Auf der Suche nach dem Golf-Ball: Skoda 645 Cabriolet

Meine Blog-Einträge entstehen zu später Stunde – oft um Mitternacht, manchmal noch später. Genau steuern lässt sich das nicht, da ich selten ein fertiges Konzept im Kopf habe, wenn ich mich an den Rechner setze.

In den meisten Fällen schreibe ich an einem Stück herunter, was mir zu einem historischen Autofoto einfällt – das ist nicht nur hochsubjektiv, sondern auch fehleranfällig.

Im Blog-Format – also einem persönlichen Online-Tagebuch, in dem Dritte mitlesen können – ist das aber vollkommen in Ordnung. Ich betreibe hier ja keine Wissenschaft.

Bei einer solchen von hohem Tempo geprägten Arbeitweise ist mit Tippfehlern zu rechnen. Die meisten davon korrigiere ich am folgenden Tag, und was ich übersehe, das sagen mir dann schon einige Leser, die in der Hinsicht ganz genau sind.

Wenn Sie nun aber vermuten, dass mir bereits im Titel ein Lapsus unterlaufen ist – dort müsste doch „Golfball“ stehen, nicht wahr? – dann liegen Sie falsch.

Zusammen- und Getrenntschreibung nehme ich sehr ernst: Mir ist noch der Unterschied zwischen „jemanden wiedersehen“ und „wieder sehen können“ bewusst. So ist durchaus nicht ein banaler „Golfball“ gemeint, den wir heute gemeinsam suchen werden.

Die angekündigte „Suche nach dem Golf-Ball“ dürfte sich zudem weit schwieriger gestalten als die Identifikation des Wagens, den ich heute präsentiere:

Skoda 645 Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Dieser Wagen ist ein schönes Beispiel für die Automobilbaukunst der Tschechen der späten 1920er und frühen 30er Jahre – die hierzulande für meine Begriffe zu wenig gewürdigt wird.

Das mag an der Sprachbarriere liegen – für das Tschechische nützen einem die schönsten Kenntnisse westeuropäischer Sprachen herzlich wenig.

Dessen ungeachtet waren in der Vorkriegszeit tschechische Hersteller auch im deutschsprachigen Raum sehr präsent, was nicht nur historische Gründe hatte.

Längst vergessene Marken wie Aero, Wikov oder Zetka bauten attraktive Autos, die auch in Deutschland und Österreich Freunde fanden. Daneben gab es natürlich die großen Hersteller wie Praga, Tatra und Skoda, die heute noch geschätzt werden.

Im vorliegenden Fall haben wir es mit einem Skoda zu tun, das verrät der Schriftzug auf dem Kühler, für den eine Aussparung in dem davor montierten Steinschlaggitter vorgesehen war:

Ich bin wahrlich kein großer Kenner der Skoda-Modellgeschichte der Vorkriegszeit, doch ich konnte den Wagen schnell als Typ 645 identifizieren.

Dabei half mir die englischsprachige Publikation „Skoda – Laurin & Klement“ von Ivan Margolius und Charles Meisl (Osprey Publishing, London 1992).

Tatsächlich kann man auf dem Originalabzug das Skoda-Markenemblem und die Typbezeichnung „645“ auf dem Kühler hinter dem Steinschlaggitter erahnen.

Somit handelt es sich bei dem Wagen auf obigem Foto um den 1929 eingeführten kleinen Sechszylindertyp mit 45 PS, von dem bis 1934 lediglich rund 750 Stück gebaut wurden.

Trotz seiner Seltenheit – oder gerade deswegen – schaffte es das elegante Cabriolet in der Ausführung von 1932 sogar auf eine „Sonderausgabe“ der 200 Kronen-Banknote:

Skoda 645 Cabriolet auf der 200 Kronen-Banknote (Quelle)

Zurück zur „Suche nach dem Golf-Ball“. Wo dieser zu finden ist, wird auf dem Plakat angekündigt, welches neben dem Eingang zu einem Hotel „Rössl“ klebt, an dem der Skoda 645 einst abgelichtet wurde.

Auch auf dem Original konnte ich nicht genau lesen, was es damit auf sich hatte. Nur „Salzkammergut-Golfclub“ meine ich darauf entziffern zu können. Es handelte sich wohl um eine Einladung zu einem Ball dieses Vereins – vielleicht kann ein Leser mehr dazu sagen.

Mit dem Skoda 645 Cabriolet an jenem Abend vorzufahren, das hätte sich hervorragend gemacht, dann aber bitte mit geschlossenem Verdeck wie auf der 200 Kronen-Note.

Sehr gute Figur im Ballkleid hätte beim Aussteigen gewiss auch die junge Dame gemacht, die wir hier neben dem Skoda sehen und die versonnen an uns vorbeischaut:

Allein schon ihretwegen hätte sich damals die „Suche nach dem Golf-Ball“ gelohnt – meinen Sie nicht auch?

Über Hinweise auf den Veranstaltungsort und vielleicht sogar das Datum freue ich mich (dazu bitte die Kommentarfunktion nutzen).

Gern würde ich mich mit der Telefonnummer der charmanten jungen Dame revanchieren – doch leider sind Sie, meine Herren, zu diesem Ball etwas spät dran…

Michael Schlenger, 2022. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

9 Gedanken zu „Auf der Suche nach dem Golf-Ball: Skoda 645 Cabriolet

  1. Gut zu wissen, passenderweise habe ich mich gerade an einem L&K versucht…

  2. Ein Besuch im Skoda-Museum lohnt sich echt – man hat keine Mühe gescheut, verschollene Laurin&Klement aufzutreiben und zu restaurieren, die Technik-Ausstellung ist vom Feinsten. Mlada Boleslav (Jungbunzlau) ist etwa 70 km von Prag entfernt.

  3. Die ISBN führte mich zu weiteren Funden :
    Mit dem Untertitel „Bewegte Geschichte seit über 100 Jahren“ von Katrin Thoß

    https://www.skoda-media.de/press/detail/424/428,427,425,426,424,/

    https://www.buchfreund.de/de/d/e/9783937996097/skoda-bewegte-geschichte-seit-ueber-100-jahren?bookId=105319846

    und von Valentina Fava unter der Betitelung als sozialistische Fabrik, was wohl eher die Nachkriegszeit im Fokus hat :

    https://www.ibs.it/storia-di-fabbrica-socialista-saperi-libro-valentina-fava/e/9788862501958

    https://www.guerini.it/index.php/prodotto/storia-di-una-fabbrica-socialista/

    Dafür epochal besser passend von 1918 bis 1948, aber nur 20 Seiten aus einem Gesamtwerk : Fiat und Škoda stellen sich der amerikanischen Herausforderung :

    https://researchportal.helsinki.fi/en/publications/peoples-cars-and-peoples-technologies-skoda-and-fiat-experts-face

  4. Nein – deutscher Text. Die Bücher sind auch nicht 10% fehlerfrei, ich glaube sowas gibt es nicht, aber sehr gut gemacht, groß und gewichtig …

  5. Das vorgenannte jeweils 2-bändige Werk gibt es offenbar auf Englisch wie auch auf Tschechisch ; einmal wird der Umfang mit 249 S. und zum anderen mit 423 S. angegeben; auf Englisch als „Part 1: The Upward Path 1895-1945“ hierzulande zum stolzen Preis von 80 oder 90 € als gebrauchtes Exemplar.

    https://www.buchfreund.de/de/d/p/86230584/l-k-skoda-1895-1995

    https://www.buchfreund.de/de/d/p/108601485/l-k-skoda-part-i-the-upward-path-1895-1945

    Über die ISBN habe ich noch nicht gesucht; vielleicht gibt es dazu auch was bei den Škoda-Händlern. Alles in einem Band und auf Tschechisch gäbe es hier … für 20 € (Grada ist wie ETAI bei französischer Autoliteratur oder Motorbuch, Heel usw.):

    https://www.grada.cz/historie-automobilu-skoda-7941/

    Oder man hat Glück und erwischt das erstklassige Buch von Jan Tuček „Auta Prvni Republiky 1918-1938“, in dem auch Aero, Wikov, Praga, Tatra und Dutzende kleinerer Hersteller präsentiert sind.

  6. Danke für den Hinweis! Vermutlich sind die Texte auf Tschechisch, nicht wahr? Ich habe bisher nur das englischsprachige Werk von Ivan Margolius und Charles Meisl: „Skoda. Laurin&Klement“

  7. Im Falle daß ihnen die Bücher unbekannt sind (im Skoda-Museum Mlada Boleslav günstig zu erwerben): L&K-Skoda Teil I+II von Petr Kozisek und Jan Kralik, ISBN 80-239-1853-2 für Teil i, 1895-1945. Kenn ich nur empfehlen. Sehr viel alte Original-Fotos, Belege usw. – eine super Dokumentation für Laurin & Klement und die frühne Skoda.

  8. Betreffs der 200 Kronen „Banknote“ muß ich hier wohl eine Enttäuschung bringen, denn diese war wohl nur als „Messegeld“ auf der Sberatel bzw. als Faksimile-Druck, ausgegeben am 9.9.2022 in Verwendung. Als Gegenwert von 8 € galt diese vielleicht als Eintrittskarte für diese Wertzeichen-Sammlermesse :

    https://www.sberatel.info/de/messe-sammler/

    Vor 3 Jahren hatte ebenfalls ein Škoda die Ehre, damals war es der Achtzylinder 860 :

    https://www.ehobby.sk/matej-gabris-gabrisovky/200-korun-2019-skoda-860-tlacova-chyba-850/

    29 € für 200 Kč … eindeutig ein Sammlerpreis. Immerhin gab es ein paar Daten zum Sechszylindermodell 645 : 90 km/h Höchstgeschwindigkeit und 14 l/100km Verbrauch … und nächstes Jahr erhält der Wikov 70 die Ehre.

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