Ich weiß nicht, ob es an der herrlichen Oktobersonne liegt, die ich heute während der Mittagspause am Ortsrand inmitten von Feldern und Wiesen genoss, oder an einer generellen Gestimmtheit, die ich mir seit einiger Zeit zueigen zu machen versuche.
Jedenfalls bin ich heute geneigt, auch Dinge leicht und heiter zu nehmen, an denen man eigentlich verzweifeln könnte. Doch hat es keinen Sinn, sich an unabänderlichem Geschehen von gestern abzuarbeiten – weder im eigenen Dasein noch im großen Ganzen.
So finde ich mich an diesem Abend zu Scherzen aufgelegt, die mit der angeblich einzigartigen deutschen Wertarbeit wie dem angeblich unprovozierten teutonischen Wehrwillen ihr Spiel treiben.
Als langjähriger Besitzer und Nutzer englischer, französischer und italienischer Fahrzeuge aus den letzten 100 Jahren kann ich nicht erkennen, was deutsche Fabrikate so besonders machen sollte, was Konstruktion oder Verarbeitung angeht.
Ebenso fremd wie der Mythos deutscher „Wertarbeit“ ist mir die Vorstellung einer besonderen Bedrohung der Deutschen durch allerlei Nachbarn, die eine über robuste Grenzsicherung hinausgehende „Wehrarbeit“ erfordern würde.
Umso befremdlicher, dass man dann ab Mitte der 1930er Jahre ausgerechnet für eine auf Angriff getrimmte Truppe den Begriff „Wehrmacht“ erfand – das kam ja geradezu einer Verspottung der europäischen Nationen gleich, die man ab 1938 damit überfiel – also fast alle außer den bis an die Zähne bewaffneten Schweizern, den Schweden und Finnen.
Immerhin hat während des 2. Weltkriegs eine spezielle Kombination aus deutscher „Wertarbeit“ und „Wehrarbeit“ das folgende Foto ermöglicht:

Die hier abgebildeten deutschen Soldaten der sogenannten Wehrmacht waren in vermutlich südlichen Gefilden unterwegs. Darauf deutet jedenfalls die Vegetation hin.
In Frage kommen dafür „dank“ der weiten Auslegung des Wehrgedankens etliche Länder wie Frankreich, der Balkan, Griechenland und zuletzt auch Italien. Sicher habe ich etwas vergessen, aber das ist ja schon fast egal angesichts der bizarren Expansion deutscher „Wehr“aktivitäten.
Erfreulicher ist da schon das auf diesem Foto ebenfalls dokumentierte Produkt deutscher „Wertarbeit“. Denn das abgebildete Cabriolet basierte zwar auf einem amerikanischen Achtzylinderwagen – dem 1936er Buick mit wahlweise gut 90 oder 120 PS.
Doch der rückwärtige Aufbau spricht eindeutig „Deutsch“:

Sehen Sie die breite, nach hinten abfallende Zierleiste an der Flanke hinter der Tür? Dieser „Kometenschweif“ war ein typisches Gestaltungselement deutscher Karosseriebauer in den 1930er Jahren.
Am Werkscabrio von Buick findet man dergleichen nicht, weshalb wir davon ausgehen dürfen, dass hier ein Importwagen erst im Inland seinen endgültigen Aufbau erhalten hatte. An sich keine Seltenheit, doch an einem US-Wagen ist mir dieses spezielle Detail noch nicht begegnet – wenn ich mich nicht irre.
Der prächtige 1936er Buick mit seinem bärenstarken 8-Zylindermotor war natürlich kein gängiger „Wehrmachts“wagen – er war eines von unzähligen für das Militär beschlagnahmten deutschen Privatautos, welche ihre Besitzer nie wiedersahen.
Wo dieses Produkt deutscher „We(h)rtarbeit“ sein Ende fand, ist wie praktisch immer in solchen Fällen ungewiss. Dieses Foto dürfte jedenfalls das letzte Lebenszeichen des 1936er Buick Cabriolet sein – eine Erinnerung daran, was aus vollmundiger deutscher „Wehr- und Werte“-Propaganda in der Vergangenheit geworden ist.
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