Nicht schön, aber praktisch… Presto E 9/40 PS

Ein schützendes Dach – nicht immer schön an einem Gefährt, aber wenn man es braucht, ganz schön praktisch.

Darüber will ich heute anhand einer Reihe von Fotos sinnieren, die wieder einmal der einst angesehenen deutschen Marke „Presto“ gewidmet sind.

Ausgangspunkt ist diese technisch nicht perfekte Aufnahme, aber der Reiz einer solchen Situation resultiert nicht aus praktischen Aspekten:

Presto Typ E 9/40 PS; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Trotz der Überbelichtung an der Frontpartie ist genug vom Kühler zu erkennen, um diesen typischen Tourenwagen als „Presto“ der 1920er Jahre zu identifizieren – jahrelang eines der meistgebauten deutschen Fabrikate.

Die Vorderradbremsen verweisen auf die späte Ausführung E 9/40 PS ab Mitte der 20er. Wie der äußerlich fast identische Vorläufer D 9/30 PS wurden Presto-Wagen meist offen gefahren – nur bei schlechtem Wetter spannte man das ungefütterte Verdeck auf, das mäßigen Schutz bot.

Praktisch daran war nur, dass man als Käufer einen Haufen Geld gegenüber einer geschlossenen Karosserie sparte.

Meine eigene Präferenz für „Presto“ ohne richtigen Wetterschutz hat indessen rein ästhetische Gründe – ich mag es nämlich genau so:

Presto-Fahrrad in Umbrien, August 2026; Bildrechte: Michael Schlenger

Im August bei 40 Grad in Italien mit dem Fahrrad herumfahren – das machen doch nur Bekloppte aus dem Norden, oder? Nö, die eingefleischten Radler hier in Umbrien machen das auch – und die fahren nicht nur gemütlich in der Ebene herum wie ich.

Zudem bietet die abwechslungsreiche Landschaft Umbriens Gelegenheit, auch einmal im Schatten zu fahren, wenn man einigermaßen geländegängige Reifen montiert hat – wie das bei den alten Eisen üblich war und ist:

Presto-Fahrrad in Umbrien, August 2026; Bildrechte: Michael Schlenger

Da mir Schönheit im Regelfall wichtiger ist als praktischer Nutzen, lasse ich mir vom Rad diktieren, was geht und was nicht.

Das Presto ist trotz Verzicht auf einstige Anbauteile wie Schutzbleche und Gepäckträger unglaublich schwer – mangels Schaltung sind nur mäßige Steigungen drin.

So bleibe ich schön in der Ebene, wo die Hitze steht und flimmert, während es auf den umliegenden Bergen herrlich angenehm ist. Hier grüßt für das Presto unerreichbar aus der Ferne die uralte Pilgerstadt Assisi, dahinter der über 1000 Meter hohe Monte Subasio:

Assisi (Umbrien), August 2026; Bildrechte: Michael Schlenger

Doch keine Sorge – wie gesagt, es finden sich immer wieder Abschnitte, wo man herrlich beschattet unterwegs ist – ein Dach aus Blättern hat auch seinen Reiz.

Sehr häufig finden sich Eichen entlang des Weges – keineswegs nur in den ausgedehnten kerngesunden Wäldern, wo man die in Deutschland hausgemachten Probleme mit Fichten und Co. nicht kennt.

Presto-Fahrrad in Umbrien, August 2026; Bildrechte: Michael Schlenger

Für mich am schönsten ist indessen das Zusammenspiel von Natur und Städtebau – letzterer eine Kunst, die man einst im Umbrien wie sonst nur in der Toscana beherrschte.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, hat sich das Stadtbild hier in schwer überbietbarer Vollkommenheit erhalten und wirkt weit ins Umland hinein:

Presto-Fahrrad in Umbrien, August 2026; Bildrechte: Michael Schlenger

Und wenn es unbedingt sein muss und man verlässlichen Schutz und ein Dach überm Kopf sucht, wird man bei Bedarf am Stadtrand fündig – hier etwa in Form eines der erhaltenen römischen Stadttore von Spello – erst vor kurzem von kundiger Restauratorenhand frisch gereinigt und konserviert:

Presto-Fahrrad in Umbrien, August 2026; Bildrechte: Michael Schlenger

Was aber tun – wie heute erlebt, wenn man mit dem Presto auf weiter Flur unterwegs ist und sich ein Gewitter ankündigt? Dann hilft bei aller Schönheit nur tüchtig in die Pedale treten und sich gegen den aufkommenden Wind zurück zum Auto arbeiten.

Bei dieser Gelegenheit wird einem dann der Vorteil eines soliden Dachs über dem Kopf eindringlich vor Augen geführt. Denn hier in der Ebene will man kein Gewitter erleben -dann siegt doch der Sinn für’s Praktische über die Ästhetik, auch wenn’s schwerfällt:

Presto-Fahrrad in Umbrien, August 2026; Bildrechte: Michael Schlenger

Damit kehre ich nun auch zum Auto zurück, was den Presto Typ E 9/40 PS angeht.

Denn mit festem Dach – bzw. hier als raffiniertes Landaulet für alle Wetterlagen – ist man praktisch auf der sicheren Seite, nur die Schönheit bleibt auf der Strecke.

Das gilt nich zuletzt für Bauchträger. welche die praktischen Vorzüge einer dehnbaren Strickjacke zu schätzen und denen offenbar egal ist, was sie dabei für eine Figur abgeben…

Presto Typ E 9/40 PS; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

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