Nur noch wenige Tage, dann ist Mai – und der ersehnte Frühling hat sich endlich eingestellt.
Ich weiß nicht, wer auf die Idee gekommen ist, in Deutschland schon im März das Ende des Winters auszurufen. Nach meiner langjährigen Wahrnehmung gibt es im März vielleicht eine schöne Woche, die einen voreilig auf die Ankunft des Frühlings hoffen lässt.
Nachdem man den Winter wie in einem Film-Noir zugebracht hat (auf der Leinwand durchaus willkommen), registrieren die monatelang arbeitslosen Farbsensoren dankbar jede kleine Blüte.
Aber die Euphorie wird mit (un)schöner Regelmäßigkeit wieder gedämpft, denn der Frühling mit seiner Explosion von Farben hält dann doch erst einige Wochen später Einzug.
In meiner Heimatregion – der hessischen Wetterau – sprießt und leuchtet es nun seit einigen Tagen, frisches Blattwerk entfaltet sich freudig, die Apfelbäume blühen üppig. Die Tulpen und der Flieder sind zwar schon „durch“, doch dafür erfreut zartblaues Vergißmeinnnicht überall das empfängliche Herz.
Noch ein, zwei Wochen milde Temperaturen und auch die Rosen mit ihrem bereits kräftigen Blattwerk beginnen die Augen aufzutun.
Es ist wie ein neues Leben, das auch in einem selbst frische Energien weckt. Die kann ich in meinem aktuellen Gartenprojekt gut gebrauchen: eine Korkenzieher-Haselnuss hat über 50 Jahre einen baumdicken Stamm entwickelt, wirkt aber zuletzt kränklich und muss der jüngeren Generation weichen – so will es es nicht nur das Gesetz des Gärtners.
Gut, dass ich nicht ahnte, worauf ich mich einließ – das Teil mit seinem tiefreichenden Wurzelwerk musste letztlich ganz ausgegraben werden, damit am selben Ort etwas Neues gedeihen kann. Von der Axt bis zur Kettensäge wird alles aufgeboten, über den Winter ermattete Muskelkraft will reaktiviert, die Beweglichkeit wiederhergestellt werden.
Wenn man dann abends jeden Strang im Leib spürt und die Hände rauh vom Arbeitseinsatz sind, dann weiß man: Der Frühling ist da, frisch ans Werk!
Mit solchem neuen Schwung geht es direkt hinein in den Bilderfundus – aber ach: Das ist ja wieder alles „nur“ in Schwarz-Weiß…

Natürlich ist das ein Luxusproblem, wenn man es mit so einem schönen Foto einer großen Sechszylinder-Limousine zu tun hat und sich allenfalls über die Absenz von Farbe beschweren kann.
Die Aufnahme hat mir Leser Klaas Dierks in digitaler Form zur Verfügung gestellt und dank meiner inzwischen immer mehr zur Referenz werdenen Bildergalerien hatte er auch bereits herausgefunden, was er da für einen Fang gemacht hatte.
„Presto“ steht vorne auf dem Kühlergrill und auch das Kühleremblem passt perfekt zu dieser deutschen Traditionsmarke aus Chemnitz (Sachsen). Nach dem enorm erfolgreichen Typ Vierzylindertyp D bzw. E versuchte man Ende 1926 mit einem modernen Sechsyzlindermodell erneut aufzutrumpfen.
Doch inzwischen begannen preisgünstigere, moderner anmutende und besser ausgestattete Importwagen aus den Vereinigten Staaten dieses Segment des deutschen Markts zu erobern – einheimische Hersteller zogen hier durchweg den kürzeren.
Wirtschaftlich war der neue Sechszylindertyp F 10/50 bzw. G 12/55 PS offenbar ein Fiasko und Konkurrent NAG übernahm Presto Ende 1927.
So sehen wir auf dem Foto von Klaas Dierks das letzte Presto-Modell überhaupt.
Doch anstatt deswegen in Sack und Asche zu gehen, nehmen wir den Frühlingsanfang zum Anlass, dem Foto mit frischer Farbe zu dem neuen Leben zu verhelfen, das es verdient:

Das von mir verwendete KI-Werkzeug hat meine Vorgaben auf Anhieb in allen Details umgesetzt – diese Anwendungen werden in rasantem Tempo immer besser.
Leider findet dieser Fortschritt in Deutschland nicht statt, das nicht nur in Sachen IT so rückständig ist wie einst auf dem Autosektor in den 1920er Jahren.
Immerhin bekam man damals noch einigermaßen die Kurve, auch wenn es bis in die 60er Jahre dauern sollte, bis das Auto auch in deutschen Landen die wahrhaft demokratische Errungenschaft geworden war, die ich so daran schätze.
Ob heute hierzulande nochmals ein solches „Wirtschaftswunder“ möglich ist, das bezweifle ich. Was im Unterschied zu damals fehlt sind: höchste Bildungsstandards, unbedingter Aufstiegswille, ausgeprägter Wettbewerbsgeist, lustvolle Erwerbsorientierung – und das Ganze im weitgefassten Rahmen eines auf’s Notwendige beschränkten Staatswesens.
Immerhin können wir uns den Glanz von anno dazumal heute so auf den Bildschirm zaubern als seien wir dabeigewesen, wenigstens das stimmt doch frühlingshaft…
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Während man den Presto D 9/30 anhand seiner prägnanten Spitzkühlereinfassung gut erkennen kann, präsentiert sich der Presto F zwar ganz typisch für sein Baujahr, ist aber so auch sehr ähnlich zu einigen Amerikanerwagen vor 99 Jahren. Sehr ansprechend gelungen ist auch hier wieder Ihre Colorierung, die dieser Szene den perfekten Glanz verleiht !