Fund des Monats: Ein OM 665 „Superba“

Was hat uns der Blogwart wohl aus Italien mitgebracht? Das werden sich diejenigen fragen, die auf den alljährlichen Bericht über meine Erlebnisse mit zwei- und vierrrädrigen Klassikern bei der „Francescana Ciclostorica“ in Umbrien warten.

Nun, diese Story beschäftigt mich schon einige Tage – schließlich gilt es, viel eigenes und fremdes Bildmaterial zu bearbeiten – doch das Resultat muss noch etwas warten.

Dennoch kann ich Ihnen schon heute etwas aus Italien präsentieren, wenn auch über den (geografisch) nicht gerade naheliegenden Umweg über Berlin.

Dass das Foto, um das es geht, es in die Kategorie „Fund des Monats“ geschafft hat, ist dem unbeabsichtigten Zusammenwirken von drei Personen zu verdanken:

An erster Stelle zu nennen ist Leser Erhard Schmidt. Er hat die Aufnahme entdeckt und mir großzügig überlassen, weil er mein Faible für italienische Exoten kennt. Er konnte freilich nicht ahnen, was daraus wird.

Dann kommt meine Person ins Spiel – ich hatte eigentlich gar nichts Besonderes mit dem Foto vor, bis mir etwas darauf merkwürdig vorkam.

Der Dritte im Bunde ist dann Claus Wulff aus Berlin – er war der Ahnungsloseste bei der Geschichte, hat aber unwissentlich den entscheidenden Anknüpfungspunkt auf seiner famosen Website über historische Kühlerembleme hinterlassen.

Wie genau wir drei ohne jede Abstimmung unseren Teil beigetragen haben, dazu gleich mehr – jetzt erst einmal das Dokument, das den Anlass zum glücklichen Ausgang dieses Triumvirats gab:

OM Typ 665 „Superba“; Originalffoto: Sammlung Michael Schlenger

Eine großartige Aufnahme wäre das auch ohne den Rang auf dem Podium als „Fund des Monats“.

Ein ungewöhnliches, attraktives Auto mit blutjungem, aber schon sehr besitzergreifenden „Eigner“, aufgenommen aus frontaler Perspektive mit wirkungsvollem Bildausschnitt in hoher Qualität.

Hier ist nichts angepasst, nichts anders ausgerichtet, nur ein paar kleine Flecken habe ich von Hand retuschiert. Die KI hat später ihren Auftritt, doch anders als Sie denken.

Die Zulassung im Raum Berlin ist ebenso eindeutig wie Hersteller und Typ des Wagens – ein Typ 665 „Superba“ des italienischen Sportwagenbauers „Officine Meccaniche“, kurz OM.

Die maximal tiefstapelnde Markenbezeichnung – OM steht übersetzt einfach für „Mechanische Werkstätten“ – geht einher mit einem exzellenten Ruf für Leistung und Qualität.

Die erst am Ende des 1. Weltkriegs gegründete Firma lieferte mit dem 1923 vorgestellten 6-Zylindertyp 665 „Superba“ ihr Meisterstück ab. Der anfangs nur 2 Liter messende Motor leistete 40 PS, die auf 2,2 Liter aufgebohrte spätere Version über 50 PS.

Das waren für „zivile“ Wagen in den frühen und mittleren 1920er Jahren bereits außergewöhnliche Werte – 100 km/h Spitze waren damit erreichbar. Zu ganz großer Form lief der OM 665 „Superba“ allerdings erst in den Sportversionen mit 70-80 PS auff.

Gleich drei dieser heißgemachten OM belegten bei der ersten Mille Miglia anno 1927 die Plätze 1, 2 und 3 – ein Ausweis nicht zuletzt der enormen Zuverlässigkeit der Wagen bei Langstreckenrennen.

Von dem so erworbenen Ruhm zehrte der Nischenhersteller OM bis Anfang der 1930er Jahre. So ist es wohl zu erklären, dass auch ein Käufer in Berlin dem Lockruf des „Superba verfiel – gegen Ende der 20er dürfte das gewesen sein.

Nur eine Sache kam mir an dem Italiener von der Spree eher „spanisch“ vor: War das OM-Kühleremblem nicht sonst immer langoval statt wie hier hochrechteckig?

In der Tat: Weder in meiner OM-Galerie noch sonst irgendwo im Netz – jedenfalls nach meiner vorläufigen Recherche – findet sich ein Wagen dieser Marke mit so einem Kühleremblem.

Kurzerhand ließ ich den von mir bevorzugten KI-Knecht recherchieren, was es damit auf sich haben könnte. Und er lieferte mir die Antwort aus der besten dafür denkbaren Quelle – der erwähnten Website zu Kühleremblemen von Claus Wulff.

Dort erwähnt er nämlich, dass es auf einem OM-Prospekt genauso ein rechteckiges Emblem gebe, das er aber bisher nirgends an einem echten Auto finden konnte:

OM-Originalprospekt; Quelle: Claus Wulff

Damit dürfte klar sein, dass es dieses Emblem mit der hübschen Krone über dem Markenkürzel tatsächlich auch in der Realität gegeben hat.

So dürfte sich das heute vorgestellte Foto zumindest aus Perspektive von Claus Wulff den Rang als Fund des Monats redlich verdient haben, wenngleich er nun ein Problem mehr hat. Denn jetzt gilt es, auch ein solches Original zu ergattern…

Doch auch für mich ist das ein ganz besonderes Vergnügen, weil sich wieder einmal zeigt, wie sich der Enthusiasmus mehrerer Zeitgenossen als wunderbar fruchtbar erweist, wenn sie ihre Leidenschaft nicht im stillen Kämmerlein betreiben.

Was nicht online ist, existiert aus Sicht einer wirklich umfassenden Recherche nicht. Umgekehrt werden auch die Ergebnisse exotischer Nischenprojekte wie meinem oder voon Spezial-Websites wie der von Claus Wulff dank KI auf eine Weise zugänglich, wie sie bei klassischen Suchmaschinen kaum zu erwarten ist.

Auch von daher finde ich den diesmaligen Fund des Monats schlicht superb!

Copyright: Michael Schlenger, 2026. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

Kommentar verfassen