Der heutige Blog-Eintrag ist von meiner Außendusche inspiriert, die ich nach der abendlichen Radrunde gern in Anspruch nehme.
Ganz freizügig machte ich auch heute davon Gebrauch. Man muss das verstehen: Nach einer Stunde schweißtreibender Fortbewegung mit Muskelkraft stellt sich bei hochsommerlichen Temperaturen der Wunsch nach spontaner Abkühlung ein.
Für das Innere gibt es erst einen eiskalten Mix aus Kefir und Apfelsaft – das habe ich dieses Jahr für mich entdeckt. Doch das stellt die Heizung im Leib ja noch nicht ab. Und drinnen im Bad ist’s bei über 30 Grad zu kuschelig.
Es hilft nur eins: Die improvisierte Außendusche in Form der langen Brause am Gartenschlauch! Vorrang haben zwar die Oleander und andere Kübelpflanzen, doch dann ist der Blogwart und Gärtner an der Reihe.
Herrlich, wie der kühle Schwall über die Arme läuft und wie Schweißperlen glitzernden Wassertropfen weichen. Die Radmontur bleibt an bei der Sache, nasse Kleidung am Leib kann nicht nur einen speziellen Reiz haben, sie kühlt auch dauerhafter.
Nach dem ersten Genuss des Nass sind wieder die Pflanzen dran – Rosen und Rhododendren, Hortensien und Azaleen sind besonders durstig. Da verharrt man besonders lang und sinnt geduldig dem Bild und Klang der fallenden Tropfen nach.
Mir kam dabei heute eine lateinische Inschrift auf einem Brunnen in einer Villa in Rom in den Sinn, die ich vor über 35 Jahren entdeckt und nie vergessen hatte:
„Murmure suo fons canit vitae laudem“ – sehr frei übersetzt: „Im Rauschen des Wassers hören wir ein Loblied auf das Leben.„
Genauso empfinde ich es, wenn ich das üppige Nass herabfallen und in der Sonne aufleuchten sehe. Treffen einen die Tropfen selbst, fühlt man sich erfüllt und erquickt vom Grundelement des Lebens.
Dieser universelllen Faszination verdanken wir unter anderem zahllose Autofotos, die einst an einem speziellen Ort in Thüringen entstanden. Eines davon zeige ich heute:

Kenner erkennen ihn natürlich – den Trusetaler Wasserfall, obwohl er keineswegs natürlich ist. Er ist ein künstliches Spektakel, das im 19. Jh. mit Blick auf den Tourismus in der Region ersonnen und von Bergarbeitern realisiert wurde.
Das über Felsen prächtig herabfallende Wasser kann man freilich nur aus einer gewissen Distanz genießen – die in Aussicht gestellte Außendusche ist also hier nur visuell verfügbar.
Doch das genügte den meisten Besuchern, wenngleich man sich dem Schauspiel auch auf einem Treppenweg im Fels annnähern kann.
Diesen Herrschaften (m/w/d usw.) dürfte ein kurzer Fotohalt genügt haben – danach ging es weiter mit der großen Limousine. Die Herren sehen mir jedenfalls nicht so aus, als seien sie ein wenig Kletterei entlang des Wasserfalls körperlich gewachsen.
Die jungen Damen hingegen hatten ihre Figur offenbar besser im Griff, sie wirken geradezu sportlich und zudem unternehmungslustiger:

Leider ist zusammen mit diesem Foto nichts weiter überliefert, sodass wir nicht wissen, was das für Leute waren, die sich einst vom Profifotografen aufnehmen ließen, der am Trusetaler Wasserfall sein Auskommen fand.
Immerhin gelang es mir, das Auto zu identifizieren, was nicht ganz einfach war. Aufwendig gestaltete Details wie die geschwungene Doppelstoßstange am Heck deuteten zwar von Anfang an auf ein US-Fabikat hin.
Doch erst das schemenaft zu erkennende Schild mit der Aufschrift „Buick“ am Ersatzradhalter – dort wo der Herr ganz links seine Hand hängen lässt – brachte mich weiter.
Das Modelljahr 1930 war dann anhand weiterer Details identifiziert, mit denen ich Sie und mich nicht langweilen will.
Der 1930er Buick war wie seine Vorgänger eine kalte Dusche für die deutschen Autobauer, die in der Mittel- und Oberklasse nach wie nur in Manufaktur produzierten.
Da kamen diese „Cowboys“ tatsächlich mit einem relativ preisgünstigen 6-Zylinderwagen (mit im Kopf hängenden Ventilen, ohv) daher, der schon in der Basisversion 80 PS leistete. Wer sich für die stärkere Motorisierung entschied, bekam 100 Pferde geliefert.
Das war eigentlich das Terrain deutscher Luxuswagenbauer – speziell Horch – nur weniger opulent in Erscheinungsbild und Ausstattung, dafür viel erschwinglicher für die dünne Käuferschicht, die in Deutschland damals Geld für einen repräsentativen Wagen hatte.
Wer mit solch einem Gefährt den Trusetaler Wasserfall aufsuchen konnte, war gewiss auf keine Außendusche irgendwo im Grünen angewiesen. Der verfügte über ein solides Badezimmer daheim in einer hübschen Villa mit Garten – vielleicht auf Wunsch schon mit Dusche…
Copyright: Michael Schlenger, 2026. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.