Museums-Tipp: PS-Speicher in Einbeck

Oldtimer-Museen gibt es mehr als genug hierzulande, möchte man meinen. Die großen Autohersteller haben sich die Präsentation ihrer Geschichte jedenfalls einiges kosten lassen. Leider wurde dabei oft viel Geld für austauschbare moderne Architektur ausgegeben, während ein den historischen Fahrzeugen angemessenes Ambiente zu kurz kam.

Dass es anders geht, zeigt der PS-Speicher im Fachwerkstädtchen Einbeck bei Kassel. Seit 2014 ist dort in perfekt passender Umgebung die Sammlung des Unternehmers Karl-Heinz Rehkopf zu bestaunen. Auf Michael Helds Website gibt es einen ausführlichen Bild- und Erlebnisbericht dazu.

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© DKW F91 im PS-Speicher Einbeck; Bildrechte: Michael Schlenger

Jüngst ist die Sammlung in Einbeck erheblich erweitert worden. Über 100 Nutzfahrzeuge des verstorbenen Enthusiasten Emil Bölling sind dazugekommen. Dazu wiederum ein interessanter Artikel mit Hintergrundinformationen. Aufsehenerregend war die Überführung der Fahrzeuge auf eigener Achse über eine Strecke von mehr als 200km (Bildbericht).

Fiat 1100 – Das lange Leben des Millecento

Nur wenige Fahrzeugtypen haben sich über Jahrzehnte gehalten, ohne grundlegend neu konstruiert zu werden. Der VW Käfer, Citroens Ente und der britische Mini sind Paradebeispiele dafür.

Doch es gibt einen weiteren Kandidaten, der weitgehend in Vergessenheit geraten ist – der Fiat 1100 „Millecento“. Gut erhaltene Exemplare sind heute außerhalb Indiens (dort wurde er bis 2001 gebaut, siehe hier) eine absolute Rarität.

Es gibt ein ausführliches Porträt des Modells, das auch auf Spezialversionen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg eingeht. Wer den klassischen 1100er der 60er Jahre in Aktion sehen will, wird in Jay Lenos Garage fündig. Wenn ein solventer Sammler wie er den Millecento so begeistert präsentiert, will das etwas heißen.

In der Wetterau ist ein ähnliches Modell unterwegs, ein unrestaurierter 1964er Fiat Europa aus deutscher Produktion, auch als NSU Fiat oder Neckar bekannt. Wenn man einen findet, ein idealer Einstiegsklassiker, günstig und unkompliziert.

Als Appetitmacher ein originales Pressefoto des Fiat 1100 aus den 1960er Jahren:.

Fiat1100D_Pressefoto© Fiat 1100 D Pressefoto; Bildquelle: Sammlung Michael Schlenger

Adler-Werbung aus Frankfurt 1935-1937

Dass Frankfurt am Main einmal ein wichtiger Industriestandort war, an dem sogar Automobile (Adler, Detra nach Tatra-Lizenz) und Karosserien (Dörr & Schreck, Kruck) gebaut wurden, ahnt der heutige Besucher der Stadt kaum. Auch die großartige Museumsmeile entlang des Sachsenhäuser Ufers übergeht diesen Aspekt der Stadtgeschichte völlig.

Dabei war das Renommee von Goethes Geburtsstadt einst auch eng mit Firmen von Rang wie dem Automobilhersteller Adler verbunden. So ist es kein Zufall, dass in den 1930er Jahren die Programmhefte zu den Römerberg-Theaterfestspielen Reklame des am Hauptbahnhof angesiedelten Unternehmens zeigten.

Kunst und Kommerz gingen einst zusammen, ohne dass dies geschmacklos erschien. Das mag auch an der grafischen Qualität der handwerklich hergestellten Anzeigen gelegen haben.

Hier die ganzseitigen Adler-Werbeanzeigen aus originalen Festspielheften der Jahre 1935, 1936 und 1937:

© Adler Original-Reklame aus Sammlung Michael Schlenger

4. Regionaltreffen ADLERWERKE

Am 26. September 2015 fand im Raum Frankfurt das 4. Regionaltreffen ADLERWERKE statt. Hier der Bericht von Manfred Schleißing, Vorsitzender des ADLER-MOTOR VETERANEN CLUB:

„Das Regionaltreffen ADLERWERKE ist eine schöne familiäre Veranstaltung, die sich als Tradition etabliert hat. Wenige Tage vorher waren erst vier Teilnehmer angemeldet….doch dann lachte die Sonne an einem warmen Herbsttag und so konnte Fahrtleiter Rolf Ackermann 32 Personen mit 19 Adler-Fahrzeugen am Treffpunkt in der Klassikstadt Frankfurt begrüßen. Darunter befanden sich einige Nicht-Mitglieder, die unser Treffen kennenlernen wollten.

Benzingespräche, ein Rundgang durch die Ausstellungsräume der Klassikstadt und ein geselliges Mittagessen schafften beste Stimmung. Bevor die alten Herren sich zu einem Nickerchen zurückziehen konnten, scheuchte sie Fahrtleiter Rolf auf die Strecke. Ausgerüstet mit Kartenskizze und Beschreibung machten wir uns auf den Weg.

Vorneweg ein hundertjähriger ADLER 5/13. Ohne Blinker, nur mit Winkkelle und viel Optimismus nahm er die teils heftigen Steigungen über Bergen-Enkheim und Vilbel nach Bad Homburg in Angriff. Trotz einer kleinen, schnell behobenen Panne lief er auf seiner Premiere nach der Vollrestaurierung 50 km zur Zufriedenheit.

In der Central Garage in Bad Homburg wartete ein weiße ADLER 18/35 von 1906 mit 4,7 Liter Hubraum und 35 PS auf uns. Er ist Mittelpunkt einer Ausstellung mit edlen alten Reisewagen unter dem Titel „Mit dem Auto in die Kurstadt“. An über 30 Stationen trifft Kurgeschichte auf Automobilgeschichte. Schwerpunkte sind die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, die 1920/30er Jahre und die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Muss man gesehen haben!

© Ausstellung Central Garage 2015; Bildrechte: Michael Schlenger; weitere Bilder hier

Die stilvolle GASOLIN Tankstelle vor der Central Garage hatte leider kein Benzin (Preis 1935 war 38 Pfennig/Liter) für uns und so ließen wir die Adler wieder Richtung Frankfurt fliegen.

Gegen 16 Uhr trafen alle im ADLERWERK ein. Dort ließen wir in Wort und Bild die 1. Clärenore-Stinnes-Erinnerungsfahrt Revue passieren. Das machte Appetit auf die geplante 2. Fernfahrt von den ADLERWERKEN nach Berlin im Juli 2016.

Letzter Höhepunkt war ein Vortrag über ein besonderes Stück Frankfurter Geschichte: den Flugplatz Rebstock von 1926 bis 1939. Hier landeten und starteten nicht nur Flugzeuge und Zeppeline, sondern auch ADLER setzte hier mit der Übernahme des GERNER Flugzeugbau 1934 zu einem kurzen Höhenflug an, der jedoch schon 1935 mit einer Bruchlandung endete.

Ein schöner Tag ging viel zu früh zu Ende. Freuen wir uns schon auf das 5. Regionaltreffen ADLERWERKE im September 2016!“

Mit freundlicher Genehmigung von Manfred Schleißing

Passend dazu: Originalreklame der Adler-Werke aus dem Kriegsjahr 1917.

Adler_Illustrirte_Zeitung_1917© Reklame aus: Illustrirte Zeitung, 1917; Sammlung Michael Schlenger

Ausfahrt zum Saisonabschluss: 18.10.2015

Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler – der Spätsommer verabschiedet sich allmählich. Auch die Oldtimer-Saison 2015 neigt sich dem Ende zu.

Ein schöne Gelegenheit für eine (vielleicht) letzte Ausfahrt in diesem Jahr ist die neue Ausstellung in der Central Garage Bad Homburg. Diesmal lockt das reizvolle Thema „Kurgeschichte trifft Automobilgeschichte“, und neben schönen Autos der Vor- und Nachkriegszeit bietet die Ausstellung viele regionale Bezüge mit originalen Stücken aus der Blütezeit des Kurbetriebs.

Außerdem ist in der Central Garage am 18. Oktober Saisonabschlusstreffen, sodass auch auf dem Parkpatz mit interessanten Fahrzeugen zu rechnen ist. Nicht zuletzt gilt es die „neue“ alte Gasolin-Tankstelle zu bewundern.

Aus diesem Anlass haben wir für die Klassikerfreunde im Herzen der Wetterau einen Routenvorschlag entwickelt. Die Strecke führt von Bad Nauheim über kurvige Nebenstraßen im Taunus nach Bad Homburg, Länge rund 80 km, Fahrtdauer etwa 1 Stunde 30 min. .

Unterwegs besteht Gelegenheit zum Mittagessen im „Wirtshaus Adler“ im Hessenpark.

Charakter der Ausfahrt: Das Ganze ist ausdrücklich keine Oldtimer-Rallye und hat auch sonst keinen wettbewerblichen oder gewerblichen Charakter. Eine Teilnahmegebühr fällt nicht an. Für den verkehrssicheren Zustand des Fahrzeugs ist jeder selbst zuständig. Kolonnenfahrt ist zu vermeiden.

Für die vorgeschlagene Route wird es vorab ein Roadbook geben, aber natürlich kann jeder nach Lust und Laune abkürzen oder verlängern. Hier die Fixpunkte im Überblick:.

  • Treffpunkt am 18.10. in Bad Nauheim: Großparkplatz am Kurpark, Frankfurter Straße
  • Abfahrt ab 11 Uhr, keine festen Abfahrtzeiten
  • Tischreservierung im „Adler“ ab 12.30 Uhr
  • Weiterfahrt zur Central Garage ab etwa 14 Uhr
  • Ausstellungsbesuch bis 17 Uhr
  • Heimfahrt nach eigenem Gutdünken.

Ausfahrt

© Mercedes Simplex bei der Rasanz 2015. Bildrechte: Michael Schlenger

Bildbericht zur Ausfahrt

Oakland Special von 1927 im Videoporträt

Ordentlich motorisierte, erschwingliche Autos gab es vor dem Zweiten Weltkrieg nur in den USA. Schon vor dem legendären V8-Modell von Ford produzierte der General Motors-Konzern in den 1920er Jahren Großserienwagen mit auch aus heutiger Sicht ausreichender Leistung.

Wenig bekannt dürften die Autos der Firma Oakland sein, die seit 1909 zu General Motors gehörte. Die in Pontiac (Michigan) ansässige Marke war oberhalb von Chevrolet angesiedelt, geriet aber in den 1920er Jahren auf die „Abschussliste“ des Konzerns. Die neu geschaffene Marke Pontiac sollte sie ablösen.

Das folgende Video zeigt einen rustikalen Oakland Special mit einem 8-Zylinder-Motor von Pontiac im Einsatz auf dem kurvenreichen Ortega Highway in Kalifornien.

© Videoquelle YouTube; Urheberrecht: Petrolicious

Der vielseitige Besitzer Briant Bent hat den Wagen selbst in den heutigen Zustand versetzt. Als Liebhaber von Hotrods und Anhänger der Surfkultur der Vorkriegszeit ist er in der Region – und darüber hinaus – bekannt wie ein bunter Hund.

Hier hat jemand die Leidenschaft für alte Dinge perfekt in seinen Lebensstil integriert – vorbildlich!

Auflösung der Sammlung Frederiksen

Am 26. September 2015 versteigert das Auktionshaus Bonhams die gesamte Fahrzeugsammlung des dänischen Enthusiasten Henrik Frederiksen.

Unter den Hammer kommen 48 Wagen vorwiegend der 1920er/30er Jahre, darunter zwölf Rolls-Royce der Typen Silver Ghost und Phantom, diverse Hispano-Suiza, Isotta-Fraschini, Mercedes-Benz und ein Maybach V-12 „Zeppelin„.

Stark vertreten sind daneben einstige US-Luxusmarken wie Cadillac, Duesenberg, Lincoln, Packard, Pierce-Arrow und Stutz. Ein Überblick über alle Fahrzeuge findet sich im aufwendigen Katalog von Bonhams (Download dauert länger):

Bonhams-Katalog Frederiksen-Auktion

Eine besondere Rarität ist der wohl einzige noch existierende Queen Victoria Brougham Electric von 1905. Hochauflösende Bilder dieses frühen Elektrofahrzeugs der amerikanischen Woods Motor Vehicle Company gibt es hier.

Frederiksen hat seine über Jahrzehnte aufgebaute Sammlung auf dem einstigen Adelssitz Lyngsbækgaard aufbewahrt. Auf dem herrlichen Anwesen findet auch die Auktion statt.

Der folgende, stimmungsvolle Film vermittelt einen Eindruck von der Anlage, den Autos und ihrem bodenständig gebliebenen Besitzer.

© Videoquelle YouTube; Urheberrecht: Bonhams

Sehenswert ist auch eine Bilderstrecke, die die Autos noch in ihrem alten, gediegenen Umfeld zeigt.

Einstiegsklassiker mit Stil: Lancia Flavia

Angesichts der sprunghaften Preissteigerungen für Großserienfahrzeuge wie den Porsche 911 oder den Mercedes SL (Typ R107) gerät leicht aus dem Blick, dass der Einstieg in das Oldtimerhobby immer noch bezahlbar ist.

Die Rede soll hier nicht von Brot- und Butter-Klassikern wie MG Midget, VW Käfer, Citroen 2CV oder Fiat 500 sein. Nein, auch im Segment feinen Automobilbaus werden Normalverdiener noch fündig.

Ein Beispiel dafür ist die Lancia Flavia (in Italien sind Autos weiblich). Zusammen mit der bekannteren Fulvia war dies das letzte in Eigenregie von Lancia entwickelte Modell.

Die Firma beschritt seinerzeit in guter Lancia-Tradition eigene Wege: Die 1960 vorgestellte Flavia hatte Frontantrieb und einen neuentwickelten Boxermotor mit anfänglich knapp 80 PS, der bis Produktionsende 1970 auf 125 PS erstarkte. Ein Novum in Italien waren die Scheibenbremsen rundherum.

Eigenwillig war das eckige Erscheinungsbild der Flavia-Limousine, das selbst in den von kühler Sachlichkeit geprägten 1960er Jahren auffiel. Im heutigen Zeitalter wild in alle Richtungen wuchernder Formen ist dieses Design jedoch von geradezu bestechender Klarheit und bietet zugleich viele geschmackvolle Details.

An die Qualitäten der Flavia wurde der Verfasser beim Besuch des Teilemarkts im elsässischen Lipsheim erinnert. Dort stand 2012 eine äußerlich passable Flavia aus erster (italienischer) Hand für 5.700 Euro zum Verkauf.

Flavia Limousine Lipsheim

© Lancia Flavia Limousine; Bildrechte: Michael Schlenger

Selbst falls die Kilometerangabe von 20.000 nicht stimmte, war das ein attraktives Angebot. Eine vergleichbare Alfa Romeo Giulia wäre auf keinen Fall für so wenig Geld zu haben gewesen. Doch damals wollte der Funken nicht so recht überspringen.

Das lag möglicherweise daran, dass die Flavia Limousine eine schönere Schwester hat, das von Pininfarina gezeichnete Coupé. Hier ein Exemplar, das beim 2015er Concours d’Elegance auf Schloss Chantilly bei Paris zu sehen war.

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© Lancia Flavia Coupé; Bildrechte: Michael Schlenger

Für den Zweitürer – speziell der frühen Serie – spricht nicht nur die hinreißende Linie, die sich an die größere und heute sehr begehrte Lancia Flaminia anlehnt. Auch das um 200 kg niedrigere Gewicht macht das Coupe zur ersten Wahl. In der letzten Ausbaustufe waren damit 185 km/h Spitze möglich.

Die Suche nach einem gut erhaltenen Coupé setzt einige Geduld voraus. Das attraktive frühe Modell wurde nur wenige tausend Mal gebaut.

Ford A – Originalzustand oder Hotrod

Henry Ford bahnte vor dem 2. Weltkrieg den Weg für die Volksmotorisierung.

Als in Europa Autos noch in Manufaktur gefertigt wurden, baute Ford mit dem Model T ein Fahrzeug, das sich dank rationeller Produktion spätestens in den 1920er Jahren jeder leisten konnte. Heute gibt es noch so viele Ford T, dass praktisch jedes Ersatzteil lieferbar ist.

Mit dem Nachfolger – dem Model A – landete Ford einen weiteren Welterfolg. Zwischen 1928 und 1931 wurden vom A über 4 Millionen Stück gebaut. Kein anderer Klassiker – auch nicht der VW Käfer – war in so kurzer Zeit dermaßen erfolgreich.

Wie beim Model T ist für den Ford A jedes Teil verfügbar. So ist es leicht, auch noch so heruntergerittene Ford A in Neuzustand zu versetzen. Deshalb sind weitgehend original erhaltene Exemplare heute sehr selten.

Auf dem Oldtimertreff und Teilemarkt im hessischen Butzbach ist der Verfasser 2015 einer solchen Rarität mit viel Patina begegnet:

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© Ford Model A von 1928; Bildrechte: Michael Schlenger

Reizvoll sind aber auch Ford A, die sachkundig frisiert und in Renngefährte umgewandelt wurden.

Das Model A ist eine beliebte Basis für solche Hotrods, da sich problemlos der legendäre Ford V8 aus den 1930er Jahren implantieren lässt. Mit diesem Aggregat sorgten die Amerikaner erstmals für eine großzügige und standfeste Motorisierung in Mittelklasse-Autos.

Was sich mit einem Ford A als Basis und einem modifizierten V8 anstellen lässt, zeigt das folgende Video aus Pendine Sands in Wales. Dort lassen alljährlich die europäischen Hotrodder die in den 1920er Jahren begründete Tradition der „Speed Trials“ aufleben.

© Videoquelle: YouTube; Urheberrecht: Vintage Hot Rod Association (VHRA)

Die Begeisterung unseres ostdeutschen Landsmanns in dem Film und die schiere Kraft seines 230 PS starken Model A mit mechanischer Benzineinspritzung hat die britischen Hotrod-Enthusiasten derartig angesteckt, dass sie die Sequenz im Trailer der 2014er Veranstaltung verwendet haben.

Warum sich das Model A als idealer Einstieg in die Vorkriegsszene eignet, wird hier erörtert.

Britisches Stromlinienauto der 1930er Jahre

Das Konzept eines Wagens mit Stromlinienkarosserie und Heckmotor wurde in den 1930er Jahren von vielen Herstellern verfolgt. Bereits vor den legendären Tatras und dem Volkswagen gab es auch in anderen Ländern entsprechende Versuche.

Wenig bekannt ist der britische Burney Streamline, der zwischen 1929 und 1934 in wenigen Exemplaren gebaut wurde. Entwickelt wurde er nach Maßgabe von Sir Charles D. Burney, der zuvor bereits die treibende Kraft hinter dem zeppelinartigen Luftschiff R-100 gewesen war.

Formal wies der Burney Ähnlichkeiten mit dem Rumpler-Tropfenwagen aus den 1920er Jahren und dem deutlich jüngeren Tatra 77 auf. Zwecks besserer Aerodynamik besaß der Burney eine glatte Front mit integrierten Scheinwerfer und einen glatten Unterboden. Hier einige Bilder des Wagens aus „Popular Science Monthly“, Ausgabe Dezember 1930:

Burney R-100

© Bildquelle: http://blog.modernmechanix.com; Urheberrecht: Popular Science Monthly

Das Fahrzeug verfügte über Einzelradaufhängunghydraulische Bremsen und einen wassergekühlten Reihenmotor (6- bzw. 8-Zylinder). Zugeliefert wurden die Aggregate anfänglich vom Londoner Luxuswagenhersteller Beverley, später von Armstrong-Siddeley.

Motor des Burney von 1931

© Bildquelle: http://www.velocetoday.com; Urheberrecht: Streamlined Cars Ltd.

Die Anordnung des schweren Motors hinter der Hinterachse erwies sich als ungünstig für das Fahrverhalten. Zudem war die Spur hinten schmaler als vorne. Gleichwohl loben zeitgenössische Berichte den guten Federkomfort sowie das geringe Geräuschniveau im Innenraum.

Im nachfolgenden Film sind zwei Burney Streamline im dichten Londoner Straßenverkehr zu sehen. Später werden Details der Konstruktion näher vorgestellt (originale Archivaufnahmen).

© Videoquelle: YouTube; Urheberrecht: British Pathé

Die Pläne von Burney für eine Lizenzfertigung bei Herstellern in England und in den USA scheiterten, obwohl sich sogar Rolls-Royce zeitweilig für das Konzept interessierte.

Die Patente wurden vom britischen PKW-Fabrikanten Crossley übernommen, der bis 1934 etwa zwei Dutzend dieser Wagen mit eigenen Motoren und konventioneller Frontpartie produzierte (Bericht).

Die Firma des Erfinders Charles D. Burney – Streamlined Cars Ltd. – schloss 1936 ihre Tore.