Der Fund des Monats Mai 2026 macht es mir leicht – nachdem es eine Weile gedauert hatte, bis ich ihn identifiziert hatte.
Von dem Wagen, den ich dank Leser Matthias Schmidt aus Dresden heute präsentieren darf, sind nämlich nur 60 Stück gebaut worden. Entsprechend selten sind Vergleichsfotos davon und mir liegen nur wenige Informationen dazu vor.
Dasss wir es bei diesem Sportwagen mit drei außenliegenden Auspuffrohren mit einem Wagen der Marke Steyr zu tun haben, darauf kam ich nur, weil ich anhand der Drahtspeichenräder vermutete, dass es sich um ein österreichisches Fabrikat handelt, wo das häufiger zu finden war:

Tatsächlich stieß ich in Hubert Schiers Buch über die „Steyrer Automobil-Geschichte“ auf Seite 77 auf die Aufnahme eines wohl identischen Exemplars mit denselben markanten Türen – dummerweise fehlte aber genau hier die Beschriftung.
Dem Kontext war immerhin zu entnehmen, dass es sich um eine „zivile“ Sportversion der in den 1920er Jahren beim Klausenpass-Bergrennen so erfolgreichen Werksrennwagen von Steyr auf Basis des 6-Zylindertyps VI handelte.
Von diesen für „Herrenfahrer“ und einige Auto-Amazonen erhältlichen Geräten sind in Martin Pfundners Standardwerk „Austro-Daimler und Steyr“ zwei gegenüber dem 3,3 Liter-Serientyp aufgebohrte Motoren mit 4 bzw. 4,9 Liter Hubraum überliefert.
Dank direkter Ventilsteuerung über obenliegende Nockenwelle (ohc) waren alle Ausführungen enorm drehfreudig und leistungsstärker als gleichgroße Aggregate mit konventioneller Ventilsteuerung über untenliegende Nockenwellen und Stößelstangen.
Bereits die 4-Liter Version Steyr VI „Sport“ wartete mit 100 PS auf, damit waren an die 140 km/h Höchstgeschwindigkeit drin.
Den Vogel ab schoss indessen der Steyr VI „Klausen Sport“, der es auf 145 PS brachte und damals bei einem Straßenwagen unglaubliche 170km/h ermöglichte.
Um diese Leistung halbwegs kontrolliert auf die Straße zu bringen, hatte man dem „Klausen Sport“ eine moderne Hinterachse (Schwingachse) spendiert, die eine kontrolliertere Radführung erlaubte.
Zu erkennen ist dieser Hinterachstyp an den im Stand deutlich schrägstehenden Rädern, die sich erst unter Belastung beim Einfedern in die Senkrechte stellten und dann optimale Bodenhaftung boten.
Genau dieses Detail meine ich an dem Steyr auf dem Bild aus der Sammlung von Matthias Schmidt zu erkennen – das gab für mich den Ausschlag zur Ansprache dieses Wagens als Steyr „Klausen Sport“ mit der 145 PS-Spitzenmotorisierung.
Erwähnenswert ist noch, dass das abgebildete Exemplar erst 1937 abgelichtet wurde, also fast 10 Jahre nach Produktionsende. Die Ortsangabe „Wolkersdorf“ könnte einen Hinweis auf den Besitzer und darauf liefern, ob der immer noch phänomenal schnelle Wagen vielleicht bei örtlichen Sportveranstaltungen zum Einsatz kam.
Dies zu ermitteln und im Kommentarbereich zu vermerken, überlasse ich sachkundigeren Lesern, denn auf dem Sportsektor kenne ich mich überhaupt nicht aus – jedenfalls, was Vorkriegswagen angeht…
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