Wenn doch noch Sommer wär‘! Ein Citroen B14

Wenn doch noch Sommer wär‘!“ So könnte ich den ganzen Winter über lamentieren.

Dass es kühl geworden ist, stört mich nicht so sehr, auch wenn von weit jüngeren „Schneeflöckchen“ schon eifrig Winterjacken und -mützen getragen werden, obwohl es doch noch gar nicht frostig ist – vielleicht ist es wieder Mode, sich „empfindsam“ zu geben.

Nein, was mir zu schaffen macht, ist der Mangel an Licht, die Wärme der Sonne auf der Haut – mir kann es überhaupt nicht heiß genug sein. Auch bei über 30 Grad im Schatten widme ich mich lustvoll der Gartenarbeit oder steige aufs Rennrad – im Süden völlig normal.

Doch heute beklage ich etwas anderes, nämlich dass nicht mehr der Sommer 1932 ist, aus dem dieses schöne Dokument stammt:

Citroen B14 Limousine; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Entstanden ist die Aufnahme in Wardböhmen – einer hübschen kleinen Ortschaft in der Lüneburger Heide in der Nähe von Celle.

Als Bewohner der hessischen Wetterau, die zwar an den reichen „Speckgürtel“ von Frankfurt/Main grenzt, aber ein verstörendes Bild vielfach heruntergekommener und vulgär „modernisierter“ Bauerndörfer bietet, tröstet es mich, dass die großen Höfe im Lüneburgischen auch heute noch meist gepflegt und behutsam saniert sind.

Ohne es genau überprüft zu haben, gehe ich davon aus, dass das Gasthaus Heidehof, das einst den Hintergrund für dieses Foto lieferte, auch im 21. Jahrhundert noch seinen ganzen Reiz entfaltet – nur das Auto davor wird man vergeblich suchen:

Citroen B14 Limousine; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Die Limousine ist anhand der Kühlerform leicht als Citroen der späten 1920er Jahre zu erkennen, wobei die Größe des Wagens auf das Modell B14 hindeutet, das 1926 auf den Markt kam und ein Jahr später auch im Citroen-Werk in Köln-Poll gebaut wurde.

So einen kölschen Citroen dürften wir auf diesem Foto sehen – der Wagen mit seinem genügsamen und zuverlässigen 1,6 Liter-Motor war keine Seltenheit in deutschen Landen.

Auch in der unteren Mittelklasse – nicht nur im von US-Anbietern dominierten gehobenen Segment – nahm die ausländische Konkurrenz den heimischen Herstellern Geschäft ab.

Wichtig war dabei der Nachweis eines möglichst hohen Anteils inländischer Wertschöpfung, weniger aus Patriotismus, denn aus schlichter volkswirtschaftlicher Ratio – denn angesichts der Lasten des Versailler „Vertrags“ galt es den Abfluss wertvoller Devisen zu begrenzen.

Die in Köln gebauten Citroens erfüllten diese Anforderungen durchaus und konnten vom „achtsamen“ deutschen Käufer guten Gewissens erworben werden.

Von daher wären die Besitzer dieses B14 sicher gern bereit gewesen, uns etwas über ihren Wagen zu erzählen. Interessiert hätte mich vor allem eines: Warum hat dieses Exemplar Luftschlitze, die sich über die gesamte Motorhaube erstrecken?

Alle meine bisherigen Aufnahmen von Citroens dieses Typs zeichnen sich nämlich dadurch aus, dass sie nur in der hinteren Hälfte Luftschlitze aufweisen – wie hier:

Citroen B14 Limousine; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Meine Vermutung ist die, dass diese Gestaltungsdetails baujahrsabhängig waren. Ich konnte dazu aber keine Erläuterungen finden.

Weiß es jemand genau?

Oder muss ich mir wünschen, dass doch noch Sommer wär‘ – in diesem Fall der des Jahres 1932 – denn dann könnte ich ja die Besitzer selbst befragen…

Michael Schlenger, 2022. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

7 Gedanken zu „Wenn doch noch Sommer wär‘! Ein Citroen B14

  1. Ja, ich meinte das über den
    B 14 gelesen zu haben: “ System Dewandre“, war mir aber aus dem Gedächtnis nicht ganz sicher und habe lieber weggelassen….

  2. Ich denke, neben der Anzahl der Luftschlitze in der Haube wäre es interessant zu erwähnen, daß diese Autos damals bereits über eine Saugluft- unterstützte Fuß- bremse verfügten. Zu diesem Schluß kam ich bei der Verfolgung einer ominösen Leitung, die zwischen Vergaser und Motorblock abzweigt.
    Hatte man in deutschen Autobauer- Kreisen davon schon was gehört?
    Dies Auto hat ein Sammler- Freund hier bei Dresden. Es wurde lt. Händler- Plakette von Auto- Harlan in Dresden verkauft … und fuhr nach dem Krieg genau ein Mal, anlässlich einer Hochzeit!
    Das zur Vertiefung unseres Modell- Wissens…

  3. Bei dem oberen Bild von 1932 handelt es sich um die modellgepflegte Variante B14G, während der im Gebirge aufgenommene Wagen die erste Version „B14F“ zeigen dürfte. Dieser hat auch noch die ursprüngliche kantige Ganzstahlkarosserie, die mit dem B10 eingeführt wurde. Der obere Wagen hat schon abgerundetere Ecken, um der Mode im Autobau zu entsprechen und moderner auszusehen. Diese Karosseriefirm wurde dann auch beim C4/C6 weiter verwendet und immer wieder geringfügig modifiziert.

  4. Das schöne Buch von Mikloweit hilft in diesem Fall leider auch nicht weiter…

  5. Um es exakt zu machen, bräuchte man wohl „Citroën – Die ersten deutschen Jahre“ von Immo Mikloweit … ich versuche es trotzdem mal ohne dieses Buch : Zunächst ist zur Unterscheidung vom B12 wie auch vom C4/C6 auf den Kühlergrill zu achten, denn die kleine Spitze in der Kühlermaske unterhalb des Doppelwinkel-Emblems gibt es hier noch nicht. Ab 1928 finden sich die Luftschlitze in gesamter Breite der Motorhaubenseiten zumindest bei den geschlossenen Aufbauten, so wie hier bei der Limousine mit je 3 Seitenfenstern, während 1927 die Luftschlitze bei den offenen Roadster und Torpedokarosserien nur in halber Breite, zur A-Säule hin platziert sind. Beim Faux-Cabriolet von 1928 sind die Luftschlitze aber wie bei den Limousinen in ganzer Breite ausgeführt :

    https://www.flickr.com/photos/pontfire/albums/72157624167051846/with/5732376183/

    … und mehr Licht und Sonne für das ganze Jahr wäre auch mir sehr angenehm ! Es ist jetzt halb 7 früh, und dann wäre es schon hell – so aber ist es kalt und finster.

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