Fund des Monats: Ein Austro-Fiat Typ 1001

Für den Fund des Monats April 2020 hätte ich zwar spektakulärere Kandidaten in petto. Doch ist der Vorkriegswagen, den ich heute präsentiere, außergewöhnlich genug, um auch den Ansprüchen verwöhnter Kenner historischer Automobile zu genügen, so hoffe ich.

Gern wüsste ich jedenfalls, wer auf Anhieb in der Lage wäre, den Tourenwagen auf folgendem Foto zu identifizieren – österreichische Enthusiasten einmal ausgenommen:

Austro-Fiat Typ 1001 Tourenwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Dieser schöne Abzug, der einen klassischen Tourenwagen der späten 1920er Jahre zeigt, wurde einst vom „Photo-Kunst-Salon J. Weitzmann“ in der Praterstraße 9 in Wien angefertigt (mehr zu dem Atelier siehe hier).

Der Stempel des Fotoateliers war ein erster Hinweis auf die Herkunft des Autos – denn dass es sich um kein deutsches Fabrikat handelt, war rasch klar.

Doch was könnte das für eine Marke sein? Das unscharf wiedergegebene Logo auf der Radkappe wie auch die Plakette des Karosserielieferanten sagten mir zunächst nichts:

Mein erster Gedanke war, dass es sich um ein Modell von Steyr handeln könnte – denn der Typ XII der Marke weist eine gewisse Ähnlichkeit auf – das merkwürdige Logo wollte jedoch nicht passen.

Bis ich den Wagen endlich identifizieren konnte, ging einige Zeit ins Land. In solchen Fällen kehre ich immer wieder zu solchen Rätselfotos zurück in der Hoffnung, dass ich in der Zwischenzeit irgendwo etwas gesehen habe, das mich daran erinnert.

Mitunter kann es Jahre dauern, bis man Erfolg mit dieser Technik hat. Oft bedarf es erst eines neuen Buchs oder Vergleichsfotos von Sammlerkollegen, die einen auf die richtige Spur bringen. Manchmal hilft es auch, bereits vorhandene Literatur durchzublättern.

Auf die eine oder andere Weise – genau weiß ich es nicht mehr – bin ich auf die Lösung gestoßen . Jedenfalls stellte sich heraus, dass der Wagen einst als Austro-Fiat firmierte.

Bevor ich Näheres zum Typ verrate, ein Exkurs zur Historie des Markennamens. Wie man sich denken kann, war Austro-Fiat eine Bezeichnung, die vom Turiner Fiat-Werk zum Vertrieb seiner Produkte in Österreich verwendet worden war.

Tatsächlich hatten die Italiener bereits 1907 im Wiener Stadtteil Floridsdorf die Österreichische Fiat-Werke Aktiengesellschaft gegründet. Dabei ging es keineswegs nur um den Bau von Fiat-Automobilen, sondern auch andere Produkte des Konzerns, beispielsweise Schiffs- und später Flugmotoren.

Nach anfänglicher Montage von Konstruktionen aus Turin scheint man ab 1910 beim Wiener Ableger zunehmend eigenständiger geworden zu sein. Inwieweit die bis zum 1. Weltkrieg gefertigten Modelle – insbesondere der Typ C1 – bereits „Eigengewächse“ waren, konnte ich auf die schnelle nicht ermitteln.

Nach dem 1. Weltkrieg jedenfalls nahm man wieder Kontakt mit dem Turiner Mutterkonzern auf und erneuerte das Vertragsverhältnis. Unklar ist mir, inwieweit die ab 1919 gebauten Austro-Fiats noch den Entwicklungen in Turin folgten. Vielleicht weiß jemand eine Quelle dazu.

Mein Eindruck aus der dünnen mir vorliegenden Literatur (vor allem: „Österreichische Kraftfahrzeuge“, von: Seper/Krackowizer/Brusatti, 1982) ist der, dass man in Wien die Vorkriegsmodelle eigenständig weiterentwickelte.

Dazu würden zwei Dinge passen: Zum einen erfolgte 1921 die Umbennung in Österreichische Automobil-Fabriks-Aktiengesellschaft, zum anderen bestand eine Kooperation mit zwei anderen österreichischen Herstellern: Austro-Daimler und Puch.

So halte ich es für wahrscheinlich, dass der Austro-Fiat auf dem heute vorgestellten Foto tatsächlich mehr österreichische als italienische Gene in sich trägt (siehe hier). Klar ist nur, dass es sich um den 1928 vorgestellten Typ 1001 mit 6/32 PS-Vierzylinder handelt.

In der mir vorliegenden Literatur findet sich kein entsprechendes Foto, wohl aber im Netz:

Austro-Fiat Typ 1001; Quelle: Coachbuild-Forum

Diese Quelle nennt auch den Hersteller der Karosserie – die Firma A. Weiser & Sohn, die 1920 von der Österreichische Fiat-Werke AG übernommen worden war.

Interessant ist, dass man in Wien auf Basis des Typs 1001 auch Nutzfahrzeugversionen baute – neben Taxis sogar leichte LKW.

Bis mindestens 1931 scheint der Austro-Fiat 1001 noch als PKW gebaut worden zu sein, später beschränkte man sich auf Nutzfahrzeuge. Wann der letzte Personenwagen des Typs 1001 das Werk in Wien-Floridstadt verließ, konnte ich nicht ermitteln.

Wahrscheinlich war es kein Tourenwagen mehr wie auf dem eingangs gezeigten Foto – dieser Aufbau war mittlerweile veraltet. Die Insassen des heute vorgestellten Austro-Fiat 1001 scheinen damit jedoch zufrieden gewesen zu sein:

Offenbar war der Wagen für eine Festivität geschmückt, vielleicht eine Hochzeit.

Auffallend die Ähnlichkeit zwischen den beiden Passagieren auf der Rückbank – wahrscheinlich Mutter und Tochter. Man sieht förmlich, wie das Mädchen als erwachsene Frau aussehen wird.

Ob der Fahrer ebenfalls zur Familie gehörte oder nur angestellt war – mitunter waren die Übergänge fließend – muss offenbleiben.

Auf jeden Fall ist das ein schönes Dokument, das zwar keine Sensation darstellt, aber für viele Leser wohl Neuland bedeutet und zudem einige Fragen aufwirft, die sich vielleicht irgendwann noch beantworten lassen…

Übrigens: Auf der famosen Website von Claus Wulff zu historischen Markenlogos und -emblemen finden sich auch mehrere Beispiele zu Austro-Fiat!

© Michael Schlenger, 2020. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

Zeugen einer kurzen Blüte: Auburn 1924-32

Auch wenn ich aufgrund meines Online-Bildarchivs mit Vorkriegsfahrzeugen öfters Anfragen von renommierter Seite erhalte – gerade kürzlich wieder seitens des PS-Speichers in Einbeck – verstehe ich mich nicht als klassischen Automobilhistoriker.

Mein Vorgehen ist weniger systematisch und weniger ernsthaft. Sicher, ich bemühe mich um korrekte Ansprache von Hersteller, Modell und Aufbau sowie die Datierung der Aufnahmen aus meiner Sammlung und von Bildern, die mir Leser zusenden.

Aber oft ist mein Ansatz ein spielerischer – ich schaue nach Feierabend, Gartenarbeit oder Bastelei in der Werkstatt einfach, welches Thema sich für meinen Blog anbietet. Das ergibt sich meist spontan aus dem vorhandenen Material, um das herum sich eine Geschichte erzählen lässt.

Ein Beispiel dafür ist der heutige Blog-Eintrag, der sich mit der amerikanischen Marke Auburn befasst. Nur drei historische Aufnahmen von Wagen dieses 1900 gegründeten Herstellers aus dem gleichnamigen Ort im Bundesstaat Indiana liegen mir vor.

Doch wie es der Zufall will, lässt sich anhand dieser Bilder genau der Zeitraum von 1924 bis 1932 umreißen, in den die kurze, aber heftige Blüte der Marke fiel.

Den Anfang macht dieser Tourenwagen von Auburn, der einst in stark gebrauchtem Zustand in Berlin abgelichtet wurde:

Auburn Tourenwagen von ca. 1924; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Die Scheibenräder und die trommelförmigen, vernickelten Scheinwerfer sprechen für eine Entstehung im Jahr 1924.

Damals übernahm ein gewisser E.L. Cord das Management der Firma Auburn, deren Verkaufszahlen Anfang der 1920er Jahre für amerikanische Verhältnisse sehr überschaubar waren. Nur rund 16.000 Autos waren seit 1919 abgesetzt worden.

E.L. Cord war ein Selfmademann und Verkaufstalent nach typisch amerikanischer Manier – angefangen hatte er als Tankwart und Autoverkäufer, mit viel Geschick und unternehmerischem Mut brachte er es zu Vermögen und Einfluss.

Die Kapitalgeber von Auburn, die mit der Situation des Unternehmens unzufrieden waren, überredete er dazu, ihm statt eines angemessenen Manager-Gehalts eine Gewinnbeteiligung und bei Erfolg das Recht zur Übernahme eines Kapitalanteils zuzugestehen, der ihm die Kontrolle des Unternehmens ermöglichte.

Kurzerhand ließ Cord die zu hunderten unverkauft gebliebenen Auburn-Wagen des Modelljahrs 1924 optisch aufwerten, wozu neben vernickelten Teilen auch eine neue Lackierung gehörte.

Die ehemaligen Ladenhüter wurden prominent platziert und verkauften sich daraufhin in Windeseile. Es ist gut möglich, dass der Auburn von 1924 auf obigem Foto im Anschluss an diesen bahnbrechenden Verkaufserfolg nach Deutschland gelangte.

Dort begannen die US-Hersteller gerade den Markt aufzurollen, der von einheimischen Fabrikaten mangels zeitgemäßer Modelle und Kapital nicht annähernd abgedeckt wurde.

Der einst in Berlin verkaufte Auburn war ein typisches Beispiel für leistungsfähige Sechszylinderwagen, die Mitte der 1920er Jahre von deutschen Herstellern in derselben Preisklasse nicht zu bekommen waren.

Hier können wir einen Blick auf den von Continental zugekauften Sechszylindermotor erhaschen, der in zwei Versionen erhältlich war – die stärkere leistete über 60 PS:

Mehr über die Aufnahmesituation ist übrigens in einem älteren Blog-Eintrag zu finden (hier).

Nur ein Jahr nach der Übernahme der Geschäftsführung durch E.L. Cord präsentierte Auburn erstmals zwei Achtzylindertypen – mit gut 60 PS bzw. fast 90 Pferdestärken. Lieferant dieser Aggregate war diesmal Lycoming.

Ab 1925 sorgte Cord außerdem für ein auffallenderes Erscheinungsbild der Auburn-Wagen. Dazu gehörten Zweifarblackierungen und eine Sicke, die wellenförmig über die Motorhaube lief.

Die Wirkung dieses wohl einzigartigen gestalterischen Elements ist mit Worten schwer zu beschreiben, doch haben wir Glück. Es wurde nämlich bis 1930 beibehalten und findet sich auf einem weiteren Auburn-Foto wieder, das Leser Klaas Dierks beigesteuert hat:

Auburn Model 8-90 Cabriolet von 1929; Ausschnitt aus Originalfoto aus Sammlung Klaas Dierks

Dieses Bild ist ein Ausschnitt aus einer größeren Aufnahme, auf dem ein Nash von 1930 im Vordergrund steht. Wie man sieht, waren beide Wagen einst in Hamburg zugelassen.

Von dem helllackierten Auburn ist genug zu sehen, um ihn als Zweifenster-Cabriolet ansprechen zu können. Die Details der Frontpartie sprechen für das Modelljahr 1929/30. Im Unterschied zum Nash sind die Kotflügel noch nicht „aus einem Guss“, auch die (originale) Stoßstange wirkt rustikaler, erkennbar stand hier die Funktion im Vordergrund.

Außerdem sieht man einen Teil des erwähnten geschwungenen Dekors auf der Motorhaube sowie die charakteristische Kühlerpartie, die bereits 1926 eingeführt worden war. Die Drahtspeichenräder sind ein Hinweis auf das Modell 8-90.

Der „schwächere“ Sechszylindertyp 6-80 scheint dagegen serienmäßig über klassische Holz- oder eher Stahlspeichenräder verfügt zu haben. Der 90 PS-Achtyzlinder stammte – wie der noch stärkere Antrieb des Model 120 – wiederum von der Firma Lycoming, die E.L. Cord 1929 seinem wachsenden Imperium einverleibte.

Bei diesem repräsentativen Erscheinungsbild und den für die späten 1920er Jahre beeindruckenden Leistungsdaten muss man sich bewusst bleiben, dass die Auburn-Wagen in den Staaten lediglich der oberen Mittelklasse angehörten.

Für das Luxussegment war im Konglomerat von E.L. Cord die Firma Duesenberg zuständig, außerdem gab es einen prestigeträchtigen neuen Fronttriebler, den Cord L-29.

Doch auch bei Auburn ließ E.L. Cord nochmals eine Schippe drauflegen: 1932 kam das Modell 12-160 heraus, das einen 12-Zylinder-Motor von Lycoming besaß.

Dieses Aggregat leistete serienmäßig enorme 160 PS, dennoch kostete der Wagen unter 1.000 Dollar – trotz der damals weit höheren Kaufkraft der US-Währung bis heute unerreicht für einen 12-Zylinder-Wagen.

Auch zum Auburn des Modelljahrs 1932 fand sich ein passendes Foto:

Auburn von 1932 mit US-Zulassung; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Diese reizvolle Privataufnahme aus den Vereinigten Staaten kam vermutlich nach Deutschland, um Verwandte in der alten Heimat vom erreichten Lebensstandard in Kenntnis zu setzen.

Optisch ist aus dieser Perspektive zwar nur die Datierung möglich. Ob sich unter der Haube aber nun der Zwölfzylinder oder „nur“ der 100 PS leistende Achtzylinder verbarg, ist letztlich unerheblich. Motoren mit sechs Zylindern bot Auburn damals nicht an.

Diese Auburns des Modelljahrs 1932, die bereits über einen Overdrive verfügten – also eine zuschaltbare Gangstufe zur Reduzierung der Drehzahl bei Reisetempo – markierten den Gipfelpunkt der Markengeschichte.

Danach ging es kontinuierlich bergab. E.L. Cord verlagerte seine unternehmerischen Interessen und vernachlässigte Auburn wie auch Duesenberg, sodass beide rasch an Konkurrenzfähigkeit verloren. 1937 waren die traditionsreichen Marken Geschichte.

So künden drei alte Fotos von einer kurzen, aber heftigen Blütezeit, die auch in Deutschland ganz unerwartet Spuren hinterließ…

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Pilgerfahrt nach Spanien: Ein Panhard von 1914

Die Coronavirus-Krise macht deutlich, was einem schon der nüchterne Verstand sagt: Das vielzitierte „Europa“ gibt es nur als geografische oder historische Region, nicht als handlungsfähiges politisches Gebilde.

Da von Brüsseler Bürokraten nur weltfremde Komplikationen, aber keine handfesten Lösungen zu erwarten sind, haben aktuell die Nationalstaaten die Verantwortung übernommen – was nicht heißt, dass die Ergebnisse deshalb überall ideal sind.

Dass es entgegen wohlfeiler Bekundungen auch kein Europa als gemeinsame Heimat gibt, wird an den absehbaren Verboten grenzüberschreitender Urlaubsreisen deutlich. Hätte man sich auf EU-weite Sicherheitsstandards geeinigt, wäre es dagegen egal, ob man für zwei Wochen in die Pfalz reist oder in das benachbarte Elsass.

Die Pfälzer, die wie die linksrheinischen Nachbarn dem guten Leben nicht abgeneigt sind, werden es gewiss begrüßen, wenn nun statt des Elsass ihre schöne Region bereist und genossen wird. Was aber machen die Italien- und Spanienliebhaber?

Sie werden hierzulande schwerlich Vergleichbares finden wie im Süden. Da bleibt nur der virtuelle Besuch – aber auch der hat seinen Reiz, wenn man ihn mit einer Zeitreise im Vorkriegsautomobil verknüpft:

Panhard um 1914 und diverse jüngere Automobile; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Diese schöne Aufnahme wurde einst von einem Fotoatelier „Leoncio“ in Limpias angefertigt. Der Ortsname sagte mir zunächst nichts, wenngleich die Dachziegel des Hotel-Restaurants Royal auf Südeuropa verweisen.

Die Bildungslücke ist wohl verzeihlich: Limpias ist ein winziger Ort in der nordspanischen Region Kantabrien, die am ehesten für die großartigen steinzeitlichen Malereien in der Höhle von Altamira bekannt ist.

Was könnte einst Anlass einer solchen Autokolonne in einem spanischen Bergdorf gewesen sein? Ich nehme an, dass es sich um eine moderne Form der Pilgerfahrt an einen Ort handelte, an dem es nach der Überlieferung zu „Wundern“ gekommen war.

Im vorliegenden Fall lagen diese Wunder nicht lange zurück. Erstmals 1914 wurde davon berichtet, dass das Christusbild in der Iglesia de San Pedro de Limpias die Lebenszeichen eines gerade Gekreuzigten erkennen ließ.

Wie in solchen makabren Fällen üblich, etablierte sich in Windeseile ein lokaler Kult um die angeblichen Phänomene (mehr dazu aus „verlässlicher Quelle“ hier). So dürfte zu erklären sein, weshalb Limpias nach Bekanntwerden weiterer angeblicher Wunder nach dem 1. Weltkrieg ein gern besuchter Ort wurde.

Unter den Automobilisten, die wohl eher der Rationalität zugetan waren, dürften die wenigsten den Wundergeschichten Glauben geschenkt haben, die schon manches arme Dorf zum Touristenmagnet gemacht hat.

Vermutlich hat hier eine Gruppe früher Autobesitzer anlässlich einer Ausfahrt in der landschaftlich reizvollen Region einen Zwischenhalt an dem bekannten Ort eingelegt.

Das links im Vordergrund stehende Fahrzeug ist aus heutiger Sicht besonders spektakulär:

Auf dem Kühlergrill sind in dem runden Emblem die Buchstaben P und L zu erahnen – sie stehen für „Panhard & Levassor“ – eine der ehrwürdigsten französischen Automarken überhaupt.

Die Modelle dieses seit 1890 tätigen Herstellers sind von besonderem Reiz – wie überhaupt viele französische Fabrikate jener Zeit. Die Panhard-Wagen gehörten vor dem 1. Weltkrieg nicht nur zu den besten Autos der Welt, sondern waren auch in stilistischer Hinsicht eine Klasse für sich.

Bei der Datierung sind ganz andere Maßstäbe anzulegen als bei Fahrzeugen aus dem deutschen Sprachraum. So gibt es bei Panhard (wie auch bei anderen französischen Wagen) kein eindeutiges Datum, ab dem sich der „Windlauf“ zwischen Motohaube und Windschutzscheibe durchsetzte.

Stattdessen finden sich bis 1914 sowohl Modelle ohne Windlauf als auch solche mit diesem strömungsgünstigen Element – dann teils nur erkennbar aufgesetzt, teils schon vollkommen in die Karosserielinie integriert.

Man muss bei Panhard daher einem weiteren Detail Aufmerksamkeit schenken – der Gestaltung der Kühlermaske. So findet sich der leicht spitz zulaufende Kühler wie auf dem heute vorgestellten Foto bei Panhard erst ab 1914, wenn ich mich nicht täusche.

Den Aufbau mit geschlossenem Passagierabteil und außenliegendem Fahrersitz findet man in der Literatur unter der schönen Bezeichnung „Coupé avant torpédo“. Apropos Literatur: Meine Empfehlung lautet im Fall von Panhard wie folgt:

Bernhard Vermeylen: Panhard & Levassor – entre tradition et modernité, Verlag ETAI, 2005

Selbst wenn man keine französischen Texte lesen kann, lohnt sich die Anschaffung: Die Vielzahl an Bildern bester Qualität auf über 250 Seiten ist schlicht überwältigend.

Erschlagend ist freilich auch das Angebot an Motorisierungen, die Panhard um 1914 im Angebot hatte: Gut ein halbes Dutzend Vierzylinder mit Hubräumen von 2,2 bis 7,4 Litern sowie drei Sechszylinder mit 5 bis 6,6 Litern.

Welches dieser Aggregate nun den Panhard von ca. 1914 antrieb, der auf dem Foto aus Limpias verewigt wurde, wird sich nicht mehr klären lassen. Ob es wohl der elegant gekleidete Herr hätte sagen können, der hier selbstbewusst in die Kamera schaut?

Ich bin sicher, dass dies kein Schnappschuss ist, die Pose ist zu perfekt, um zufällig zu sein. Handelt es sich vielleicht um den Besitzer des großartigen Panhard, der als einziges Auto vollständig auf dieser Aufnahme abgelichtet ist?

Ich halte das für möglich, wenngleich der Kontrast zwischen dem Vorkriegs-Panhard mit Gasscheinwerfern und dem im 20er-Jahre-Stil gekleideten Herrn denkbar groß ist.

Doch je nach dem, was bei dem Panhard unter der Haube schlummerte, war er ein nach wie vor vollkommen souveränes Automobil – mit reichlich Drehmoment ausgestattet, was solche Ausfahrten in bergigen Regionen zu einem schaltarmen Vergnügen machte.

Als Fazit bleibt anlässlich dieses Dokuments festzuhalten, dass es die landestypischen Eigenheiten sind – die einst auch die Gestaltung von Automobilen betrafen – die den Reiz Europas ausmachen. Es ist das in Vergessenheit geratene Europa der Vaterländer (Charles de Gaulle) , das in diesen Tagen eine unfreiwillige Wiederauferstehung feiert…

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Sagenhaft auch mit 12 PS: Porträt des NAG „Puck“

Vor dem 1. Weltkrieg zählte NAG aus Berlin zu den renommiertesten Autoherstellern im Deutschen Reich – auch international genoss die 1901 gegründete Neue Automobil Gesellschaft einen exzellenten Ruf.

Eine Ahnung von der Breite der Kompetenz bei NAG vermittelt folgende Reklame von 1910:

NAG-Reklame aus „Braunbecks Sportlexikon“, 1910; Faksimileausgabe aus Sammlung Michael Schlenger

Es gab demnach fast nichts, was die AEG-Tochter NAG im Sektor des Motorantriebs nicht beherrschte. Von kaum zu unterschätzender Bedeutung war dabei der Nutzfahrzeugbau, der damals noch in den Kinderschuhen steckte.

NAG entwickelte sich rasch zu einem der bedeutendsten Hersteller von Lastkraftwagen und Omnibussen – der markentypische Rundkühler wurde rasch zu einem allgegenwärtigen Anblick wie auf dieser Postkarte:

NAG Omnibus um 1908; Ausschnitt aus einer historischen Postkarte aus Sammlung Michael Schlenger

Doch auch am anderen Ende der Skala – im Kleinwagenbereich – machte NAG von sich reden.

Während man weiterhin mit Giganten wie dem Typ B2 mit 55 PS aus 8-Litern Hubraum allerhöchste Ansprüche zu erfüllen wusste, brachte man 1908 mit dem Typ N2 6/12 PS ein Kompaktmodell mit gerade einmal 1,6 Litern Hubraum heraus.

Der neukonstruierte Vierzylinderwagen erhielt als erster NAG neben bzw. statt der üblichen PS-Spezifikation eine werbewirksame Modellbezeichnung – „Puck“:

NAG 6/12 PS „Puck“; zeitgenössische Reklame um 1909

Auch wenn dieses Kleinwagenmodell einige Bekanntheit und Verbreitung erlangte, ist es gar nicht so einfach, an eine zeitgenössische Originalaufnahme heranzukommen.

Das ist aber auch kein Wunder, wenn man sich der Bedeutung des Namens „Puck“ vergewissert. Denn ein Puck ist in der altgermanischen Tradition ein sagenhafter Angehöriger des Elfen-Geschlechts, der normalerweise unsichtbar ist.

Bisweilen haust er – wie Fotos alter Autos – auf dem Speicher und gibt sich nur bei guter Behandlung den Menschen zu erkennen. William Shakespeare hat dem Puck im „Sommernachtstraum“ ein literarisches Denkmal gesetzt.

So darf man darf davon ausgehen, dass die solvente Kundschaft von NAG – auch deren Kleinwagen waren nicht gerade billig – mit „Puck“ weit mehr anzufangen wusste als neuzeitliche Eishockey-Enthusiasten…

Dass wir heute den sonst quasi unsichtbaren Puck aus dem Hause NAG zu Gesicht bekommen, verdanke ich Leser Matthias Schmidt aus Dresden. Seine Sammlung von Originaldokumenten der Vorkriegszeit enthält nämlich dieses schöne Foto:

NAG Typ N2 6/12 PS „Puck“; Originalfoto aus Sammlung Matthias Schmidt (Dresden)

Der stattliche Besitzer und sein eindrucksvoll dimensionierter Hund lassen den NAG „Puck“ hier erst recht zwergenhaft klein erscheinen. Der Vergleich mit der zuvor gezeigten Reklame zeigt eine sonst seltene Übereinstimmung im Detail.

Daher bin ich sicher, dass wir es hier mit einem NAG „Puck“ zu tun haben. Doch wie es bei dieser Sagengestalt nun einmal der Fall ist, entzieht sich der Puck gern dem Auge des Menschen oder lässt ihn über seine wahre Natur im Ungewissen.

Ein zweites prachtvolles Foto – diesmal von Leser Klaas Dierks – illustriert das schwer zu erfassende Wesen des Puck auf kaum zu überbietende Weise:

NAG Typ 6/12 PS „Puck“ (mutmaßlich); Ausschnitt aus Originalfoto aus Sammlung Klaas Dierks

Von der Kühlerpartie abgesehen hat sich der „Puck“ hier völlig unsichtbar gemacht, wie es ihm seine Natur der Tradition nach erlaubt.

Doch vier wackere Mannsbilder mit vierbeiniger Unterstützung haben zumindest die Kühlerpartie des Puck dingfest gemacht – hier mit grafisch raffiniert ausgeführtem Markenschriftzug.

Wie ein Automobil fast völlig unsichtbar und dennoch auf vollkommene Weise präsent sein kann, das finde ich sagenhaft. Auch die Proportionen des Wagens im Vergleich zu den vier Herren, die hier einem Puck furchtlos zu Leibe gerückt sind, passen perfekt.

Dokumente wie die heute vorgestellten machen für mich – neben den überlebenden Fahrzeugen – den Reiz der Beschäftigung mit Vorkriegsautos aus. Dabei stellen sich bisweilen spontan merkwürdige Assoziationen ein, so auch hier.

Der „Puck“ erinnerte mich nämlich an eine Verfilmung von Shakespeares „Midsummernight’s Dream“ aus dem Jahr 1999, in dem besagte Gestalt eine nicht unerhebliche Rolle spielt, unter folgendem Link gibt es einen reizvollen Ausschnitt daraus:

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Ein Stettiner in Augsburg: Ford Eifel Roadster

Gut 750 km sind es von Stettin in Pommern (heute Teil Polens) in die Römerstadt Augsburg in Bayern, wenn man die direkte Route zugrundelegt.

Vor 75 Jahren – am Ende des 2. Weltkriegs – war der Weg für viele Stettiner aus der alten Heimat zu einem neuen Lebensmittelpunkt verschlungener und beschwerlicher – oft genug ein nie bewältigtes Trauma.

Doch heute geht es nicht um die katastrophale Niederlage Deutschlands im Frühjahr 1945, sondern um eine reizvolle Episode einige Jahre vorher, die nichts von den bedrückenden politischen Umständen ahnen lässt.

Auch damals ging es um einen Stettiner, den es nach Bayern verschlagen hatte, nicht ohne einen Umweg über Köln am Rhein genommen zu haben – zumindest teilweise.

Klingt reichlich mysteriös, ist aber genau das, was die Aufnahme aus meiner Sammlung zeigt, die ich heute vorstelle:

Ford Eifel Roadster von 1936 in Augsburg; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Zunächst ist festzuhalten, dass dieses schöne Dokument, an dem fast alles stimmt, eine bloße Amateuraufnahme ist, über deren Entstehungsumstände wir nichts wissen.

Beim Erwerb hatte ich keine Vorstellung davon, was darauf zu sehen ist und wo das Foto einst entstanden war. Ich kaufe gern solche rätselhaften Bilder, wenn sie mich ansprechen und der Preis vernachlässigbar ist.

Es hat mich einige Zeit gekostet herauszufinden, was darauf zu sehen ist, doch heute bin ich froh, dass ich dieses Dokument dem sonst wohl sicheren Vergessen entrissen habe, und hoffe, dass es auch anderen Freude bereitet.

Man darf davon ausgehen, dass für den Fotografen die junge Frau der Anlass war, auf den Auslöser zu drücken. Ob sie seine Begleiterin war oder gerade zum rechten Zeitpunkt am rechten Ort war, um diesem Bild seine Magie zu verleihen, sei dahingestellt.

Ebenfalls offenbleiben muss, ob das Auto am Straßenrand ebenso „zufällig“ in die Aufnahme einbezogen wurde, ob es dem Fotografen gehörte oder ihm zumindest so interessant vorkam, dass er es in den Bildaufbau einbezog.

Möglicherweise wollte jemand bloß die prächtige Maximilianstraße in Augsburg mit dem großartigen Herkulesbrunnen und der spätgotischen Kirche St. Ulrich und Afra aufs Bild bannen – eine Ansicht, die sich heute fast genauso darbietet und aus meiner Sicht alles über die mit der Moderne verlorengegangene Kunst des Städtebaus sagt.

Nun aber zum Auto, das lediglich auf den ersten Blick unspektakulär wirkt:

Der schmale, hohe Kühler und die mittig abwärtsgeschwungene Stoßstange lässt natürlich an einen Ford Eifel in der frühen Ausführung von 1935/36 denken.

Diese konservative Gestaltung der Frontpartie entsprach der des britischen Vorbilds, des Ford „Ten Junior“.

Dass der Ford Eifel – mit Ausnahme des Opel Olympia – auf dem deutschen Markt fast konkurrenzlos war, habe ich in einem älteren Blog-Eintrag dargelegt.

Damals hatte ich unter anderem dieses Foto eines frühen Ford Eifel präsentiert, dessen Kühlerpartie identisch mit der des Wagens aus Augsburg ist:

Ford „Eifel“ Cabriolimousine von 1935/36; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Doch die Übereinstimmung endet auch schon an der Frontpartie. Wie es scheint, besaß der auf der Maximilianstraße in Augsburg abgelichtete Ford senkrechte Luftschlitze ohne waagerechte Zierleisten.

Zudem zeigt sich bei näherer Betrachtung, dass er über einen tiefen Türausschnitt verfügt, wie er von jeher typisch für Roadster-Aufbauten ist. Nun wird es interessant:

Roadster auf Basis des Ford „Eifel“ werden in der gängigen Literatur zu deutschen Vorkriegsautos zwar erwähnt. Doch Bilder sind dort meist nur von den späteren Ausführungen mit geänderter Frontpartie zu finden.

Ein Ford „Eifel“ Roadster mit der ursprünglichen Kühlerausführung dagegen war eine ziemliche Rarität. Tatsächlich wurden davon nur wenige hundert Exemplare gefertigt, und zwar – nun landen wir in Stettin – von den Stoewer-Werken!

Hier eine Abbildung, die mir Stoewer-Spezialist Manfried Bauer zur Verfügung gestellt hat:

Ford „Eifel“ Roadster (frühe Ausführung) mit Karosserie von Stoewer; Quelle: Stoewer-Archiv M.B.

Über diese eigentümliche Kooperation der riesigen Kölner Ford-Werke mit dem kleinen, aber feinen Traditionshersteller an der Ostsee finden sich in der einschlägigen Literatur einige Überlegungen – ganz genau klären ließ sich die Sache aber nicht mehr.

Plausibel finde ich es, das Interesse von Ford an einer Zusammenarbeit mit Stoewer damit zu erklären, dass man die Präsenz der Stettiner Traditionsfirma im Ostteil des Deutschen Reichs und ihren hervorragenden Ruf in östlichen Nachbarstaaten zur Förderung des eigenen Vertriebs nutzen wollte.

Für Stoewer, wo man in wirtschaftlichen Schwierigkeiten war, kam der Auftrag aus Köln zum Bau von Roadster-Aufbauten für den Ford Eifel gerade recht.

Einerseits war das eine Anerkennung der Qualitätsarbeit, die in Stettin geleistet wurde, auf der anderen Seite war klar, dass solche Auftragsarbeiten für einen Massenproduzenten wie Ford von Stoewer ohne Investitionen nicht in großem Stil realisierbar waren.

Aus welchen Beweggründen auch immer ergab sich nach der Fertigung von Roadster-Aufbauten für den Ford Eifel durch Stoewer keine weitere Kooperation.

So blieb der Roadster auf Basis des frühen „Eifel“ eine kurze Episode in der wechselhaften Geschichte der Stettiner Marke, die es als einzige hierzulande geschafft hatte, bis in die 1930er Jahre von der Gründerfamilie gelenkt zu werden.

Wieviele – oder besser: wie wenige – von Stoewer an Ford in Köln gelieferten Roadster-Aufbauten überlebt haben, kann vielleicht jemand von den Alt-Ford-Freunden sagen.

Immerhin konnte ich im Netz ein Foto finden, das sehr wahrscheinlich einen frühen Ford Eifel mit Roadster-Aufbau aus Stettin zeigt. Über weitere Hinweise auf überlebende Exemplare dieses Typs würde ich mich freuen.

Zurückkehren möchte ich noch einmal zu der jungen Dame, die einst mein Interesse an diesem Foto geweckt hatte:

Auch ohne den raren Ford wäre das doch eine Aufnahme, bei der es dem Nostalgiker und Kulturpessimisten warm ums Herz wird.

Denn bei aller Schönheit Augsburgs, die trotz des zweitägigen Bombenangriffs auf die historische Innenstadt im Februar 1944 nach dem Krieg einigermaßen wiederhergestellt werden konnte, wird man dort heute diesem eleganten Stil kaum mehr begegnen.

Wenn in diesen Tagen des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa gedacht wird, der 1939 vom nationalsozialistischen Deutschland und dem kommunistischen Russland fast zeitgleich begonnen wurde, mag vielleicht der eine oder andere Gedanke auch einer damit untergegangenen Welt gelten, in der Schönheit und eleganter Stil einen anderen Stellenwert hatten als in unseren Tagen…

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Ein echter Doktorwagen: NSU-Zweisitzer

Man kann die Bedeutung des Automobils für unsere Zivilisation und unseren Wohlstand kaum überschätzen – weshalb Wachsamkeit angebracht ist, was ideologisch motivierte Versuche angeht, unter Vorwänden die automobile Bewegungsfreiheit einzuschränken.

Wenn die derzeitigen mit dem Coronavirus begründeten undifferenzierten Zwangsmaßnahmen neben gigantischen wirtschaftlichen Schäden irgendetwas Positives bewirken, dann den Nachweis, dass die faktischen Enteignungen von Fahrern älterer Dieselfahrzeuge jeder Grundlage entbehrten.

Trotz stark reduzierten Autoverkehrs haben sich die von selbsternannten Umwelthelfern problematisierten und von opportunistischen Politikern aufgenommenen Schadstoffwerte in den Großstädten kaum verändert. Hört man nun etwas von einer Korrektur der Fahrverbote oder gar Schadenersatz für die davon Betroffenen?

Wohl niemand hat etwas gegen maßvolle und wirksame Schritte zur Verringerung tatsächlicher Umweltbelastungen, aber wie immer in der Politik ist eine Güterabwägung vorzunehmen, da auch Lebensinteressen der Bürger zu berücksichtigen sind.

Schon in der Frühzeit des Automobils gab es Versuche von Verbotsfetischisten, der neu gewonnenen Mobilität das Wasser abzugraben. Man denke nur an den Red Flag Act in England, der selbstfahrende Fahrzeuge bis 1896 zu Fußgängertempo verdammte.

Hätten sich diese reaktionären Kräfte durchgesetzt, wäre es zu einer der nützlichsten Anwendungen des Automobils nie gekommen – dem Doktorwagen!

Bei dem Stichwort denken sicher viele an den legendären Opel „Doktorwagen“ – hier ein Exemplar von 1908, das 2016 bei den Classic Days auf Schloss Dyck zu sehen war:

Opel „Doktorwagen“ von 1908; Bildrechte: Michael Schlenger

Natürlich war der „Doktorwagen“ kein exklusives Angebot von Opel – vielmehr wurden damit kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts generell offene Zweisitzer bezeichnet, die sich unter anderem für den Bedarf von Landärzten und Veterinären eigneten.

Die Konstruktion als Zweisitzer mit Faltverdeck war dabei keine besondere Anforderung der Herren Doktoren, sondern schlicht die billigste verfügbare Variante eines Automobils.

Auch wenn Ärzte vor über 100 Jahren in der Einkommenshierarchie höher angesiedelt waren als heute, war auch für sie die Anschaffung eines Autos eine kolossale Investition – daher musste die Einstiegsversion genügen, die genug Platz für den Doktor und seinen Arztkoffer bot.

Das Ergebnis sah dann typischerweise so aus:

NSU 5/10 oder 6/12 oder 8/15 PS vor 1910; Foto aus: „Bielstein in alten Bildern“, hrsg. vom Heimatverein Bielstein, 1980

Dieses schöne Foto verdanke ich Walter Ruland, der von mir wissen wollte, ob der Wagen tatsächlich ein NSU von 1912/13 sei. So ist es jedenfalls in einer 40 Jahre alten Publikation des Heimatvereins Bielstein (Bergisches Land) überliefert.

Nun, die Jahreszahl stimmt definitiv nicht, das Auto muss mangels „Windlauf“ zwischen Motorhaube und Windschutzscheibe vor 1910 entstanden sein. Doch die Ansprache als NSU ist korrekt.

Bei der Einordnung hilft folgende Reklame, die einen NSU von 1910 zeigt, der bereits die neuartige, zuvor im Rennsport erprobte „Windkappe“ zeigt, die den Luftwiderstand verringerte.

NSU-Reklame aus Braunbeck’s Sportlexikon von 1910: Original aus Sammlung Michael Schlenger

Von besagter Windkappe (international damals auch als Torpedo bezeichnet) abgesehen stimmt die Frontpartie vollkommen mit der des Wagens in der Publikation des Heimatvereins Bielstein von 1980 überein.

Die markante Ausführung des Kühlers entspricht mit Ausnahme des ovalem Emblems derjenigen der belgischen Pipe-Wagen, für deren Produktion NSU 1905 eine Lizenz erworben hatte.

Besagtes Emblem ist auf folgendem Ausschnitt zu erahnen. Studieren lässt sich außerdem die von Pipe übernommene getreppte Gestaltung des Oberteils des Kühlergehäueses:

Reizvoll ist die weit vorn angebrachte Hupe, die über ein sehr langes, rechts an der Motrhaube vorbeiführendes Rohr vom Armaturenbrett aus bedient worden sein muss.

Als NSU-Motorwagen (Lizenz Pipe) bot man ab 1906 vor allem um einen für die damalige Zeit ziemlich leistungsfähigen 15/24 PS-Typ an. Doch parallel dazu entwickelte NSU unter Leitung von Walter Schuricht einen kompakteren Vierzylinder mit 1,3 Litern Hubraum – den Typ 5/10 PS.

Dieser war anfänglich nur als offener Zweisitzer verfügbar und möglicherweise war der NSU auf dem oben gezeigten Foto ein solcher NSU 5/10 PS-Typ. Daneben wurde ein 1,5 Liter Modell angeboten, das ab 1907 bereits 12 PS leistete, 1908 folgte ein 8/15 PS-Typ.

Alle drei waren als Zweisitzer erhältlich, wobei der Radstand von 2 Metern beim 5/10 PS bis 2,64 Meter beim 8/15 PS reichte.

Ich würde im Fall des NSU-Zweisitzers auf obigem Foto auf einen Radstand von 2 Metern tippen, womit nur die Typen 5/10 PS bis 6/12 PS von 1906 bis 1908 in Betracht kommen.

Was die Aufnahme des NSU-Zweisitzers aus der Publikation des Bielsteiner Heimatvereins so wertvoll macht, ist die Tatsache, dass der Besitzer des Wagens namentlich bekannt ist – sein Name war Dr. Eckard:

Damit haben wir es bei dem NSU-Zweisitzer mit einem echten Doktorwagen zu tun, auch wenn man in Neckarsulm diese Bezeichnung offiziell nicht verwendet zu haben scheint.

Wir wissen nicht, wievielen Menschen Dr. Eckard mit seinem treuen NSU-Zweisitzer einst Hilfe geleistet hat – oft genug zu nachtschlafener Zeit oder bei Wind und Wetter, wie es nun einmal von Hausärzten erwartet wird und denen wir dafür zu Dank verpflichtet sind.

Bei der Gelegenheit sei auch an die Arbeit der Veterinäre erinnert, die durch das Automobil ganz ähnliche Möglichkeiten der raschen Hilfe erhielten. Nur wenig später kamen Milchlieferanten dazu – die Feuerwehr und die Post nicht zu vergessen.

Und wieviele weitere Mitmenschen stiften uns täglich Nutzen durch das Automobil, all die fleißigen Spediteure und Handwerker, deren Kastenwagen auf der Autobahn gern verflucht werden, aber ohne die unsere Gesellschaft ebenso wenig funktionieren würde wie ohne die Schichtarbeiter, die sich des nachts mit dem Auto zuverlässig zur Tätigkeiten einfinden, ohne die wir weder sauberes Wasser noch Strom oder Nahrung hätten.

So gesehen steht der heute vorgestellte NSU-Doktorwagen für weit über 100 Jahre Gewinn an Wohlfahrt, Sicherheit und Lebensqualität – Dinge, die wir nicht dem Staat, sondern einer aus rein privaten Motiven entwickelten Technologie verdanken…

© Michael Schlenger, 2020. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

Leicht & luftig: Steyr Typ XII mit Aufsatzkarosserie

Vor gut einem Jahr – im März 2019 – ging es hier auf den Spuren eines Steyr Typ XII nach Italien. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser an die Dokumente dieser Alpenüberquerung mit 30 PS im Jahr 1930.

Was aus heutiger Sicht bescheiden anmutet, war bei Vorstellung des Steyr Typ XII im Jahr 1925 in der Mittelklasse durchaus konkurrenzfähig. Und im Unterschied zu deutschen Wagen dieser Leistungskategorie bot Steyr einen feinen Sechszylinder.

Von dem Modell – dem ersten in Fließfertigung gebauten Steyr – konnten bis 1929 rund 11.000 Exemplare abgesetzt werden. Bei dieser Zahl wundert es nicht, dass man noch heute auf alten Fotos einer großen Vielfalt an Aufbauten begegnet.

Die konventionellste (und preisgünstigste) war die Tourenwagenausführung, die uns auf erwähnter Italienfahrt begegnet war:

Steyr Typ XII Tourenwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Man präge sich hier zwei Dinge ein: die niedrige und vollkommen schmucklose Gürtellinie und den markanten Schwung des Windschutzscheibenpfostens. Beides wird uns in unerwartetem Gewand wiederbegegnen und entscheidend zur Identifikation eines außergewöhnlichen Aufbaus beitragen.

Zur Vertiefung hier nochmals derselbe Steyr Typ XII aus einer Perspektive, die diejenige des Wagens vorwegnimmt, um den es später geht:

Auch hier sei nochmals auf die charakteristische Form des Scheibenholms und die vollkommen flach verlaufende Gürtellinie ohne jede Zierleiste verwiesen – außerdem auf Position und Form des Türgriffs.

Einprägen kann man sich auch die Höhe der Frontscheibe, die für einen Tourenwagen am oberen Ende liegt. Sportliche Optik spielte hier keine Rolle, vielmehr der Schutz der Insassen bei Fahrt mit niedergelegtem Verdeck – Kennzeichen eines Reisewagens.

Nun aber zum eigentlichen Gegenstand der heutigen Betrachtung unter dem Motto „Leicht und luftig“. Kurioserweise geht es dabei um ein Modell, das wie eine Limousine daherkommt – auf den ersten Blick das ganze Gegenteil von „leicht und luftig“.

Das entsprechende Foto verdanke ich übrigens Klaas Dierks, einem von einer handvoll Bild“lieferanten“, deren Funde meine eigenen Bestände nicht nur perfekt ergänzen, sondern diese oft genug an Bedeutung und Ausstrahlung übertreffen – so auch hier:

Steyr Typ XII Double-Phaeton mit Aufsatzkarosserie; Originalfoto aus Sammlung Klaas Dierks

Das ist eine Aufnahme, die ein geradezu ideales Plädoyer zugunsten des mitten aus dem Leben gegriffenen historischen Autofotos ist.

Solche liebenswerten Situationen findet man weder auf den oft sterilen Werksfotos jener Zeit noch auf modernen Aufnahmen überlebender Autos – speziell dieses Bild würde schon an der heutigen Kleinkindern von ihren Eltern auferlegten „Helmpflicht“ scheitern…

Erinnern Sie sich an die Details, die ich bei den Fotos weiter oben zur Einprägung empfohlen hatte? Denn: denkt man sich den geschlossenen Dachaufbau weg, sieht man wieder genau einen solchen Tourenwagen des Steyr-Typs XII.

Nicht nur entspricht die niedrige Gürtellinie vollkommen der des Tourenwagens – bei einer echten Limousine würde sie merklich höher liegen – auch die Frontscheibe mitsamt Rahmen ist in allen Details identisch.

Der ganze Dachaufbau wirkt dadurch ungewöhnlich licht und hell – leicht und luftig, nicht wahr? Wer noch zweifelt, möge im Vergleich dazu den Dachaufbau dieser „echten“ Steyr XII-Limousine studieren, die ich hier bereits präsentiert habe:

Steyr Typ XII Limousine; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Was ist von der Sache zu halten? Nun, wie so oft erweist sich das gute alte Autobuch als unersetzlich.

Denn auf Seite 104 von Hubert Schiers Standardwerk „Die Steyrer Automobil-Geschichte“ (Ennsthaler Verlag, 1. Auflage 2015), das auch in bibliophiler Hinsicht seinesgleichen sucht, findet sich die Lösung.

Wir haben es auf dem Foto aus der Sammlung von Klaas Dierks mit einem Steyr Typ XII in der Ausführung als „Double Phaeton mit Aufsatz“ zu tun. In dieser geheimnisvollen Bezeichnung lebt noch einmal die Bezeichnung viersitziger Tourenwagen aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg als „Doppel-Phaeton“ auf.

Vielleicht wollte man mit der Mitte der 1920er Jahre eigentlich schon veralteten Bezeichnung eine weit zurückreichende Tradition suggerieren, die die erst ab 1919 gebauten Steyr-Wagen bei allen unzweifelhaften Qualitäten so nicht besaßen.

„Double-Phaeton“ – das klang nach „Fin de Siècle“, nach Jugendstil und damit nach der mondänen Welt der Vorkriegszeit, von der nach 1918 kaum etwas übriggeblieben war. Der ergänzende Hinweis „mit Aufsatz“ ist dann so nüchtern wie die gesamte Linienführung des Steyr Typ XII, der die alte Spitzkühlertradition hinter sich ließ.

Besagter „Aufsatz“ ist nichts anderes als die komplett abnehmbare Dachpartie. Sie war leicht gebaut, damit sie ohne weiteres abgehoben werden konnte, wenn man den Wunsch verspürte, offen zu fahren wie in einem Tourenwagen – nein: dann tatsächlich in einem Tourenwagen!

Bislang ist mir noch kein jüngeres Vorkriegsauto begegnet als dieser Steyr Typ XII der zweiten Hälfte der 1920er Jahre, das eine solche Aufsatzkarosserie besaß. Vermutlich dürfte das Modell eines der letzten in dieser Tradition gewesen sein.

Auch das trägt zum außerordentlichen Reiz dieser Aufnahme bei, die das Ende einer Ära markiert und zugleich den Beginn einer neuen Zeit – man hofft, dass diese zu den beiden Mädchen gnädig war, die heute auf die Hundert zusteuern würden…

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Ungleiche Brüder: Horch „8“ Typen 305 und 350

Eigentlich wollte ich in der Chronologie der sächsischen Luxusmarke Horch längst weiter sein – doch trotz einiger Anläufe halten mich die Modelle der späten 1920er Jahre immer noch – oder wieder – gefesselt.

Man kann sich unangenehmere Situationen vorstellen als diese, und so wird das heutige Rendezvous mit einem alten Bekannten ganz sicher keine Enttäuschung sein. Das gilt auch dann, wenn sich vielleicht nicht ganz klären lässt, was wir letztlich vor uns haben.

Zur Einordnung reisen wir zunächst zurück ins Jahr 1929, ins Ostseebad Graal. Dort wurde dieser prächtige Wagen abgelichtet, der als Vergleichsstück für den eigentlichen Gegenstand der heutigen Betrachtung dienen soll:

Horch 8 Typ 350 Sedan-Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Dieses mächtige Automobil, in dem die Insassen fast zu verschwinden scheinen, weist eine ganze Menge Gemeinsamkeiten mit dem Auto auf, um das es eigentlich geht, aber auch einige Unterschiede. Von daher möchte ich hier von ungleichen Brüdern sprechen.

Schauen wir zunächst, was diesen unschwer als Achtzylinder-Horch zu identifizierenden Wagen auszeichnet:

geflügelter Pfeil als Kühlerfigur, Kennzeichen von Horch-Wagen der Typen 305 und 350 aus dem Jahr 1928

verchromte Nabenkappen, ebenfalls ab 1928 bei den Horch-Typen 305 und 350

Positionsleuchte am hinteren Ende der Motorhaube, laut Literatur ebenfalls kennzeichnend für die Typen 305 und 350

Stellt sich die Frage, wie man die beiden Typen 305 und 350 auseinanderhalten kann, ohne einen Blick unter die Haube zu werfen.

Denn der Hauptunterschied zwischen dem 1927 vorgestellten Horch Typ 305 und dem Nachfolgetyp 350 von Ende 1928 scheint in der Motorisierung gelegen zu haben: Der Motor des Typs 305 mit zwei obenliegenden Nockenwellen und 65 PS aus 3,4 Liter wich beim Typ 350 einem konstruktiv identischen 4-Liter-Aggregat mit 80 Pferdestärken.

Das Dumme an der Sache ist, dass die späten Exemplare des schwächeren Typs 305 im Lauf des Jahres 1928 identische formale Details wie der Nachfolgertyp 350 erhielten. Sie besaßen also ebenfalls eine geteilte Stoßstange, vorn abgerundete Kotflügel und verchromte Radmuttern sowie ab Mai den geflügelten Pfeil als Kühlerfigur.

Demnach war der ab November 1928 gebaute stärkere Typ 350 war bereits von Anfang an mit einer solchen Kühlerfigur ausgestattet. Darf man aus deren Fehlen nun schließen, dass man einen frühen Typ 305 vor sich hat?

Dieser Frage will ich anhand folgender Aufnahme aus dem Fundus von Matthias Schmidt (Dresden) nachgehen:

Horch „8“ Typ 305 oder 350 Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Matthias Schmidt (Dresden)

Trotz der abweichenden Situation – das Foto entstand vor den Südkolonnaden des Wiesbadener Kurhauses und wurde von einem Berufsfotografen angefertigt – werden auch hier die eindrucksvollen Proportionen des Horch deutlich.

Der Grundton des Aufbaus ist ebenfalls hell, doch im Unterschied zum Wagen auf der Aufnahme von der Ostsee haben wir hier ein Vollcabriolet vor uns, bei dem bei niedergelegtem Verdeck keine Türholme mehr stehenbleiben wie beim Sedan-Cabriolet.

Werfen wir nun einen genaueren Blick auf die Frontpartie:

Zwei Dinge fallen hier ins Auge:

Die im Mai 1928 beim Typ 305 eingeführte und beim Nachfolgetyp 350 ab November 1928 standardmäßige Kühlerfigur fehlt hier. Außerdem befinden sich die Positionsleuchten nicht am hinteren Ende der Motorhaube, sondern auf den Vorderkotflügeln.

Was ist von diesem Befund zu halten? Nun, die Anbringung der Positionsleuchten scheint nicht viel zu bedeuten, sie konnte bei ein und demselben Typ variieren.

Die einschlägige Literatur – Kirchberg/Pönisch: Horch – Typen, Technik, Modelle – liefert unfreiwillig einen Beleg dafür. Zwar heißt es dort, dass die Positionsleuchten beim Typ 305 am hinteren Ende der Motorhaube montiert waren, doch findet sich auf der gegenüberliegenden Seite gleich ein Gegenbeispiel in Bildform dafür.

Aus meiner Sicht ist diesem Detail keine Bedeutung beizumessen. Bleibt die Frage, ob das Fehlen der Kühlerfigur eine Unterscheidung der beiden Typen 305 und 350 erlaubt.

Nun, auch hier scheint die Sache nicht eindeutig zu sein. Eine Kühlerfigur kann aus den unterschiedlichsten Gründen fehlen, und wiederum liefert die erwähnte Literatur (auf Seite 243) ein Beispiel dafür, dass das auch beim Horch 350 der Fall sein konnte, der doch eigentlich standardmäßig damit ausgestattet sein sollte.

Mag sein, dass die Bildbeispiele in der Literatur, die Horch-Wagen der Typen 305 bzw. 350 in der Gegenwart zeigen, aufgrund fehlerhafter Restaurierung in die Irre führen. Doch mangels Alternativen steht die Ansprache der beiden Horch-Achtzylinder auf den hier gezeigten Bildern letztlich unter Vorbehalt.

Für mich ist das ein Grund mehr, als Vergleichsexemplare in solchen Fällen nur zeitgenössische Fotografien heranzuziehen, keine Aufnahmen überlebender Autos.

Außerdem entgehen einem sonst solche herrlichen Dokumente wie das Foto des Horch „8“ Cabriolets aus Wiesbaden, für das diese beiden Herren vor rund 90 Jahren posierten:

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Ganz schön knifflig: Opel 8/25 oder 9/25 PS?

Wenn uns die gegenwärtige Krise – ausgelöst durch ein neues Coronavirus – etwas lehrt, dann das: Alles vermeintliche Experten“wissen“ ist nur vordergründig, vorläufig und veränderlich. Die Suche nach „der Wahrheit“ ist nie zuende, auch wenn immer wieder Zeitgenossen eine Diskussion gern für beendet erklären oder ganz unterbinden würden.

Nicht viel anders sieht das beim Versuch aus, Ordnung und Klarheit in die Welt der Vorkriegsautos zu bringen. Oft zeigt sich, wie wenig wirklich als gesichert angesehen werden kann und wieviel Weisheit der älteren Literatur sich als überholt zeigt.

Während das bei Nischenmarken fast der Normalzustand ist, mag es erstaunen, dass selbst bei bedeutenden und gut dokumentierten Marken immer noch einiges im Ungewissen liegt. Das zeige ich heute anhand eines Opel-Modells der frühen 1920er Jahre.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser an diese hervorragende Aufnahme:

Opel 8/25 PS (8 M 21) Tourenwagen; Originalfoto von 1926 aus Familienbesitz (Lutz Heimhalt)

Hier sehen wir den Großvater von Buchhändler Lutz Heimhalt aus Hamburg, der mir diese Aufnahme freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Das Foto ist im September 1926 entstanden, doch der abgebildete Wagen – am ovalen Emblem auf dem Kühler als Opel zu erkennen – war damals schon ein paar Jahre alt.

Ich hatte den Wagen seinerzeit anhand von Vergleichsfotos als Opel Typ 8/25 PS von 1921/22 identifiziert und würde daran prinzipiell auch weiterhin festhalten.

In der Zwischenzeit haben sich weitere Aufnahmen ganz ähnlicher Opel-Wagen mit einem solchen Spitzkühler und gepfeilter Windschutzscheibe eingefunden. Darunter sind weniger gut erhaltene Aufnahmen wie diese:

Opel 8/25 PS (8 21 M) Tourenwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Von der abweichenden Position der beiden Ersatzräder abgesehen entspricht dieser Wagen vollkommen dem Auto, in dem sich einst Fritz Heimhalt hat ablichten lassen. Selbst die filigrane Verbindungsstange am oberen Ende der Scheinwerfer stimmt überein.

So dürfte sich auch unter der Haube dieses Wagens der seitengesteuerte 2-Liter-Motor verborgen haben, den Opel in der Klasse mit 8 Steuer-PS 1921 neu einführte.

Ab hier wird die Sache knifflig. Denn schon 1919 gab es einen Opel 8/25 PS, der jedoch einen merklich größeren Hubraum von 2,2 Litern aufwies. Dass die beiden Modelle derselben Steuerklasse angehörten, war schlicht rundungsbedingt.

Die von weltfremden Bürokraten ersonnene Steuerformel, die sich nicht um tatsächlichen Hubraum, Leistung, Verbrauch oder Kosten eines Automobils scherte, konnte bei Wagen mit 2 bzw. 2,2 Litern gerundet zum selben Ergebnis führen. Noch bizarrer: Sie konnte auch bei fast identischem Hubraum und identischer Leistung zur Einordnung in eine unterschiedliche Steuerklasse führen.

Genau das war beim Opel 8/25 PS mit 2,2 Liter Hubraum der Fall. Eine Änderung von Bohrung und Hubweg führte 1921 zu einer gut 5%igen Hubraumvergrößerung auf 2,3 Liter, aber zur Klassifizierung als 9/25 PS-Modell, was eine um 12,5 % höhere Steuerbelastung nach sich zog. Weiß jemand, was Opel zu dieser für den Käufer nachteiligen Anpassung bewogen haben könnte?

Wer sollte 1921 einen Opel 9/25 PS mit 2,3 Liter Hubraum kaufen, wenn parallel der neue 8/25 PS mit 2 Liter Hubraum erhältlich war? Zudem wird in der Literatur das gleichstarke, steuergünstigere 8/25 PS-Modell als sportlicher bezeichnet (wohl weil es leichter war).

Optisch scheint es keinen Unterschied zwischen dem Opel 9/25 PS und dem neuen 8/25 PS (intern: 8 M 21) gegeben zu haben. In beiden Fällen findet man auch Ausführungen mit flacher Windschutzscheibe, sodass diese als Unterscheidungsmerkmal ausfällt.

Hier eine bislang noch nicht gezeigte Aufnahme eines solchen Opel 8/25 oder 9/25 PS mit flacher Frontscheibe:

Opel 8/25 PS oder 9/25 PS Tourenwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Auch der Radstand war mit 3,09 Metern (9/25 PS ab 1919) bzw. 3,15 Metern (8/25 PS von 1921/22) kein hinreichendes Unterscheidungsmerkmal. Die Ausführung der Stahlspeichenräder mit fünf Radbolzen war ebenfalls identisch.

Auch ein sportlich anmutender Zweisitzer war der Literatur nach bei beiden Typen erhältlich. Einen davon hatte ich vor einiger Zeit anhand des folgenden Fotos vorgestellt, das einst in einem ovalen Rahmen montiert war:

Opel 8/25 PS (8 M 8/25 PS) Zweisitzer; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Könnte das nicht genauso gut ein Opel 9/25 PS von 1921/22 gewesen sein? Und nochmals die Frage: Was bezweckte man mit dem Angebot zweier identisch aussehender Modelle, die sich bei gleicher Leistung nur im Hubraum und (im einen Fall zum Nachteil des Käufers) in den Steuer-PS unterschieden?

Erst 1923 verpasste Opel dem 9 PS-Typ eine Leistungsspritze, sodass dieser nunmehr 30 PS Spitzenleistung aufwies und mit starken Konkurrenten wie dem Presto Typ D 9/30 PS mithalten konnte. Zu dem Zeitpunkt hatte man den Opel 8/25 PS bereits eingestellt.

Freunde der Opel-Spitzkühlermodell jener Zeit werden möglicherweise über solche Detailfragen hinweggehen, denn diese Wagen machten unabhängig von der Motorisierung Eindruck.

Das illustriert auch das folgende Foto, das ich über Wolf-Dieter Ternedde aus Seesen im Harz erhalten haben:

Opel 8/25 PS oder 9/25 PS Tourenwagen; Originalfoto via Wolf-Dieter Ternedde

Auch diese Aufnahme war oval beschnitten und wer genau hinsieht, wird feststellen, dass ich den Gebäudeteil rechts oben teilweise dazuerfunden habe, um dies zu kaschieren. So kann sich das Auge ganz auf die Linien dieses Opel-Spitzkühlermodells konzentrieren.

Ich neige dazu, diesen Wagen ebenfalls als Opel 8/25 PS oder 9/25 PS von 1921/22 anzusprechen. Doch will ich nicht ausschließen, dass es sich um ein stärkeres Modell jener Zeit handelt, worauf die größere Neigung der Motorhaube und der länger wirkende Radstand hindeuten könnten.

Beim Typ will ich mich hier nicht festlegen, zumal da es in der Literatur kaum erwähnte, aber ganz ähnliche Opel-Spitzkühlerwagen wie diesen Typ 14/38 PS von 1918 gab:

Opel 18/34 PS von 1918, angeboten im April 2020 von Hyman Ltd; Fotoquelle: www.prewarcar.com

Ich hätte dieses Auto ebenfalls als Opel 8/25 oder 9/25 von 1921/22 angesprochen. Tatsächlich ist dokumentiert, dass es 1918 als 18/34 PS-Modell nach Nordschweden ausgeliefert wurde, wo es bis 1939 fuhr und bemerkenswert original erhalten geblieben ist.

Mich lehrt dieses Beispiel, dass Vorsicht bei der Typenansprache angezeigt ist, wenn es um Opel-Spitzkühlermodelle der Zeit kurz nach dem 1. Weltkrieg geht. Hier scheint mir auch unter den Markenexperten und in der Literatur (bei allen Verdiensten) das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein.

Denkbar ist, dass sich die Opel-Modelle jener Zeit ohne Blick unter die Haube auf alten Fotos überhaupt nicht konkret identifizieren lassen, wie das auch bei den Spitzkühlertypen von Adlern der frühen Nachkriegszeit ähnlich ist.

Tragisch wäre das nicht, denn auch so haben diese Wagen ganz besonderen Charme und mein Fundus gibt in der Hinsicht noch einiges her…

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Very British: Rolls-Royce Phantom II „Continental“

Der Titel meines heutigen Blog-Eintrags klingt ein wenig widersprüchlich.

„British“ und „Continental“ passt aus Perspektive der Inselbewohner eigentlich gar nicht zusammen – das fängt beim Frühstück an und hört bei der Frage, auf welche Seite das Lenkrad gehört, längst nicht auf. So konnte auch der „Brexit“ nur die überraschen, die den Selbstbehauptungswillen der Engländer (außerhalb der Londoner Blase) verkennen.

Dass es dennoch in Einzelfällen zu einer glücklichen Synthese aus britischen und kontinentalen Traditionen kommen kann, zeigt eindrucksvoll der Wagen, den ich heute anhand von zwei Fotos aus meiner Sammlung vorstelle.

Schon die vollständige Bezeichnung des Fahrzeugs ist an Opulenz schwer zu überbieten: Rolls-Royce Phantom II Continental 3-Position Drophead Coupé Owen Gurney Nutting

Diese für den Novizen mysteriös anmutende Aneinanderreihung exotisch-klingender Wörter, die so nur im Englischen funktioniert, beschreibt den Wagen für den Eingeweihten absolut präzise und nimmt (fast) alles vorweg, um das heute geht.

Bevor ich loslege, sei klargestellt, dass ich von Rolls-Royce soviel Ahnung habe wie von Bugatti – nämlich fast gar keine. Markenenthusiasten mögen daher nachsichtig sein und etwaige Fehler wohlwollend korrigieren.

Zum Einstieg ein paar Worte zur zeitlichen Einordnung:

Im Jahr 1929 fand beim Luxushersteller Rolls-Royce ein Modellwechsel statt. Das Basismodell 20 HP (heute noch für den Gegenwert eines klassischen VW-Bullis erhältlich) wurde vom 20/25 HP abgelöst.

Für das Überleben der Marke in der Weltwirtschaftskrise war dieser Rolls-Royce 20/25 HP von entscheidender Bedeutung. Über 3.800 Stück davon entstanden, von denen die meisten noch heute existieren.

Solchermaßen abgesichert konnte Rolls-Royce daneben sein bisheriges Spitzenmodell verfeinern – den Typ 40/50 HP „Phantom“. Dieser war der Nachfolger des legendären „Silver Ghost“, der den einzigartigen Ruhm der Marke begründete.

Bei der Gelegenheit -und passend zum Stichwort „Continental“ – hier das Foto eines solchen „Silver Ghost“, das ich 2015 anlässlich der „Kronprinz Wilhelm Rasanz“-Ausfahrt am Niederrhein machen konnte:

Rolls-Royce 40/50 hp „Silver Ghost“; Bildrechte: Michael Schlenger

Dieses Auto von 1914 unternahm seinerzeit eine Tour durch Europa und war eher zufälliger Teilnehmer an der „Kronprinz Wilhelm Rasanz“ – ein Beleg für das phänomenale Leistungsvermögen dieser frühen Wagen.

Die Leistungsbezeichnung 40/50 HP sollte wie gesagt auch der „Phantom“ von 1925 sowie dessen Nachfolger „Phantom II“ von 1929 tragen. Freilich hatte dieser mit dem „Silver Ghost“ technisch kaum noch etwas gemein.

Der für seine Laufruhe gerühmte Sechszylinder besaß beim „Phantom“ einen auf 7,7 Liter gestiegenen Hubraum und die seitlich stehenden Ventile waren solchen gewichen, die v-förmig im Zylinderkopf hingen und so einen verbesserten Gaswechsel ermöglichten.

Der ab 1929 gebaute Phantom II verfügte vor allem über ein neues Chassis, das eine tiefere Anbringung des Rahmens und damit bessere Fahreigenschaften mit sich brachte. Dabei ließ man es aber nicht bewenden.

Neben dem „Standardmodell“ des Phantom II bot man eine leistungsgesteigerte und auch fahrwerkseitig sportlichere Version an, den „Continental“. Damit hatte man freilich weniger den europäischen Kontinent als Absatzmarkt im Blick.

Vielmehr richtete sich das Angebot an Rolls-Royce-Käufer, zu deren Lebensstil Touren auf dem europäischen Festland wie nach Südfrankreich oder Oberitalien gehörten.

Speziell auf den oft römischen Routen folgenden französischen Landstraßen ließen sich weit höhere Durchschnitte als auf den meist gewundenen, schmalen Straßen Englands erreichen. Dazu erhöhte man beim Phantom II „Continental“ die Leistung von rund 120 auf 130 PS.

Damit waren prinzipiell bis zu 150 km/h Spitze möglich – um 1930 ein unerhörter Wert. In der Praxis war die Höchstgeschwindigkeit weniger relevant, dafür der mit der höheren Leistung einhergehende bessere Durchzug aus niedrigen Drehzahlen, der selbst bei Steigungen ein stets souveränes schaltarmes Fahren ermöglichte.

Nun aber genug der Worte – hier haben wir Foto Nr. 1 eines solchen Rolls-Royce Phantom II „Continental“:

Rolls-Royce Phantom II „Continental“ 3-Position Drophead Coupé Owen Gurney Nutting; Originalabzug aus Sammlung Michael Schlenger

Vor dem Schaufenster eines Autohändlers mit angeschlossener Tankstelle wirkt der Wagen merkwürdig verloren. Entstanden ist diese Aufnahme in Redditch in der mittelenglischen Grafschaft Worcestershire, wo einst Royal Enfield Motorräder baute.

Auch wenn diese Aufnahme der Nachkriegszeit unspektakulär wirkt, lässt sie ein wichtiges Detail erkennen, das sich in der Bezeichnung des Wagens wiederfindet. Hier sieht man nämlich die mittlere der drei Positionen, in denen sich das Verdeck fixieren ließ.

Genau darauf verweist der Zusatz „3-Position Drophead Coupé“. Der Kontinentaleuropäer muss auch hier zur Kenntnis nehmen, dass in England manches anders ist.

Ein Cabriolet als Coupé zu bezeichnen, bei dem man das Dach („head“) niederlegen („drop“) kann, darauf muss man erst einmal kommen. Was wir auf dem Kontinent unter Coupé verstehen, also einen Zweitürer mit stets festem Dach, wird in England mit einem entsprechenden Zusatz versehen – dort heißt es dann „Fixed-Head Coupé“

Nach diesem kleinen Exkurs, der eine Vorstellung von den Komplikationen vermittelt, die einem beim Studium der unterschiedlichen Karosseriebezeichnungen auf dem „Kontinent“ und auf der „Insel“ begegnen, nun weiter zu Foto Nr. 2, das dasselbe Auto zeigt – diesmal aber vor einem angemessenen Hintergrund:

Rolls-Royce Phantom II „Continental“ 3-Position Drophead Coupé Owen Gurney Nutting; Originalabzug aus Sammlung Michael Schlenger

Hier bekommt man auf einmal einen Eindruck von den enormen Dimensionen und perfekten Proportionen dieses Wagens. Es fällt schwer zu glauben, dass dieser „Continental“ auf einem gegenüber der Standardausführung verkürzten Chassis ruht.

Aber das Auto musste auch nur zwei Personen Platz bieten – da konnte man schon auf ein paar britische „inches“ verzichten. Hier sehen wir das Verdeck in ganz geschlossener Position, Nr. 3 wäre dann „ganz geöffnet“.

Der Entwurf für dieses hochelegante Reisefahrzeug mit den angesetzten Koffer für reichlich Gepäck stammte angeblich vom Geschäftsführer der Hauptvertretung von Rolls-Royce in London – H.R. Owen, einem Piloten des 1. Weltkriegs

Owens Entwurf wurde von der Karosseriebaufirma Gurney Nutting umgesetzt, die erst 1919 gegründet worden und auf britische Oberklassemarken spezialisiert war. Damit wären nun auch die letzten Namensbestandteile dieses Wagens geklärt.

Ganze 12 Exemplare entstanden einst in genau der Ausführung. Tatsächlich findet man heute noch überlebende Wagen, wenn man im Netz nach Rolls-Royce Phantom II Continental 3-Position Drophead Coupé Owen Gurney Nutting sucht.

Eines davon wurde in den 1950er oder 60er Jahren von der Firma Swanmore Garage Ltd. in Boscombe (Vorort von Bounemouth) zum Verkauf angeboten. Der zweite Abzug trägt jedenfalls den Stempel dieses Händlers.

Es bleibt die Frage, wie zwei Fotos desselben Wagens von zwei unterschiedlichen Orten über die Zeiten zusammenbleiben können – außer wenn sie von einem einstigen Besitzer stammen.

Er könnte den Wagen bei Swanmore gekauft haben – einer auf Oberklassewagen spezialisierten Firma – von wo die professionelle Verkaufsaufname stammt. Das andere Foto könnte er selbst an der Tankstelle der Poole Garage in Redditch gemacht haben.

Lässt sich vielleicht noch mehr über dieses großartige Auto herausfinden, das britische und kontinentale Eigenschaften so harmonisch vereint?

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