Besuch beim Truppenfriseur mit Adler 12N-3G Kübelwagen

In diesem Blog dreht sich zwar alles um historische Automobile – speziell solche der Vorkriegszeit.  Oft scheinen sie aber zunächst gar nicht im Mittelpunkt zu stehen. Vielmehr nähern wir uns ihnen – wie bei einer Oldtimerausfahrt – auf reizvollen Umwegen.

Heute steht ein Originalfoto aus dem 2. Weltkrieg am Anfang, das eine auf den ersten Blick beschauliche Szene zeigt:

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© Adler 12 N-3G Kübelwagen, 1939; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

An einem sonnigen Tag bekommt in einem Waldstück ein junger deutscher Wehrmachtsoffizier – zu erkennen an den Reithosen mit hohen Schaftstiefeln – einen militärisch korrekten Haarschnitt verpasst.

Im Hintergrund stehen diverse Fahrzeuge herum, teilweise mit geöffneten Motorhauben. Hier hat offenbar eine Heereseinheit eine Marschpause eingelegt – wann und wo, wird aus der Aufnahme selbst zunächst nicht klar.

Teil der idyllischen, von einem versierten Fotografen komponierten Aufnahme ist ein Wagen der Frankfurter Marke Adler. Den schauen wir uns näher an:

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Wer das Bildporträt zum Adler Standard 6 auf diesem Blog gelesen hat, der erkennt die Kühlerpartie mit dem Adler-Emblem wieder. Doch kann man getrost ausschließen, dass es sich hier um einen solchen Wagen handelt.

Nach Ausbruch des 2. Weltkriegs wurden vom deutschen Militär (und den anderen europäischen Kriegsparteien) zwar alle möglichen Zivil-PKW beschlagnahmt und ihrem Fuhrpark einverleibt. Doch konstruktiv aus den 1920er Jahren stammende Wagen blieben meist davon ausgenommen.

Die Ähnlichkeit hat einen anderen Grund: Adler baute auf Basis des Standard 6 ab Ende der 1920er Jahre Kübelwagen für die damalige Reichswehr. Mit seinem 50 PS leistenden 6-Zylinder-Motor erwies sich das schwere Vehikel aber untermotorisiert.

Daher folgte ab 1933 ein ebenfalls auf dem Standard 6 basierender Kübelwagen mit auf 60 PS gesteigerter Leistung. Von diesem Modell mit der Bezeichnung Adler 12N-3G wurden bis 1935 fast 2000 Exemplare gebaut – eines davon ist auf unserem Bild zu sehen.

Mehr von dem Modell zeigt die folgende Aufnahme (Ort und Datum unbekannt):

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© Adler 12 N-3G Kübelwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Hier erkennt man die waagerecht verlaufende Luftschlitze in der Motorhaube, wie sie Adler Standard 6 und das äußerlich fast identische 4-Zylinder-Modell „Favorit“ aufwiesen. Bis auf die voluminöseren Kotflügel scheint die gesamte Vorderpartie vom Zivilmodell übernommen worden zu sein.

Fahrgestell und hinterer Aufbau folgten einheitlichen Baumustern, die die Modellvielfalt an der Front verringern sollten. Dieses von „Schreibtischtätern“ ersonnene Konzept blieb aber auf halbem Wege stehen, da weiterhin jeder Hersteller von Kübelwagen konstruktive Eigenheiten einbrachte.

Für die benötigten geländegängigen, möglichst anspruchslosen Fahrzeuge wäre ein komplett einheitlicher, eigens für den Militäreinsatz entwickelter Typ die richtige Lösung gewesen. Erst der spätere VW Kübelwagen (Typ 82) und der amerikanische Jeep trugen dem umfassend Rechnung.

Hier noch eine seitliche Ansicht eines Adler 12N-3G  Kübelwagens, der bei einer Pause an einem unbekannten Ort im 2. Weltkrieg aufgenommen wurde.

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© Adler 12 N-3G Kübelwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Gut zu erkennen ist hier der rechte vordere Kübelsitz, der guten Seitenhalt bei Geländefahrt bot. Gleichzeitig war – in Ermangelung von Türen – bei einem Luft- oder Artillerieangriff ein blitzschnelles seitliches Verlassen des Fahrzeugs möglich.

Putzig wirkt der kleine Dreieckskanister hinter dem Reserverad. Für Wagen im zivilen Gebrauch reichte der Inhalt zwar meistens aus. Im Kampfeinsatz verließen sich die Soldaten jedoch lieber auf die bis heute gebauten Einheitskanister, die kurzerhand zwischen Reserverad und Motorhaube eingeklemmt wurden. Auch diese Lösung lässt ahnen, wie wenig die vor dem Krieg entwickelten schweren und komplexen Kübelwagen auf den Frontalltag ausgerichtet waren.

Kommen wir zum Schluss noch einmal auf das Ausgangsfoto zurück. Auf der Rückseite findet sich der handschriftliche Vermerk: „Im Wald nördlich von Brzeziny“.

Diese Angabe genügt, um die Aufnahmesituation einzuordnen. Demnach ist das Foto kurz nach dem deutschen Überfall auf Polen Ende September 1939 entstanden. Der Ort Brzeziny liegt 100 km südwestlich von Warschau und wurde damals von angreifenden Wehrmachtsverbänden passiert.

Ob die Einheit, zu der der Adler auf dem Foto gehört, zur Kampftruppe gehörte oder eher zu Nachschub- oder Nachrichtenverbänden, wissen wir nicht. Jedenfalls entstand das Foto in einem Moment, als in Europa die Lichter ausgingen.

Zwar war auch in Polen in den 1920er Jahren nach erfolgreichen Eroberungen im revolutionsgeschwächten Russland ein Angriff auf Deutschland erwogen worden. Doch haftet der Makel des (nicht erklärten) Angriffskriegs auf den Nachbarn im Spätsommer 1939 unabweisbar an Deutschland.

In welches tragische, hauptsächlich von der Berliner Führung verantwortete Geschehen in der Folge Millionen von Soldaten und Zivilisten hineingezogen wurden, war für den Einzelnen in der Regel nicht zu übersehen.

Unser Foto zeugt aber von dem Bemühen, sich auch unter heute unvorstellbaren Umständen ein Mindestmaß an Zivilisiertheit zu bewahren. Auch solche – nachdenklich machenden – Aufnahmen gehören zur Beschäftigung mit historischer Mobilität.

1929: Pontiac auf dem Kriegspfad in Deutschland

Bei der Beschäftigung mit historischen Fotografien von Automobilen erfährt man oft nebenher Dinge, die mit dem Motiv gar nichts zu tun haben.

So kann man auf eine Abbildung stoßen, die zwar nicht den ganzen Wagen zeigt, aber gerade das, was seine Identifikation ermöglicht und weitere Recherchen veranlasst.

Nehmen wir folgendes Beispiel eines US-Wagens:

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© Pontiac Series 6-28; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Man sieht einen stolzen Autobesitzer mit Denkerstirn und Fliege – vielleicht ein leitender Angestellter oder höherer Beamter, der auf dem Kotflügel seines recht neu wirkenden Wagens posiert.

Die Beschriftung des Nummernschilds spricht für ein Auto mit deutscher Zulassung aus den 1920/30er Jahren. Die Doppelstoßstangen und die Proportionen des Wagens lassen aber vermuten, dass es ein amerikanisches Fabrikat ist.

Dummerweise sahen sich viele Großserienautos in der Zwischenkriegszeit sehr ähnlich. Wirklich individuell waren damals nur Fahrzeuge mit Sonderkarosserie. Die große Zeit der unverwechselbaren Autogesichter waren erst die 1950-70er Jahre.

Was tut man in solch einem scheinbar hoffnungslosen Fall? Genau hinsehen!

Pontiac_New_Series_AusschnittZwar kann man nicht erkennen, was auf der Kühlerplakette steht, doch der markante Kopf darüber liefert den entscheidenden Hinweis. Es muss sich um ein Auto der Marke Pontiac handeln, die einen Indianerkopf als Kühlerfigur verwendete.

Leider leben wir in Zeiten, in denen von interessierter Seite jede Bezugnahme auf ethnische Charakteristika als „diskriminierend“ verurteilt wird. Bevor nun ein selbsternannter Blockwart reflexartig die Kühlerfigur für verwerflich erklärt, ein Exkurs zur Geschichte dahinter:

Die Kühlerfigur und der Name Pontiac erinnern an einen tragischen Helden des Widerstands der Indianer gegen die britischen Eroberungszüge in Nordamerika in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Der aus der Gegend des späteren Detroit stammende Häuptling Pontiac leitete kluge, aber letztlich erfolglose Operationen gegen die Engländer, die sich damals in vielen Teilen der Welt als Herrenrasse aufführten.

Erst recht nach den Erfahrungen des 20. Jh. erscheint das stolze Indianerhaupt an einem Pontiac daher als Symbol für den Selbstbehauptungswillen eines Volkes.

Zurück zum abgebildeten Wagen: Wir haben es mit dem ersten von Pontiac gebauten Typ zu tun, dem Series-6. Die 1926 von General Motors neugeschaffene Marke besetzte das Mittelklassesegment und landete auf Anhieb einen Erfolg.

Bis 1928 – dem Baujahr des hier gezeigten Wagens, entstanden über 400.000 Exemplare des Pontiac Series 6. Mit solchen Größenordnungen hätte der Newcomer mühelos weite Teile des europäischen Markts bedienen können.

Deutsche Marken hatten die Entwicklung auf der anderen Seite des Atlantiks verschlafen. Sogar Opel meinte 1928 noch damit werben zu müssen, dass seine Wagen „keine Massenfabrikate“ seien.

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© Opel-Reklame von 1928; Quelle: Sammlung Michael Schlenger

Dabei waren zur auch hierzulande erstrebten Volksmotorisierung Massenfabrikate notwendig, wie sie die US-Hersteller in großer Auswahl anboten und die wirklich jedermann erschwingliche Motorisierung ermöglichten.

Dazu brauchte es gerade keine hilflosen Appelle wie „Fahren Sie deutsche Wagen“ oder verschrobene Konzepte, die in den 1920er Jahren hiesige Firmen wie  Hanomag mit dem „Kommissbrot“ verfolgten, sondern schlicht bodenständige Lösungen, die rationell herzustellen waren.

Entsprechend verfügte der Pontiac auf unserem Foto  über einen technisch unauffälligen, 3 Liter messenden 6-Zylinder mit 40 PS, was seinerzeit in Europa als großzügig galt.

Dass ein solcher Wagen einst den Weg über den Atlantik gefunden hatte, verwundert an sich nicht. Doch ob neben Buick, Chevrolet und Ford auch andere US-Großserienhersteller wie Pontiac in Europa eine Fertigung unterhielten, ist dem Verfasser unbekannt. Vielleicht weiß ein sachkundiger Leser mehr dazu.

Ein DKW F2 am Deutschen Eck in Koblenz

Alte Fotos frontgetriebener DKWs gehören zu den Aufnahmen deutscher PKW der 1930er Jahre, die leicht zu bekommen sind. Die schwachbrüstigen, doch gefällig gezeichneten 2-Takter aus Zschopau waren mit die populärsten Wagen jener Zeit.

Die meisten Zweizylinder-Typen von DKW wurden hier bereits vorgestellt, außerdem die seltenen 4-Zylinder-Modelle (V1000 und Schwebeklasse). Doch finden sich immer wieder Aufnahmen, die gewöhnliche DKWs in reizvollen Perspektiven zeigen.

Folgendes Originalfoto eines DKW F2 ist ein schönes Beispiel dafür:

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© DKW F2 „Meisterklasse“ in Koblenz; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Der Wagen lässt sich anhand der schrägstehenden Windschutzscheibe und des ebenfalls abgeschrägten Kühlergrills als Nachfolger des ersten Fronttrieblers von DKW – des F1 – identifizieren. Gebaut wurde dieser DKW F2 von 1932-35.

Die Chromradkappen und die Zierleisten unter den Seitenfenstern verweisen auf die gehobene Variante „Meisterklasse“. Die heute luxuriös anmutende Ausführung als Cabrio-Limousine war jedoch auch bei der Basisversion „Reichsklasse“ gängig.

Mit 20 PS aus 700 ccm Hubraum waren keine spektakulären Fahrleistungen möglich. Doch ein Höchsttempo von 85 km/h genügte auf den damaligen Landstraßen – zumindest in der Ebene.

Dass ein DKW F2 ein solides Ausflugsauto abgab, zeigt unser Foto. Denn wer sich ein wenig in unserem Land auskennt, erkennt als Aufnahmeort das Deutsche Eck in Koblenz mit dem Standbild von Kaiser Wilhelm I (rechts außerhalb des Fotos).

DKW_F2_Reichsklasse_Deutsches_Eck_Koblenz_Insassen

Hat man in der Schule nicht aufgepasst und weder etwas von Kaiser Wilhelm I. noch von der dem Denkmal gegenüberliegenden Festung Ehrenbreitstein gehört, hilft auf der Website Google-Maps die Satellitenansicht von Koblenz weiter.

Wer dort heute seinen Citroen Cactus – ein schlechter Scherz – parkt, kann dieselbe Aussicht genießen. Es kann bloß sein, dass man statt der Rockträgerinnen Rentnerinnen mit bunten Anoraks und Elektro-Fahrrädern zu Gesicht bekommt…

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BMW gegen Opel: Rallyeautos der 1930er Jahre

Einige frühe PKW-Modelle von BMW wurden auf diesem Blog bereits anhand von Originalfotos präsentiert – der Erstling BMW Dixi, das 6-Zylindermodell BMW 303 und die äußerlich ähnliche 4-Zylinderversion BMW 309.

Heute ist der Nachfolger des 303 an der Reihe – der BMW 315, dessen 6-Zylindermotor auf 1,5 Liter gewachsen war und 34 PS leistete.

Man mag mit einem „Dreier-BMW“ andere Leistungen verbinden, doch in den 1930er Jahren erarbeiteten sich die Bayern mit der Autofabrikation in Eisenach erst ihren Ruf. Das taten sie Schritt für Schritt und durchaus überzeugend.

Das folgende, außergewöhnliche Originalfoto unterstreicht dies eindrucksvoll:

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© BMW Roadster, BMW 315 und Opel 2 Liter; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Der Abzug ist schon etwas mitgenommen, das Foto an sich ist aber ansprechend komponiert und einwandfrei belichtet. Es zeigt drei Fahrzeuge, die offenbar an einer Rallye teilgenommen haben.

Dafür sprechen nicht nur die seitlich aufgeklebten oder gemalten Starternummern, sondern auch die verdreckten Karosserien. Die Konstellation ist hochinteressant, sieht man doch, welch‘ unterschiedliche Fahrzeuge einst gegeneinander antraten.

Beginnen wir mit dem Roadster ganz links:

BMW_Dixi_RoadsterDer prächtige kleine Sportwagen sieht auf den ersten Blick wie ein Austin Seven  Special der späten 1920er Jahre aus. Wahrscheinlich ist es aber eine Sportversion des BMW Dixi, der anfangs ein Lizenznachbau des Austin 7 war.

Kenner werden vielleicht anhand von Details sagen können, um welches Modell genau es sich handelt. Jedenfalls scheint der Wagen keine Standard-Werkskarosserie zu besitzen. Wer sich einen Special auf Basis eines BMW Dixi aufbauen will, findet hier jedenfalls eine stilistisch überzeugende Vorlage.

Kommen wir zum Wagen in der Mitte, einem BMW 315:

BMW_315_Rallye

Der Wagen entsprach äußerlich weitgehend seinem Vorgänger BMW 303 und auch das Vierzylinder-Modell 309 sah sehr ähnlich aus. Die eigenwillige Anordnung der auf sechs Felder verteilten Luftschlitze in der Motorhaube spricht aber für einen BMW 315 des Baujahrs 1934.

Mit seinem Gewicht von vollgetankt rund 850 kg ließ sich der BMW von einem engagierten Fahrer recht flott bewegen. Dabei fiel die Spitzenleistung erst bei 4.000 U/min an – der Motor war für die damalige Zeit ungewöhnlich drehfreudig.

Eine ganz andere Charakteristik wies der daneben stehende Opel mit 2 Liter messendem 6-Zylindermotor auf. Er leistete trotz um ein Drittel größeren Hubraums gegenüber dem BMW 315 gerade einmal 2 PS mehr, die bei 3.300 U/min. anfielen.

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Mit einem Wagengewicht von über 1.000 kg dürfte der Opel dem agilen BMW in sportlicher Hinsicht unterlegen gewesen sein. Dass überhaupt ein Fahrer die behäbig wirkende Rüsselsheimer Limousine als Wettbewerbsfahrzeug einsetzte, spricht für einen gewissen Enthusiasmus, der fehlende PS mitunter ersetzen kann.

Leider wissen wir nichts über den Anlass, bei dem diese Fahrzeuge gegeneinander antraten. Dem Nummernschild zufolge waren es in Niederbayern zugelassene Wagen, die wohl bei einer lokalen Sportveranstaltung eingesetzt wurden.

Dezente Eleganz nach dem Krieg: Borgward Hansa

Dieser Blog widmet sich schwerpunktmäßig Automobilen der Zeit vor dem 2. Weltkrieg, die sich durch eine faszinierende Vielfalt an Marken, Konzepten und Karosserien auszeichnete.

Die Wagen der Vorkriegszeit sind auch deshalb interessant, weil ihre Formen, Proportionen und Materialien uralte Traditionen weiterführten. Deshalb fügten sie sich äußerlich so harmonisch in das gewachsene Umfeld ein.

Wer heute in eine historische Altstadt mit einem Vorkriegswagen einfährt und diesen auf dem Marktplatz abstellt, kann sich daher der Sympathie seiner Zeitgenossen sicher sein – selbst wenn sie gar keine Oldtimerfans sind.

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© DKW, Adler und Opel , Mitte der 1930er Jahre; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Die letzten Wagen, die in der Tradition organischer und damit als natürlich empfundener Formen standen, wurden Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre entwickelt. Gemeint sind die Autos mit Pontonkarosserie.

Die Idee, auf freistehende Kotflügel zu verzichten und eine eher die Breite als die Höhe betonende Karosserie zu bauen, taucht bereits in den 1920er Jahren auf. Die Verfechter der Stromlinienform leisteten dazu maßgebliche Beiträge.

Die Pontonkarosserie ist letztlich eine Entwicklungsform der Vorkriegszeit, die sich erst nach dem 2. Weltkrieg durchsetzte.

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© Steyr-Fiat 1400 in den Dolomiten, 1955; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Daher deckt dieser Blog auch entsprechende, bis 1955 vorgestellte Autos ab. Die britische, auf Vorkriegsautos spezialisierte Zeitschrift „The Automobile“ ( http://www.theautomobile.co.uk/about/) zieht interessanterweise dieselbe Grenze.

Dass die frühen Pontonkarosserien stilistisch eine Vorkriegstradition fortführten und keine Zäsur darstellten wie in der Architektur die brachiale Bauhaus-Ideologie, zeigt das folgende Originalfoto:

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© Borgward Hansa, um 1950; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

In einer bürgerlichen Wohngegend mit Häusern der 1920/30er Jahre, die noch über großzügige Grundstückgrößen und freundlich wirkende Details wie Fensterläden verfügten, sehen wir einen Borgward Hansa nebst elegant gekleideter junger Dame.

Das Nummernschild am Auto ist wahrscheinlich ein Besatzungskennzeichen – wir befinden uns also in den späten 1940er bzw. frühen 1950er Jahren. Die Gegend, in der die Aufnahme entstand, ist von den Verheerungen des Krieges verschont geblieben. Erst ab den 1970er Jahren wütete in solchen Vierteln der „Modernisierungs“wahn.

1949 hatte Borgward den Hansa vorgestellt, das erste neukonstruierte deutsche Auto nach dem verlorenen Krieg. Nicht Opel, nicht Mercedes, nicht BMW war das gelungen, was Borgward hinbekam – fast zeitgleich übrigens auch Fiat mit dem 1400.

Auch bei der Leistung war Borgward auf der Höhe: Mit anfangs 48, später 52 und dann über 60 PS boten die Bremer eine der Größe des Wagens angemessene Motorisierung. Damit konkurrierte man mit zeitgenössischen Mercedes dieser Klasse, die die Pontonform erst später und auch nur halbherzig übernahmen.

Schaut man sich zeitgenössische Fotos von Borgwards an, hat man den Eindruck, dass sie von eher jungen, zu Geld gekommenen Leuten gefahren wurden. Das waren oft Menschen mit Stilbewusstsein, wie an ihrer sportlichen Figur und lässig-eleganter Kleidung zu erkennen ist.

Auch unsere Aufnahme lässt erkennen, dass es diesen jungen Autobesitzern um mehr als nur praktische Fortbewegung ging, hier ein Ausschnitt:

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© Borgward Hansa, um 1950; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Die weitgeschnittenen Hosen und der lange Mantel der neben dem Borgward stehenden jungen Dame spiegeln noch den mondänen Stil der späten 1930er und 1940er Jahre wider.

Die Frisur und die lässige Haltung dagegen künden von einem neuen selbstbewussten Frauenbild, das eine unangestrengte Eleganz einschloss, die man in Zeiten formloser „Funktions“jacken heute oft vermisst.

Auf folgender Privataufnahme, die ein Borgward Hansa-Fahrer einst auf einem Alpenpass schoss, bekommt man noch eindrucksvoll vorgeführt, was eine Taille ist…

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© Borgward Hansa, Rückfahrt aus Italien, um 1950; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

DKW V1000: Rare Vorkriegs-Limousine mit 4-Zylindern

Die meisten Liebhaber deutscher Vorkriegsautos dürften bei DKW an Zweizylinder-Zweitakter mit Frontantrieb denken. Kein Wunder: Rund 265.000 DKW „Front“ baute der Traditionshersteller aus dem sächsischen Zschopau in der Zeit von 1931-42.

Die entsprechenden Typen F2 bis F8 sind auf diesem Blog umfangreich dokumentiert, auch Raritäten wie das Front-Luxus-Cabriolet (DKW-Bildergalerie).

Doch angefangen hatte der PKW-Bau bei DKW im Jahr 1928 mit Hecktrieblern, anfangs mit 2-Zylinder-Motor (Typ P15 PS). Ab 1930 baute man auch hubraum- und leistungsstärkere Wagen mit Vierzylinder, die richtig erwachsen wirkten.

Ein solchen DKW des 4-Zylindertyps V 1000 zeigt folgende Originalaufnahme, die auf den 11. September 1932 datiert ist:

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© DKW V1000 von 1931/32; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Der Kühler nach dem Vorbild klassischer Tempelfronten – an Rolls-Royce erinnernd – , die Doppelstoßstangen nach amerikanischer Mode und die imposanten Scheinwerfer signalisieren: das ist kein Kleinwagen! Mit der Leistung von 25 PS bewegte sich DKW mit diesem Modell Anfang der 1930er Jahre in der Mittelklasse und konkurrierte mit Hanomag und Opel. 

Am DKW V1000 wurde übrigens erstmals das neu gestaltete Firmenemblem verwendet, das dem Grundsatz nach bis in die 1950er Jahre überlebte. Der schwächere Vorgänger V800, der von 1930-31 gebaut wurde, trug dieses Logo noch nicht.

Der im Raum Leipzig zugelassene Wagen auf unserem Foto besitzt vor dem Kühler ein verchromtes Schutzgitter, wie es zeitweilig schick war. Teilweise verdeckt wird dadurch das kreisförmige Emblem mit der Gleichung „4=8“.

Das war ein Hinweis darauf, dass ein Zweitakter pro Kurbelwellenumdrehung doppelt so viele Arbeitstakte aufwies wie ein Viertakter gleicher Zylinderzahl. DKW sprach seinen Vierzylindern also eine Eigenschaft von 8-Zylinder-Motoren zu. Diese kühne Werbebotschaft verwendete DKW auch nach dem Krieg bei den Dreiyzlinder-Zweitaktern, die als „3=6“-Typen vermarktet wurden.

Das Publikum dürfte beim DKW V1000 weniger den bauartbedingt tatsächlich wenig laufruhigen Motor, sondern vor allem die Größe geschätzt haben. Auf folgendem Foto eines Wagens mit Berliner Zulassung (Kürzel „IA“) kann man die Abmessungen der Cabrio-Limousine dieses Typs gut erkennen:

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© DKW V1000 von 1931/32; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Neben dieser 4-sitzigen Ausführung gab es auch eine 2-sitzige Cabrio-Limousine sowie eine vollwertige Limousine klassischer Machart.

Wie der Vorgänger V800 wurde der DKW V1000 nur rund ein Jahr lang gebaut. Nach knapp 3.000 Exemplaren endete im Dezember 1932 die Produktion. Damit gehört der V1000 zu den selteneren DKW-Typen, von denen nur wenige überlebt haben.

Abgelöst wurde der V1000 durch die technisch ähnlichen, aber noch luxuriöser daherkommenden Wagen des Typs „Sonderklasse“, der hier ebenfalls anhand eines Originalfotos vorgestellt wird.

BMW 3er mit 900ccm unterwegs mit der Eisenbahn…

Der Titel lässt zunächst einen humoristischen Beitrag erwarten – nach dem Motto: einen noch halbwüchsigen BMW transportiert man besser per Bahn, als ihn auf die Straße zu lassen. Doch der Hintergrund ist ein ernster, wie wir gleich sehen.

Besagter 3er BMW mit 900 Kubik ist der bereits präsentierte Typ 309, den BMW von 1934-36 den neuen Sechszylindermodellen 303, 315 und 319 zur Seite stellte. Mit seinem 20 PS „starken“ 4-Zylinder-Motor bot er natürlich nichts von dem sportlichen Image, das BMWs 3er Reihe der Vorkriegszeit begründen sollte. 

Aber es gab zunehmende Nachfrage in Deutschland in der Einsteigerklasse, bis dato das Revier von DKW, Hanomag und Opel. Mit seiner modernen Ganzstahlkarosserie und der markanten Frontpartie konnte der BMW 309 durchaus punkten.

Wie kommt nun ein solcher Kleinwagen auf einen Eisenbahnwaggon, wird man sich beim Anblick des folgenden Originalfotos fragen?

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© BMW 309, Bj. 1935-36; Originalaufnahme aus Sammlung Michael Schlenger

Das Foto gewährt eine ganz ungewohnte Perspektive auf das Auto. Es ist auch unter außergewöhnlichen Umständen entstanden, nämlich bei einer Truppenverlegung per Güterzug mitten im 2. Weltkrieg.

Die matte Lackierung, die Tarnabdeckungen auf den Scheinwerfern und natürlich die gesprengte Brücke sprechen für sich. Auf dem Nummernschild ist das Kürzel „WL“ zu erkennen, was für „Wehrmacht Luftwaffe“ stand.

Leider erlauben die dem Verfasser zugänglichen Quellen keine Identifikation des auf dem Schutzblech aufgemalten Zeichens, das für die Art der Einheit bzw. die Zugehörigkeit zu einem Großverband stehen kann.

Auch sonst fehlen direkte Hinweise auf Aufnahmeort und -zeitpunkt. Einige Rückschlüsse lassen sich aber aus der Gesamtsituation ziehen. Die Architektur im Hintergrund – speziell der spitze Kirchturm – spricht eher für die Westfront als für eine Gegend im Osten oder Süden. 

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Wahrscheinlich ist das Foto in Belgien oder Frankreich entstanden, wo im Sommer 1940 vielerorts Brücken gesprengt wurden, um den deutschen Vormarsch zu behindern. Bekanntlich hat das nichts genützt – der Westfeldzug endete nach nur sechs Wochen mit der französischen Kapitulation.

Der Zug fährt auf unserem Foto vermutlich über eine von Pionieren errichtete Behelfsbrücke. Auch an der zerstörten Brücke nebenan sind Aufräumarbeiten im Gange. Die entspannte Atmosphäre der Aufnahme spricht für eine Situation in bereits besetztem Gebiet, in dem keine Kämpfe mehr stattfinden.

Wer genau hinsieht, kann in dem BMW mit Tourenwagenaufbau einen vergnügten Landser erkennen, der zumindest hier nichts zu befürchten hat. Wohin die Reise ging, erfuhren die Truppen erst am Ziel. Solange genoss man den vergleichsweise bequemen Bahntransport – und sei es auf dem Güterwagen.

Die Einheit, der der kleine BMW angehörte, hatte vielleicht logistische Aufgaben und verrichtete im günstigsten Fall einen eher ruhigen Dienst. In Frankreich war man auch mit einem BMW mit 20 PS ausreichend motorisiert, hier gab es kein vergleichbar schweres Gelände wie in Russland oder in Afrika zu bewältigen.

Was aus dem Wagen – sicher war es ein eingezogenes Zivilfahrzeug – und seinen zeitweiligen militärischen Besitzern wurde, wissen wir nicht. Sicher ist nur: Die ursprünglichen Eigentümer haben den BMW nie wieder gesehen.

Der Vollständigkeit halber noch ein paar Worte zur Identifizierung des Wagens als Modell 309: Vom äußerlich sonst baugleichen 303 wurden keine Tourenwagen in nennenswerter Stückzahl produziert, und beim Modell 315 waren die seitlichen Luftschlitze in der Motorhaube anders angeordnet. So kommt nur der 309 in Frage, und zwar der von 1935/36, wie das aufgesetzte Blech mit den Luftschlitzen verrät.

Fiat 508 A „Nuova Balilla“ – gebaut in Deutschland

Leser dieses Blogs stoßen hier öfters auf Varianten von Fiats 1100er „Millecento“ – dem langlebigsten Modell in der Markenhistorie. Im Unterschied zum heute bekannteren 500er war dies kein Kleinstwagen, sondern ein erwachsenes Auto – nichts gegen den einzigartigen „Cinquecento“ übrigens.

Den ersten 1100er baute Fiat 1937 und begründete damit eine Tradition, die erst im Jahr 2001 mit dem indischen Lizennachbau Premier Padmini enden sollte. Doch eigentlich gehört schon der Vorgänger – der 1932 vorgestellte Fiat 508 „Balilla“ – zum Stammbaum des „Millecento“.

Dabei handelte es sich um ein Modell mit knapp 1 Liter Hubraum und einer Leistung von anfänglich 20 PS. Der weniger als 700kg schwere Wagen schaffte damit 85 km/h Spitze. Innerhalb von zwei Jahren setzte Fiat von der ersten Version über 40.000 Stück ab.

Den größten Erfolg hatte der Fiat 508 naturgemäß in Italien. Doch auch in Deutschland wurde das Modell gefertigt. Fiat hatte 1929 eine Produktionsstätte von NSU in Heilbronn übernommen und baute dort fortan NSU-Fiats.

Einen Fiat 508 aus deutscher Produktion zeigt folgendes Originalfoto:

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© NSU-Fiat 508 A „Nuova Balilla“, Mitte der 1930er Jahre; Foto aus Sammlung Michael Schlenger

Ein solches Auto ohne erkennbare Markenembleme zu identifizieren, gelingt nur, wenn man wieder und wieder Literatur mit Abbildungen historischer Wagen durchgeht.

Dabei ist ein Klassiker der Autoliteratur wie Werner Oswalds „Deutsche Autos 1920-1945“ nach wie vor unverzichtbar – denn das Internet ermöglicht trotz sonstiger Vorzüge eine solche markenunabhängige und dennoch zielgerichtete Suche nicht.

Fündig wurde der Verfasser in besagtem Werk bei NSU-Fiat. In der entsprechenden Rubrik ist solch eine Limousine mit den markanten Luftklappen in der Motorhaube abgebildet, die es nur bei den in Deutschland gebauten Wagen des Typs gab.

Das Modell mit dem schrägstehenden Kühlergrill stellt die von 1934-37 gebaute zweite Version des Fiat 508 dar, für die verschiedene Bezeichnungen zur Abgrenzung vom Vorläufer üblich waren: „Nuova Balilla“ oder „Fiat 508“.

Daneben gab es die technische Bezeichnung Fiat 508.4m. Hierbei steht „4m“ für „quattro marche“ – also das 4-Gang-Getriebe der neuen Version. Die Leistung des 1 Liters-Motor war gegenüber dem Vorgänger auf 24 PS gestiegen.

Ein schönes Detail sind die markant gestalteten Felgen, die es offenbar anstatt der häufiger anzutreffenden Scheibenfelgen als Extra gab:

NSU-Fiat_508_Frontpartie

Auch die Radkappen weichen von denjenigen an den Standardmodellen ab. Möglicherweise weiß ein Leser, ob es sich um Ausführungen speziell für den deutschen Markt handelte. Interessant ist, dass man die später übliche Einprägung des Markennamens auf den Radkappen damals noch nicht für notwendig hielt.

An der Heckpartie des Wagens fällt neben einigen Beulen am Schutzblech die Position des Fahrtrichtungsanzeigers – des elektrisch ausklappbaren Winkers – auf. In der C-Säule wurden diese selten verbaut. Für die gleichermaßen gute Sichtbarkeit von vorne und von hinten war eher eine Anbringung in Wagenmitte sinnvoll.

NSU-Fiat_508_Heckpartie

Der Fiat 508 A „Nuova Balilla“ markierte den Auftakt zu einer bis in die 1960er Jahre anhaltenden Erfolgsgeschichte der in Deutschland gebauten NSU-Fiats. Allein 1934 und 1935 wurden fast 5.000 Stück davon als NSU/Fiat 1000 verkauft.

So wundert es nicht, dass etliche dieser sorgfältig konstruierten und solide verarbeiteten Fiats auch noch im Nachkriegs-Deutschland unterwegs waren. Solche Exemplare werden hier gelegentlich separat vorgestellt.

Automobile Zeitreise: Siegerehrung Mitte der 1920er Jahre

In diesem Blog geht es nicht bloß um alte Autos – vor allem aus der Vorkriegszeit – es geht auch um die Menschen, die sie einst fuhren und mit ihnen lebten.

Heute soll ein historisches Foto besprochen werden, auf dem kaum etwas von Autos zu sehen ist, aber umso mehr von den Leuten, die sich einst dafür begeisterten:  

Siegerfoto_GalerieDiese großformatige Aufnahme zeigt offenbar eine Siegerehrung Mitte der 1920er Jahre. Das Foto deckt eine ganze Albumseite ab und ist von hervorragender Qualität.

Im Mittelpunkt steht der lorbeerbekränzte Sieger eines Automobilwettbewerbs; vielleicht war es eine Zuverlässigkeitsfahrt oder ein Geschicklichkeitsturnier. Das Alter des Fahrers spricht jedenfalls gegen ein echtes Rennen:

Leider ist die Beschriftung auf den Kranzbändern nicht lesbar. Möglicherweise war der kurzgeschorene junge Mann rechts neben dem Geehrten der Mechaniker oder der „Schmiermaxe“, wie man den Beifahrer einst nannte.

In welcher Verbindung die übrigen Herrschaften zueinander stehen, ist ungewiss. Hier ein Ausschnitt des Fotos, das sehr schön die Sorgfalt erkennen lässt, die seinerzeit auch im Alltag auf Kleidung, Frisur und Accessoires verwendet wurde:

Umstehende_1

Wer Anregungen für Vintage-Mode jener Zeit sucht, wird hier fündig. Für einen wirklich überzeugenden Auftritt im Stil der 1920er Jahre genügt es allerdings nicht, irgendeinen Anzug mit Krawatte zu wählen oder irgendein Kleid mit Hut zu kombinieren, wie man dies bei Veteranenveranstaltungen in Deutschland oft sieht.

Den zeittypischen Schnitt zu treffen und Kleidungsstücke richtig zu kombinieren, ist die Herausforderung. Besonders reizvoll ist in diesem Zusammenhang folgender Aussschnitt:

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Die matronenhafte Dame ganz links mit dem klassischen Profil und der Lederhaube könnte die Gattin des hier geehrten Automobilisten sein.Wer auf die Füße der Umstehenden schaut, wird neben staubigen Buben-Schuhen auch feine Damen-Pumps bemerken.

Bei der Gelegenheit sei eine Sache angemerkt: Männer trugen damals lange Hosen, Jungen kurze Hosen. Für einen Erwachsenen oder Heranwachsenden gab es damals nur einen Mittelweg – Knickerbocker mit wollenen Kniestrümpfen. Solche trägt der Sieger auf unserem Foto, aber auch der junge Mann links am Wagen:

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Keine kurzen Hosen mehr zu tragen, bedeutete seinerzeit kein Kind mehr zu sein. Wenn erwachsene Männer heutzutage in der Öffentlichkeit meinen, „Bein zeigen“ zu müssen, verrät das einiges über den Geschmack unserer Zeit.

Wir sehen hier übrigens den einzigen aussagefähigen Teil des Wagen, auf dem der abgebildete Herr einst seinen Lorbeerkranz errang – ein Speichenrad mit Zentralmutter und eindrucksvoll dimensionierter Bremstrommel.

Wann genau und wo unser Foto entstand, ist ungewiss. Vielleicht weiß ein Leser mehr. Es bleibt eine charmante Aufnahme, die etwas vom Selbstbewusstsein und der Stilsicherheit der Menschen der Vorkriegszeit verrät.

Qualitätsauto aus Wien: Gräf & Stift VK1 der 1920er Jahre

Die Identifikation von Autos auf historischen Fotografien hat ihre Tücken. Das gilt speziell für Wagen vor und nach dem 1. Weltkrieg. Abgesehen vom Kühler ähnelten sich die Fahrzeuge damals sehr, da die Karosserieaufbauten noch aus dem Kutschbau stammenden Typen entsprachen.

So sah ein „Landaulet“ oder ein „Doppel-Phaeton“ unabhängig vom Hersteller oder  Herkunftsland des Wagens von der Seite fast identisch aus. Nach dem 1. Weltkrieg galt dies lange Zeit noch vor allem für den Typ des Tourenwagens.

Ist der Kühler nur von der Seite zu sehen oder ist die Aufnahme unscharf, lässt sich die Marke mitunter erst auf Umwegen bestimmen. Dies war auch bei dem hier zu sehenden Tourenwagen der frühen 1920er Jahre der Fall:

Gräf&Stift_VK1_Tourenwagen

© Gräf & Stift VK 7/20 PS, Mitte der 1920er Jahre; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Wer in diesem Blog die Artikel zu Tourenwagen der Zwischenkriegszeit gelesen hat, könnte versucht sein zu sagen: “Hurra, ein Dixi!”. Tatsächlich weist der Wagen auf unserem Foto Ähnlichkeit mit dem hier besprochenen Dixi 6/24 PS Tourenwagen auf.

Die Kühlerform wirkt vertraut und die Kühlerfigur ähnelt derjenigen bei Dixi – einem Kentauren. Schaut man aber genauer hin, werden Unterschiede deutlich:

Gräf&Stift_Tourenwagen_Frontpartie

So unterscheiden sich die Radmuttern von den Rudge-Zentralverschlüssen bei besagtem Dixi. Auch die für den Dixi typischen diagonal verlaufenden, relativ breiten Luftschlitze in der Motorhaube fehlen.

Die Kühlerfigur scheint eher einen aufgerichteten Löwen zeigen als einen Kentauren. Zwar wurden solche Maskottchen seinerzeit auch nachträglich montiert oder individuell angefertigt, dennoch führte die Kühlerfigur am Ende auf die richtige Spur.

Zwischenzeitlich schien es, als handele es sich um einen Wagen von Austro-Daimler, genauer gesagt: das Modell ADV. Dafür sprachen neben der Form des Spitzkühlers die markanten Zugknöpfe an den seitlich ausziehbaren Fächern im Schwellerbereich, in denen Werkzeug und ähnliches Zubehör untegebracht war. Dieses seltene Detail findet sich auch bei Wagen von Austro-Daimler aus der Zwischenkriegszeit.

Gräf&Stift_VK1_Tourenwagen_Seitenpartie

Doch dank eines Leserhinweises verfolgte der Verfasser eine alternative These, die sich nach einigen Recherchen bestätigen sollte. So scheint die Kühlerfigur die der ebenfalls österreichischen Marke Gräf & Stift zu sein. Sie zeigt einen Löwen, der die Vordertatzen auf eine Kugel stützt.

Viele in der Literatur und im Netz verfügbaren Abbildungen von Gräf & Stift-Wagen zeigen zwar nur Flachkühlermodelle. Im Standardwerk über die Marke – „Die Brüder Gräf. Die Geschichte der Gräf & Stift-Automobile“ von Hans Seper, 1991 – finden sich jedoch auch Fahrzeuge mit Spitzkühler.

Bevor wir den Typ genau bestimmen, das Wichtigste zur Geschichte von Gräf & Stift:

Wie so oft stand am Anfang eine Fahrradproduktion. Nach Bau eines Dreirads mit Motor von DeDion Bouton entwickelte die in Wien ansässige Firma im Jahr 1899 ihr erstes Automobil – nebenbei der erste frontgetriebene Wagen der Welt!

In den Jahren vor dem 1. Weltkrieg stieg Gräf & Stift zum renommiertesten Autobauer Österreichs auf. Man fertigte Fahrzeuge für höchste Ansprüche, nicht zuletzt für die kaiserliche Familie. Das fatale Attentat auf den österreichischen Thronfolger am 28. Juni 1914 fand statt, als dieser in einem Gräf & Stift durch Sarajevo unterwegs war.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Verlust des größten Teils des Reiches musste auch Gräf & Stift kleinere Brötchen backen. Zwar stellte man schon 1919 mit dem Typ SR 1 wieder einen mondänen Sechszylinderwagen mit 7,8 Liter Hubraum und 75 PS vor – ein Auto dieses Typs ging an einen indischen Maharadscha.

Doch die Absatz-und Ertragslage ließ es ratsam erscheinen, daneben ein preiswerteres Modell anzubieten, den Typ VK1 7/20 PS. Er war zwar ebenso sorgfältig konstruiert und verarbeitet wie die Luxuswagen der Marke. Doch er besaß einen nur 1,9 Liter großen Vierzylinder, der 20 PS leistete.

Sehr wahrscheinlich zeigt unser Foto einen Tourenwagen dieses rund 800mal gebauten Typs. Ein interessante Vergleichsaufnahme fand sich außer in besagtem Buch (S. 222) auf einer Internetseite, auf der alte Glasnegative vorgestellt werden:

Gräf & Stift_VK1

© Gräf & Stift VK1, Mitte der 1920er Jahre; Bildquelle: http://cameracollector.proboards.com/thread/6408/early-cars

Hier sieht man gut die Gräf & Stift-Plakette auf der Oberseite des Spitzkühlers. Die Kühlerfigur ist nach hinten geklappt, da gerade Kühlwasser nachgefüllt wurde. Man kann aber die rechteckige Grundplatte erkennen, auf der der typische Löwe steht.

Der Gräf & Stift VK1 wurde bis 1925 gebaut. In dieser Zeit dürfte auch unser Foto entstanden sein. Die kappenartigen Hüte der Damen im Heck – wohl Geschwister – verschwanden Ende der 1920er Jahre.

Gräf&Stift_VK1_Tourenwagen_Seitenpartie

Übrigens sollte sich der PKW-Bau bei Gräf & Stift nie mehr so recht lohnen. Das Standbein der Marke war seit dem Ersten Weltkrieg der Nutzfahrzeugbau. Mit dem Protyp eines 12-Zylinderwagens endete 1938 die Geschichte der Gräf & Stift-PKW. 

1971 schloss sich Gräf & Stift mit Austro-Fiat zusammen und wurde Teil von MAN. Seither werden am Stammsitz von Gräf & Stift keine eigenständigen Fahrzeuge mehr gefertigt.

Beutewagen auf Guernsey: Austin 12-6 (Light Twelve)

Zu den interessanten Seiten der Beschäftigung mit Originalaufnahmen historischer Automobile gehören die zeitgeschichtlichen Umstände, auf die man dabei stößt.

Oft ermöglicht die Auswertung solcher Fotos nämlich nicht nur eine bloße Dokumentation von Fahrzeugtypen. Unter Umständen sind darin auch einschneidende Situationen festgehalten, die das Leben der damaligen Generation bestimmten.

Mit so einem Beispiel haben wir es heute zu tun:

Austin_12-6_Beutewagen_auf_Guernsey

© Austin 12-6 Lieferwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Auf den ersten Blick sind hier nur vier deutsche Wehrmachtssoldaten zu sehen, die einen Lieferwagen per Handkurbel zu starten versuchen.

Bilder solcher Beutewagen aus der Zeit des 2. Weltkrieges gibt es zuhauf. Selbst seltene Typen sind auf diese Weise reichlich dokumentiert, weil die Soldaten bevorzugt hochwertige Autos fotografierten, die für den Militäreinsatz beschlagnahmt oder vom Gegner erbeutet worden waren.

Hier ist aber kein Horch oder Mercedes und auch kein Citroen oder Peugeot zu sehen, die von Offizieren als prestigeträchtige Wagen geschätzt wurden. Zum Glück gibt uns die Situation einen winzigen Hinweis, der eine Identifikation des Autos erlaubt:

Austin_12-6_Beutewagen_auf_Guernsey_Kühler Wer genau hinsieht, erkennt über dem „Schiffchen“ des Soldaten, der die Anlasserkurbel gepackt hat, schemenhaft ein geflügeltes Markenemblem auf der Kühlermaske.

Nur wenige Marken trugen ein solches Logo an dieser Stelle. Und nur wenige der in Frage kommenden Wagen des hier zu sehenden, einfachen Typs besaßen Speichenräder. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich um einen englischen Austin handelt.  

Geht man nun die Austins der 1930er Jahre systematisch durch, stößt man auf ein Modell, das genau dem hier gezeigten Wagen entspricht, zumindest bis zur Fahrerkabine. Es handelt sich um den Austin 12-6, der auch als Light Twelve bekannt war.

Alle Details auf dem folgenden Ausschnitt entsprechen dem Erscheinungsbild dieses Typs:

Austin_12-6_Beutewagen_auf_Guernsey_Frontpartie

Die Kühlermaske, die Luftschlitze in der Motorhaube, die Speichenräder, die Zierleiste entlang der Haube bis hin zur Frontscheibe stimmen überein. Auch die Belüftungsklappe vor der A-Säule ist zu erahnen. Das Erscheinungsbild der Windschutzscheibe und die keilförmig ansteigende Dachpartie passen ebenfalls.

Einige technische Details zum Austin 12-6: Der 1931 vorgestellte Wagen war in vielerlei Hinsicht konventionell, wies aber doch einige bemerkenswerte Details auf:

Der 1,5 Liter große Motor war ein 6-Zylinder – ein erstaunlicher Aufwand bei einer Leistung von 24 PS. Später wurden auch stärkere Motoren verbaut. Von Anfang an war die Elektrik auf 12 Volt Bordspannung ausgelegt. Zum Vergleich: Mercedes speiste seine Kunden beim zeitgleich gebauten 6-Zylindermodell Typ 170 mit 6 Volt ab.

Bis 1937 wurde der Austin 12-6 in über 30.000 Exemplaren gebaut, wobei die Karosserie wiederholt modernisiert wurde. Der hier zu sehende Wagen dürfte eine sehr frühe Ausführung sein, die von einer Karosseriebaufirma als Lieferwagen umgebaut wurde.

Folgende zeitgenössische Abbildung zeigt einen Austin 12-6 als einen solchen „Van“. Hier kann man die Übereinstimmung der beiden Fahrzeuge gut nachvollziehen:

austin 1934 van

© Austin 12-6 Van, 1934; Bildquelle: http://www.classiccarcatalogue.com/AUSTIN%201934.html

Kommen wir zur Aufnahmesituation. Britische PKW fielen der deutschen Wehrmacht zwar massenhaft nach der Evakuierung der englischen Truppen aus Dünkirchen im Juni 1940 in die Hände. Hier haben wir es aber mit einem Wagen zu tun, der zuvor nicht vom britischen Militär genutzt wurde.

Den entscheidenden Hinweis liefert die Aufschrift „Le Noury“ auf dem Auto. Im ersten Moment ist man geneigt, an eine französische Herkunft zu denken. Doch für einen simplen Lieferwagen hätte ein Franzose damals einen einheimischen Wagen von Renault, Peugeot, Berliet oder aus lokaler Ford-Produktion („Matford“) verwendet.

Befasst man sich mit dem Namen „Le Noury“ stellt man fest, dass dieser auf der Insel Guernsey im Golf von Saint Malo in der Bretagne verbreitet war. Guernsey gehört zu den Inseln im Ärmelkanal, die bei der Eroberung Englands im Jahr 1066 durch den Herzog Wilhelm II. der Normandie bereits in dessen Besitz waren.

Mit der Eroberung Englands und der Besetzung des englischen Throns durch „William the Conqueror“ wurden die Kanalinseln Eigentum des britischen Königshauses, was übrigens bis heute der Fall ist.

Nach der Niederlage der französisch-englischen Alliierten gegen die Wehrmacht im Sommer 1940 wurden die Kanalinseln kampflos den Deutschen überlassen. Deutsche Truppen hielten Guernsey bis zur Kapitulation im Mai 1945 besetzt. In dieser Zeit ist sehr wahrscheinlich unsere Aufnahme entstanden.

Der Austin war demnach wahrscheinlich der Wagen eines Bewohners von Guernsey, der dort ein Geschäft betrieb, das den normannischen Namen Le Noury nutzte. Das Auto wurde 1940 von deutscher Seite beschlagnahmt, jedoch muss man sich ansonsten die Besatzungszeit auf der Insel als – vergleichsweise – milde vorstellen.

Dazu passt das Erscheinungsbild der Wehrmachtssoldaten auf dem Foto:

Austin_12-6_Beutewagen_auf_Guernsey_Soldaten

Dies sind ganz offenbar keine jungen Männer mehr, sondern ältere Wehrdienstleistende, die zu einem eher ruhigen Einsatz fernab der Front abgeordnet worden waren. Dazu passt der Gefreitenwinkel auf dem Ärmel der drei Soldaten.

Frontkämpfer in dieser Altersgruppe wären schon längst Unteroffiziere und mit einigen Abzeichen dekoriert gewesen – oder sie wären für die Berliner Führung (Motto:“Wir schaffen das.“) gefallen.

Die Männer auf unserem Foto könnten dagegen glimpflich davongekommen sein. Der Austin dürfte den Krieg auf Guernsey ebenfalls überlebt haben.

Seltene Originalaufnahme des ersten DKW-Automobils

Freunde deutscher Vorkriegsautos kennen natürlich die einst beliebten Frontantriebsmodelle der Marke DKW, die zuvor mit Zweitaktmotorrädern Weltruf erlangt hatte. Viele dieser attraktiv gezeichneten Kleinwagen haben die Zeiten überdauert und erlauben heute wohl den günstigsten Einstieg in die Vorkriegsszene.

Das erste von DKW gebaute  Auto – der Typ P 15 PS – ist dagegen nur noch Kennern geläufig. Er wurde 1928/29 in wenigen tausend Exemplaren gebaut und hatte mit seiner wenig dauerhaften Holzkarosserie auch keine guten Überlebenschancen.

Der Typ P 15 PS wurde auf diesem Blog bereits vorgestellt (Bildbericht), daher sollen die technischen Details an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Vielmehr soll ein schönes Originalfoto des Wagens präsentiert werden, das selbst als Rarität gelten kann:

DKW_Typ_P_15PS2-türiges_Cabriolet_Galerie

© DKW Typ P 15 PS Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Man stößt nicht oft auf eine so gelungene Privataufnahme dieses Wagens. Hier machte einst jemand bei Bildaufbau, Belichtung und Tiefenschärfe alles richtig und drückte in einem reizvollen Moment auf den Auslöser. Das bekommen auch heute nur Wenige hin.

Allerdings hatte der Abzug durch unsachgemäße Lagerung stark gelitten und musste erst aufwendig retuschiert werden. Man kann dies anhand der unbearbeitet gebliebenen Partien im Hintergrund ahnen. Wie bei einem Oldtimer hat aber auch bei einem alten Foto eine gewisse Patina ihren Reiz, daher ist hier nur das Nötigste behoben worden.

Zum Auto ist zu sagen, dass es sich das 2-sitzige Cabriolet handelt. Wie die parallel verfügbare Roadsterversion verfügte es nur über Steckscheiben, wie folgende Originalreklame erkennen lässt:

DKW_P_15_PS_2-sitziges Cabriolet

© DKW-Originalreklame von 1928/1929 aus Sammlung Michael Schlenger

Das auf unserem Foto abgelichtete Auto weist ansonsten keine Auffälligkeiten auf, es dürfte zum Entstehungszeitpunkt der Aufnahme noch recht neu gewesen sein. Deutlich später als 1930 wird das Foto nicht entstanden sein.

Leider wissen wir nichts über den Aufnahmeort und auch das Nummernschild gibt diesbezüglich keinen Hinweis. Doch bleibt es auch so eine sehr schöne Aufnahme, die nicht nur DKW-Anhängern erfreuen sollte.

Wie so oft auf diesen alten Bildern sind es die darauf abgebildeten Menschen, die einen Moment vor langer Zeit lebendig werden lassen. Das kleine Mädchen, das uns so freundlich grüßt, könnte sogar als hochbetagte Dame noch am Leben sein – wer weiß…

Adler Standard 6 in seltener Tourenwagenausführung

Über den Adler Standard 6 – den großen Wurf des Frankfurter Autobauers in der Mittelklasse der späten 1920er Jahre – wurde auf diesem Blog bereits ausführlich berichtet. Wer sich für die technischen Details des Wagens interessiert, sei daher auf den Bildbeitrag zum Adler Standard 6 Cabriolet verwiesen.

Heute soll eine Variante des Standard 6 vorgestellt werden, die zumindest den überlieferten Bilddokumenten nach eher selten verkauft wurde – der viertürige Tourenwagen. Hier eine zeitgenössische Originalaufnahme:

Adler_Standard_6_Tourenwagen

© Adler Standard 6 Tourenwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Ursprünglich waren Tourenwagen bei vielen Herstellern die gängigste Variante, weil sie die preisgünstigste und leichteste war. Auch beim Vorgänger des Standard 6 – dem Adler 6/25 PS – war der Tourer recht verbreitet.

Doch Ende der 1920er Jahre zeichnete sich ein Trend zu komfortableren Wagen mit besserem Wetterschutz ab. Wer sich einen modernen Adler Standard 6 leisten konnte, der griff meist gleich zur geschlossenen Variante. Und wem an Prestige gelegen war, der entschied sich für eines der eleganten Cabriolets, die auf dieser Basis von diversen Karosserieschneidern angeboten wurden (siehe oben erwähnten Bildbeitrag).

Nun könnte man argumentieren, dass es sich bei dem hier gezeigten Wagen gar nicht um einen Standard 6 mit Sechszylindermotor, sondern um den äußerlich ähnlichen Favorit mit Vierzylinder handelt, der wesentlich preisgünstiger war. In dieser Klasse wurde wohl noch häufiger die billigere Tourenwagenversion gekauft.

Doch ein Detail verrät, dass wir es tatsächlich mit einem Standard 6 zu tun haben:

Adler_Standard_6_Tourenwagen_Frontpartie

Dieser Wagen verfügt nämlich über sieben Radmuttern, während der Favorit nur fünf aufwies. Zwar wurden an späteren Standard 6-Wagen ebenfalls nur noch Fünflochfelgen montiert, doch ein Wagen mit Siebenlochfelgen konnte nie ein Favorit sein.

Alle übrigen Details – die herrliche Adler-Kühlerfigur, die Kühlermaske, die Scheinwerfer und Stoßstangen – waren ansonsten bei beiden Typen identisch. So recht verständlich ist das nicht, denn auch im Rahmen eines Baukastenprogramms wäre es leicht gewesen, die teuren Sechszylinder von den Vierzylindern optisch abzugrenzen.

Auf diese Idee kam Adler erst Anfang der 1930er Jahre, als die prestigeträchtige Zylinderzahl mit einer „6“ auf der Verbindungsstange zwischen den Scheinwerfern hervorgehoben wurde. Beim Favorit wurde auf diese Angabe dagegen verzichtet.

Werfen wir noch einen Blick auf die Seitenpartie des Adler Standard 6 Tourers:

Adler_Standard_6_Tourenwagen_Seitenpartie Interessant ist hier vor allem, dass beide Türen vorne angeschlagen sind, also keine „Selbstmördertüren“ sind, wie sie teilweise noch bis in die 1950er Jahre verbaut wurden.

Im Fall der hinteren Tür kann man sich allerdings vorstellen, dass eine hinten angeschlagene Ausführung den Einstieg erleichtert hätte, da das Schutzblech weit nach vorne ragt. Das Bild eines Adler Standard 6 Tourenwagens der Vorserie in Werner Oswalds Standardwerk „Adler-Automobile 1900-1945“ zeigt solch eine Lösung.

Typisch für die Zeit ist die Montage des Reservekanisters auf dem Trittbrett. Vielleicht kennt ein Leser die Beweggründe für die eigentümliche Dreiecksform, die sehr verbreitet war.

Schön zu sehen ist der geringe Platzbedarf des Verdecks. Im Unterschied zu den gefütterten Verdecks von Cabriolets verfügten Tourenwagen nur über eine einfache Plane, die lediglich begrenzten Wetterschutz bot.

Verwiesen sei nicht zuletzt auf den Fahrtrichtungsanzeiger am Frontscheibenrahmen und den Suchscheinwerfer mit Rückspiegel auf der Fahrerseite. Übrigens war das Lenkrad im Unterschied zum Vorgängermodell Adler 6/25 PS auf die linke Seite gewandert

Auch in solchen Details offenbart sich die moderne Konzeption des Adler Standard 6. Die eigentlichen Innovationen waren freilich von außen kaum sichtbar: hydraulische Bremsen und – bei der Limousine – eine Ganzstahlkarosserie ohne Holzgerüst.

Beides war allerdings kein Verdienst der Adlerwerke – man schaffte damit lediglich den Anschluss an die damals technisch wie formal führende amerikanische Autoindustrie.

Über Aufnahmeort und -zeitpunkt wissen wir nichts Genaues. Das Kürzel „IC“ verweist lediglich auf eine Zulassung in Ostpreussen. Der erkennbar gebrauchte Zustand des Wagens (linker Vorderkotflügel) lässt auf eine Entstehung des Fotos um 1930 schließen.

Adler „Primus“ von 1932: Zivilwagen im 2. Weltkrieg

Anfang der 1930er Jahre zählte zu den soliden und für damalige Verhältnisse ordentlich motorisierten deutschen PKW der Mittelklasse der Adler Primus. Mit seinem 32 PS starken 1,5 Liter-Vierzylinder war er dem Hanomag Rekord vergleichbar und den populären Zweitaktmodellen von DKW in jeder Hinsicht überlegen.

Von dem nur 1932 gebauten Adler Primus mit Flachkühler wurde hier bereits ein Exemplar vorgestellt, das noch um 1960 in der damaligen DDR existierte. Nun soll ein weiterer Wagen vorgestellt werden, der im 2. Weltkrieg als Zivilfahrzeug lief:

Adler_Primus_Tarnbeleuchtung_1932_Galerie

© Adler Primus von 1932; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Das Adler-Emblem auf dem Kühler lässt keinen Interpretationsspielraum, auch die übrigen Details passen zum „Primus“ des ersten Modelljahrs. Die Tarnüberzüge über den Scheinwerfern lassen auf eine Aufnahme zu Kriegszeiten schließen.

Der glänzende Lack und das Fehlen von Markierungen auf den Vorderschutzblechen weisen auf ein Zivilauto hin, das nicht von der Wehrmacht beschlagnahmt wurde. Das Nummernschild mit den Initialen „III“ wurde im Zulassungsbezirk Leipzig vergeben.

Adler_Primus_Frontpartie

Die V-förmige Markierung auf dem Nummernschild kennzeichnete PKW, die mit behördlicher Genehmigung auch im Krieg weiterhin privat genutzt werden durften, zum Beispiel von Landärzten.

Mit diesem Privileg verbunden waren Bezugsscheine für Kraftstoff, sofern der Motor nicht auf Betrieb mittels Holzgasgenerator umgestellt war. Schwieriger war die Reifenbeschaffung, da Privatleuten ab 1939 keine Reifen verkauft werden durften, auch nicht beim Kauf eines Neuwagens.

Hier war das Geschick des Besitzers beim „Organisieren“ und Improvisieren gefragt. Im vorliegenden Fall wurden an der Vorderachse zwei unterschiedliche Reifen verbaut. Sie weisen ein für PKW untypisches Profil auf und wirken schon stark abgefahren:

Der ansonsten noch gute Zustand des Wagens lässt darauf schließen, dass die Aufnahme bei Kriegsausbruch entstand. Wo das Foto gemacht wurde und ob der Wagen überlebt hat, wissen wir leider nicht. Sonderlich gut waren die Chancen in Leipzig selbst nicht – das historische Zentrum wurde im Krieg mehrfach bombardiert und fast zur Hälfte zerstört.

Porträt einer französischen Automarke: Bellanger-Frères

Wer einst vorhatte, Archäologe zu werden – aber dann doch von dieser brotlosen Kunst Abstand genommen hat – kann sich zum Glück anderweitig als Entdecker in versunkenen Welten betätigen: Die Markenvielfalt in der Frühzeit des Automobils bietet schier unendliches Anschauungsmaterial.

Wer die – schwerpunktmäßig in diesem Blog behandelte – Herstellerlandschaft im deutschsprachigen Raum in der Vorkriegszeit bereits unübersichtlich findet, hat sich noch nicht mit der Markenhistorie in Frankreich befasst.

Bugatti, Citroen, Peugeot, Renault & Co. sind jedermann bekannt. Manchem sagen auch Amilcar, Hotchkiss, Panhard, Salmson und Talbot etwas. Wer aber verbindet etwas mit Zungenbrechern wie Delamare-Deboutteville und Vinot & Deguingand?

Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen, über 1.000 französische Hersteller gab es einst. Wo also beginnen? Am besten lässt man sich vom Zufall in Form eines historischen Fotos leiten:

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© Bellanger Frères Tourenwagen, 1920er Jahre; Foto aus Sammlung Michael Schlenger

Der Originalabzug ist sehr klein und entspricht in etwa doppeltem Kleinbildformat. Mehr als auf obigem Bild ist aus der Aufnahme kaum herauszukitzeln. So ist leider der Markenschriftzug auf dem Kühlergrill nicht zu entziffern. Abwarten, heißt in solchen Fällen die Devise.

Eines Tages wurde in einem Artikel in der vom Verfasser geschätzten britischen Veteranenzeitschrift „The Automobile“ eine alte Reklame abgedruckt, auf die der Autor des Beitrags – Michael Worthington-Williams – gestoßen war. Sie zeigte einen Wagen mit derselben Frontpartie in identischer Perspektive, lediglich der Aufbau war anders.

Es handelte sich um eine Anzeige der französischen Marke Bellanger-Fréres, die von 1912 bis 1925 Automobile baute. Die Gebrüder Bellanger bauten zunächst Wagen mit ventillosen Motoren nach dem Knight-Patent, die von Daimler in England zugeliefert wurden. Diese leise arbeitenden Aggregate waren einst sehr verbreitet – selbst Mercedes nutzte das Patent für einige Zeit.

Die Firma Bellanger expandierte während des 1. Weltkriegs und danach in so unterschiedliche Bereiche wie Flugzeugproduktion, Agrargerät und Bootsbau.

Nach dem Krieg kooperierte Bellanger mit dem US-Geschäftsmann Benjamin Briscoe, dessen Firma Zulieferer für Oldsmobile war und der einem gewissem David Buick das Geld für die Entwicklung seines ersten Autos unter dessen Namen lieh.

Die Autos von Bellanger wurden in der Folge mit Motoren von Briscoe bestückt. Sonderlich erfolgreich war die Firma damit trotz anerkannt guter Konstruktion nicht – die Konkurrenz in- und ausländischer Großserienherstellern war zu stark.

Interessanterweise landeten viele Bellanger-Wagen im Pariser Taxigewerbe, was für ihre Qualität spricht. Die folgende Originalpostkarte zeigt vorne links vermutlich ein solches Taxi, übrigens mit nur einem Frontscheinwerfer:

Bellanger_Freres_Paris

© Bellanger Frères Taxi in Paris, Anfang der 1920er Jahre; Foto aus Sammlung Michael Schlenger

Das Foto ist auf dem Boulevard des Poissonières mitten in Paris entstanden und gibt eine Vorstellung von der Dichte des Verkehrs schon damals.

Unabhängig von Briscoe wurden weitere Bellanger-Modelle mit neu entwickelten Motoren ausgestattet, die knapp 70 PS (D-Typ) bzw. 100 PS (F-Typ) leisteten. Das war für die frühen 1920er Jahre enorm, doch auch der Verkaufspreis war entsprechend.

Mitte der 1920er Jahre verschwinden die Wagen von Bellanger aus den Annoncen und aus den einschlägigen Automobilausstellungen. Die Fabrik wurde an Peugeot verkauft.

Bellanger unternahm später noch einen Versuch, Wagen der in Schwierigkeiten geratenen Traditionsmarke De Dion unter eigenem Namen zu verkaufen, doch einmal mehr erwies sich das Unterfangen als unwirtschaftlich.

Wer sich näher für die Geschichte der Firma Bellanger-Frères interessiert, dem sei der Artikel des britischen Veteranen-Urgesteins Michael Worthington-Williams in der Ausgabe April 2016 von „The Automobile“ (S. 60-64) ans Herz gelegt. Es gibt wahrscheinlich keine vollständigere und besser illustrierte Darstellung der Historie dieser Marke.

Videoporträt: Talbot-Lago T26 Grand-Prix-Wagen

Neben der Pflege der lokalen Klassikerkultur in der Wetterau – zwischen Taunus und Vogelsberg – widmet sich dieser Blog schwerpunktmäßig Automobilen der Vorkriegszeit. Sie sind in der aktuellen Spekulationsblase um Sportwagen der 1950-70er Jahre, die früher oder später enden wird, in den Hintergrund gerückt.

Doch für viele Enthusiasten sind Vorkriegswagen nach wie vor das Salz in der Suppe: eine unglaubliche Markenvielfalt, raffinierte Karosserien, verwegene Konstruktionen und ein intensives Fahrerlebnis selbst bei relativ wenig Leistung, das bieten so nur die Veteranen-und Vintage-Fahrzeuge von der Jahrhundertwende bis Kriegsausbruch.

© Vorkriegsautomobile; Bildrechte: Michael Schlenger

Wer sich für die aus heutiger Sicht untermotorisierten Fahrzeuge deutscher Hersteller jener Zeit nicht erwärmen kann, wird möglicherweise über die Leistungsfähigkeit bezahlbarer amerikanischer Wagen der 1930er Jahre überrascht sein.

Wer es richtig krachen lassen will – allerdings auch auf dem Bankkonto – kann sich einen Rennwagen in Vorkriegstradition anschaffen, falls er einen findet. Ein solches Auto soll hier präsentiert werden, auch wenn es erst nach dem Krieg zum Einsatz kam.

Die Rede ist vom Grand-Prix-Wagen T26 der Marke Talbot-Lago. Wer jetzt an einen der unsäglichen Talbots der 1970er/80er denkt, vergisst das bitte ganz schnell wieder. Die Marken haben außer dem Namen nichts miteinander zu tun.

Begegnet ist der Verfasser den großartigen Talbot-Lago-Rennwagen bereits mehrfach: erst beim Festival de l’Automobile 2013 im elsässischen Mühlhausen und dann auch im scharfen Renneinsatz beim Goodwood Revival Meeting in Sussex (Südengland):

© Talbot-Lago T26 Grand-Prix-Wagen in Mühlhausen (2013) und Goodwood (2015); Bildrechte: Michael Schlenger

Kurz zur Geschichte dieses Typs: Die Rennausführung des Talbot-Lago T26 kam 1948 erstmals zum Einsatz. Der klassische Monoposto trug noch in jeder Hinsicht Vorkriegsgene in sich. Ein Beispiel dafür sind die verrippten Bremstrommeln, die damals Stand der Technik waren.

Der größte Rennfahrer der Zwischenkriegszeit – Tazio Nuvolari – sagte einmal, man gewinne ein Rennen nicht mit den Bremsen, daher jetzt zur Motorleistung: 280 PS aus einem 6-Zylinder mit 4,5 Liter Hubraum sind auch heute noch ein Wort.

Gemessen an der Konkurrenz der Nachkriegszeit war das zwar unterdurchschnittlich, doch der Talbot-Lago machte sich rasch einen Namen durch seine Zuverlässigkeit. Die Wettbewerber von Alfa-Romeo & Co. mögen schneller gewesen sein, doch die Talbots hielten öfter durch, auch ohne Boxenstopp.

Das brachte dem T26 in seiner Glanzzeit bis Anfang der 1950er Jahre etliche Siege bei Grand-Prixs und den 24-Stunden -Rennen von Le Mans ein.

Eine Ahnung von der Leistungsfähigkeit dieser herrlichen Rennwagen vermittelt das folgende Videoporträt. Darin stellt der Niederländer Han Brouwers seinen Neuerwerb vor und erzählt von seiner Leidenschaft für Vorkriegsklassiker:

© Talbot Lago T26 GP-Wagen, gefilmt von CineCarsTV; Videoquelle: youtube.com

Die Fahrszenen belegen, was der sympathische Besitzer sinngemäß auf Holländisch sagt: „Der Wagen ist sauschnell.“ Hoffen wir, dass wir dieses prachtvolle Auto möglichst oft auf Europas historischen Rennstrecken zu sehen bekommen.

Danke in diesem Zusammenhang an Michael Buller, auf dessen Vorkriegs-Oldtimer-Blog der Verfasser auf dieses schöne Video stieß. Michi ist in Sachen Vorkriegs-Sportwagen ein echtes Trüffelschwein, wenn man das so sagen darf.

Ausfahrt zum Saisonauftakt 2016: Bildbericht

Am Sonntag, den 17. April 2016, unternahmen klassische Fahrzeuge aus der Wetterauregion eine zwanglose Ausfahrt zum Saisonauftakt.

Bei unserem Ausflug von Bad Nauheim nach Gedern und zurück konnte man wieder einmal buchstäblich „erfahren“, wie reizvoll unsere Region ist. Eine genaue Routenbeschreibung ist zum Herunterladen verfügbar:

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Anfangs sah es nicht nach danach aus, dass es ein so herrlicher Tag werden würde. Vor dem Start machte der eine oder die andere einen etwas verfrorenen Eindruck…

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© Frühjahrsausfahrt 2016; Startaufstellung in Bad Nauheim; Bildrechte: Michael Schlenger

Dann ging es auf Umwegen und in gemächlichem Tempo in Richtung Vogelsberg und die Heizungen an Bord hatten anfänglich noch einiges zu tun. Doch offenbar gefiel dem Wettergott die kleine Kolonne aus klassischen Autos, die sich durch Wiesen und Wälder schlängelte, und zeigte sich großzügig: Schäfchenwolken und Sonnenschein wie aus dem Bilderbuch sollten uns begleiten.

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© Frühjahrsausfahrt 2016; Blick auf die Münzenburg; Bildrechte: Bernd Luckas

Ein Genuss, gemütlich und staunend durch die erwachende Natur zu fahren – nie sind die Blätter so leuchtend grün und durchscheinend wie um diese Zeit. Wer da vorwärtshetzt, bringt sich um die eigentliche Freude am Fahren. Autowandern nannte man das einst.

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© Frühjahrsausfahrt 2016; unterwegs im Vogelsberg; Bildrechte: Bernd Luckas

Von Verkehr und Pannen unbehelligt trafen wir am Gederner Schloss ein, das mit seiner ockerfarbenen Fassade im Sonnenschein den perfekten Fotohintergrund abgab.

© Frühjahrsausfahrt 2016; Schloss Gedern; Bildrechte: Bernd Luckas/Michael Schlenger

Beim Mittagessen im eleganten Restaurant schien es dann keiner sonderlich eilig zu haben, wieder auf die Straße zurückzukehren. Angenehme Gespräche mit netten Gleichgesinnten und das harmonische Ambiente taten ihre entschleunigende Wirkung.

Auch auf der Rückfahrt blieb uns das Wetter hold, allenfalls die Sonnenbrille wird mancher vermisst haben. Zurück in der Wetterau wirkte dieser glückliche Tag hoffentlich bei allen noch lange nach.

Von unserer Ausfahrt im Herbst 2015 gibt es übrigens ebenfalls einen Bildbericht.

NAG Typ C4: Tourenwagen der frühen 1920er Jahre

Die einstige Berliner Automarke NAG – eine Tochter der AEG – ist weitgehend dem Vergessen anheimgefallen. Dazu mag beigetragen haben, dass sie bereits 1934 untergegangen ist.

Die markanten, hochwertigen NAG-Wagen verdienen es aber, dass man sich näher mit ihnen beschäftigt. Daher ist ihnen in diesem Blog eine eigene Bildergalerie gewidmet und diverse Modelle sind bereits anhand von Originalfotos vorgestellt worden.

Vor längerer Zeit wurde hier die Sportversion des NAG C4 aus der ersten Hälfte der 1920er Jahre präsentiert (Bildbericht). Nun ist die Standardausführung des Typs C4 an der Reihe. Anlass ist der Fund folgender Originalaufnahme:

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© NAG Typ C4 Tourenwagen, Mitte der 1920er Jahre; Foto aus Sammlung Michael Schlenger

Zunächst ein Exkurs zum Aufnahmeort. Auf der Rückseite des Fotos findet sich der Stempel eines Fotostudios in der oberschlesischen Stadt Kattowitz, allerdings in der polnischen Schreibweise „Katowice“. Auch das Nummernschild ist kein deutsches. Das Foto ist aber von Hand auf deutsch beschriftet – wie passt das zusammen?

Nun, das zu über 85 % von Deutschen bewohnte Kattowitz wurde nach dem 1. Weltkrieg trotz Volksabstimmung auf Betreiben Frankreichs Polen zugeschlagen. Willküraktionen der Siegermächte wie diese trugen zum deutsch-polnischen Konflikt und damit auch zum 2. Weltkrieg bei.

Der Wagen auf dem Foto dürfte einem Deutschen aus der Region Kattowitz gehört haben, der sich ab 1922 auf polnischem Staatsgebiet wiederfand. Nach diesem Ausflug in die Zeitgeschichte schauen wir uns nun das Auto genauer an:

NAG_C4_Tourenwagen_bei_Kattowitz_Detail1Zwar ist die Aufnahme etwas verwackelt – offenbar ist sie kurz vor Sonnenuntergang entstanden – dennoch gibt die ungewöhnliche Perspektive recht guten Einblick in Details, die die Identifikation eines NAG der 1920er Jahre erleichtern. 

Im Unterschied zu den meisten Privataufnahmen der Zeit, bei denen die Insassen meist ebenso wichtig sind wie das Auto, steht hier der Wagen im Mittelpunkt. Der Besitzer hat angehalten, um nur den NAG von seiner schönsten Seite aufzunehmen.

Von diesem Foto werden wir noch bei einigen anderen Bildern desselben NAG-Typs profitieren. Aufschlussreich ist speziell die Kühlerpartie:

NAG_C4_Tourenwagen_bei_Kattowitz_Kühlerpartie

NAG-typisch ist der noch aus der Vorkriegszeit stammende ovale Kühlerausschnitt, der auch bei den Spitzkühlermodellen C4 und D4 beibehalten wurde. Hilfreich bei der Identifikation ist auch das sechseckige Markenemblem an der Scheinwerferstange, auf dem wiederum die Buchstaben „NAG“ jeweils in drei Sechsecken angeordnet sind.

Ganz selten zu sehen ist die ebenfalls sechseckige Abdeckung der Öffnung für die Anlasserkurbel unterhalb der Kühlermaske, sie wird auf anderen Aufnahmen meist vom Nummernschild verdeckt. Markant sind auch die spitz zulaufenden Kotflügel.

NAG_C4_Tourenwagen_bei_Kattowitz_SeitenpartieDie Seitenpartie des NAG ist zwar nur schemenhaft zu erkennen – der Fotograf hatte wohl angesichts des schwindenden Lichts eine gr0ße Blendenöffnung gewählt. Doch zwei Elemente sind dennoch gut zu erkennen:

Da ist zum einen der Fahrtrichtungsanzeiger in damals gängiger Pfeilform. Unklar ist, ob er über ein Zugkabel oder elektrisch betätigt wurde. Vielleicht weiß ein Leser mehr. Zum anderen ist vor dem Schutzblech hinten links ein zusätzliches Trittbrett zu sehen, das den Zugang zur Rückbank erleichtern sollte. Hier ahnt man, wie hoch der NAG war.

Am Heck schließlich das übereinandergelegte Gestänge des tourenwagentypischen leichten Verdecks, dessen Schutzüberzug herabzuhängen scheint.

Insgesamt bekommt man trotz technischer Mängel der Aufnahme einen guten Eindruck von der eindrucksvollen Erscheinung dieses Wagens. NAG baute in dieser Form nur besagten Typ C4, und zwar von 1922-24.

Das Auto verfügte über einen 2,6 Liter großen Vierzylindermotor, der 30 PS leistete. Für damalige Verhältnisse war das ausreichend. Wichtig war die Viergangschaltung, die niedrige Drehzahlen sowie einen relativ vibrations- und geräuscharmen Lauf ermöglichte. Die auf die Kardanwelle wirkende Fußbremse dürfte mit den 1,5 Tonnen des Wagens ihre Last gehabt haben, ein Grund mehr, hohe Geschwindigkeiten zu meiden.

Man muss dies alles vor dem Hintergrund sehen, dass die weit überwiegende Mehrheit der Deutschen damals überhaupt kein motorisiertes Fahrzeug besaß, oft nicht einmal ein Fahrrad. Der Gewinn an persönlicher Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit des individuellen Reisens mit mehreren Personen war es, der solche Tourenwagen begehrt machte, vom Prestige solcher Autos ganz abgesehen.

Wer die seltene Gelegenheit hat, einmal vor einem solchen großzügigen Wagen der 1920er Jahre zu stehen oder gar darin mitzufahren, wird auch heute beeindruckt sein.

Originales Pressefoto von 1938: Hanomag „Kurier“

Die Geschichte des PKW-Baus beim hannoveranischen Maschinenbaukonzern Hanomag lässt sich auf diesem Blog in Bildberichten sowie einer umfassenden Fotogalerie nahezu lückenlos nachvollziehen.

Jüngster Zugang ist der Hanomag „Kurier“, der von 1934-38 gebaut wurde. Er war eine großzügigere Variante des seit 1934 gebauten Kleinwagens „Garant“ (Bildbericht). Technisch waren die beiden Wagen weitgehend identisch.

Hier eine Reklame aus der Mitte der 1930er Jahre mit der PKW-Palette von Hanomag:

Hanomag_Reklame

© Hanomag PKW-Palette, Originalreklame der 1930er Jahre aus Sammlung Michael Schlenger

Zwar trafen die 23 PS des konventionellen 1,1 Liter-Motors beim Kurier auf ein höheres Wagengewicht von 1.000 kg (Ganzstahl-Limousine). Untermotorisiert waren damals aber alle deutschen Klein- und Mittelklassewagen, eine Folge der rigiden PS-Besteuerung.

Zudem war auf den Straßen der Vorkriegszeit ein Tempo von mehr als 70-80 km/h ohnehin selten zu erreichen. Wirklich überfordert waren die schwachen Motoren jedoch auf Bergstrecken. In Österreich waren daher stärkere Wagen von Steyr und Fiat verbreitet.

Dass der Hanomag Kurier – wie seine Verwandten auch – nicht billig sein konnte, zeigt ein Blick auf das folgende originale Pressefoto des Typs aus dem letzten Modelljahr 1938:

Hanomag_Kurier_Limousine_Pressefoto_1938

© Hanomag Kurier, Baujahr 1938; originales Pressefoto aus Sammlung Michael Schlenger

Der über vier Meter lange Wagen wirkt nicht nur erwachsen, sondern strahlt auch in jedem Detail Solidität aus. Die blitzsaubere Verarbeitung lässt sich auf dieser professionellen Aufnahme besonders gut erkennen.

Solche Werksfotos wurden mit Großformatkameras gemacht, bei denen die Negativplatten dem Format des Abzugs entsprachen. Bei sorgfältiger Entwicklung und Ausbelichtung war damit eine überragende Feinzeichnung möglich.

Zwar hat der Abzug über die letzten Jahrzehnte etwas Schaden genommen. Er ist aber immer noch von sehr guter Qualität und eignet sich damit für Detailstudien, wie sie für die originalgetreue Restaurierung eines solchen Wagens nötig sein können.

Nachfolgend werden die wichtigsten Bestandteile anhand von Ausschnittsvergrößerungen gezeigt, die direkt vom (nicht datenreduzierten Ausgangsbild) stammen. Beginnen wir mit der Frontpartie:

Hanomag_Kurier_Kühlermaske

Sehr schön erkennen kann man hier das geflügelte „H“, das Markenzeichen von Hanomag in jener Zeit. Genau nachvollziehbar ist die Art der Anbringung der Scheinwerfer, auch der Hupentyp sollte sich anhand des Fotos identifizieren lassen.

Ein Detail, das bei überlebenden Wagen oft fehlen dürfte, ist die verchromte Kappe am unteren Ende des Kühlers, die die Öffnung für die Anlasserkurbel verdeckt. Der Kurier besaß zwar einen elektrischen Anlasser, doch bei leerer Batterie konnte er so von Hand gestartet werden. Interessant ist die unterschiedliche Größe der beiden Schlosschrauben zur Befestigung der Stoßstange.

Weiter geht es nun mit dem Vorderrad:

Hanomag_Kurier_Rad

Hier sieht man deutlich die zweiteiligen Radkappen mit dem Hanomag-Flügelemblem auf dem verchromten Oberteil. Die Lochfelge erlaubt einen Blick auf die eindrucksvoll dimensionierte Bremstrommel, die übrigens hydraulisch betätigt wurde.

Der Dunlop-Reifen weist die seit 1937 gebräuchliche Dimension von 5,25 x 16 Zoll auf. Ein entsprechendes Format sollte über den einschlägigen Fachhandel verfügbar sein.

Im nächsten Schritt werfen wir einen Blick auf die Frontscheibenpartie:

Hanomag_Kurier_Frontscheibe

Auf zeitgenössischen Fotos sonst kaum zu sehen ist der Stopfen in der werksseitigen Bohrung für den optionalen zweiten Scheibenwischer. Klar zu sehen ist sogar die Folie auf der Innenseite der Scheibe, auf der die Einfahrvorschriften festgehalten sind. Form und Montage der Winker sowie die Art des Türgriffs sind gut nachzuvollziehen.

Rätselhaft ist das Erscheinungsbild des Zierrahmens um die Windschutzscheibe. Wäre dieser verchromt, sollte er gleichmäßig glänzen, hier wirkt er aber stumpf und unregelmäßig. Es könnte sein, dass zwecks Rohstoffeinsparung – Chrom wurde als Mittel zur Zylinderbeschichtung zunehmend der Rüstung zugeführt – ein improvisiert wirkender Aluminiumersatz verbaut wurde.

Kommen wir zur hinteren Dachpartie:

Hanomag_Kurier_Dachpartie

Für den modernen Betrachter beachtlich sind die engen Spaltmaße, doch solche Präzision darf bei einem Hersteller wie Hanomag nicht wundern. Dafür verzichtete man lieber auf technisch meist fruchtlose Experimente, nachdem man mit dem eigenwilligen Kommissbrot einst in eine technologische Sackgasse geraten war.

Kurios ist der Aufkleber auf der Heckscheibe mit der Aufschrift: „HANOMAG – Wagen ist gedrosselt“. Was könnte damit gemeint sein? Vielleicht war während der Einfahrzeit die Höchstdrehzahl werksseitig begrenzt und erst danach entfernte eine Vertragswerkstatt die Drosselung. Sachkundige Hinweise dazu sind willkommen.

Zu guter letzt ein Blick auf das Hinterrad und die Heckpartie:

Hanomag_Kurier_Heckpartie

Für den Restaurator interessant sein könnte hier die Stelle, an der Trittbrett und Schutzblech aufeinanderstoßen; so sauber sollte das am Ende auch aussehen.

Einen alten zerdellten, womöglich geschweißten und gespachtelten Kotflügel wieder so hinzubekommen, dass die umlaufende Sicke so filigran wirkt wie hier, das dürfte einen echten Könner erfordern. Aber original sah es nun einmal so aus.

Sollte ein Besitzer eines Hanomag Kurier an einer hochauflösenden Datei des Ausgangsfotos für private Zwecke interessiert sein, kann er dies gerne über die Kommentarfunktion oder per E-Mail (Kontakt) kundtun.

Rarität an der Ostfront: Adler „Diplomat“ Tourer

Der Begriff des Tourenwagens hat einen kuriosen Bedeutungswandel erfahren. Heute bezeichnet er Rennwagen von Großserienherstellern, bei denen sich unter einer optisch seriennahen Kunststoffkarosserie Hochleistungstechnik verbirgt. Sie dienen der Beförderung eines sportlichen Markenimage und haben mit Serienautos wenig gemein.

Ursprünglich bedeutete „Tourenwagen“ bloß eine spezielle offene Variante eines Serientyps. Gemeint waren vier- bis sechssitzige Wagen ohne festes Dach, die im Unterschied zum Cabriolet nur ein leichtes Verdeck und allenfalls Steckscheiben besaßen.

Die Tourenwagenausführung war bis in die späten 1920er Jahre beliebt, weil sie in der Regel die preisgünstigste und leichteste war. In diesem Blog finden sich unter dem Stichwort „Tourenwagen“ entsprechend viele Originalfotos aus jener Zeit.

In den 1930er Jahren kamen Tourenwagen allmählich aus der Mode. Bevorzugt wurden Fahrzeuge mit festem Aufbau oder Cabriolets, die geschlossen im Idealfall ganzjahrestauglich waren.

Wer dennoch einen Tourenwagen wollte, konnte sich nach wie vor einen anfertigen lassen. Dafür gab es Karosseriebaufirmen, die auf einem „rolling chassis“ – also Rahmen mit Fahrwerk, Motor,  Kühlermaske usw. – einen Aufbau nach Wunsch fertigten.

Eine solche Spezialanfertigung zeigt wahrscheinlich das folgende Originalfoto:

Adler_Diplomat_Tourenwagen_Ostfront

© Adler Diplomat Tourenwagen,  1940er Jahre; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Tourenwagentypisch ist das leichte, ungefütterte Verdeck, das sich im Unterschied zum Cabriolet am Heck vollständig flachlegen ließ. Auch der von den Cabrios jener Zeit vertraute seitliche Verdeckbügel fehlt.

Recht gut zu erkennen sind die seitlichen Steckscheiben, die nur mäßigen Wetterschutz boten und keinen so klaren Durchblick wie gläserne Fensterscheiben ermöglichten. Typisch ist auch die niedrige, meist senkrecht stehende Frontscheibe.

So weit, so unspektakulär. Doch schauen wir uns den Wagen einmal näher an:

Adler_Diplomat_Tourenwagen

Der Kühler ist weitgehend von einer Kühlermaske verdeckt, was auf Betrieb in der kalten Jahreszeit hindeutet. Dennoch erkennt man in den freigebliebenen Kühlerpartien die Schwingen eines Adlers, des Markenzeichens der gleichnamigen Frankfurter Marke.

Der gewölbte Kühler findet sich zwar auch beim Adler Trumpf (1936-38) und beim Adler 2 Liter (1938-40), doch verfügten diese nicht über die geschwungene Vorderstoßstange, die es bei deutschen Herstellern sonst nur bei diversen Ford-Modellen gab.

Tatsächlich wies bei Adler nur das Oberklassemodell „Diplomat“ – der 1934 vorgestellte Nachfolger des Typs Standard 6 – alle genannten Besonderheiten auf. Allerdings wurde der Diplomat vom Werk nicht mehr als Tourenwagen angeboten.

Demnach haben wir es mit einem Sonderaufbau eines unabhängigen Karosseriebauers zu tun. Zum Glück erwähnt das Standardwerk „Adler Automobile – 1900-1945“ von Werner Oswald einen Tourenwagen auf Basis des Diplomat. Dieser wurde von der Stellmacherfirma Kathe & Sohn in Halle gefertigt, die von 1833 bis 1948 existierte.

Offenbar zeigt unser Foto eine solche Rarität. Wo das Bild entstanden ist, lässt sich nicht genau sagen. Doch Holzhausarchitektur und aufgeweichter Boden weisen auf Russland oder ein anderes vom deutschen Ostfeldzug ab 1941 betroffenes osteuropäisches Land hin.

Adler_Diplomat_Tourenwagen_Offiziere

Die beiden Soldaten neben dem Adler sind Offiziere bzw. Unteroffiziere einer Wehrmachtseinheit, wie an den Schirmmützen und Schaftstiefeln nebst Reithosen zu erkennen ist. Die Männer sind unbewaffnet  – sie würden ihrem Rang gemäß eine Pistole am (hier nicht vorhandenen) Koppel tragen, weshalb diese Aufnahme fern der Front aufgenommen worden sein dürfte.

Zu einer Situation im einigermaßen sicheren Hinterland passt das taktische Zeichen auf dem in Fahrtrichtung linken Schutzblech des Adlers. Denn das Rechteck mit zwei Diagonalen steht für eine Nachschubeinheit (Verpflegung oder Gepäck), die hinter der kämpfenden Truppe agierte.

Wie Eberhard Georgens aus Berlin mittteilt, gehörte das Fahrzeug ausweislich der Kennungen zum Stab des Divisionsnachschubführers 58 der 7. Panzerdivision (siehe aufgemaltes Symbol „Y“). Die 7. Panzerdivision hatte 1940 unter General Rommel maßgeblich zum Erfolg des Frankreichfeldzugs beigetragen. Ihr unerwartet schnelles Vorrücken trug ihr beim Gegner den Namen „Gespensterdivision“ ein.

Von Sommer 1941 bis April 1942 war die Einheit am Russlandfeldzug beteiligt. Demnach muss unser Foto im Winter 1941/42 entstanden sein. Ab 1943 wurde die 7. Panzerdivision zwar erneut in Russland eingesetzt, trug dann aber eine abweichende Kennung.

Bislang nicht interpretierbar ist das sternförmige Kennzeichen auf dem rechten Kotflügel. Es dürfte sich um eigenes Symbol der Untereinheit handeln.

Da der Adler an der Ostfront eingesetzt wurde, waren seine Überlebenschancen grundsätzlich gering. Die für den Einsatz auf kaum befestigten Straßen und bei extremen Minustemperaturen völlig ungeeigneten Fahrzeuge unterlagen einem hohen Verschleiß und mussten bei fehlenden Ersatzteilen oft zurückgelassen werden.