Na gut – ein letztes Bild noch… DKW Typ P 15 PS

Eigentlich hatte ich das Kapitel des ersten DKW-Serienautos – des 1928 erschienen Typs P 15 PS- für mich als abgeschlossen betrachtet.

Nicht, dass ich keine Sympathien für das kleine Gefährt hegte. Es sah für seine geringe Größe geradezu elegant aus – auf jeden Fall wie ein richtiges Automobil, auch wenn die Karosserie weitgehend aus Sperrholz bestand, das mit Kunstleder bespannt war.

Das daraus resultierende geringe Gewicht – speziell bei den nur 500-600 Kilogramm wiegenden offenen Versionen – erlaubte akzeptable Fahrleistungen trotz gerade einmal 15 PS Höchstleistung des Zweizylinder-Zweitaktmotors.

Gerade im Vergleich zum etwas billigeren, aber primitiven Hanomag 2/10 PS bot DKW seinen Kunden ein durchaus flottes und auch optisch ansprechendes Einsteigerauto:

DKW Typ P 15 PS, 2-sitziges Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Dieses Exemplar verfügte sogar über ein richtiges Cabriolet-Verdeck, das innen gefüttert war und aufgespannt von einer Sturmstange in Form gehalten wurde wie bei den Großen.

Häufig wählten die oft vom Motorrad kommenden und mit den Eigenheit des Zweitaktantriebs vertrauten Kunden jedoch die einfachere Roadster-Ausführung, die nur über ein ungefüttertes Notverdeck verfügte und anfänglich nur einen Stoßdämpfer an der Vorderachse besaß (statt zwei wie beim Cabriolet).

Einige Fotos der Roadster-Ausführung habe ich bereits vorgestellt und in meine DKW-Galerie aufgenommen. Leser Klaas Dierks hat mir ein weiteres Exemplar aus seinem Fundus zur Verfügung gestellt, dass ich bei dieser Gelegenheit noch zeigen will:

DKW Typ P 15 PS, Roadster; Originalfoto aus Sammlung Klaas Dierks

Hier lässt sich die ansprechend gestaltete Flanke studieren, an der die weitgehend übereinstimmenden Proportionen von Motorhaube und Tür auffallen – sicher ein beabsichtigtes Element.

Die leicht ansteigende Vorderpartie und die waagerecht (statt sonst meist vertikal) ausgeführten Haubenschlitze geben dem Wagen eine gewisse Spannung und Dynamik.

Jetzt ist es aber auch gut mit diesem ersten DKW des Typs P15 PS – schließlich gibt es unzählige andere adrette und interessante Vorkriegsfahrzeuge zu betrachten.

Den viel besser informierten und sortierten DKW-Freunden in meiner Leserschaft kann ich ohnehin auf diesem Sektor wenig bieten – wenn es nicht gerade einmal wieder ein Exemplar der wunderbaren Front Luxus-Cabriolets der 1930er Jahre ist…

Doch dann fand ich kürzlich eine Aufnahme, die den Titel meines heutigen Blog-Eintrags rechtfertigt. Also gut, eine letzte Aufnahme noch vom DKW Typ P 15 PS!

DKW Typ P 15 PS, 3-sitziges Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Die technische Qualität und die ungewöhnliche Perspektive allein rechtfertigen schon die Präsentation dieses DKW Typ P 15 PS.

Tatsächlich ist auf keinem der bislang in meiner DKW-Galerie versammelten Exemplare die Frontpartie dermaßen gut zu erkennen. Hier sieht man in wünschenswerter Deutlichkeit das auf einem Vorsprung der Kühleroberseite angebrachte DKW-Emblem.

Frühe Exemplare dieses Typs verfügten dagegen nur über ein flach auf dem Kühler angebrachtes Markenemblem, das aus seitlicher Perspektive oft kaum erkennbar ist.

Insofern ist diese Aufnahme ein Novum in meiner Sammlung von Aufnahmen des DKW Typ P 15 PS, während der Aufbau als dreisitziges Cabriolet bereits in meiner DKW-Galerie vertreten ist.

„Na gut, ein letztes Bild noch“ – das mag auch die leicht genervt dreinschauende junge Dame gesagt haben, nachdem sie ihr fotobegeisterter Partner so lange bearbeitet hat, bis sie weich wurde. „Mitzie, ein Bild habe ich noch auf dem Film, und Du weißt doch, wie gern ich Dich zusammen mit unserem DKW sehe.“

Vermutlich hatte er die Kamera zuvor auf einem Stativ vor dem Wagen montiert, dabei aber irrtümlich den Selbstauslöser bereits ausgelöst. Während er noch auf sie einredet, erkennt sie die ausweglose Lage und macht die beste ihr gerade noch mögliche Miene:

Wir nehmen nach diesem letzten Foto Abschied vom DKW Typ P 15 PS – aber natürlich nur so lange, bis wieder eine Aufnahme dieses Typs auftaucht, die so sehenswert ist, dass man dafür alle Prinzipien über den Haufen wirft…

Michael Schlenger, 2022. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

Ein Gedanke zu „Na gut – ein letztes Bild noch… DKW Typ P 15 PS

  1. Den DKW P als Urtyp der Spandauer Heckantriebswagen wie auch der vierrädrigen Erscheinung der Marke DKW an sich müßte ich eigentlich schon vor über 30 Jahren bemerkt haben; angesichts der tollen Eleganz, die diese, wie aber auch manche Konkurrenz 10 Jahre später auf die Räder stellte, verblaßte der P in meinen Augen völlig. Dank Ihrer Arbeit hat sich mein Blick darauf stark gewandelt, denn ein schönes, aber auch bezahlbares und vielleicht auch familientaugliches Auto zu erbauen, war 1938 wie auch 1958 erheblich leichter als 1928. Zwischen Hochinflation und Depression bot das Jahr 1928 wohl die Blüte des Schaffens wie auch den Gipfel der Technologie dieser Dekade … hehre Worte, aber dank Ihres Blogs, in dem Sie nahezu täglich diese Epoche dem Vergessen entreißen, werfe ich einen Blick auf die obigen Bilder, sehe die Stilelemente an Kotflügeln und Kühlergrill am IM-46489, vergleiche mit IS-35737 aus Ihrer früheren Präsentation und lasse parallel den BMW 3/15 und den Hanomag 3/16 PS … brrr, halt ! Schon zu schnell gedacht, denn die gab es noch nicht – wie auch keinen Ford Köln oder Hansa 400. An einen Pontiac 6-28 oder NAG-Protos 204 zu denken … aber deren Kaufpreise waren weit über dem, was ein potentieller DKW-Kunde zur Verfügung hatte, und so blieben da eher ein Brennabor Z oder Tatra T12 – aber um nicht über Platzbedarf und Geldbeutel zu spekulieren, könnte schon ein Vergleich der Kühlergrills wie auch der seitlichen Linienführung von der Motorhaube über die doppelreihigen Luftschlitze bis zu den umlaufenden Sicken auf den Kotflügeln die Entscheidung zwischen dem Brandenburger IE-27500 und dem Spandauer IM-46489 bringen. Oder diese Entscheidung wurde spontan umgeworfen, als dem vor 94 Jahren Grübelnden ein 4 Jahre alter Presto D 9/30 PS mit 12V-Zündung angeboten wurde, der dann doch Platz für eine 7-köpfige Familie bot. Und ob Benz oder Brennabor, ob Hansa oder Hanomag … hier gibt es immer was Tolles zu lesen, zu betrachten und manchmal auch mit zu erforschen !

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