Das Bedürfnis im Mittelpunkt zu stehen, das beherrscht von jeher viele, die sich zu Höherem berufen fühlen. Auf dem ersehnten Posten angelangt zeigt sich dann recht schnell, ob einer wirklich das Zeug dafür mitbringt, ob er Widerstand und Kritik sportlich nimmt und sich erkennbar leidenschaftlich seiner Aufgabe hingibt.
Wer diesbzüglich seine Grenzen kennt, ist indessen gut beraten, das Scheinwerferlicht zu meiden und sich mit einer Existenz am Rande des Geschehens zu begnügen. Das muss kein unwürdiger Zustand sein, wie heute noch zu sehen sein wird.
Indessen gibt es auch Zeitgenossen, die selbst noch als Randfigur Spott auf sich ziehen, doch auch das gilt es mit Würde zu tragen – wie uns dieses Bild vor Augen führt:

An sich ein hübsches Foto, nicht? Ich muss allerdings gestehen, dass ich erwogen hatte, den Herrn am linken Rand unauffällig aus dem Verkehr zu ziehen.
Zu unvorteilhaft die Montur mit Knickerbockern (so hoffe ich…) und dem absurd breit erscheinenden Mantel. Merke: Zweireiher können sich figurtechnisch nicht alle leisten.
Aber herrje, der stämmige Herr gehört nun einmal als Randfigur ebenso dazu wie die beiden winterlich-sportlich gekleideten Damen und er dürfte auch der Besitzer des ansehnlichen Buick gewesen sein, der hier der eigentlich Star ist.
Die deutsche Zulassung (Saarland) muss uns nicht überraschen – die Buicks von Ende der 20er/Anfang der 30er Jahre fanden auch hierzulande solvente Käufer.
Im vorliegenden Fall lässt sich das Modelljahr 1930 anhand der Gestaltung der Kühleroberseite genau bestimmen. Zwar findet sich die dreigeteilte Stoßstange nach meiner Wahrnehmung häufiger an 1929er Modellen – es gibt allerdings auch Fahrzeuge dieses Typs ganz ohne Stoßstange, daher ist das nicht überzubewerten.
Für den Preis eines Buicks gab es am deutschen Markt nichts Vergleichbares – schon die kurze Ausführung, die wir hier wahrscheinlich sehen, besaß einen 80 PS leistenden Reihensechszylinder moderner Bauart (mit im Zylinderkopf hängenden Ventilen).
Bei den längeren Ausführungen wurde ein technisch ähnliches 100 PS-Aggregat verbaut.
Es liegt auf der Hand, dass ein solches Fahrzeug mit reichlich Kraftreserven für Touren in bergigem Terrain am vergleichsweise winzigen deutschen Automarkt damals nur eine Randfigur darstellte. Selbst während des großen Booms der US-Importe in der 2. Hälfte der 1920er Jahre waren Exemplare mit solchen Leistungen die Ausnahme.
Doch gerade deshalb und weil Sie so ein Gerät heute auf „Oldtimer“-Treffen in Deutschland selten bis nie antreffen werden, ist es umso reizvoller, sich mit dieser Randfigur zu befassen.
Naja, das haben wir ja jetzt getan und wer meine Fotogalerien kennt, der weiß, dass dort weitere vergleichbare Exemplare aus dem Hause Buick versammelt sind.
Gewiss, aber es hat schon einen besonderen Grund, warum ich heute so am Beispiel des 1930er Buick auf dem Thema „Randfigur“ herumreite und diesem noch einen besonderen Reiz zuschreibe.
Vom eingangs gezeigten Buick mit Zulassung im Saarland gibt es nämlich eine weitere Aufnahme und die macht deutlich, wie großartig und würdevoll eine Randfigur wirken kann, wenn sie wirklich Format hat und das Umfeld geradezu ideal ist – aber sehen Sie selbst:

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