Heute mache ich es Ihnen und mir leicht – anhand eines nur vordergründig schweren Falls.
Das Fahrzeug, um das es geht, ist uns schon einige Male begegnet und trotz wiederholter Gelegenheiten ist es mir nicht gelungen, diesem merkwürdigen Gerät etwas Positives abzugewinnen:

Nun könnte man einwenden, dass das doch nur eine ungünstige Perspektive sei, aus der dieser DKW mit dem skurrilen Beinamen „Schwebeklasse“ einst abgelichtet wurde.
Doch warten Sie’s ab – es kommt noch schlimmer, wenn man das Teil von vorn betrachtet – da helfen auch die prestigeträchtigen vier Ringe der einstigen „Auto-Union“ nichts:

Als Beitrag zum Thema „frühe Pontonkarosserie“ könnte man den ab 1934 gebauten DKW mit eigenwilligem 4-Zylindermotor und und für die Marke noch ungewöhnlicheren Heckantrieb vielleicht gelten lassen.
Das ändert nichts daran, dass ich das Ding in jeder Hinsicht verunglückt finde – optisch, antriebsseitig und was die gesamte Konstruktion betrifft.
Das Aussehen haben wir bereits abgehakt, daher kurz zur Motorisierung: Mit abenteuerlichem Aufwand hatte DKW bereits 1930 einen monströs aufwendigen 4-Zylinder-Zweitakter eingeführt, dem die Eigenschaften eines 8-Zylinder angedichtet wurden.
Die Beschreibung der endlosen Malaisen dieser Fehlkonstruktion – ein Beispiel für das berüchtigte „German Over-Engineering“ – zieht sich im DKW-Standardwerk von Thomas Erdmann über viele Seiten.
Dass man hartnäckig über Jahre an dem vermeintlichen Geniestreich festhielt, illustriert ebenfalls eine ausgeprägte deutsche Sackgassen-Begabung.
Über kontrafaktische Begabung verfügten auch die Werbeleute von DKW, die sich erkühnten, dem mit Querblattfedern vorne und hinten versehenen Wagen die Bezeichnung „Schwebeklasse“ anzuheften.
Vielleicht hatten sie ja etwas wie die hier über den schnöden Dingen schwebende Dame vor Augen, als sie sich zu dieser Idee verstiegen:

Das Abwegigste an dieser Konstruktion war mir aber bislang noch gar nicht aufgefallen.
Denn die Entwickler der Schwebeklasse hatten es irgendwie fertiggebracht, das Wagengewicht auf knapp über 1 Tonne zu hieven.
Das war nicht nur deshalb bemerkenswert, weil andere deutsche Wagen der 1 Liter-Klasse wie der Adler Trumpf Junior oder der Ford Eifel damals viel weniger wogen – Standard in dieser Kategorie war rund 700-800 KIlogramm.
Man staunt auch über das Gewicht des DKW wenn man erfährt, dass er keinen konventionellen Stahl-Leiterrahmen besaß, sondern nur eine Holzkonstruktion, an welche Achsen und Antrieb montiert wurden.
Irgendwo musste das Extra-Gewicht des DKW versteckt gewesen sein, aber wo? Das folgende Foto passt perfekt zu dieser Fragestellung, gibt aber nur bedingt Aufschluss:

Immerhin macht es uns diese Aufnahme leicht: Denn trotz des Aufgebots an Personal erkennt man den DKW sehr gut dank der wie eingedrückt wirkenden Kühlerpartie und den grob ausgeführten horizontalen Luftauslässen in der Haube.
Was hier auffällt, ist die Länge des Wagens, der mit anfänglich 26 PS zwischen Kleinwagen und unterer Mittelklasse angesiedelt war.
Das dürfte beim heute vorgestellten „schweren Fall“ ebenso ins Gewicht gefallen sein wie der bizarre Extraufwand für einen an sich simplen Zweitaktmotor, der hier neben vier Zylindern zwei weitere besaß, die als Ladepumpen fungierten.
Vermutlich dürfte auch der Holzeinsatz üppig gewesen sein, um dem Wagen Stabilität zu verleihen – am Ende verjuxte man so sämtliche Teile einer alternativen Konstruktion: Der Zweitakter war nicht mehr einfach und das rahmenlose Chassis nicht mehr leicht.
Man hätte es sich auch leicht machen können wie die Konkurrenz von Hanomag im Fall des „Rekord“. Bei ähnlichen Abmessungen und vergleichbarem Preis bekam man dort einen größeren 1,5 Liter-Motor mit weniger Verbrauch und weniger Problemen.
Aber herrje, warum einfach, wenn man es auch unnötig kompliziert machen kann.
Die „Schwebeklasse“ von DKW bleibt für mich ein schwerer Fall – gerade weil sie nichts von dem besitzt, was die so erfolgreichen Fronttriebler der Marke auszeichnete: Einfachheit, Eleganz und enorme Haltbarkeit.
Doch auch das gehört zur Automobilgeschichte, wenngleich ich mich strikt weigere, mir die „Schwebeklasse“ aus dem Hause DKW schönzusehen…
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