Kollaborateur wider Willen: Ein Salmson S4

Langjährige Leser meines Blogs für Vorkriegsautos auf alten Fotos wissen, dass meine Sammlung auch Originalaufnahmen von Zivil-PKW im 1. und 2. Weltkrieg umfasst.

Der Militäreinsatz beim Gegner erbeuteter oder bei der Zivilbevölkerung (auch der eigenen) beschlagnahmter Wagen ist in mehrfacher Hinsicht ein interessantes Kapitel.

Aus den erhaltenen Fotos jener Zeit wird nämlich unter anderem deutlich, welche Fahrzeuge aufgrund ihrer Nehmerqualitäten oder auch ihres Prestiges von den Soldaten besonders geschätzt wurden.

Beispielsweise finden sich in den Fotoalben der einstigen deutschen „Landser“ jede Menge Aufnahmen von Mercedes- oder Horch-Wagen, obwohl diese nur einen Bruchteil des Kraftfahrzeugbestands der Wehrmacht ausmachten.

Doch natürlich ließ man sich für die Angehörigen in der Heimat besonders gern in, auf oder vor einem Mercedes fotografieren – für die allermeisten Deutschen waren solche Wagen damals unerreichbare Traumobjekte.

Das galt mit Sicherheit auch für die beiden einfachen Mannschaftsdienstgrade (rechts) und den mit Eisernem Kreuz ausgezeichneten Offizier (links), die sich nach der Besetzung Frankreichs 1940 mit „ihrem“ Mercedes-Benz 230 ablichten ließen:

Mercedes_230_Cabrio_WH_Ausschnitt

Mercedes-Benz 230 Cabriolet; Originalfoto aus  Sammlung Michael Schlenger

An diesem Wagen ist übrigens noch das zivile Kennzeichen zu sehen, das auf eine Zulassung im württembergischen Waiblingen verweist.

Ganz gleich, ob die unbekannte Einheit, der diese Männer angehörten, in Frankreich verblieb oder ab 1941 an die Ostfront verlegt wurde – der Besitzer des Mercedes wird ihn nie wiedergesehen haben.

Dasselbe dürfte für folgendes Opel 2 Liter-Cabriolet gegolten haben, das stellvertretend für die unzähligen PKW aus Rüsselsheimer Produktion steht, die ab 1939 ebenso wie die beiden Wehrpflichtigen in den Krieg ziehen mussten:

Opel_2_Liter_WH_Galerie

Opel 2 Liter Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Auch der Opel hatte zuvor einen zivilen Besitzer – er trägt noch das Kennzeichen des Landkreises Salzwedel (Sachsen-Anhalt). Sehr wahrscheinlich entstand auch dieses Foto nach der Besetzung Frankreichs im Sommer 1940.

Darauf deutet jedenfalls der Citroen im Hintergrund hin, der in Mattgrau lackiert ist, wie es für deutsche Heeresfahrzeuge in der Frühphase des Kriegs typisch war.

Der Citroen bringt uns dem eigentlichen Thema des heutigen Blog-Eintrags deutlich näher. Denn nach der Niederlage des britisch-französischen Heeres im Sommer 1940 wurden tausende von französischen (sowie englischen und amerikanischen) Zivil-PKW in den Wehrmachtsfuhrpark übernommen.

Auch hier lassen die erhaltenen Fotos aus dem Nachlass ehemaliger deutscher Soldaten zwei Kategorien erkennen. In die eine fallen „Brot und Butter“-Fahrzeuge wie die Renaults der Baureihe Celtaquatre.

Stellvertretend dafür steht dieser Renault, der einst in der 4. Panzerdivision an der Ostfront eingesetzt wurde:

Renault_Celtaquatre_WH_Ostfront_Galerie

Renault Celtaquatre Typ ADC2 von 1936/37; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Ein ausführliches Porträt dieses Modells in Wehrmachtsdiensten habe ich vor längerer Zeit hier erstellt.

Neben den anspruchslosen Renaults schätzte man auf deutscher Seite besonders den Citroen „Traction Avant“, der mit Frontantrieb und ausgezeichnetem Fahrwerk nicht nur technisch hochmodern war, sondern zugleich enorm elegant daherkam.

So begegnet man erbeuteten Citroen „Traction Avant“ während des gesamten 2. Weltkriegs bei deutschen Militäreinheiten. Ein ganz frühes Beispiel dafür zeigt die folgende Aufnahme:

Citroen_11_CV_Nancy_Troyes_1940_Galerie

Citroen „Traction Avant“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Laut umseitiger Beschriftung wurde dieser Citroen 1940 auf einem Bahntransport von Nancy nach Troyes aufgenommen.

Das Auto trägt noch seine glänzende zivile Lackierung, die Tarnscheinwerfer könnten noch vom französischen Besitzer montiert worden sein. Auf die Anwesenheit der neuen Herren von jenseits des Rheins deuten zwei Dinge hin:

  • Auf dem in Fahrtrichtung linken Schutzblech ist provisorisch mit einem Pinsel (oder Kreide?) das Kürzel „WH“ (Wehrmacht Heer) aufgemalt worden, das die Zugehörigkeit zu einer deutschen Militäreinheit kenntlich macht.
  • Über der Beifahrertür hängt eine deutsche Uniformjacke mit doppeltem Ärmelwinkel (Dienstgrad: Obergefreiter) und – wenn ich mich nicht täusche – Infanteriesturmabzeichen sowie im Knopfloch Ordensband für das Eiserne Kreuz.

Doch oberhalb der Kategorie hochmoderner Serienwagen vom Schlag eines Citroen „Traction Avant“ (oder auch Peugeot 302/402 – wird noch separat behandelt) finden sich aus der Zeit des 2. Weltkriegs bisweilen Fotos, die französische Luxusautos zeigen.

Hier haben wir ein ungewöhnliches Beispiel dafür:

Salmson_S4_mit_Stoewer_Kübel_Galerie

Stoewer M12 RW und Salmson S4; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Sicher hat der unbekannte Fotograf nicht absichtlich den Bereich maximaler Schärfe auf den Wehrmachts-Kübelwagen im Hintergrund gelegt – er wird sich bei der Entfernungseinstellung des Objektivs verschätzt haben.

Das Objekt der Begierde war ganz sicher das edle chromglänzende Auto im Vordergrund.

Doch wenn schon der Kübelwagen im Fokus steht, werfen wir einen kurzen Blick darauf, zumal da er uns etwas über das Umfeld verrät, in dem wir uns hier befinden:

Salmson_S4_mit_Stoewer_Kübel_Ausschnitt2

Der senkrecht stehende Kühler mit Markenemblem auf der Verdickung am oberen Ende der Kühlermaske verrät, dass wir einen Stoewer M12 RW vor uns haben.

Dabei handelte es sich um einen noch für die Reichswehr entwickelten Kübelwagen auf Basis des 8-Zylinder Stoewer „Marschall“, der 1935/36 in einigen hundert Exemplaren gebaut wurde.

Ein umfassend bebildertes Porträt dieses eher seltenen Kübelwagentyps der Wehrmacht findet sich in meinem Blog hier.

Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass das taktische Zeichen auf dem schon arg mitgenommenen linken Vorderkotflügel des Stoewer auf einen Nachrichtenzug einer Infanterieeinheit verweist.

Diese Kennungen sind eine Wissenschaft für sich und einige davon geben bis heute Rätsel auf, doch die gängigsten lassen sich anhand einschlägiger Literatur entziffern („Taktische Zeichen auf den Fahrzeugen des deutschen Heeres 1939-1945“, von W. Fleischer, Verlag Podzun-Pallas, 1999).

Dieselbe Kennung wie auf dem Stoewer-Kübelwagen findet sich auch auf dem eleganten Zivilauto davor, hier allerdings auf dem Nummernschild – wohl nur provisorisch:

Salmson_S4_mit_Stoewer_Kübel_Ausschnitt1

Der nächste Schritt war sicher die Komplettlackierung des Autos im unvermeidlichen Mattgrau. Dann wäre das taktische Zeichen auf den einen Vorderkotflügel und das Kürzel „WH“ auf den anderen gewandert.

Außerdem wäre ein neues Nummernschild vergeben worden – denn Ordnung muss sein, auch im Krieg… Leider besitze ich nur dieses eine Foto des Wagens, das ihn noch in voller Schönheit zeigt, bevor er eine Militärlaufbahn mit ungewissem Ausgang antrat.

Was aber ist das nun für ein geheimnisvolles Fahrzeug? Zwar erinnert die Kühlerpartie ein wenig an den Hansa 1100/1700, doch die exaltiert geformte Stoßstange findet sich so an keinem deutschen Fahrzeug jener Zeit.

Eigenwillig ist auch die hochgelegene Reihe kurzer Luftschlitze in der Seite der Motorhaube. Alles übrige ließe sich auch bei deutschen oder tschechischen Autos der späten 1930er Jahre finden.

Erst eine Umfrage in der Facebook-Gruppe „Cars of the 1900’s to the 1930’s lieferte umgehend die Lösung: Es handelt sich um einen französischen Salmson des Typs S4.

Praktisch das gleiche Auto ist auf folgender Werbeanzeige aus „The Autocar“ von Oktober 1938 abgebildet:

Salmson_S4_Reklame_1938_Galerie

Dass es sich um ein echtes Qualitätsfahrzeug des erst seit 1919 im Automobilsektor tätigen Flugmotorenherstellers Société des Moteurs Salmson handelte, wird bei der Lektüre deutlich.

Schon die beiden Vierzylindermodelle mit 1,7 bzw. 2,3 Liter Hubraum boten:

  • Ventilantrieb über zwei (!) obenliegende Nockenwellen – damals Rennsporttechnik
  • synchronisiertes Vierganggetriebe oder optional: Cotal-Vorwählgetriebe
  • unabhängige Vorderradaufhängung (zuletzt mit Torsionsstabfederung)

Vorgängertypen dieses Salmson wurden bereits ab 1932 gebaut und ständig technisch verbessert und optisch verfeinert. Nach kriegsbedingter Unterbrechung baute Salmson auf dieser Basis bis in die 1950er Jahre weiter hochklassige Automobile.

Was aber hat es mit den in der Reklame erwähnten beiden Sechszylindermodellen von „British Salmson“ auf sich?

Nun, dazu muss man wissen, dass Salmson nach dem 1. Weltkrieg eine Tochtergesellschaft in Großbritannien gründete – die British Salmson Aero Engine Ltd.  Sie war zugleich die Importgesellschaft für Salmson-Automobile, die bereits in den 1920er Jahren durch häufige Sporterfolge auffielen.

Kurz vor dem Beginn des 2. Weltkriegs fertigte die britische Dependance Salmson-Wagen mit dem in der Reklame erwähnten 2,5 Liter-Sechszylindermotor, der eine Spitzengeschwindigkeit von 145 km/h ermöglichte.

Über den tatsächlichen Hersteller dieses ebenfalls mit zwei obenliegenden Nockenwellen ausgestatteten Aggregats konnte ich keine Angabe finden – wer weiß mehr dazu?

Jedenfalls verrät das Foto des Salmson S4 etwas von der unfreiwilligen Kollaboration mit den deutschen Besatzungstruppen, die sich nicht nur auf den erzwungenen Einsatz beschlagnahmter Fahrzeuge beschränkte. In den französischen Automobilfabriken wurden ab 1940 auch Rüstungsgüter für die Wehrmacht produziert, weshalb sie häufig vom Gegner bombardiert wurden – dabei erwischte es auch das Salmson-Werk in Billancourt bei Paris…

Eine ganz andere Geschichte zum Thema Salmson in deutscher Hand aus oberflächlich friedlichen Zeiten habe ich in diesem Blog-Eintrag erzählt.

© Michael Schlenger, 2019. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

 

 

 

 

Schwäbische Automobil-Gourmets fahren Salmson!

„Dies fuhr alles einst auf unseren Straßen“, so lautet der Titel eines reizenden Bildbands des 2013 verstorbenen Automobiljournalisten Paul Simsa.

Das 2011 neu aufgelegte Werk befasst sich mit dem Überleben von Vorkriegsautos im Nachkriegsdeutschland – ein Kapitel, das auf diesem Blog ebenfalls einigen Raum einnimmt (Überblick hier).

Doch unser Schwerpunkt liegt auf Originalfotos, die Veteranenfahrzeuge im Alltagseinsatz zu einer Zeit zeigen, als sie noch keine „Oldtimer“ waren. So ist das auch bei der Aufnahme, die wir heute vorstellen.

Laut umseitiger Aufschrift ist diese während einer „Spritztour nach Nagold“ entstanden.

Nie gehört? Nun, auch der Verfasser kennt den beschaulichen Ort im Schwarzwälder Landkreis Calw nur, weil es seine schlesische Großmutter nach einigen Umwegen im Alter dorthin verschlagen hat.

Fern der Heimat fand sich auch der Wagen auf unserer Aufnahme wieder:

Salmson_VAL_ca_1925_Tour_nach Nagold_Galerie

Salmson Typ VAL; Originalaufnahme aus Sammlung Michael Schlenger

Was hier mit Zulassung im einstigen Bezirk Baden vor uns steht, ist nämlich eindeutig vom anderen Ufer – des Rheins, versteht sich.

Man muss kein besonderer Kenner der unzähligen französischen Automarken der Vorkriegszeit sein, um diesen Tourenwagen als Salmson zu identifizieren. Das Andreaskreuz auf dem Kühler sagt alles.

Wie aber wurde das Kreuz, an dem christlicher Überlieferung zufolge einer der Jünger Jesu gekreuzigt wurde, zum Markenzeichen eines Autoherstellers?

Dazu müssen wir ein wenig ausholen:

Die Firma Salmson geht auf eine Gründung des französischen Luftfahrtpioniers Émile Salmson zurück, der ab 1908 Flugmotoren herstellte. Im 1. Weltkrieg begann das Unternehmen außerdem, komplette Flugzeuge zu bauen.

Émile Salmson starb 1917 und sein Unternehmen Société des Moteurs Salmson wurde nach dem 1. Weltkrieg neu ausgerichtet.

Ein gewisser André Lombard überzeugte die Geschäftsführung davon, dass eine Lizenzfertigung der bewährten und steuerlich günstigen Cyclecars der britischen Firma GN (Godfrey & Nash) eine lohnende Angelegenheit sei.

Die Idee erwies sich als richtig und André Lombard betätigte sich erfolgreich als Werksfahrer für die aufstrebende junge Automobilfirma.

Unterdessen machte sich Salmson an die Weiterentwicklung der 4-Zylinder-Motoren. Den Durchbruch brachten die kopfgesteuerten Aggregate von Èmile Petit, die auch in den Serienwagen wie auf unserem Foto zum Einsatz kamen.

Ab 1921, nachdem ein Salmson mit zwei obenliegenden Nockenwellen mit André Lombard am Steuer die Konkurrenz deklassiert hatte, wurde ihm zu Ehren das Croix d’André im Kühlergrill integriert.

Die Sportmodelle jener Zeit trugen außerdem die Initialen von André Lombard in der Typbezeichnung: „AL“. Nebenbei: Bis 1928 heimsten die Cyclecars von Salmson über 500 Rennsiege ein.

Die „zivile“ Ausführung der erfolgreichen Salmson-Cyclecars wurde als Typ „VAL“ bezeichnet, wobei das V für „Voiturette“ stand, also Kleinwagen. Mit solch einem Salmson VAL aus der Mitte der 1920er Jahre haben wir es heute zu tun.

Und so sahen die wackeren Schwaben aus, die damals mit der Wahl ihres Wagens hervorragenden Geschmack bewiesen, lange bevor ihre Nachkommen ihren automobilen Horizont auf „Youngtimer“ aus lokaler Produktion beschränkten:

Salmson_VAL_ca_1925_Tour_nach Nagold_Ausschnitt

Man hat den Eindruck, dass das glückliche Leute waren, die einst mit ihrem französischen Tourenwagen tief im Badischen auf Spritztour unterwegs waren.

Kann es sein, dass es für Leute mit Sachkenntnis und Stil damals in vielerlei Hinsicht eine vielfältigere und aufregendere Auswahl gab als heute?

Für alles und jeden offene Grenzen werden in unseren Tagen ja gerne als kolossale Errungenschaft dargestellt. Aber was, wenn es nun – im günstigsten Fall – überall nur den gleichen Einheitsbrei gibt?

Vielleicht ein Grund mehr, warum die Klassikerszene einen immer größeren Zulauf hat. Wenn heute beinahe jeder BMW, Mercedes oder Porsche fährt, findet sich das Edle fast nur noch in den Relikten der Vergangenheit.

Der heutige Blogeintrag beschäftigt sich übrigens nicht zufällig mit einem Wagen der französischen Marke Salmson.

Denn an diesem Wochenende (6./7. Mai 2017) treffen sich hunderte Gleichgesinnte aus ganz Europa an der historischen Rennstrecke von Monthléry bei Paris, um dort ein Festival wahrer Vielfalt zu feiern:

© Videoquelle YouTube; hochgeladen von Jean-Baptiste AVRIL

Die Cyclecars von Salmson, Amilcar, BMC, Rally und wie sie alle heißen stellen dort die stärkste Fraktion – unsere französischen Nachbarn lieben diese Tradition.

Enthusiasten aus England, den Niederlanden, Belgien und Deutschland sind seit vielen Jahren begeistert mit von der Partie – denn nichts kommt diesem Spektakel auf der einzigen noch befahrbaren Steilkurvenstrecke der Welt gleich.

Die faszinierende Welt der Vorkriegswagen lebt und ist unendlich abwechslungsreicher und begeisternder als das, was unsere Tage in automobilistischer Hinsicht (und vielleicht auch sonst) hervorbringen…

Der Verfasser wäre 2017 gern dabei gewesen – doch ist etwas dazwischengekommen – daher allen Lesern vor Ort auf diesem Weg: Hals- und Beinbruch!

© Michael Schlenger, 2017. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and http://www.klassiker-runde-wetterau.com with appropriate and specific direction to the original content.

 

 

„Rally“-Cyclecar: Der Bugatti des kleinen Mannes

Die Tradition der „Cyclecars“ – kleiner, leichter Sportwagen der 1920er und frühen 1930er Jahre – wird auch hierzulande von Enthusiasten gepflegt. Bei den Classic Days 2014 auf Schloss Dyck waren einige im Einsatz zu sehen.

© Cyclecars, Classic Days 2014; Bildrechte: Michael Schlenger

Im Cyclecar-Segment dominieren französische Marken wie Amilcar, Mathis und Salmson. Deutsche Fabrikate sind kaum anzutreffen, obwohl hierzulande einst zahllose Produzenten kleinvolumige Wagen fertigten.

Vermutlich war seinerzeit in Frankreich der Markt für Privatfahrer größer, die sich solche Schätzchen leisten konnten. Die Dominanz französischer Hersteller in dieser Klasse wird auch beim alle zwei Jahre stattfindenden Vintage Revival Monthléry deutlich, wo an die 50 Cyclecars über den einzigen noch befahrbaren Steilkurvenkurs der Welt toben.

© Videoquelle: YouTube; Urheberrecht: Michael Buller

Zu den hierzulande kaum bekannten Herstellern solcher Kleinsportwagen gehörte von 1921 bis 1933 die Firma Rally, die in einem Vorort von Paris ansässig war.

Der Verfasser erstand vor einiger Zeit beim Goodwood Revival Meeting folgendes Foto der 1930er Jahre, das einen Rally ABC zeigt.

Rally_Pressefoto

© Rally ABC, Bj. 1930; Sammlung: Michael Schlenger

Auf der Rückseite sind die technischen Daten des Wagens vermerkt:  4-Zylinder-Motor mit 1100 ccm, hängende Ventile, 3-Gang-Getriebe, Baujahr 1930.

Der Zufall wollte es, dass 2013 auf dem Teilemarkt im elsässischen Lipsheim ein Rally zum Verkauf angeboten wurde – allerdings ohne Angabe des Kaufpreises. Hier ein Foto des Fahrzeugs:

Rally_Lipsheim_sw

© Rally, Teilemarkt Lipsheim; Bildrechte: Michael Schlenger

Amilcar-Freunde mögen es verzeihen – aber Rally baute die optisch attraktiveren Wagen. Man ist geneigt, angesichts der hufeisenförmigen Kühlermaske vom „Bugatti des kleinen Mannes“ zu sprechen.

Rally fertigte übrigens zeitweise eigene Motoren, für die auch ein Roots-Kompressor verfügbar war. Ab 1931 trat Rally dann mit Motoren von Salmson an, die über zwei Nockenwellen verfügten.

Rally ging 1933 in Konkurs, die Rennaktivitäten hatten offenbar zuviel Kapital verschlungen. Schön zu sehen, dass dennoch etliche Wagen dieser feinen Marke überlebt haben. Hier ein spätes Modell:

Rally_Schloss_Dyck_2014

© Rally, Classic Days 2014; Bildrechte: Michael Schlenger