Aus dem Nebel der Geschichte… DKW F1

Geschichte ist seit der Neuzeit leider mit reichlich Pulverdampf verbunden – man fragt sich, wie es die „Eliten“ eigentlich schaffen, die brave Bevölkerung regelmäßig dazu zu bringen, ihren bürgerlichen Alltag sein zu lassen und gewaltsam auf die Nachbarn loszugehen.

Uralte Herdenmechanismen müssen da wirksam sein – anders ist diese selbstzerstörerische „Logik“ von Befehl & Gehorsam kaum zu erklären, die am Ende nur Verlierer kennt.

Dagegen hilft nur eine weitgehende Wehrunfähigkeit der Masse dank einer tiefverwurzelten Mentalität mangelnden Heroismus. Das ist heute in Deutschland zu konstatieren und kein Nachbar muss sich mehr vor dem fatalen „furor teutonicus“ fürchten. Umgekehrt gibt es hier längst nichts mehr zu holen, worauf irgendein „Schurkenstaat“ noch scharf sein könnte.

Dumm nur, wenn die Herrschenden meinen, man müsse wieder eine militärische Größe werden – darauf haben unsere leidgeprüften Nachbarn gerade noch gewartet. Aber ich bin unbesorgt – es findet sich kein Personal mehr für die Bedienung des teuren Kriegsgeräts.

Zyniker sind ohnehin der Ansicht, es gehe auch nur um die Beschaffung desselben…

Was könnte man aber mit dem ganzen Geld für schöne Sachen machen – etwa Denkmäler für kluge Herrscher wie Kaiser Hadrian errichten, denen das Wohl der Untertanen und die wirksame Begrenzung der eigenen imperialen Ambitionen am Herzen lagen.

Doch meist kommen nur Orte der Verehrung fragwürdiger „Heroen“ heraus wie dieses hier:

DKW F1 Cabrio-Limousine am „Deutschen Eck“ in Koblenz (Deutschland); Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Fast jeder hierzulande dürfte dieses Monument zumindest von Abbildungen kennen – es ist das Denkmal für den deutschen Kaiser Wilhelm I., der die Einigung Deutschlands nach den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71 vollendet hatte.

In diesen Gemetzeln ging es erst seitens Preußen und Österreich gegen Dänemark, dann seitens Preußen gegen Österreich und dessen deutsche Verbündete (kein Witz) und zuletzt seitens Preußens (mit den süddeutschen Staaten) gegen Frankreich.

Dass daraus später nichts Gutes gedeihen konnte, liegt auf der Hand – ohne die Rolle der 1914 nicht weniger kriegsbesessenen Opponenten in Ost und West mindern zu wollen.

Wäre stattdessen die deutsche Kleinstaaterei erhalten geblieben, in der fast alle deutschen Größen der Geisteswissenschaft und der Kunst gediehen, wäre uns und der Welt sicher eine Menge erspart geblieben – und die zumindest äußerlich märchenhaft anmutende Wunderwelt von einst wäre noch weitgehend intakt.

Wie auch immer – es kam anders und kurz vor 1900 wurde am „Deutschen Eck“ das protzige Reiterstandbild von Wilhelm I. – der nie an irgendeiner Schlacht auch nur von ferne teilgenommen hatte – fertiggestellt.

In den 1930er Jahren entstand dann dort das oben gezeigte Foto. Der Kaiser kann uns dabei gestohlen bleiben – er wurde passenderweise 1945 von versierten US-Artilleristen vom Sockel geholt, später aber wieder installiert.

Vielmehr interessieren uns die vor dem düsteren Denkmal abgestellten Automobile:

Ganz rechts sehen wir eine große Adler-Limousine von ca. 1930, in der Mitte dann das Heck eines Opel ab Mitte der 30er, das den „terminus post quem“ liefert, also den ältesten möglichen Entstehungszeitpunkt der Aufnahme.

Mir gefällt aber am besten die nette kleine Cabrio-Limousine ganz links. Ich dachte anfänglich, es handele sich um einen Hanomag 3/16 PS, doch ich hatte nicht richtig hingeschaut – sollte ich mal wieder ausschlafen?

You can sleep when you’re dead“ steht auf einer Kaffeetasse in meiner Werkstatt und bisher halte ich mich konsequent an diesen Rat.

So konnte mich auch nichts davon abhalten, heute nacht diesem Foto doch noch etwas mehr abzuringen als den Nebel der Geschichte, der sich meist aus Pulverdampf speiste.

Dazu nahm ich die Dienste meiner bevorzugten KI in Anspruch, an die ich auch sonst viele lästige Aufgaben delegiere, die mich Zeit kosten würden, welche ich nicht habe.

Wie ein in meinem Sinne agierender Diener lieferte sie mir nach kurzer Anweisung das hier:

DKW F1 Cabrio-Limousine am „Deutschen Eck“ in Koblenz (Deutschland); KI-optimiertes Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Ich wüsste keine andere Methode, mit der ich binnen kürzester Zeit aus dem Nebel der Zeiten, der dieses alte Foto erfüllt, ein so klares Bild für die Gegenwart gewinnen könnte.

Unmittelbar wurde mir dabei klar, dass dieser Wagen kein Hanomag sein konnte, sondern ein DKW F1 – der erste Fronttriebler der sächsischen Marke von 1931/32.

Zum Vergleich hier eine Originalaufnahme aus den Niederlanden, die genau so einen DKW zeigt, bloß ohne Wimpel, mit holländischer Zulassung und uns freundlich gesinnter Insassin:

DKW F1 Cabrio-Limousine; Originalfoto via Henk Schuuring (Niederlande)

So erbaulich bereits dieser Originalabzug ist, reizt es mich am Ende, auch ihn noch ein wenig vom Nebel der Geschichte zu befreien.

Lohnt es sich, bei solchen historischen Dokumenten eine moderne Interpretation zu wagen und auch die Maßstäbe unserer Zeit anzulegen?

Ich meine: solange wir das Original in seiner über Jahrzehnte überlieferten und oft stark beeinträchtigten Form unverfälscht vorführen – so wie wir ja auch keinen Hehl aus den Verirrungen der Historie machen sollten – solange können wir auch versuchen, das Beste daraus zu machen und uns gemeinsam daran zu erfreuen anstatt uns zu bekriegen.

Das Resultat sieht im vorliegenden Fall des DKW aus Holland dann so aus:

DKW F1 Cabrio-Limousine; Originalfoto via Henk Schuuring (Niederlande); KI-basierte Restaurierung: Michael Schlenger

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4 Gedanken zu „Aus dem Nebel der Geschichte… DKW F1

  1. Die Reklame bzw. Benennungen zum F1 kenne ich nicht, aber 1934 wurde diese Karosserieform als „Front-Roadster Cabrio“ und weiter „mit 2 sehr geräumigen Sitzen und 2 Gastsitzen“ bezeichnet. Auch 1934 zog sich der dann gebogene Holzrahmen um die Tür, sodaß wie hier beim F1 bei offener oder ausgehängter Tür eine Verbindung zwischen A-Säule und B-Säule vorhanden wäre. Die starre Verbindung von A-, B- und C-Säule ist als Cabriolimousine geläufig – und wäre so auch bei einer längeren Ausführung mit 4 Türen und je 3 Seitenfenstern, also mit A-, B-, C- und D-Säule üblich. Warum also nicht auch die kürzere Version mit nur A- und B-Säule ebenso bezeichnen ? Denn ein Roadster ist das so gerade nicht ..

  2. Besten Dank, bin mir auch unausgeschlafen der Problematik der Bezeichnung bewusst. Eine klassische Cabriolimousine ist das nicht, da nur zweisitzig, aber ein Cabriolet ist das auch nicht, da feststehender Rahmen der Seitenfenster. Analog zur 3-sitzigen Cabriolimousinen des DKW Typ P 15 PS habe ich daher dennoch die Bezeichnung Cabriolimousine gewählt. Was wäre denn Ihr Vorschlag? Ich lerne gern dazu und würde diesen Aufbau deshalb „korrekt“ bezeichnen, wenn das möglich ist.

  3. Ja, ausgeschlafen schreibt sich’s besser und mitunter lebt man auch länger…
    Man merkt es nur meist nicht, was man falsch gemacht hat, denn: man stirbt nur einmal.
    Mal wieder ein “ kleiner DKW“ – wie schön!
    Er wurde damals zunächst FA 600 genannt, war seinen Konkurenten dank F-A- ntrieb und drehfreudigem 600er Zweitakter mit Wasserkühlung haushoch überlegen und war mit dem längeren Radstand von 2,4 m (gegenüber zuerst 2,1m) auch Gepäck- oder schwieger- muttertauglich .
    Aber eine Cabrio- Limousine sollte er nicht sein – die war dann viersitzig und deutlich zu schwer für die 15 PS des Nasenkolben- 600ers. Und die ersten Limousienen, die man von Ambi Budd aus Blech liefern ließ, drönten dazu noch – im Gegensatz zur gut dämpfenden Holzbauweise. Die Bezeichnung „Kabrio“ erübrigte sich, da es bis dato nur offene FAs gab.
    Als F1 wurde der FA erst nachträglich geführt, als der neue Typ F 2 dann eine Unterscheidung notwendig machte.

  4. „Schurkenstaat“ – solch ein Begriff liefert genau den Nährboden für Krieg und Völkermord. Denn selbst wenn im Kreml 90% und in der Knesseth 60% Mörder und Verbrecher sitzen – die meisten Menschen in diesen Ländern sind keine Schurken, sondern ebenso Opfer wie die auf den jeweils „gegnerischen“ Seiten. Ein ganzes Land, ein ganzes Volk für kollektiv schuldig zu erklären ist nicht nur absurd, sondern bosartig.
    Aber beschäftigen wir uns lieber mit den Fahrzeugen und ihren Abbildungen : Beim DKW F1 mit der netten Holländerin bezog sich Ihr Prompt wohl ganz auf die bildliche Optimierung; bei der Szene am Deutschen Eck überlege ich aber, ob nur eine Beschreibung als „zweisitzige Cabriolimousine mit Manometer auf dem Kühlerdeckel“ ohne Nennung eines bestimmten Modells auch schon hinreichend wäre, um dieses Resultat zu erzielen ? Denn wenn dies auch ohne Erwähnung der richtigen oder zumindest möglichen Marke wie DKW oder Hanomag zum Ziel führt ..

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