Schwer zu (über)treffen: Steyr Typ V 12/40 PS

Heute kann ich Ihnen auf den ersten Blick nur wenig Neues bieten – meine Leser werden ja von jeher verwöhnt, was österreichische Vorkriegswagen betrifft.

Das hat seinen Grund, denn sie waren einst auch in Deutschland recht verbreitet, wie die vielen Fotos zeigen, die ich über die Jahre von Wagen der Firmen Austro-Daimler, Gräf & Stift und vor allem Steyr quasi nebenher eingesammelt habe.

In natura dagegen sind speziell die markanten und gut motorisierten Steyr-Autos des Typs V, um den es diesmal (wieder) geht, heute kaum anzutreffen. Dabei waren die recht modernen Sechszylinderautos der Marke in den 1920er Jahren schwer zu übertreffen.

Ihre über obenliegende Nockenwelle gesteuerten 3,3 Liter-Motoren schufen zusammen mit großzügig bemessenen Benzintanks plus ggf. Reservetanks ab 1920 (Typ II) die Basis für hervorragende Reisewagen. Nur auf die bei französischen Oberklassemarken damals bereits gängigen Vorderradbremsen mussten Käufer verzichten.

Was dessen ungeachtet einst im Alpenraum als leistungsfähig galt, war erst recht im deutschen Mittelgebirge schwer zu übertreffen:

Steyr Typ V 12/40 PS; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Bei diesem in Schlesien zugelassenen Exemplar (Kennzeichenkürzel „IK“) mit dem weniger weit vorkragenden Spitzkühler handelte es sich wohl um einen Typ V von 1924/25. Im Fall des sehr ähnlichen Vorgängers II mit identischer Motorisierung befand sich die Kühlerspitze wesentlich weiter vorne.

Das Foto ist zwar gelungen komponiert, aber die technische Qualität lässt zu wünschen übrig – sei es aufgrund der Eigenschaften des damals verwendeten Objektivs, sei es aufgrund des Alters des Abzugs.

An mangelndem Licht dürfte es nicht gelegen haben – das Foto scheint an einem sonnigen Tag um die Mittagszeit entstanden zu sein.

Da stellt sich doch die Frage, ob man die Wirkung des Steyr auf dieser alten Aufnahme nicht mit etwas KI-Hexerei übertreffen kann. Tatsächlich erwies sich das als gar nicht so einfach.

Zwar konnte ich die gewünschte Farbgebung realisieren, die sich an einem unrestaurierten Original des Steyr II orientiert. Doch schwer zu treffen war die „Zielscheibe“ auf der Kühlerspitze mit einem Teil des Steyr-Schriftzugs. So ganz getroffen hat dieses Detail meine Überarbeitung nicht, wie auch die Gestaltung der Radnabe etwas unpräzise ist:

Steyr Typ V 12/40 PS; KI-basierte Kolorierung: Michael Schlenger

Doch mit dem Gesamtergebnis bin ich durchaus zufrieden – nicht weil es in allen Details gelungen wäre, sondern weil es Fragen aufwirft, die nur Steyr-Experten zu beantworten vermögen.

Dazu gehört beispielsweise die Gestaltung der Scheinwerfer. Waren sie komplett vernickelt – Chrom war um 1925 noch nicht etabliert, Messing aber passé – oder war das Gehäuse schwarz lackiert und nur der vordere Lampenring glänzend?

Mit dem entsprechenden Wissen ausgestattet ließe sich bei Gelegenheit eine Kolorierung kreieren, welche die heutige übertrifft, auf jeden Fall aber den Steyr Typ V 12/40 PS besser trifft, was seine Erscheinung vor rund 100 Jahren betrifft…

So lange ist das her? Unglaublich, dabei scheinen uns zumindest die Insassen viel näher – ein Effekt, der nur mit Kolorierung und Akzentuierung der Gesichtszüge erreichbar ist. Ja, die KI dichtet da mitunter etwas dazu, aber auch diese Ergebnisse werden immer besser.

In einem Punkt dürfte Einigkeit bestehen: Eine historisch informierte Kolorierung trifft die Originalsituation meist besser als die schwarz-weiße Abstrakton der Wirklichkeit. Bloß übertreffen wird sie diese nicht, denn sie ist unwiederbringlich verloren und diese Fotos von einst sind bloß eine entfernte Erinnerung daran…

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5 Gedanken zu „Schwer zu (über)treffen: Steyr Typ V 12/40 PS“

  1. Danke, Claus. In der Tat hatte ich die KI beauftragt, den unteren Teil des Wagens eher schmutzig wiederzugeben. Im Fall der Reifen und der Schwellerpartie hat das ganz gut geklappt. Prinzipiell kann man auch Staub und Schmutz auf der Karosserie „bestellen“ – ebenso könnte ich einen Link zu Deiner trefflichen Website auf dem Kühler anbringen lassen. Aber: Wenn die Vorlage keine klaren Hinweise enthält, halte ich mich bei solchen Anpassungen zurück. Natürlich ist Dein Einwand berechtigt, aber ich will einen Anknüpfungspunkt auf dem Original haben und den sehe ich hier nicht. Liegt auch an der bescheidenen Qualität des Abzugs. Aber der nächste Blogeintrag wird sich (unter anderem) genau dieser Sache annehmen…

  2. Besten Dank – in der Tat wird es beides gegeben haben. Im Zweifelsfall im Zubehörhandel.

  3. Moin Herr Schlenger, der auf der Burg Strechau ausgestellte Steyr Typ V hat lackierte Scheinwerfergehäuse wie auch im Buch „Das Steyr Baby und seine Verwandten“ von Karl-Heinz Rauscher und Franz Knogler auf Seite 84 auf einem historischen Bild zu sehen.
    Jedoch im Buch „Die Steyrer Automobilgeschichte“ von Hubert Schier sind auf Seite 62 Bilder sowohl lackiert als auch vernickelt zu sehen. Es hat den Anschein das die schickeren Wagen vernickelte und die einfacheren Modelle lackierte Scheinwerfergehäuse ab Werk hatten. Sonnige Grüße aus Hamburg, Carsten Duckstein

  4. Hallo Michael, die KI gestützte Colorierung der Photos finde ich gut. Im vorliegenden Fall ist auch das Emblem ausreichend gut herüber gekommen. Meine Kritik geht in eine andere Richtung. Die KI zeigt (fast immer) extrem saubere Fahrzeuge, als wäre der STEYR direkt aus einer Waschanlage gekommen, die es damals noch nicht gab… vor allem bei einer Fahrt über nicht befestigte Strassen im Gebirge kaum vorstellbar…. kann die KI auch Dreck? Mit dieser unanständigen Frage endet mein Kommentar. Beste Grüße Claus

  5. Aus fotografischer Sicht finde ich das KI-Resultat bestens gelungen; das „halbe“ Emblem auf dem Spitzkühler entspricht dem im Originalbild und wirkt in der Scharfzeichnung auch stimmig zur vernickelten Kühlergrilleinfassung. Ein deutlicheres Nabenemblem wäre zwar automobilhistorisch wünschenswert, aber unglaubhaft in der gestalterischen Wirkung, da die schwarzen Radspeichen im Farbbild zwar etwas präziser, aber eben nicht so auffallend betont wirken, wie es bei einem rot lackierten und direkt angestrahlten Speichenrad der Fall wäre. Von daher sticht hier nichts überbetont hervor, sodaß das KI-Ergebnis genau so optimal wirkt !

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