Mehr Wäsche wagen mit Willi: Peugeot 177

Vermutlich kennen nur noch einige Insassen der guten alten Tante BRD den Slogan „Mehr Demokratie wagen“, mit dem Willi Brandt für die einstige Volkspartei SPD in den Wahlkampf zog. Leider ist daraus nichts geworden, jedenfalls vermisse ich bis heute Volksabstimmungen in elementaren Fragen, die uns alle existenziell betreffen.

Der Zug ist längst abgefahren und über die großen Dinge wird ohnehin längst von außerirdischer Intelligenz im Raumschiff Brüssel befunden. Doch „Mehr Wäsche wagen“, zumindest das ist noch dem Einzelnen erlaubt, wiewohl auch das auf dem Papier gründlich reguliert wird, wenn es ums Automobil geht.

Was nun genau die Autowäsche im eigenen Hof mit biologisch einwandfreiem Shampoo im 21. Jh. so gefährlich macht, dass sie mancherorts verboten ist, erschließt sich mir zwar nicht. Aber heute belassen wir es ohnehin nur beim virtuellen Waschgang.

Die Notwendigkeit dafür mag sich zwar nicht jedem unmittelbar erschließen, der diesen Tourenwagen der 1920er Jahre zu Gesicht bekommt – aber warten Sie’s ab:

Peugeot 177 Tourenwagen; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Das ist doch ein ganz hübsches Gefährt, wenn auch wenig charakteristisch. Jedenfalls haben wir hier keinen typischen Kleinwagen wie das Opel 4 PS-Modell vor uns, an das man mit Blick auf die Scheibenräder und die Kühlerpartie zunächst denken mag.

Man muss schon einiges gesehen haben und auch über den teutonischen Tellerrand hinausschauen, um dieses Auto identifizieren zu können. Vor allem ein Detail gibt dabei einen Hinweis – das leicht nach vorne abfallende Oberteil des Kühlers.

Ja, das sieht man aber kaum, mögen Sie jetzt einwenden. Genau, und unter anderem deshalb tut hier eine gründliche Wäsche not, die wir mit dem gehörigen Respekt nach 100 Jahren wagen wollen.

Noch vor kurzem wäre das ein zeitraubender Vorgang gewesen – doch inzwischen gibt es eine automatische Waschanlage namens KI, die im Idealfall blitzsaubere Resultate ermöglicht, sofern man das richtige Programm wählt.

Nicht jedes alte Automodell ist indessen so gut dafür geeignet wie dieses – man kennt das von der echten Waschanlage, die sich mit bestimmten Karosserieformen schwertut und im schlimmsten Fall schon einmal ein Detail ruiniert.

Doch bei Wilhelm Secklers Auto – der Name ist auf dem Orignalfoto überliefert – können wir es wagen. Hier das Ergebnis von wenigen Minuten Arbeit:

Peugeot 177 Tourenwagen; KI-Optimierung: Michael Schlenger

An dieser Version ist alles besser: sauberer, klarer, plastischer. Nur das unscharf im Hintergrund abgebildete Huhn ist dem Reinigungskommando der KI zum Opfer gefallen – das ist schade, denn auch solche Spuren vergangenen Lebens gehören dazu.

Mit dem Auto bin ich jedoch zufrieden – jetzt ist die Kühlerpartie deutlich vom Hintergrund abgesetzt und der „Michelin“-Schriftzug auf den Reifen tritt unübersehbar hervor.

Dieser war es auch, der mich noch vor der „Wagenwäsche“ ein französisches Fabrikat in Erwägung ziehen ließ. Letzlich kam von den am deutschen Markt aktiven Herstellern aus unserem linksrheinischen Nachbarland nur Peugeot in Betracht.

Weit mehr Zeit in Anspruch als die Wagenwäsche nahm die Identifikation des wahrscheinlichsten Typs. Das Angebot von Peugeot umfasste in der Zwischenkriegszeit alle Größenklassen und die einzelnen Modelle unterlagen stetigen Weiterentwicklungen im Detail, was mit einer Fülle von Typenbezeichnungen einherging.

Ich habe mich im Fall von Willis Wagen für den Typ 177 der unteren Mittelklasse entschieden. Er besaß einen 1,5-Liter-Motor, der knapp 30 PS leistete, und wurde in über 30.000 Exemplaren gebaut.

Die Angaben im Netz unterscheiden sich sowohl, was den Beginn der Bauzeit angeht als auch die genaue Stückzahl, weshalb ich es hier bei „um 1925“ belassen will. Einen guten Überblick liefert das deutsche Vorkriegs-Peugeot-Register, in dem ich Mitglied bin.

Entscheidend ist, dass wir hier wieder einen der nach Deutschland importierten Peugeots identifizieren konnten, von denen einige in meiner Markengalerie versammelt sind.

Nichts Spektakuläres also, aber auch nichts ganz Alltägliches – diese äußerlich unauffälligen Franzosen fanden sich einst ebenfalls auf deutschen Straßen und ich finde, dass sie es nach so langer Zeit durchaus verdient haben, wieder im alten Glanz zu erscheinen…

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