitlich eine weitere Aufnahme eines identisch gestalteten Rex-Simplex materialisiert:

Rex-Simplex, Typ 17/40 PS um 1920 oder 12/40 PS ab 1921; Originalfoto aus Sammlung Jason Palmer (Australien)

Um die Verwirrung noch zu vergößern, hat jüngst Leser Matthias Schmidt ein Dokument aus seinem Bestand beigesteuert, das einen noch größeren Rex-Simplex zu zeigen scheint.

Allerdings könnte der Eindruck trügen und lediglich das höher bauende Passagierabteil in Verbindung mit der senkrecht aufragenden Frontscheibe auf ein größeres Fahrzeug schließen lassen.

Sollte der Eindruck indessen nicht trügen, hätte dieses Exemplar dann den erwähnten 50 PS-Motor aus der Vorkriegszeit oder das gleichstarke, aber etwas kleinere Aggregat der Elitewerke aus der frühen Nachkriegszeit besitzen können:

Rex-Simplex, evtl. Typ 22/48 PS um 1920 oder 15/50 PS ab 1921; Originalfoto aus Sammlung Matthias Schmidt (Dresden)

Wie dem auch sei – für den großen Auftritt vor dem Abritt der Marke Rex-Simplex wäre dieses eindrucksvoll dimensionierte Fahrzeug zweifellos gut geeignet gewesen.

Jedenfalls bot es offenbar gleich einer ganzen Bande von Männern Raum oder zumindest Platz zum Posieren. Was Anlass der Aufnahme und Zweck der Fahrt mit dem Rex-Simplex gewesen sein mag, muss offenbleiben.

Auch verschone ich meine Leser dieses Mal mit Ausführungen zu nicht-automobilen Aspekten wie Kleidungsstil, vermuteten Charakterzügen oder Verwandschaftsverhältnissen.

In der Hinsicht scheint diese Aufnahme nämlich nicht so ergiebig zu sein wie andere Beispiele, auf denen es abwechslungsreicher zugeht.

Doch wer ausgerechnet an solchen Abschweifungen und den damit verbundenen Spekulationen Gefallen findet (wie ich), kommt bald wieder auf seine Kosten, versprochen!

Für heute müssen wir uns aber mit dem Studium des Wagens begnügen – vielleicht hat ja jemand noch genauere Informationen zu den Rex-Simplex-Typen aus der kurzen Nachkriegsepisode zur Hand…

Michael Schlenger, 2022. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

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