Der Titel meines heutigen Blog-Eintrags macht es nicht nur ausländischen Leserm schwer, die mittels automatisierter Übersetzung mitlesen können.
Immerhin dürften die deutschsprachigen Konsumenten noch die Anspielung auf den altertümlichen Ausruf des Erstaunens „Ei der Daus“ bemerken. Selbiger wäre für sich genommen eine eigene Abhandlung wert – aber das hat dankenswerterweise schon jemand anderes auf – wie ich meine – spannende Weise hier getan.
Der vordergründig nicht gerade naheliegende Sprung vom Kartenspielbegriff „Daus“ zum Karosseriebauer „Drauz“ führt über das Hansa-Modell „Treff-Aß“, das ich als Fund des Februar 2026 vorgestellt habe.

Meine dort geäußerten leisen Zweifel an der Zuschreibung des abgebildeten Wagens wurden durch Leser Gerd Klioba bestätigt und letztlich in die richtige Richtung gelenkt.
Er konnte zum einen auf eine Abbildung im Coachbuilt-Forum verweisen, wo ein identisches Sport-Cabriolet als NAG von 1929 identifiziert wurde.
Zum anderen hatte ihn seine Recherche auf eine weitere Abbildung gebracht – und zwar in der ADAC Motorwelt Nr. 42 von November 1929. Dort fand sich ein Verweis auf einen NAG-Protos des 6-Zylindertyps 204 (14/70 PS) mit einer solchen Karosserie.
Der Aufbau von 1929 unterscheidet sich in einigen Details von dem ab 1930 beim 8-Zylindermodell 207 verfügbaren, vor allem an der Heckpartie. Diese frühe Variante kannte ich noch nicht, weshalb ich trotz meiner Zweifel letztlich an der These „Hansa Treff Aß“ festgehalten hatte, die auf der Beschriftung auf der Rückseite basierte.
Nun stellte sich die Frage, wie ich mit dem prächtigen Fund des Monats verfahre, der sich als etwas anderes entpuppt hatte. So wie man ein Tagebuch nicht nachträglich korrigiert, wollte ich auch meinen Blog-Eintrag nicht annullieren und ersetzen.
Ich habe lediglich den Titel mit einem Fragezeichen versehen und am Ende darauf hingewiesen, dass ich dank der Recherche von Gerd Klioba nun schlauer bin. Der Weg zu dieser Erkenntnis soll ruhig weiterhin nachvollzogen werden können.
Doch konnte ich es natürlich nicht dabei bewenden lassen. Deshalb folgt heute eine Darstellung, die den Bogen vom 1929er NAG Typ 204 zum Modell 207 des folgenden Jahres schlägt – und das auf überraschende Weise.
Mir war nämlich eingefallen, dass ich vor einigen Jahren einen bemerkenswerten Fund gemacht hatte – einen ganzen Aktenordner mit Fotos und sonstigen Abbildungen zur einstigen Berliner Automarke NAG.
Darin befinden sich nach Baujahren und Typen sortierte Dokumente aus dem Archiv des deutschen Automobilhistorikers Hans-Heinrich von Fersen. Ob dieser Ordner tatsächlich aus seinem eigenen Bestand stammt oder von jemandem angelegt wurde, der Zugriff auf Archiv-Kopien hatte, kann ich nicht moit Sicherheit sagen.
Ich dachte mir, dass dieses Material vielleicht auch den von Leser Klioba ins Spiel gebrachten NAG-Typ 204 von 1929 abdeckt. Und siehe da – oder auch: „Ei der Daus!“, dort fand sich tatsächlich das hier:

Unten sehen wir genau das Sport-Cabriolet, das ich als Fund des Monats präsentiert hatte – dort noch fälschlicherweise als Hansa-Lloyd „Treff-Aß“ angesprochen. Doch hier wird der Wagen als NAG 6-Zylinder bezeichnet, 1929 war das der Typ 204 14/70 PS.
Ein hübscher Zufall ist, dass diese Magazinseite fast zeitgleich mit der von Gerd Klioba genannten „ADAC Motorwelt“ publiziert wurde – in der Zeitschrift „Motor & Sport“, VI. Jahrgang, Heft Nr. 41. Ein weiteres hübsches Detail findet sich in Gestalt des von Gallé (Paris) karossierten NAG-Protos 204 ganz oben.
Am besten gefällt mir aber, dass mein NAG-Ordner mit Material aus dem Archiv von Hans-Heinrich von Fersen eine zusätzliche Kopie enthält, die nur das Drauz-Sportcabrio in etwas besserer Qualität zeigt:

„Naja“, werden Sie jetzt vielleicht sagen. „Solche Kopien sollen in Verbindung mit dem Archiv von Hans-Heinrich von Fersen stehen? Da kann ja jeder kommen.“
Das ist ein berechtigter Einwand, aber Sie werden gleich sehen, dass meine Quelle nicht irgendein x-beliebiger Aufguss von x-fach kopiertem Material ist.
Das werde ich Ihnen anhand des Nachfolgetyps beweisen, den NAG ab 1930 nunmehr mit 8-Zylindermotor (16/80 PS) anbot – wiederum mit Karosserie von Drauz, aber in eleganterer Ausführung:

Mancher Leser wird sich an diese Aufnahme aus meinem Fundus erinnern – das ist ein originales Pressefoto von einer Concours-Veranstaltung.
In der einschlägigen Literatur werden Sie genau dieses Exemplar (noch) nicht finden.
Schauen Sie aber mal in Ihrer Ausgabe (so vorhanden) der Klassiker „Autos in Deutschland 1920-1939“ von Hans-Heinrich von Fersen (S. 233) bzw. „Deutsche Autos 1920-1945 von Werner Oswald (alte Ausgabe, S. 277).
Der dort abgebildete NAG-Protos 16/80 PS ab 1930 basiert exakt auf diesem offenbar zur Publikation aufbereiteten Original in meinem NAG-Ordner:

Ich bin sicher, dass wir es hier mit Material aus dem Produktionsprozess eines der beiden erwähnten Bücher zu tun haben.
Weitere Indizien dafür liefert die Rückseite derselben Aufnahme, welche die Stempel des Archivs von Fersen sowie des Verlags Paul Pietsch trägt, der einst beide Klassiker zu deutschen Vorkriegsautos herausgab.
Sehen Sie selbst:

Wie und über wen dieses Material auf den eBay-Marktplatz kam, wo ich es erwarb, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls ist offensichtlich, dass es aus dem direkten Umfeld des Archivs von Hans-Heinrich von Fersen stammt.
Das ist letztlich deshalb so reizvoll, weil sich in besagtem Ordner zahlreiche weitere solcher Autoschnipsel aus alter Zeit finden, die in diesem Kontext zu sehen sind, aber es in keine Publikation geschafft haben. Viele (nicht alle) sind ebenfalls mit Archiv v. Fersen beschriftet.
Eine davon will ich Ihnen zum Abschluss zeigen, die eine ideale Ergänzung meines eigenen Pressefotos des großartigen NAG-Protos 16/80 PS mit Aufbau als Sport-Cabriolet von Drauz darstellt:

Mit dieser Aufnahme findet der weite Bogen vom vermeintlichen Hansa-LLoyd „Trumpf Aß“ über das 1929er NAG-Protos Sport-Cabriolet des 6-Zylindertyps 204 bis hin zum ebenfalls mit Drauz-Karosserie versehenen 1930er Nachfolgemodell mit 8-Zylindermotor einen würdigen Abschluss.
Jetzt, da unbeabsichtigt der Anfang gemacht ist, werde ich öfters aus dem erwähnten NAG-Ordner aus dem Umfeld des von Fersen’schen Archivs schöpfen können.
Für erstaunliche Wendungen schuf der Volksmund einst den Ausruf „Ei der Daus“ – da wir uns hier aber erkennbar in elitären Zirkeln bewegen und uns vom gemeinen Volk abheben müssen, machen wir einfach „Drauz“ draus…
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