Mein heutiger Blog-Eintrag dient eher der persönlichen Traumabewältigung als dem automobilhistorischen Erkenntnisgewinn. Also: Wer in dieser Hinsicht keinen Spaß & Spott versteht, sollte sich ein anderes Thema suchen – Auswahl ist hier ja reichlich vorhanden.
Wer jetzt noch dabei ist, hat vielleicht kürzlich auch den neuen Ferrari „Luce“ mit Erstaunen zur Kenntnis genommen – das erste Batterievehikel der legendären Sportwagenmarke.
Nun habe ich nichts gegen den Elektroantrieb, er hat seine Vorteile und wer so etwas in der Garage haben will, ohne ihm unbekannte Steuerzahler zur Finanzierung seines Spleens in Anspruch zu nehmen, soll das gerne tun.
Vielleicht liefern ja auch die Kernkraftwerke neuester Generationen irgendwann den billigen Strom im Überfluss, den man dazu in der Breite bräuchte. Nur in Deutschland wird das wohl eher nichts – dabei könnten wir damit den noch enorm energiehaltigen Atommüll verwerten, der mangels Endlager oder Wiederaufarbeitung einfach irgendwo herumsteht.
Darum geht es aber im Fall des Luce gar nicht, denn der wäre auch mit Verbrennermotor nahe am GAU für die italienische Supersportwagenschmiede. Der Grund liegt in der erschreckend banalen (nicht einmal provozierenden) Gestaltung.
Das betrifft nach meiner Wahrnehmung nicht nur das Äußere, das den Charme einer Birkenstocksandale hat, nämlich: keinen.
Mag sein, dass man dem unvollendet erscheinende Gerät mit ein paar Teilen aus dem D&W-Katalog (gibt es den noch?) genug Persönlichkeit verleihen könnte, um in einem Ruhrpott-Hochzeitskorso zumindest aufzufallen.
Von geradezu spektakulärem Unvermögen spricht indessen vor allem das Interieur. Man mag es noch unterhaltsam finden, dass man das Lenkrad am unteren Ende abgeflacht hat, um der Wohlstandsplautze der Besitzer Platz zu geben.
Aber ansonsten? Billig inszenierte Instrumente wie aus einem Computerspiel, völlig abwegige Drehknöpfe am Lenkrad – besonders bizarr der für die Scheibenwischer.
Dann ein wie nachträglich angebrachtes Apple-iPad wirkender Bildschirm in der Mitte mit riesigem Griff, der mich ebenso an Krankenhäuser und Altersheime erinnert wie die plumpe Stange zum Zuziehen der Türen.
Geradezu grotesk die analoge Uhr, die am rechten Rand des Bildschirms sitzt und bei forcierter Fahrweise sicherheitshalber nur vom Beifahrer abgelesen werden sollte – die Anmutung auf dem Niveau von Elektroweckern der späten 80er Jahre.
Köstlich die wie billige Becher aus dem Kaffeeautomaten wirkenden Hutzen der Belüftung – auch darauf muss man erst einmal kommen. Spontan an Fleischwurst denken musste ich angesichts der aufgepumpt erscheinenden Polster der Sitze, denen man gründlich jede Lederanmutung ausgetrieben hat.
Meine bessere Hälfte äußerte die Idee, dass man die schlauchbootartigen Dinger ausbauen und am Baggersee zum gemütlichen Paddeln auf dem Wasser gut einsetzen könne.
Zu erwähnen nicht zuletzt die öde Wiederholung abgerundeter Formen, aber vielleicht sollte diesbezüglich gnädiger sein – sofern man den Preis von über 500.000 EUR ausblendet.
Denn immerhin waren die zweifellos hochbezahlten Herren bei Ferrari ja so dumm, als Gestalter einen Bengel aus den USA zu verpflichten, der jahrelang für das Nicht-Design bei Apple verantwortlich war. Das hatte freilich den Vorteil, dass jede i-Phone-Generation genauso langweilig aussah wie die vorherige.
Zu denken gibt mir nur, dass die Italiener ausgerechnet auf diesem Feld, auf dem sie von jeher Meister sind, einem Milchbuben aus den Staaten die Verantwortung abtraten. Das wäre unter Enzo Ferrari oder Luca di Montemozolo nie passiert.
So, das wäre vorerst alles, was mir zu dem „Luce“-Mobil von Ferrari einfällt. Zur Kompensation meiner Tirade und Traumabewältigung wende ich mich nun der im Titel erwähnten „Luzi“ zu – ein speziell in Hessen verbreiteter Spitzname für „Lucia“ oder „Lucie“.
Da es sich um ein hessisches Auto handelt – den Adler „Trumpf“ 1,7 Liter, um genau zu sein – fand ich den Namen passend. Außerdem brauchte ich das für das Wortspiel im Titel:

Hier steht sie die Luzi – neben dem wohlgestalteten Adler „Trumpf“ in der gekonnt modernisierten Form, die man 1936 dem gut eingeführten Fronttriebler verpasste.
Warum man an der in dieser Hubraumklasse damals nicht mehr zeitgemäßen Motorisierung mit nur 38 PS festhielt, ist mir nicht bekannt. Immerhin brachte man 2 Jahre später den etwas besser motorisierten Adler 2 Liter mit 45 PS heraus.
Man kann die beiden Versionen vor allem an den unterschiedlichen Rädern unterscheiden – massiv beim Adler 1,7 Liter und gelocht beim 2 Liter.
So genügt uns zur Identifikation des Adler unserer Luzi die obige Aufnahme, auch wenn sie den Wagen nicht in voller Schönheit zeigt. Aber es kommt noch schlimmer: Denn beinahe nichts ist von dem Auto auf der zweiten Aufnahme zu sehen, dafür die Luzi bei herrlichem „Luce“, wie man es nur hoch in den Bergen findet:

Dass es sich tatsächlich um denselben Wagen handelt, das legt nicht nicht nur unsere Luzi nahe, sondern auch der Aufkleber auf dem Seitenfenster hinten links, dessen Silhouette auf dem ersten Foto ebenfalls zu sehen ist.
Man hatte offenbar schon die Feengrotten in Thüringen besucht, bevor man sich ins Hochgebirge aufmachte, um sich nach dieser unterirdischen Erfahrung wieder mehr Licht zu gönnen.
Was danach aus unserer Luzi und dem Adler wurde, das bleibt für immer ein Geheimnis. Bekanntlich gingen ab 1938 in Europa die Lichter aus – für viele Menschen für immer.
Sicher bin ich dagegen, dass es heute jede Menge Zeitgenossen gibt, die den „Luce“ von Ferrari genauso großartig finden wie den vergammelten Sichtbeton, vor dem man das Gefährt in Babyblau offiziell präsentiert hat. Vielleicht auch das ein Sinnbild…
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So ist es, danke!
Das wiehernde Pferd war gut beziffert mit 250, 330 und 365 und gefällt mir aktuell nur im Namen der ewigen Stadt – aber ich halte es sonst eher mit dem Stier und dem Dreizack.
Richtig gut gefallen mir aber genau der Adler Trumpf 1.7 und der 2 Liter – da können die Gäule aus Maranello in beliebiger Menge unter der Motorhaube oder über der Hinterachse toben, denn im Namen des Königs der Lüfte gab es vor 90 Jahren die pure Schönheit !