Mercedes-Benz-Bilder chronologisch geordnet
© Originalfotos aus Sammlung Michael Schlenger (soweit nicht anders angegeben), Weiterverwendung nur mit Quellenangabe

Mercedes-Benz-Bilder chronologisch geordnet
© Originalfotos aus Sammlung Michael Schlenger (soweit nicht anders angegeben), Weiterverwendung nur mit Quellenangabe

Über 10 Jahren Bloggerei in Sachen Vorkriegsautos auf alten Fotos machen einen in der Wahrnehmung der Leute bereits zum „Experten“, ob man will oder nicht.
Dabei beziehe ich mein hier versammeltes (bisweilen auch versemmeltes) Wissen nur der mir zugänglichen Literatur und – ganz wichtig – den Hinweisen von Lesern, die oft mehr Ahnung von der Materie haben als ich.
Bloß in einer Hinsicht beanspruche ich einen gewissen Anspruch als Pionier: Was die phänomenale Präsenz von US-Fabrikaten in den 1920/30er Jahren am deutschen Markt angeht, hat bisher wohl keiner dieses Kapitel so umfassend aufgearbeitet.
Hatte ich Ähnliches nicht erst kürzlich geschrieben? Egal, mir haben heute der üppige Duft von Zitronenblüten im Süden und die Sonne nachhaltig die Sinne verwirrt.
Kennen Sie das, dass man sich bestimmte sinnliche Eindrücke – auch den Geschmack spezieller Speisen – ins Bewusstsein rufen und nacherleben kann? Großartig ist das.
Zurück zum Thema: „Leider“ muss ich Sie heute mit der x-ten Ami-Fuhre belästigen. Doch ich kann nichts dafür – mein Fotofundus quillt über von Material in ebendieser Hinsicht, auf dem deutsche Kennzeichen zu sehen sind:
Wirkt maximal langweilig, nicht wahr? Tja, so sahen sie halt fast alle aus, die Limousinen am Ende der 1920er Jahre, so könnte man konstatieren und es dabei bewenden lassen.
„Bringen Sie doch mal was, was wirklich Charakter hat!“ – das mag jetzt ein verwöhnter Konsument meiner Online-Präsenz denken.
Ok, der Kunde ist bei mir auch dann König, wenn er nichts dafür bezahlt, was ich hier veranstalte. Die berufsbedingte Serviceorientierung ist mir nicht auszutreiben – schließlich arbeite ich auch im Urlaub.
Übigens keine Beschwerde, sondern nur die Feststellung, dass sich die modische Work-Life-Balance auch dann einstellen kann, wenn man seine Arbeit als selbstverständlichen Teil des Daseins betrachtet und nicht als Zumutung oder gar Ausbeutung.
Also: Hier haben wir doch genau die gewünschte Charakterstudie und das sogar mit zeitgemäßem Motorradfahrer garniert – was will man mehr?
Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Mercedes-Benz mit abhandengekommenem Stern auf dem Kühler, ist in Wahrheit ein Produkt der Graham Brothers, die bis 1927 „nur“ Lastwagen bauten.
Nach dem Kauf der in Problemen befindlichen Marke Paige im Jahr 1927 lancierten sie umgehend dieses prächtige Modell. Drei 6-Zylindermotoren (50, 70 und 90 PS) sowie ein 120 PS starker 8-Zylinder waren verfügbar.
Alle Ausführungen waren mit Viergang-Getriebe und Hydraulikbremsen erhältlich – damals noch kein Standard. Damit konnte die Jahresproduktion von nur 20.000 Stück bei Paige anno 1927 auf weit über 70.000 anno 1928 gesteigert werden.
Wie bei praktisch allen damaligen US-Herstellern war es bei diesen Stückzahlen auch drin, nebenher den unterentwickelten deutschen Automarkt mitzuversorgen. Das erklärt, warum die meisten Fotos meiner einschlägigen Galerie Exemplare mit deutscher Zulassung zeigen.
Im vorliegenden Fall bin ich geneigt, sogar von einem Wunschkennzeichen zu sprechen, da die fast vollständige Übereinstimmung der Ziffernfolge mit dem Baujahr 1928 auffällt.
Einem Leser meines Blogs verdanke ich die Erkenntnis, dass in solchen Fällen in Deutschland in der Vorkriegszeit von „Beziehungkennzeichen“ gesprochen wurde.
Man musste also für eine spezielle Nummernschildkombination die richtigen Beziehungen zur Bürokatie haben – was einiges über das schon damals überdrehte Vorschriftenwesen bei einem völlig banalen Sachverhalt verrät.
Jetzt könnte einer sagen: „Aber heute bekommt man doch mühelos in Deutschland ein Wunschkennzeichen„.
Dem entgegne ich: „Was die Buchstaben- und Ziffernkombination angeht, schon. Aber versuchen Sie mal ein zum Klassiker passendes Nummernschild ohne das billige EU-Blau und diese bizarre Schrift zu bekommen, die hierzulande vorgeschrieben ist.“
In der EU macht diesbezüglich jedes Land, was es will – gerade heute sah ich ein aktuelles französisches PKW-Nummernschild in rot und die Italiener fahren Anhänger mit grünem Nummernschild umher – von den verschiedenen Schriften ganz zu schweigen .
Da wäre doch reichlich Raum für Deregulierung, ohne dass dem nimmersatten Fiskus etwas entgeht. Ich würde für die schönen alten BRD-Nummernschilder sogar Aufpreis zahlen – und längst nicht für blecherne Wünsche in dieser Hinsicht…
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