Tag der offenen Tür: Horch 853 Sport-Cabriolet

Heute zeige ich einen Bilderreigen eines der wohl ikonischsten Vorkriegswagen überhaupt. Warum heute? Zum einen, weil ich erst im letzten Blog-Eintrag ein Foto davon eingeflochten habe, das Appetit auf mehr macht. Zum anderen, weil das Leben zu kurz ist, um die schönsten Dinge ewig aufzuschieben.

Gut vorbereitet soll die Sache aber schon sein, wenn sie bleibenden Eindruck hinterlassen und dem Gegenstand gerecht werden soll. Stellen Sie sich einfach vor, Sie seien Mitte der 1930er Jahre zu einem Tag der offenen Tür bei Horch in Zwickau eingeladen.

Auf dem Weg dorthin haben Sie in der Goethe-Stadt Weimar übernachtet und nehmen dort zur Erinnerung eine Ansichtskarte mit. Unten rechts bemerken Sie darauf natürlich sofort einen Horch 853 in der Ausführung als Sport-Cabriolet:

Ansichtskarte aus Weimar (Ausschnitt); Original aus Sammlung Michael Schlenger

„Das fängt ja gut an“, werden Sie denken. „Soviel Glück kann kaum anhalten“, wurden doch vom Horch 853 zwischen 1935 und 1937 keine 700 Exemplare gebaut.

Halten Sie sich fest, Ihre Glückssträhne setzt sich fort!

Denn unterwegs nach Zwickau überholen Sie einen Wagen desselben Typs. Dessen Fahrerin traut sich offenbar nicht, die 100 PS voll auszuschöpfen und Sie ziehen mit Ihrem fabrikneuen Fiat 1500 (soviel Spaß muss sein) lässig grinsend vorbei:

Horch 853 Sport-Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Erst nach der Entwicklung der Aufnahme stellen Sie mit Schrecken fest, dass die Fahrertür des Horch nicht ganz geschlossen war – das hätte leicht danebengehen können.

So nähern wir uns aber zumindest dem Thema „Tag der offenen Tür“ ein wenig.

In Zwickau, wo sich die Zentrale der Auto-Union befindet, zu der neben Horch auch die sächsischen Marken Audi, DKW und Wanderer gehören, gehen Ihnen dann die Augen über.

Denn schon auf dem Besucherparkplatz bietet sich Ihnen dieser Anblick:

Horch 853 Sport-Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

„Ist ja nicht auszuhalten, dieser Tag der offenen Tür“, denken Sie. „Und schon wieder: Frau am Steuer. Immerhin steht der Wagen diesmal.“

Bei der Gelegenheit eine Frage an die Horch-Kenner: Was ist von den Scheibenrädern dieses Typs 853 zu halten? Waren diese optional neben den serienmäßigen Drahtspeichenrädern erhältlich oder weisen sie auf eine bestimmte Evolutionsstufe des Modells hin (bitte Kommentarfunktion nutzen)?

Im Horch-Werk angelangt, erwartet Sie anlässlich des Tages der offenen Tür ein etwas überraschender Fachvortrag: „Das Elektroauto – alter Hut oder Vision für das 21. Jh.?“

Sie denken sich – „Elektroautos sind doch kaum noch verkäuflich, seitdem es die günstigeren und reichweitenstärkeren Verbrenner gibt. Das kauft keiner freiwillig, der darauf angewiesen ist – es sei denn, man legt ihm ein paar tausend Reichsmark aus Steuergeldern drauf – aber so etwas Unsoziales wird doch keiner machen.“

Sie schnappen nach Luft und suchen das Weite. „Bloß raus hier, so habe ich mir den Tag der offenen Tür in Zwickau nicht vorgestellt.“

An der nächsten Tankstelle bunkern Sie noch einmal Kraftstoff – in wenigen Minuten ist genug Benzin für 500 km Fahrtstrecke aufgenommen. Selbst beim extrem durstigen Horch 853 würde eine Tankfüllung für fast 450 km reichen – das nur nebenbei.

Unterwegs stellt sich dann bald tiefe Zufriedenheit ein. Sie fahren von der Landstraße ab, um etwas abseits eine Pause einzulegen. Just in dem Moment rollt ein weiteres Exemplar des Horch 853 Sport-Cabriolet vorbei – jetzt mit einem Fahrer:

Horch 853 Sport-Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Matthias Schmidt (Dresden)

„So muss ein klassischer Wagen aussehen“, denken Sie vielleicht. Lange Haube, ein 5-Liter großer Reihenachtzylinder darunter und ein luxuriös ausgestatteter Innenraum hinter der gepfeilten Frontscheibe. Und so eine Zweifarblackierung steht doch jedem Auto gut.

Das Thema der offenen Tür hat Sie unterdessen noch nicht losgelassen. „Das schüchterne Mädel am Lenkrad dieses Riesenwagens auf dem Parkplatz, das hatte etwas. Schade, dass sie nicht allein unterwegs war, ein paar Details hätten mich schon interessiert.“

Interessante Details gibt es allerdings auch außerhalb eines Horch 853 Sport-Cabriolet zu erkunden, wenn man in einem solchen unterwegs ist. So könnten Sie auf dem weiteren Weg diesem offenbar einfarbig lackierten Exemplar begegnen:

Horch 853 Sport-Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Matthias Schmidt (Dresden)

Hier sieht man übrigens neben dem sinnlich gestalteten Wagenkörper die mächtigen Scheinwerfer, deren Gehäuse vollverchromt sind – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem ab 1938 gebauten Nachfolger 853A.

Während Sie ziellos über Land fahren – Reichweitenangst kennt man nicht bei einem Benziner – widerfährt Ihnen ein Zufall, der dem Thema „Tag der offenen Tür“ doch noch zu einem glücklichen Abschluss verhilft.

Unterwegs begegnen Sie nämlich diesem Wagen mit Hamburger Zulassung:

Horch 853 Sport-Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Dem einen oder anderen Leser wird dieses Exemplar eines Horch 853 bekannt vorkommen – ich hatte es anlässlich eines Blog-Eintrags zum Steyr 530 Cabriolet schon einmal gestreift.

Diesmal steht das Traumstück ganz im Vordergrund – was soll man sagen? Nie wieder danach sind solche Kunstwerke auf vier Rädern in deutschen Landen entstanden. Der 2. Weltkrieg sollte sich auch in dieser Hinsicht als ultimativer Kulturbruch erweisen.

Doch haben Sie etwas auf obigem Foto bemerkt? Der Horch aus Hamburg lädt mit offener Tür zur eingehenden Besichtigung ein. Diese Gelegenheit lässt man sich nicht entgehen.

Die Insassen des begleitenden Steyr 530 werden wegkomplimentiert „Fahrt schon einmal vor, wir holen Euch dann auf der Autobahn ein und in Hamburg kommen wir als Erste an“.

Steyr 530 und Horch 853 Sport-Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Sodann geht es mit dem Horch 853 Sport-Cabriolet und der Blondine zum exklusiven Besichtigungstermin nebst Picknick irgendwo ins Gelände.

Das ist zumindest etwas, was manchen Herren in der Leserschaft rein theoretisch hätte durch den Kopf gehen können, wären sie damals auf Reisen gewesen.

Dabei hätte sich dann – rein theoretisch – die Gelegenheit ergeben, einen besonderen Tag der offenen Tür mit einem Horch 853 Sport-Cabriolet zu genießen, etwa hier im Grünen:

Horch 853 Sport-Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Keine Sorge, der Wagen war robust genug, um auch längere Zeit mit offener Tür herumzustehen, während seine Insassen vielleicht anderweitig beschäftigt waren.

Wo dieser Horch 853 aus Hamburg einst unterwegs war, was seine Insassen abseits der Chaussee trieben und was aus ihnen geworden ist, dass wissen die Götter.

Doch dass dieser Tag der offenen Tür mit einem Horch 853 Sport-Cabriolet göttlich gewesen sein muss, das dürfen wir Nachgeborenen wohl annehmen…

© Michael Schlenger, 2021. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

2 Gedanken zu „Tag der offenen Tür: Horch 853 Sport-Cabriolet

  1. Nachtrag zum dreamcar: ad 1 kleine Berichtigung:
    AUTO-UNION-„Zentrale“
    war nie Zwickau !
    Die Gründung des dann faktischen Staats-konzerns AU – AG erfolgte auf Betreiben und unter Druck des
    Hauptkreditgebers Sächsische Staatbank als Ergebnis und zur wirt-schaftlichen Stabilisier- ung (faktischen Rettung) der sächsischen Auto- mobilindustrie . Neben der katastrophalen Situation durch die Folgen der sog. Weltwirt- schaftskrise war die, aus heutiger Sicht geradezu willentlich ruinöse Modellpolitik der Werke!
    HORCH: LUXUSKLASSE und Super- Luxusklasse
    (1932: 12- Zyl.- Wagen!)
    AUDI: bereits 1929 Ende der Eigenständig nach Übernahme der Aktien- mehrheit durch den DKW Gründer J.S. Ras- mussen, der zur Rettung des Luxus- Segments neben der z.B. in Dänemark gut einge- führten Nutzfahrzeug- Sparte (Ende der 20er war in DK der Ruf:“der AUDI ist da!“ Synonym für die Ankunft des Überlandbusses. Sie beherrschten damals offenbar, mit dänischen Aufbauten, das ÖFV-Verkehrsgeschehen) von seiner 1. Amerikareise die billig zu habenden Fertigungs- Anlagen des billig zu produzieren 6 u.
    8- Zyl. Motors des Pleite gegangenen Wk I- Fiegerasses Eddi Ricken- baker mit, ließ damit die neuen Typen „Dresden“ 6 Zyl. Und „Zwickau“ ausreichend motorisie- ren und propagierte sie auch als Bootsaggregat
    (wohl in Luxusjachten?).
    Nach „unten abrunden“ sollte die AUDI- Palette der Typ P, ein leicht aufgewerteter DKW 4=8
    (Ja, das „Holz- Auto“ – selbsttragende Holz – Karosse!) mit dem im französischen Besancon eingekauften 30 PS- Motor von den Peugeot-freres. Ja – der Erzfeind mußte damals helfen, AUDI rüber zu retten !
    Kein Wunder, das die Premium- Leute in Ingolstadt nicht gerne an die Jahre unter dem billigen Jakob (nee – J. steht für das dänische
    Joergen – Skafte Rasmussen) denken, der den Namen herüber- rettete bis zur Fremd-beatmung mit dem vom alten Porsche als sein Erstlingswerk in der Selbstständigkeit für die Wanderer- Werke in Schönau bei Chemnitz gezeichneten 6- Zyl. Leichtmetall- Motor. 7- Fach gelagerte KW- nasse Laufbuchsen – der mit 35 PS (im Wanderer W35) rauskam und im W 25 K(ompressor) schließlich auf (proble- matische) 80 PS aufgepustet wurde.
    Im neuen AUDI Front UW wurde er von hinten
    an den Frontantriebs-block gesteckt. So gings
    dann die ersten 5 AU- Jahre mehr schlecht als recht bis der AUDI dann 1938 wiedermal gerettet wurde durch den Typ 920, der eigentlich ein Wanderer W23 mit einem Horch- Motor war.
    Aber zurück zur „Zentrale“:
    Folgerichtigerweise wurde DKW (der billige J.
    – wir erinnern uns) mit seiner Massenproduk- tion von Zweirädern aus Blech – Motor, wie wir wissen, aus 3 ( beweg- lichen) Teilen – zur „aufnehmenden Gesell- schaft“ der neuen
    AUTO-UNION AG in Sachsen wurde und sein- en Firmensitz im erz- gebirgischen Seitental bei Zschopau als AU – Zentrale hergeben mußte, was natürlich keine Dauerlösung sein konnte !
    So kam es zum Ankauf der ehemaligen Presto- Werke in Chemnitz mit
    ihrem in besseren Tagen
    ganz modern gebauten
    Hauptgebäude, welches umgebaut und 1936 die neue, repräsentative Hauptverwaltung bildete, aufgewertet noch durch das zentrale Konstrutionsbüro.
    So kennen wir die alte Vorkriegs – AU !
    Und so war das mit der Zentrale!
    Horch hatte eine Geschäftführung mit Sitz in Berlin ( wo der dicke Hauptaktionär Strauss saß) und der Gemischt-warenladen Wanderer
    produzierte alles, was man Hochwertiges aus Stahl herstellen konnte: Fahr- und Motorräder, Schreib- und Büromaschinen, Werkzeugmaschinen in
    München und eben Autos in Sachsen.
    Die Motorradproduktion
    ging damals an Janischek in Böhmen ( Ja- Wa) und die Auto- Sparte mit der Mitgift des neuen „Porsche“- Motors ging in der AU auf, das Schönauer Liegenschaft wurde gepachtet.
    ad 2 :
    Zur „offenen Tür“:
    Die Türen der HORCH- Cabrios wogen geschätzte 100 Kilo das Stück und fielen beim Parken mit leichter Schlagseite (kommt daher Wagen-„schlag“?)
    oder am Berg in ihren einzeln abzuschmieren- den Scharnierbändern beim öffnen mit mehr weniger Schmackes auf,
    waren daher auch fast durchweg hinten angeschlagen, um ein Öffnen am Berg mit Schwerkraft- servo zu
    ermöglichen. Man stelle sich die schlanke Fessel des des “ Mädels“ zwischen Türkante und Trittbrett vor: das macht richtig aua !
    Es war also nicht sinn- voll, seine Kräfte beim Kurzparken im Kampf mit dem bergwärts zu schließenden Schlag zu
    strapazieren – zumal als “ Mädel“ !
    Man vertraute auf die unverbrüchliche Haltekraft des “ Türfang- bandes“ .
    So war das damals – so kann der detektivische
    Blick angereichert mit etwas Fachwissen und
    Schulphysik manches
    herleiten!
    So viel für heute …

  2. Ja. der 853er ! Der klassischste aller Klassiker deutscher Provinienz …
    Man traut ja der Dame hinter der „angelehnten Tür“ die Oberarme zu, ihn sicher zu steuern !
    Das „Mädel“ im 853 mit den merkwürdigen Stahlscheibenrädern scheint mir – damaligen
    Gepflogenheiten gemäß – eher posiert zu haben.
    Der weit geöffnete Wagenschlag und der ostentativ zupackende Griff ans Volant des stehenden Wagens legen dies nahe. Vielleicht war sie ja auch im Begriff vor
    dem Zurücksetzen des Wagens nochmal die nähere Umgebung zu er- kunden – sicherheits- halber !
    Denn der Blick nach hinten über dies Gebirge aus Stoff, Leder, Stahl und Holz, ja – Holz! muß für unsere junge Dame als Fahr- Anfängerin doch ernüchternd bis beängstigend gewesen sein. Da war auch der Sehschlitz nach hinten bei geschlossenen Verdeck nicht hilfreich, zeigte er doch beim reversieren in schneller Abfolge einen mikro- skopisch kleinen Ausschnitt der Welt, den – schon unterwegs – zeitnah einzuordnen und zur Orientierung zu nutzen mit der Zuord- nung unsortierter puzzle- Steine zu vergleichen war.
    Ein Wort noch zu den auffällig unauffälligen Felgen: Gerade dem sparsamen und sauber- heitsbewussten Aufsteiger in den Horch- Himmel dürfte die preiswerte und pflegeleichte Option entgegengekommen sein. Ich habe selbst auch noch keinen damit ausgerüsteten 853er gesehen – als Sonderwunsch sicher kein Problem.
    Ja, ja – die reichen Leute hatten auch damals nicht immer leicht !
    Welche Erholung muß da doch eine zügig Fahrt im kleinen DKW ( Front Luxus F5 mit der hinreißenden offenen Horch- Karosserie und seiner Nachfolger F7 und F 8) gewesen ,der fast wie von selbst um die Kurven gezogen wurde mit dem unvergleichlichen Vorteil des Frontantriebes.

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