Selbst die vielen deutschen Leicht-Automobile der frühen 1920er Jahre waren nichts für den sprichwörtlichen „kleinen Mann“. Für den Durchschnittsbürger standen Kauf und Unterhalt jedes Autos (und meist auch Motorrads) damals völlig außer Betracht.
Es war wohl der deutsche Hang zu unfundiertem Heroismus – ein irrationaler Zug, der schon im Idealismus des 19. Jh. Ausdruck fand und bis heute fortlebt – dass zahllose Kleinsthersteller versuchten, was nüchternes ökonomisches Kalkül von vornherein verbot.
Im schlimmeren Fall bastelten handwerklich Begabte in Hinterhofwerkstätten das x-te „echte Volksautomobil“, ohne überhaupt logistisch wie finanztechnisch zu einer rationalen Fertigung imstande zu sein.
Egal, man probierte es wieder und wieder und wieder. Immerhin verbrannte man kein Volksvermögen dabei wie beim modernen Versuch, den Energiebedarf eines in scharfem Wettbewerb stehenden Industriestandorts mit zufällig anfallendem Strom zu konkurrenzfähigen Preisen decken zu wollen.
(Das Ergebnis dieses grotesken Großexperiments kann jeder auf seiner Stromrechnung und in den von zehntausenden Windrädern geschändeten Landschaften besichtigen.)
Im besseren Fall verlegte sich nach dem 1. Weltkrieg ein gut verdienender Industriekonzern darauf, nebenher ebenfalls in die Autoproduktion einzusteigen – man hatte die technische Kompetenz, die Fabrikationsmöglichkeiten und den Ehrgeiz, neue Wege zu gehen.
Ein Beispiel dafür war der Mannesmann-Konzern, der bis Ende der 1920er Jahre PKW der unteren Hubraumklasse baute. Viel scheint darüber nicht bekannt zu sein, ein durchschlagender Erfolg blieb auch hier aus – kein Wunder, wenn es keinen Markt gibt.
Das hätten die feinen Herren bei Mannesmann eigentich auch wissen können, aber ab einer gewissen Größe beginnen Konzerne oft ein Eigenleben zu entwickeln, was sich in Quersubventionierung nicht-profitabler Geschäftsbereiche äußert.
Vielleicht war es im Fall von Mannesmann ählich wie bei Dürkopp und der Chef vom Janzen hatte Spaß an der eigenen Automarke, Man verdiente ja an anderer Stelle gut genug, um sich damit nicht die GuV zu ruinieren.
Solchen Verhältnissen verdanken wir technisch und formal durchaus konkurrenzfähige Gefährte wie diesen Mannesmann des Typs WII mit 20 PS-Vierzylindemotor:

Diese Aufnahme, die mir Leser Matthias Schmidt digital übermittelte, zeigt ein weiteres Beispiel der kleinen Mannesmänner vor Einführung von Vorderradbremsen um 1925.
Dass auch der WII 5/20 PS dennoch nichts für den kleinen Mann war – außer für Buben in Matrosenanzügen – gibt uns der großgewachsene Herr neben dem Auto zu verstehen.
Sein Blick geht heroisch in die Ferne – so inszenierte man sich damals, wenn man Wert darauf legte, als wichtig und der Zukunft zugewandt wahrgenommen zu werden.
Die herrische Attitüde passte mir wunderbar ins Konzept – selten musste ich so wenig (eigentlich überhaupt nicht) über einen passenden Titel nachdenken.
Wen Sie nun den Eindruck haben, dass ich es mir diesmal ja ziemlich einfach mache, haben Sie recht. Zu diesen netten und je nach Aufbau sogar sportlich wirkenden Kleinwagen aus dem Hause Mannesmann will mir heute nicht viel mehr einfallen.
Aber eines habe ich noch in petto – und das ersetzt aus meiner Sicht jede öde Aufzählung marken- und modelltypischer Merkmale (das Mannesmann-Emblem kennen Sie ja inzwischen sicher, falls nicht, finden Sie es in meiner Markengalerie):

Das sieht doch gleich viel freundlicher aus und bringt uns die Altvorderen so nah, wie das vor der Verfügbarkeit KI-basierter Software kaum möglich war.
Diese Technologie ist heute auch für den kleinen Mann zugänglich. Man kann daraus – wie im Fall des Autos für jedermann – ersehen, welche phänomenalen Fortschritte der menschliche Erfindungsgeist gemacht hat.
Jetzt müsste sich dieses Können nur noch auch in anderen Feldern manifestieren, in denen seit eh und je von oben herab über den kleinen Mann (m/w/d) bestimmt wird, als sei er willenlose Verfügungsmasse. Naja, vielleicht ist er das leider auch zu oft: willenlos…
Copyright: Michael Schlenger, 2026. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.