Tankwarts Liebling: 1937er Buick Convertible Coupe

Vielleicht können sich ältere Leser noch an Zeiten erinnern, als Tankstellen keine Außenstellen des Fiskus waren und der Großteil der Spriteinnahmen noch dem Tankwart zufloss, zumindest als Bruttoumsatz.

Dennoch reichten damals die Steuereinnahmen aus dem Kraftstoffverkauf und der Kfz-Steuer, um in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg eine Straßeninfrastruktur aufbaubauen, die ihresgleichen suchte und deren bröckelnde Substanz wir noch heute nutzen.

Waren es vielleicht die einst weit höheren Verbräuche, die dennoch genügend Geld in die öffentilchen Kassen spülten?

Ich will das nicht weiter vertiefen, bin mir aber ziemlich sicher, dass zumindest der Tankwart einen Kunden wie den auf dem folgenden Foto sehr wohlwollend zur Kenntnis nahm:

1937 Buick Convertible Coupe; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, ist mit diesem auch in Europa öfters abgesetzten US-Dickschiff sicher besser vertraut als der Leser ordinärer „Oldtimer“-magazine, die in Sachen Vorkriegswagen schon lange ziemlich kurzgehalten werden.

Die schnittige Bugpartie war 1937/38 typisch für die Wagen der gehobenen General-Motors-Marke Buick, wobei sich die Modelljahre im Detail etwas unterschieden. Hier haben wir es mit der 1937er Version zu tun.

Während die Limousinenausführungen recht schwerfällig wirkten, konnten die offenen Aufbauten eher überzeugen, speziell das hier zu sehende Convertible Coupe, was einem Zweitüren-Cabriolet nach deutscher Nomenklatur entspricht.

Was den Tankwart an dieser Esso-Station besonders erfreute, befand sich unter der Motorhaube. Dort residierte ein Reihenachtyzlinder mit 4,1 oder 5,2 Litern Hubraum.

Dank zeitgemäßer Ventilanordnung (hängend im Zylinderkopf, ohv) leisteten diese Aggregate zwischen 100 und 130 PS. In der Buick-Szene werden Höchstgeschwindigkeiten von 135 bzw. 145 km/h dafür genannt. Als komfortables Reisetempo sind gut 100 Stundenkilometer anzusetzen.

Besitzer überlebender Fahrzeuge nennen je nach Fahrweise Verbräuche von 15 bis unter 20 Liter für den „kleinen“ Achtzylinder und etwa 17 bis 23 Liter für den „großen“ Motor.

Entsprechend großzügig war der Tank beim 1937er Buick dimensioniert, von etwas unter 70 bis rund 75 Litern werden je nach Ausführung genannt.

Diese Daten machten den Wagen zweifellos zu Tankwarts Liebling und die Stückzahl von rund 220.000 allein für das 1937er Modell lässt ahnen, wieviele fleißige Leute in diesem Berufsstand einst innerlich jubelten, wenn so ein Wagen auf dem letzten Tropfen einrollte…

Übrigens würde es mich freuen, wenn jemand mehr zu der Örtlichkeit sagen könnte, an der dieses Foto einst entstand – irgendwo in Mitteleuropa muss das gewesen sein, vielleicht auch etwas südlicher, so wie ich es schätze…

Nachtrag: Ein US-Experte wies darauf hin, dass es sich bei dem Buick auf dem vorgestellten Foto um ein in Kanada für den Markt in den britischen Commonwealth-Ländern gebautes Fahrzeug handelt (sog. McLaughlin-Buick).

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