Wie man vom braven Ford „Eifel“ der 1930er Jahre die Brücke zum Bürgerschreck Elvis Presley der Nachkriegszeit schlägt, das bekommen Sie heute nebenbei vorgeführt.
Mir als Bad Nauheimer fällt das besonders leicht, ist doch der musikalische Revoluzzer aus den Staaten quasi Ehrenbürger unserer schönen Stadt an den Ausläufern des Taunus.
Immerhin wohnte Elvis während seines Militärdienstes bei der US-Panzertruppe (damals beheimatet im benachbarten Friedberg) in Bad Nauheim, was bleibende Eindrücke hinterließ (etwa diesen). Dazu zählt nicht zuletzt das jährliche Elvis-Festival, das letztes Wochenende stattfand und jede Menge Fans aus ganz Europa anzieht.
Doch die Brücke zu Elvis bekomme ich nicht nur aus Lokalpatriotismus hin. Geholfen hat mir vielmehr das Foto eines Wagens, den ich hier schon einige Male präsentiert habe. Die Rede ist vom Ford „Eifel“, der anno 1935 am deutschen Markt eingeführt wurde.

Man sah dem Auto mit seiner schmalen Kühlerpartie an, dass es in England entwickelt worden war – die Konstruktion der dortigen Ford-Werke wurde zunächst kaum verändert auch für den deutschen Markt übernommen.
Mit einem 34 PS aus 1,2 Litern Hubraum leistenden Motor war der „Eifel“ ein solides Mittelklasseauto. Im Unterschied zur britischen Version bot man das Modell nur als Zweitürer an – äußerlich der Hauptunterschied in der ersten Serie.
Spitze 100 und Dauertempo 85 km/h machten den Ford zwar nicht ideal für die neuen Autobahnen, aber für den Alltag in Stadt und Land war das ein ordentliches Fahrzeug mit gutem Platzangebot und ohne nennenswerte Schwächen.
Die damals Ford-typische Solidität der Konstruktion und große Stückzahlen ließen den Eifel auch ins Visier des nicht nur unter Größenwahn, sondern auch chronischer Fahrzeugknappheit leidenden deutschen Militärs geraten. Viele Exemplare wurden beschlagnahmt und die Besitzer sahen sie nie wieder.
Doch wer einen unabweisbaren Bedarf hatte – vor allem Ärzte und Unternehmer – konnten ihre Wagen weiterfahren und über den Krieg retten. So finden sich auch in meiner Ford-Galerie mehrere Beispiele überlebender Ford „Eifel“ aus der frühen Nachhkriegszeit.
Vor einiger Zeit habe ich ein weiteres Foto an Land gezogen, das so einen Wagen zeigt – diesmal ein in mehrfacher Hinsicht bemerkenswertes Dokument:

Wie das Nummernschild verrät, war dieses Cabrio auf Basis eines Ford Eifel der ersten Serie in der sowjetisch besetzten Zone im Raum Leipzig zugelassen (daher die Kennung SL).
Wie viele nach 1945 weitergenutzte Vorkriegsautos war auch dieser Ford modifiziert. Die serienmäßigen Drahtspeichenräder waren den gelochten Rädern der zweiten Serie des „Eifel“ (ab 1937) gewichen. Außerdem fehlen die horizontalen Chromleisten entlang der Haubenschlitze, warum auch immer.
Wirklich außergewöhnlich ist aber der Aufbau als Cabriolet aus dem Hause „Kathe“ (Halle). Ich konnte den Aufbau dank des empfehlenswerten Buchs „Ford Eifel PKW“ von Wolfram Düster (Mönch-Verlag) identifizieren – dort findet sich auf S. 85/86 genau diese Karosserie.
Die schöne Szene dürfte Ende der 1950 Jahre entstanden sein. Als Datierungshinweis dient mir die prächtige Tolle des Herrn links, die von der Verehrung des „King“ Elvis Presley auch im Osten Deutschlands kündet.
Das Foto erzählt aber auch vom Fortleben bürgerlicher Standards in einer von kleinen und mitttelständischen Unternehmen geprägten Schicht in der DDR, die man noch eine Weile gewähren ließ, bevor man sie ab den 1970er Jahren mit zunehmenden staatlichen Repressalien überzog und in vielen Fällen erledigte.
Mir gefällt dieses Dokument gerade wegen seiner Vielschichtigkeit ganz hervorragend, weshalb ich mir erlaubt habe, uns die Zeitgenossen und ihren Wagen noch ein wenig näher zu bringen, indem ich die Qualität mit KI-Unterstützung optimiert habe.
Wie immer gilt: Wer das Original bevorzugt, kann dieses studieren und sich darauf beschränken – ich meine aber, dass man sich aber durchaus auch an dieser Variante ergötzen darf, die uns förmlich zurück in die Zeit von Eifel und Elvis transportiert:

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