Den gab’s nur als Zweisitzer: Fafnir Typ 266

Sonderlich inspiriert ist der Titel meines heutigen Blogeintrags nicht – auch der Sprachwitz muss mal Urlaub machen. Aber wie immer entspricht er der Wahrheit, und heute ganz besonders.

Auch wenn der Aufmacher etwas müde daherkommt, lohnt es sich, wach zu bleiben.

Zum einen ist es immer etwas Außergewöhnliches, wenn ich ein Originalfoto eines Wagens des Aachener Herstellers Fafnir präsentieren kann. Ab 1908 fanden diese einige Verbreitung, doch heute sind nur noch einige wenige Exemplare erhalten.

Zum anderen haben wir heute den Fall, dass die Identifikation des Typs ungewöhnlich leichtfällt. Da Fafnir-Wagen stets in mehreren Motorisierungen angeboten wurden, lässt sich bestenfalls anhand des unterschiedlichen Radstands vermuten, womit genau man es zu tun hat.

Es gibt allerdings eine Ausnahme und die findet sich in der Fotosammlung von Matthias Schmidt (Dresden):

Fafnir Typ 266 von ca. 1913; Originalfoto aus Sammlung Matthias Schmidt (Dresden)

Den Hersteller hatte Matthias Schmidt bereits selbst anhand von anderen Abbildungen zutreffend bestimmt.

Den entscheidenden Hinweis gibt dabei die Gestaltung der oberen Kühlerpartie.

Doch auch auf den ersten Blick weniger charakteristische Details wie die Drahtspeichenräder, die leicht ansteigende Haube mit dem noch steileren „Windlauf“ vor der Frontscheibe passen zu Fafnir-Wagen von 1912 und 1914.

In dieser Zeit bot Fafnir seine äußerlich ähnlich daherkommenden, bloß unterschiedlich dimensionierten Wagen mit Vierzylindermotoren an, deren Leistung von 16 PS bis 35 PS reichten.

Die Radstände reichten dabei von 2,40 Metern bis 3,40 Metern. Auch wenn wir nicht genau sagen können, wie groß die beiden Männer in dem Fafnir auf dem Foto von Matthias Schmidt waren, wirkt der Wagen eher klein.

Einen Radstand von 3 Metern und mehr wie bei den Varianten mit 25 bzw. 35 PS darf man wohl ausschließen. Mein Favorit war von vornherein das kompakte 6/16-Modell, für das sich in der Literatur zwei Angaben zum Radstand finden: 2,70 Meter und 2,40 Meter.

Wie ich vom stets auskunftsfreudigen Fafnir-Experten Hubertus Hansmann aus Aachen weiß, wurden auf dem längeren der beiden Chassis die üblichen Tourenwagenaufbauten montiert. Dieser Wagen wurde als Fafnir Typ 466 vermarktet.

Der kürzere Radstand war einem sonst bei keinem anderen Fafnir-Typ verfügbaren Zweisitzer vorbehalten – dem Typ 266 mit identischer Motorisierung 6/16 PS.

Damit dürfte klar sein, womit wir es bei dem zweisitzigen Fafnir auf obigem Foto zu tun haben. Dieses ist übrigens von alter Hand auf 1915 datiert – und auf der Vorderseite ist außerdem vermerkt: „Wie ich zuerst aus Cöln fuhr“.

Diese Aussage wird im Zusammenhang mit dem offensichtlich militärischen Einsatzzweck des Wagens zu tun haben, dessen aufgemalte Kennung EKK 37 auf ein Kraftfahrerkorps verweisen dürfte (gewiss kann es ein sachkundiger Leser genau sagen).

Das war es schon alles, was sich ad hoc dieser offensichtlich professionellen Aufnahme abgewinnen lässt – vielleicht etwas ernüchternd, aber immer hin haben wir endlich einmal einen Fafnir, dessen Typ sich genau festnageln lässt.

Aber wer weiß: vielleicht kann Hubertus Hansmann uns doch noch etwas mehr dazu mitteilen…

Michael Schlenger, 2022. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

2 Gedanken zu „Den gab’s nur als Zweisitzer: Fafnir Typ 266

  1. Großartig, herzlichen Dank! So hat der Wagen am Ende doch noch irgendwie überlebt…

  2. Lieber Michael,
    natürlich kann ich hier noch etwas mitteilen 😉
    Auf dem Photo sieht man tatsächlich einen Fafnir Typ 266 6/16 PS. Dieser Typ wurde wahrscheinlich von 1911 bis 1914 in Aachen gebaut und ersetzte den älteren Typ 274 6/14 PS. Eventuell wurden auch nach dem Ersten Weltkrieg noch ein paar der kurzen 6/16 gefertigt. Es gab das Auto als 266-A und 266-B. Der Unterschied war nicht sehr groß: der „A“ hatte ein 3-Gang-Getriebe, der „B“ hatte „vier Geschwindigkeiten“, wie es im alten Fafnir Katalog heißt. Der Motor war in der Tat derselbe, wie der des Typs 466 mit 2700 mm Radstand. Er hatte 4 Zylinder in einem Block (bis zu diesem Motor hatte Fafnir üblicherweise zwei paarweise gegossene Zylinder) mit insgesamt 1,6 Litern Hubraum. Die 16 PS brachten den kleinen Fafnir auf eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 65 km/h.
    Dieses Auto hat den Krieg leider nicht überlebt. Ich habe das Photo (eigentlich ist es eine Feldpost-Karte) auch in meiner Sammlung und der Fahrer des Autos schreibt auf der Karte, dass man sein erstes Auto sieht, welches ihm aber „von der Bande zerschossen wurde“. Das „EKK“ mit der 37 sagt uns, dass dieses Auto bei der „Etappen-Kraftwagen-Kolonne 37“ eingesetzt wurde. Militärhistorisch kenne ich mich nicht gut aus, aber der kleine Fafnir wurde bis zu seinem frühen Ende zwischen Köln und Lüttlich eingesetzt.
    Beste Grüße aus Aachen,
    Hubertus

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