Spitzkühler-Tourenwagen der 1920er Jahre von Adler

Heute gibt es ein besonderes Schmankerl für Freunde früher Adler-Tourenwagen der 1920er Jahre. Es handelt sich diesmal nicht um ein Fahrzeug der hier bereits mehrfach in Originalfotos präsentierten Typen Adler 6/25 PS, Standard 6 oder Favorit.

Vielmehr geht es um ein eindrucksvolles Spitzkühlermodell, das bisher nur näherungsweise identifiziert werden konnte:

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© Adler Spitzkühler-Tourenwagen der frühen 1920er Jahre; Sammlung: Michael Schlenger

Das Foto lässt auf den ersten Blick nicht viel von dem Wagen erkennen. Die vier Herren haben sich aber immerhin so platziert, dass die Marke eindeutig benannt werden kann. Außerdem helfen sie uns dabei, die Abmessungen des Fahrzeugs näherungsweise zu ermitteln – so lässt sich der Typ zumindest eingrenzen.

Bei der Gelegenheit muss festgestellt werden, dass die Adler-Modelle der Zeit vor 1925 bislang nicht in zufriedenstellender Weise bildlich dokumentiert sind.

Zwar enthält das Standardwerk „Adler Automobile 1900-1945“ von Werner Oswald etliche Abbildungen von frühen Adler-Typen. Dabei handelt es sich jedoch überwiegend um Bilder aus zeitgenössischen Prospekten, auf denen oft wenig Typspezifisches erkennbar ist. Einige Modelle sind auch nur mit Spezialaufbauten wiedergegeben.

Die Typangaben scheinen zudem unvollständig zu sein und widersprechen teilweise denjenigen in Halwart Schraders Werk „Deutsche Autos 1885-1920“ von 2002. Man sollte meinen, dass seither neue Erkenntnisse gewonnen, Lücken geschlossen und weiteres originales Bildmaterial zusammengetragen wurden.

In diesem Zusammenhang wäre die Website des Adler Motor-Veteranen-Club (AMVC) die ideale Plattform zur Publikation von Bildern der einzelnen PKW-Modelle. Doch die dortige Typentafel lässt in punkto Bilder noch mehr Lücken erkennen als Werner Oswalds Standardwerk. Und die separate Fotogalerie ist ohne Wert, da die Aufnahmen ungeordnet und ohne Erläuterung eingestellt werden.

Wer sich für frühe Adler-PKWs interessiert, bleibt also auf eigene Recherchen und Vermutungen angewiesen, so auch im vorliegenden Fall. Gehen wir systematisch vor:

Adler_Spitzkühler_Tourenwagen_Anfang_1920er_Frontpartie Ein Blick auf den Spitzkühler lässt schon einmal die auf den Waben montierte dreieckige Adler-Plakette erkennen.

Bei Adler zeichnet sich bereits bei Modellen kurz vor dem 1. Weltkrieg eine Tendenz zu leicht spitz zulaufenden Kühlern ab. Dazu werden hier gelegentlich noch Beispiele anhand von Originalfotos vorgeführt. So scharf wie auf dem obigen Foto waren aber offenbar erst die Kühler von Adler-Wagen nach dem 1. Weltkrieg geformt.

Im Oswaldschen Adler-Buch sind zu den zahlreichen Modellen, die in der frühen Nachkriegszeit gebaut wurden, nur zwei Fotos von Serienwagen zu finden. Immerhin verfügen sie und die gezeigten Sportversionen über Spitzkühler des obigen Typs.

Wir dürfen also davon ausgehen, dass wir es mit einem Adler-Tourenwagen zu tun haben, der zwischen 1918 und 1925 gebaut wurde. Dazu passt das Erscheinungsbild der vier Herren vor dem Adler:

Adler_Spitzkühler_Tourenwagen_Anfang_1920er_Umstehende

Der Älteste trägt noch einen Schnauzbart nach Vorkriegsmanier, die übrigen scheinen deutlich jünger zu sein und sind eher in der Welt der frühen 1920er Jahre zuhause.

Welcher Adler-Typ kurz nach dem 1. Weltkrieg kommt nun am ehesten in Betracht?

Zum Glück ist der Wagen auf unserem Bild von der Seite fotografiert. Man kann also recht gut mit dem Lineal die Verhältnisse von Radstand zu Gesamtlänge und Höhe ermitteln. Diese Relationen kann man dann mit den Daten im „Oswald“ abgleichen.

So lässt sich die Zahl der in Frage kommenden Typen auf drei Vierzylindermodelle einengen: Adler 12/34 PS (Bj. 1921/22) , 12/40 PS (1922-24) oder 18/60 PS (1921-25).

Alle drei weisen in Tourenwagenversion einen Radstand von 3,40m und eine Länge von 4,70 bis 4,80m auf. Geht man von einer Körpergröße der vier Herren zwischen 1,65 und 1,80m aus, bestätigt sich ebenfalls, dass es sich um einen der „großen“ Tourenwagen von Adler der frühen 1920er Jahre handelt.

Welcher Typ es genau ist, sollte sich doch herausfinden lassen. Hier sind versierte Adler-Veteranen-Freunde gefragt. Dann lässt sich auch die chronologische Adler-Galerie auf diesem Blog weiter vervollständigen.

Ein Adler Standard 6 vor dem Goethehaus in Frankfurt

Im Mai vor 75 Jahren – im Kriegsjahr 1941 – schickte jemand eine Postkarte auf Frankfurt/Main an eine Bekannte nach Wien und verwendete dabei ein Motiv, das nur noch kurze Zeit so zu bewundern war – das Geburtshaus von Johann Wolfgang Goethe.

Die Postkarte dürfte damals schon einige Jahre alt gewesen sein, doch bis Kriegsausbruch war für einen Flaneur im Großen Hirschgraben diese Situation nicht ungewöhnlich:

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© Adler „Standard 6“ Cabriolet; Postkarte von 1941 aus Sammlung Michael Schlenger

Offenbar handelt es sich bei dem Wagen rechts vor dem Eingang zum Goethehaus um ein zweisitziges Cabriolet. Dem Typ nach könnte es auf den ersten Blick ein amerikanischer Wagen der späten 1920er Jahre sein. In den USA wurden solche sportlichen Karosserien oft unter der Bezeichnung „Runabout“ vermarktet.

In Deutschland fanden die gut motorisierten und preiswerten US-Wagen reißenden Absatz. Buick, Chevrolet und Ford ließen ihre Autos sogar in Deutschland produzieren. Von daher wäre ein „Amerikaner in Frankfurt“ nichts Ungewöhnliches gewesen.

Ein Auto der Zwischenkriegszeit in der Heckansicht zu identifizieren, ist allerdings eine schwierige Sache. Im vorliegenden Fall hilft uns ein kleines Detail. Dazu schauen wir uns den flotten Zweisitzer näher an:

Adler_Standard_6_Frankfurt_Mai_1941_Ausschnitt

Die Scheibenräder sind in großem Radius an sieben Radbolzen montiert. In Verbindung mit den markanten waagerechten Luftschlitzen gab es damals nur beim Modell „Standard 6“ der Frankfurter Adlerwerke.

Das 2-Sitzer-Cabriolet des 1927 bis 1934 gebauten Sechszylinder von Adler wurde auf diesem Blog schon einmal in einer besonders hochwertigen Aufnahme besprochen (Bildbericht). Dabei handelte es sich um die von Karmann karossierte Version.

Das Cabriolet auf unserem Foto wurde aber wahrscheinlich von der Kölner Stellmacherfirma Papler gebaut. Darauf weisen der Überhang der Passagierkabine über dem Schweller und die dunkel abgesetzte Partie oberhalb der seitlichen Zierleiste hin. Dieselben Details finden sich auf einem Foto, das im Standardwerk „Adler Automobile“ von Werner Oswald auf Seite 45 zu sehen ist.

Ein interessantes Detail ist die verchromte Abdeckung des Reserverads, wohl ein Zubehörteil. Das Nummernschild mit dem Kürzel „IT“ verweist auf eine Zulassung in der einstigen Provinz Hessen-Nassau, zu der auch Frankfurt gehörte.

Am 22. März 1944 bombardierten über 800 englische Flugzeuge gezielt die historische Altstadt Frankurts. Dabei brannte der gesamte Bestand an mittelalterlichen Fachwerkhäusern bis auf ein einziges nieder. Der durch den Brand angefachte Feuersturm zerstörte auch die oberen Etagen des Goethehauses.

Über 1.000 Zivilisten verloren in jener Nacht ihr Leben, zehntausende Frankfurter wurden obdachlos. Deutschland hatte diesen Krieg zwar begonnen, aber weder mit Kriegsrecht noch irgendeinem ethischen Prinzip waren und sind solche Angriffe auf Wehrlose und die Zerstörung ihres kulturellen Erbes zu rechtfertigen.

Das Goethehaus wurde nach dem Krieg gegen den Widerstand sich modern gebender Ideologen wieder aufgebaut. Heute ist das Goethehaus in vielerlei Hinsicht ein Ort der Besinnung. Es erinnert an die einstige Größe europäischer Kultur und zugleich an die kaum fassbaren Taten aller am 2. Weltkrieg beteiligten Parteien.

An die 1945 untergegangene Automarke Adler erinnern noch die eindrucksvollen Adlerwerke in Nähe des Hauptbahnhofs. Sie wurden bei dem Luftangriff im März 1944 zwar ebenfalls getroffen, aber nicht so stark zerstört wie die Altstadt.

Mehr als „Standard“: Eine Adler 6-Sitzer-Limousine

Es klingt erstaunlich, doch im Deutschland der zweiten Hälfte der 1920er Jahre waren Mittelklasse- und Oberklassewagen amerikanischer Marken in vielerlei Hinsicht das Maß der Dinge und wurden sogar hierzulande montiert.

Es dauerte lange, bis deutsche Hersteller den Wettbewerbern aus Übersee mehr als Appelle an die patriotische Gesinnung der Käufer entgegensetzten. Zu den Marken, die Ende der 1920er Jahre die Herausforderung begriffen, gehörte Adler aus Frankfurt.

Es spricht für den Realismus der damaligen Geschäftsführung, dass man auf eine starke Orientierung an den amerikanischen Wagen setzte, anstatt mit eigenständigen Entwürfen ins Rennen zu gehen.

Mit dem ab 1927 gebauten Adler „Standard 6“ und den daraus abgeleiteten Varianten traf man ins Schwarze. Der Wagen repräsentierte perfekt den Stil der großzügigen US-Vorbilder und bot auch technisch den Standard, den Käufer damals erwarteten.

Zwei Ausführungen des „Standard 6“ von Adler wurden hier bereits anhand von Originalfotos gezeigt, der Tourenwagen und das 2-Sitzer-Cabriolet. Heute geht es um die Limousinenausführung des „Standard 6“, doch keineswegs um eine alltägliche, wie sich noch zeigen wird:

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© Adler Standard 6 Limousine (6-sitzig), Ende der 1920er Jahre; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Zur Identifizierung des Wagens einige Hinweise: Der Markenname Adler auf der Reserveradabdeckung erleichtert die Zuordnung, doch der Teufel steckt im Detail.

Formal ähneln sich die Aufbauten  des sechszylindrigen „Standard 6“, des vierzylindrigen „Favorit“ und des raren Achtzylinders „Standard 8“ stark. Doch nach dem Ausschlussprinzip lässt sich das hier abgebildete Modell präzise benennen.

Dazu schauen wir uns die Frontpartie näher an:

Adler_Standard_6S_Frontpartie

Die 7 Radbolzen sprechen dafür, dass wir es nicht mit dem 35 PS-schwachen 4-Zylindermodell „Favorit“ zu tun haben, das nur 5 Radbolzen aufwies und ansonsten äußerlich praktisch identisch mit dem leistungsfähigeren 6-Zylindermodell war.

Man fragt sich, weshalb Adler das leistungsmäßig überlegene und teurere 6-Zylindermodell äußerlich nicht deutlicher von der Basisvariante abgrenzte. Es mag damit zu tun haben, dass der 4-Zylinder erst nach dem 6-Zylinder-Modell vorgestellt wurde. Vielleicht waren der Adler-Kundschaft aber Prestigeaspekte auch weniger wichtig.

Das größere und schon damals seltene 8-Zylindermodell lässt sich anhand der relativ kurzen Motorhaube ausschließen. Denn Adler verbaute damals einen Reihenachtzylinder, der eine deutlich längere Frontpartie erforderte.

Nach der Lage der Dinge haben wir es mit einem Adler „Standard 6“ zu tun, dessen 6-Zylindermotor nach der Hubraumvergrößerung auf 2,9 Liter ab 1928 bis zu 50 PS leistete.

Man könnte die Betrachtung an dieser Stelle abbrechen, gäbe es nicht von seiten eines Adler-Kenners den Hinweis, dass es sich um eine 6-sitzige Limousine mit verlängertem Radstand handeln könnte. Gehen wir der Sache auf den Grund:

Zum Glück ist der Adler auf unserem Foto so aufgenommen, dass man die Karosseriemaße recht genau ermitteln und mit den offiziellen Daten abgleichen kann. So waren alle Serienvarianten des Wagens rund 1,83 m hoch, woraus sich im Dreisatz ein Radstand des abgebildeten Autos von gut 3,10 m ableiten lässt.

Während die viersitzige Version nur einen Radstand von rund 2,85 m aufwies, verfügte der 6-Sitzer über einen Radstand von knapp 3,15 m – das passt nahezu perfekt zum Schätzwert des Fahrzeugs auf dem Foto.

Demnach steht die junge Dame vor einem eindrucksvollen Adler Standard 6 S (Typ 12 NS) mit drei Sitzreihen und sechs Sitzplätzen. Etwas mehr als 4.000 dieser Wagen wurden von 1928 bis 1934 hergestellt.

Nach den eingangs erwähnten amerikanischen Maßstäben ist das verschwindend wenig. Und verschwindend wenige dieser Adler Standard 6 mit langem Radstand haben überlebt. Wenn jemand eine solche Rarität besitzt, wäre der Verfasser dankbar für einen Hinweis nebst Foto.

Kübelwagen-Rarität von Adler: Typ 12 N-RW

Die Frankfurter Adlerwerke landeten mit dem 1927 vorgestellten Modell Standard 6, das amerikanischen Vorbildern folgte, einst einen großen Erfolg.

Das darauf basierende elegante 2-Fenster-Cabriolet, die eher seltene Tourenwagenvariante sowie die äußerlich sehr ähnliche 4-Zylinderversion „Favorit“ wurden hier bereits anhand sehr hochwertiger Originalfotos vorgestellt.

Zuletzt hatten wir uns außerdem mit dem technisch ebenfalls aus dem Standard abgeleiteten Kübelwagen 12N-3G befasst.

Nun ist dem Verfasser ein Foto in die Hände gefallen, das auf den ersten Blick bloß ein weiteres Exemplar dieses von 1933-35 rund 1.900mal gebauten Militär-PKW zeigt:

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© Adler 12 N-RW Kübelwagen, 1933; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Wenn man schon einige Originalfotos des Adler 12N-3G gesehen und studiert hat, sagt einem das Bauchgefühl, dass der hier gezeigte Wagen nicht ganz ins Schema passt.

Sicher, es ist ein Adler mit der Kühlermaske des Standard 6 bzw. Favorit. Das Adler-Emblem ist markant genug, um auch auf dieser etwas unscharfen Aufnahme erkennbar zu sein. Auch die Form der Kühlereinrahmung „passt“:

Adler_Kübelwagen_12N-RW_Vorkrieg_Frontpartie Doch dann fallen die hoch ausgeschnittenen Vorderkotflügel auf. Beim Adler 12 N-3G reichen diese wesentlich weiter nach unten. Außerdem irritiert das zivile Nummernschild, das auf eine Zulassung in Brandenburg hinweist (Kürzel IE).

Auf den bisher vorliegenden Originalfotos von Adler Kübelwagen des Typs 12 N-G sind stets Nummernschilder der Wehrmacht zu sehen (Kürzel WH), die 1935 die noch aus der Weimarer Republik stammende Reichswehr beerbte.

Die Lösung fand sich erst nach Recherchen auf der hervorragend gemachten Website KfZ der Wehrmacht von Holger Erdmann, der dort anhand von Originalfotos nahezu alle bei der Wehrmacht eingesetzten Fahrzeuge (mit Ausnahme von Panzern) systematisch zeigt.

Demnach scheint es sich bei unserem Adler-Kübelwagen um ein Fahrzeug des Zwischentyps 12N-RW zu handeln, der 1933-34 nur rund 200mal gebaut wurde. Von der Frontpartie her könnte es sogar der noch ältere Kübelwagen vom Typ 10 N sein. Doch bei diesem Ende der 1920er gebauten Modell waren die Reserveräder am Heck montiert.

Auf unserem Foto dagegen sind die Ersatzräder dagegen bereits seitlich angebracht:

Adler_Kübelwagen_12N-RW_Vorkrieg_Seitenpartie

Übrigens gibt das gute Profil der Stollenreifen zusammen mit dem recht glänzenden Lack auch einen ersten ungefähren Datierungshinweis. Dieser Wagen wurde auf keinen Fall im Kriegseinsatz fotografiert.

Tatsächlich muss die Aufnahme sogar deutlich vor 1939 enstanden sein. Das vermeintlich private Kennzeichen sollte nämlich von der Zugehörigkeit des Fahrzeugs zur bis 1935 existierenden Reichswehr (Nummernschildkürzel: RW) hinwegtäuschen, der nach dem Versailler Vertrag deutlich weniger Autos zustanden.

Solche Rücksichten nahm das nationalsozialistische Regime nach Umbenennung der Reichswehr in Wehrmacht im Jahr 1935 nicht mehr. Rein militärischen Zwecken dienende Fahrzeuge -also auch Kübelwagen – trugen je nach Truppengattung die Kürzel „WH“ (Wehrmacht Heer), „WL“ (Wehrmacht Luftwaffe) oder „WM“ (Wehrmacht Marine).

Nach Kriegsausbruch eingezogene Privat-PKW fuhren dagegen oft weiter mit ihren zivilen Nummernschildern herum. Zur Identifikation wichtiger waren ohnehin die an Front und Heck aufgemalten taktischen Zeichen und Divisionssymbole.

Dass wir es mit einem frühen Kübelwagen der Reichswehr vor 1935 zu tun haben, wird auch durch das Erscheinungsbild des Soldaten unterstützt, der neben dem Wagen steht:

Adler_Kübelwagen_12N-RW_Vorkrieg_Soldat

Der etwas müde wirkende junge Mann scheint gerade keinen Dienst zu haben, da er weder Kopfbedeckung noch Koppel trägt. Auch sind keinerlei Dienstgradabzeichen zu erkennen.

Die auffallend lang geschnittene Uniformjacke gibt den entscheidenden Hinweis: Dies ist noch die bis 1933 getragene achtknöpfige Ausführung mit geradem Schnitt, die dann durch eine kürzere fünfknöpfige und taillierte Jacke ersetzt wurde.

Da der Adler Kübelwagen 12 N-RW nur 1933/34 gebaut wurde, können wir die Aufnahme also mit großer Wahrscheinlichkeit auf das Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland datieren. Der Soldat auf unserem Foto hat wenige Jahre später mit einiger Sicherheit am 2. Weltkrieg teilgenommen; der Kübelwagen möglicherweise auch. Einsatzfotos zeigen auch Exemplare dieses frühen Typs.

Das Bild ist ein gutes Beispiel dafür, dass man mit etwas Erfahrung und Geduld sowie Gespür für stilistische Unterschiede solchen alten Fotos oft mehr entlocken kann, als es zunächst möglich scheint. Und man wird zwangsläufig mit Momenten unserer Geschichte konfrontiert, deren Bedeutung den Zeitgenossen oft erst nachträglich klar wurde.

Adler „Favorit“ – der gar nicht kleine Bruder des „Standard 6“

Mit dem Modell „Standard 6“ schaffte die einstige Frankfurter Qualitätsmarke Adler Ende der 1920er Jahre den Anschluss an die damals führende Autoindustrie in den USA (Bildbericht).

Man mag das angesichts der seit den 1970er Jahren indiskutablen US-Produkte kaum glauben; doch in der Zwischenkriegszeit waren die Amerikaner im PKW-Bereich in jeder Hinsicht tonangebend: technisch, gestalterisch und wirtschaftlich.

Bei Adler war man realistisch genug, um seinerzeit einen US-Wagen zu kopieren. Nach anfänglichen Kinderkrankheiten wurde das neue 6-Zylindermodell ein Erfolg – zumindest gemessen an den hierzulande üblichen Stückzahlen.

Eine interessante Variante bot Adler seinerzeit mit dem äußerlich fast identischen „Favorit“ an. Er verfügte nur über einen 4-Zylindermotor mit 35 PS, während der Standard 6 erst 45 und später 50 PS leistete.

Folgendes Originalfoto zeigt einen solchen Adler „Favorit“ in Tourenwagen-Ausführung:

Adler_Favorit_Tourer_Galerie

© Adler „Favorit“, Baujahr 1928-30; Foto aus Sammlung Michael Schlenger

Der eindrucksvolle Wagen ist nur an einem Detail als „Favorit“ zu erkennen, dazu später mehr. Man fragt sich: Warum grenzte Adler den weit teureren Standard 6 nicht äußerlich deutlich vom 4-Zylinder-Modell ab? Die Frage stellt sich umso mehr, wenn man die Leistungsdaten beider Ausführungen vergleicht.

Der Standard 6 leistete mit seinem 2,5 Liter 6-Zylinder gerade einmal 5 PS mehr als der Favorit mit seinen 1,9 Litern Hubraum. In der Endgeschwindigkeit (90 ggü. 85 km/h) machte sich das kaum bemerkbar. Dafür schluckte der 6-Zylinder zwei bis drei Liter mehr Kraftstoff auf 100km.

Beide Versionen waren nur mit 3 Gängen und 6 Volt-Elektrik ausgestattet, damals in dieser Klasse nicht mehr standesgemäß. Der Verfasser würde heute nach der Lage der Dinge dem billigeren und ansonsten praktisch ebenbürtigen Favorit den Vorzug geben.

Das dachten sich wohl auch die beiden Herren auf dem Foto. Schauen wir genauer hin:

Adler_Favorit_Tourer_Frontpartie

Hier sieht man die Räder mit nur fünf Radbolzen (statt sieben beim Standard 6). Gut erkennbar ist zudem die schwarz-weiße Lackierung der Stoßstangenhalterung, die offenbar original ist.

Interessant für Restaurateure ist vielleicht auch die verchromte Abdeckung der Verbindungsstange zwischen den Frontscheinwerfern. Oder war das ein Zubehörteil? Was das pfeilförmige Emblem auf dem Kühlergrill zu bedeuten hat, ist unklar. Es taucht auf unserem Foto an anderer Stelle abermals auf.

Ungewöhnlich ist, dass an diesem Tourenwagen die Steckscheiben noch montiert sind, während das Verdeck bereits geöffnet ist. Bei Aufnahmen offener Tourenwagen sieht man fast nie die Steckscheiben und bei geschlossenem Verdeck sind sie selten gut zu erkennen.

Adler_Favorit_Tourer_Aufbau

Weitere Details sind die Winker an der A-Säule, die herausgeklappte obere Frontscheibenhälfte und die vorne angeschlagenen Türen. Auch dieses Bild belegt: das Klischee der Selbstmördertüren in der Vorkriegszeit ist … ein Klischee.

Nun noch ein Blick auf den auf der Vorderstoßstange posierenden Herrn mit dem militärisch wirkenden Erscheinungsbild:

Adler_Favorit_Tourer_BesitzerSchirmmütze, zweireihige Jacke und stiefelartige Ledergamaschen über den Schuhen finden sich zwar auch auf Bildern von Chauffeuren der 1920er Jahre. Die Kombination mit einer Armbinde – vermutlich des ADAC – gibt dem Herrn aber eine beinahe offizielle Note.

Da auf dem Nummernschild der Hohheitsadler mit dem Hakenkreuz fehlt, dürfte die Aufnahme noch vor Beginn des „Dritten Reichs“ um 1930 entstanden sein. Wir enthalten uns hier eines Urteils und werfen einen Blick in die benachbarte Garage:

Adler_Favorit_Tourer_Garage

Viel zu erkennen ist dort nicht, aber soviel ist klar: Hier steht ein weiterer Adler, aber wohl einer des Vorgänger-Modells von Standard 6 und Favorit – ein 6/25 PS Modell, das auf diesem Blog bereits vorgestellt wurde (Bildbericht). Das Auto trägt dasselbe pfeilförmige Emblem wie der Favorit – was könnte das bedeuten?

Beide Wagen tragen Nummernschilder, die auf eine Zulassung im Rheinland verweisen (Kennung: I Z). Leider wissen wir nicht mehr über Ort und Anlass der Aufnahme. Auch in welchem Verhältnis die beiden Männer auf dem Foto zueinander standen, ist ungewiss.

Besuch beim Truppenfriseur mit Adler 12N-3G Kübelwagen

In diesem Blog dreht sich zwar alles um historische Automobile – speziell solche der Vorkriegszeit.  Oft scheinen sie aber zunächst gar nicht im Mittelpunkt zu stehen. Vielmehr nähern wir uns ihnen – wie bei einer Oldtimerausfahrt – auf reizvollen Umwegen.

Heute steht ein Originalfoto aus dem 2. Weltkrieg am Anfang, das eine auf den ersten Blick beschauliche Szene zeigt:

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© Adler 12 N-3G Kübelwagen, 1939; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

An einem sonnigen Tag bekommt in einem Waldstück ein junger deutscher Wehrmachtsoffizier – zu erkennen an den Reithosen mit hohen Schaftstiefeln – einen militärisch korrekten Haarschnitt verpasst.

Im Hintergrund stehen diverse Fahrzeuge herum, teilweise mit geöffneten Motorhauben. Hier hat offenbar eine Heereseinheit eine Marschpause eingelegt – wann und wo, wird aus der Aufnahme selbst zunächst nicht klar.

Teil der idyllischen, von einem versierten Fotografen komponierten Aufnahme ist ein Wagen der Frankfurter Marke Adler. Den schauen wir uns näher an:

Adler_Kübelwagen_bei_Brzeziny_Ausschnitt

Wer das Bildporträt zum Adler Standard 6 auf diesem Blog gelesen hat, der erkennt die Kühlerpartie mit dem Adler-Emblem wieder. Doch kann man getrost ausschließen, dass es sich hier um einen solchen Wagen handelt.

Nach Ausbruch des 2. Weltkriegs wurden vom deutschen Militär (und den anderen europäischen Kriegsparteien) zwar alle möglichen Zivil-PKW beschlagnahmt und ihrem Fuhrpark einverleibt. Doch konstruktiv aus den 1920er Jahren stammende Wagen blieben meist davon ausgenommen.

Die Ähnlichkeit hat einen anderen Grund: Adler baute auf Basis des Standard 6 ab Ende der 1920er Jahre Kübelwagen für die damalige Reichswehr. Mit seinem 50 PS leistenden 6-Zylinder-Motor erwies sich das schwere Vehikel aber untermotorisiert.

Daher folgte ab 1933 ein ebenfalls auf dem Standard 6 basierender Kübelwagen mit auf 60 PS gesteigerter Leistung. Von diesem Modell mit der Bezeichnung Adler 12N-3G wurden bis 1935 fast 2000 Exemplare gebaut – eines davon ist auf unserem Bild zu sehen.

Mehr von dem Modell zeigt die folgende Aufnahme (Ort und Datum unbekannt):

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© Adler 12 N-3G Kübelwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Hier erkennt man die waagerecht verlaufende Luftschlitze in der Motorhaube, wie sie Adler Standard 6 und das äußerlich fast identische 4-Zylinder-Modell „Favorit“ aufwiesen. Bis auf die voluminöseren Kotflügel scheint die gesamte Vorderpartie vom Zivilmodell übernommen worden zu sein.

Fahrgestell und hinterer Aufbau folgten einheitlichen Baumustern, die die Modellvielfalt an der Front verringern sollten. Dieses von „Schreibtischtätern“ ersonnene Konzept blieb aber auf halbem Wege stehen, da weiterhin jeder Hersteller von Kübelwagen konstruktive Eigenheiten einbrachte.

Für die benötigten geländegängigen, möglichst anspruchslosen Fahrzeuge wäre ein komplett einheitlicher, eigens für den Militäreinsatz entwickelter Typ die richtige Lösung gewesen. Erst der spätere VW Kübelwagen (Typ 82) und der amerikanische Jeep trugen dem umfassend Rechnung.

Hier noch eine seitliche Ansicht eines Adler 12N-3G  Kübelwagens, der bei einer Pause an einem unbekannten Ort im 2. Weltkrieg aufgenommen wurde.

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© Adler 12 N-3G Kübelwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Gut zu erkennen ist hier der rechte vordere Kübelsitz, der guten Seitenhalt bei Geländefahrt bot. Gleichzeitig war – in Ermangelung von Türen – bei einem Luft- oder Artillerieangriff ein blitzschnelles seitliches Verlassen des Fahrzeugs möglich.

Putzig wirkt der kleine Dreieckskanister hinter dem Reserverad. Für Wagen im zivilen Gebrauch reichte der Inhalt zwar meistens aus. Im Kampfeinsatz verließen sich die Soldaten jedoch lieber auf die bis heute gebauten Einheitskanister, die kurzerhand zwischen Reserverad und Motorhaube eingeklemmt wurden. Auch diese Lösung lässt ahnen, wie wenig die vor dem Krieg entwickelten schweren und komplexen Kübelwagen auf den Frontalltag ausgerichtet waren.

Kommen wir zum Schluss noch einmal auf das Ausgangsfoto zurück. Auf der Rückseite findet sich der handschriftliche Vermerk: „Im Wald nördlich von Brzeziny“.

Diese Angabe genügt, um die Aufnahmesituation einzuordnen. Demnach ist das Foto kurz nach dem deutschen Überfall auf Polen Ende September 1939 entstanden. Der Ort Brzeziny liegt 100 km südwestlich von Warschau und wurde damals von angreifenden Wehrmachtsverbänden passiert.

Ob die Einheit, zu der der Adler auf dem Foto gehört, zur Kampftruppe gehörte oder eher zu Nachschub- oder Nachrichtenverbänden, wissen wir nicht. Jedenfalls entstand das Foto in einem Moment, als in Europa die Lichter ausgingen.

Zwar war auch in Polen in den 1920er Jahren nach erfolgreichen Eroberungen im revolutionsgeschwächten Russland ein Angriff auf Deutschland erwogen worden. Doch haftet der Makel des (nicht erklärten) Angriffskriegs auf den Nachbarn im Spätsommer 1939 unabweisbar an Deutschland.

In welches tragische, hauptsächlich von der Berliner Führung verantwortete Geschehen in der Folge Millionen von Soldaten und Zivilisten hineingezogen wurden, war für den Einzelnen in der Regel nicht zu übersehen.

Unser Foto zeugt aber von dem Bemühen, sich auch unter heute unvorstellbaren Umständen ein Mindestmaß an Zivilisiertheit zu bewahren. Auch solche – nachdenklich machenden – Aufnahmen gehören zur Beschäftigung mit historischer Mobilität.

Adler Standard 6 in seltener Tourenwagenausführung

Über den Adler Standard 6 – den großen Wurf des Frankfurter Autobauers in der Mittelklasse der späten 1920er Jahre – wurde auf diesem Blog bereits ausführlich berichtet. Wer sich für die technischen Details des Wagens interessiert, sei daher auf den Bildbeitrag zum Adler Standard 6 Cabriolet verwiesen.

Heute soll eine Variante des Standard 6 vorgestellt werden, die zumindest den überlieferten Bilddokumenten nach eher selten verkauft wurde – der viertürige Tourenwagen. Hier eine zeitgenössische Originalaufnahme:

Adler_Standard_6_Tourenwagen

© Adler Standard 6 Tourenwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Ursprünglich waren Tourenwagen bei vielen Herstellern die gängigste Variante, weil sie die preisgünstigste und leichteste war. Auch beim Vorgänger des Standard 6 – dem Adler 6/25 PS – war der Tourer recht verbreitet.

Doch Ende der 1920er Jahre zeichnete sich ein Trend zu komfortableren Wagen mit besserem Wetterschutz ab. Wer sich einen modernen Adler Standard 6 leisten konnte, der griff meist gleich zur geschlossenen Variante. Und wem an Prestige gelegen war, der entschied sich für eines der eleganten Cabriolets, die auf dieser Basis von diversen Karosserieschneidern angeboten wurden (siehe oben erwähnten Bildbeitrag).

Nun könnte man argumentieren, dass es sich bei dem hier gezeigten Wagen gar nicht um einen Standard 6 mit Sechszylindermotor, sondern um den äußerlich ähnlichen Favorit mit Vierzylinder handelt, der wesentlich preisgünstiger war. In dieser Klasse wurde wohl noch häufiger die billigere Tourenwagenversion gekauft.

Doch ein Detail verrät, dass wir es tatsächlich mit einem Standard 6 zu tun haben:

Adler_Standard_6_Tourenwagen_Frontpartie

Dieser Wagen verfügt nämlich über sieben Radmuttern, während der Favorit nur fünf aufwies. Zwar wurden an späteren Standard 6-Wagen ebenfalls nur noch Fünflochfelgen montiert, doch ein Wagen mit Siebenlochfelgen konnte nie ein Favorit sein.

Alle übrigen Details – die herrliche Adler-Kühlerfigur, die Kühlermaske, die Scheinwerfer und Stoßstangen – waren ansonsten bei beiden Typen identisch. So recht verständlich ist das nicht, denn auch im Rahmen eines Baukastenprogramms wäre es leicht gewesen, die teuren Sechszylinder von den Vierzylindern optisch abzugrenzen.

Auf diese Idee kam Adler erst Anfang der 1930er Jahre, als die prestigeträchtige Zylinderzahl mit einer „6“ auf der Verbindungsstange zwischen den Scheinwerfern hervorgehoben wurde. Beim Favorit wurde auf diese Angabe dagegen verzichtet.

Werfen wir noch einen Blick auf die Seitenpartie des Adler Standard 6 Tourers:

Adler_Standard_6_Tourenwagen_Seitenpartie Interessant ist hier vor allem, dass beide Türen vorne angeschlagen sind, also keine „Selbstmördertüren“ sind, wie sie teilweise noch bis in die 1950er Jahre verbaut wurden.

Im Fall der hinteren Tür kann man sich allerdings vorstellen, dass eine hinten angeschlagene Ausführung den Einstieg erleichtert hätte, da das Schutzblech weit nach vorne ragt. Das Bild eines Adler Standard 6 Tourenwagens der Vorserie in Werner Oswalds Standardwerk „Adler-Automobile 1900-1945“ zeigt solch eine Lösung.

Typisch für die Zeit ist die Montage des Reservekanisters auf dem Trittbrett. Vielleicht kennt ein Leser die Beweggründe für die eigentümliche Dreiecksform, die sehr verbreitet war.

Schön zu sehen ist der geringe Platzbedarf des Verdecks. Im Unterschied zu den gefütterten Verdecks von Cabriolets verfügten Tourenwagen nur über eine einfache Plane, die lediglich begrenzten Wetterschutz bot.

Verwiesen sei nicht zuletzt auf den Fahrtrichtungsanzeiger am Frontscheibenrahmen und den Suchscheinwerfer mit Rückspiegel auf der Fahrerseite. Übrigens war das Lenkrad im Unterschied zum Vorgängermodell Adler 6/25 PS auf die linke Seite gewandert

Auch in solchen Details offenbart sich die moderne Konzeption des Adler Standard 6. Die eigentlichen Innovationen waren freilich von außen kaum sichtbar: hydraulische Bremsen und – bei der Limousine – eine Ganzstahlkarosserie ohne Holzgerüst.

Beides war allerdings kein Verdienst der Adlerwerke – man schaffte damit lediglich den Anschluss an die damals technisch wie formal führende amerikanische Autoindustrie.

Über Aufnahmeort und -zeitpunkt wissen wir nichts Genaues. Das Kürzel „IC“ verweist lediglich auf eine Zulassung in Ostpreussen. Der erkennbar gebrauchte Zustand des Wagens (linker Vorderkotflügel) lässt auf eine Entstehung des Fotos um 1930 schließen.

Adler „Primus“ von 1932: Zivilwagen im 2. Weltkrieg

Anfang der 1930er Jahre zählte zu den soliden und für damalige Verhältnisse ordentlich motorisierten deutschen PKW der Mittelklasse der Adler Primus. Mit seinem 32 PS starken 1,5 Liter-Vierzylinder war er dem Hanomag Rekord vergleichbar und den populären Zweitaktmodellen von DKW in jeder Hinsicht überlegen.

Von dem nur 1932 gebauten Adler Primus mit Flachkühler wurde hier bereits ein Exemplar vorgestellt, das noch um 1960 in der damaligen DDR existierte. Nun soll ein weiterer Wagen vorgestellt werden, der im 2. Weltkrieg als Zivilfahrzeug lief:

Adler_Primus_Tarnbeleuchtung_1932_Galerie

© Adler Primus von 1932; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Das Adler-Emblem auf dem Kühler lässt keinen Interpretationsspielraum, auch die übrigen Details passen zum „Primus“ des ersten Modelljahrs. Die Tarnüberzüge über den Scheinwerfern lassen auf eine Aufnahme zu Kriegszeiten schließen.

Der glänzende Lack und das Fehlen von Markierungen auf den Vorderschutzblechen weisen auf ein Zivilauto hin, das nicht von der Wehrmacht beschlagnahmt wurde. Das Nummernschild mit den Initialen „III“ wurde im Zulassungsbezirk Leipzig vergeben.

Adler_Primus_Frontpartie

Die V-förmige Markierung auf dem Nummernschild kennzeichnete PKW, die mit behördlicher Genehmigung auch im Krieg weiterhin privat genutzt werden durften, zum Beispiel von Landärzten.

Mit diesem Privileg verbunden waren Bezugsscheine für Kraftstoff, sofern der Motor nicht auf Betrieb mittels Holzgasgenerator umgestellt war. Schwieriger war die Reifenbeschaffung, da Privatleuten ab 1939 keine Reifen verkauft werden durften, auch nicht beim Kauf eines Neuwagens.

Hier war das Geschick des Besitzers beim „Organisieren“ und Improvisieren gefragt. Im vorliegenden Fall wurden an der Vorderachse zwei unterschiedliche Reifen verbaut. Sie weisen ein für PKW untypisches Profil auf und wirken schon stark abgefahren:

Der ansonsten noch gute Zustand des Wagens lässt darauf schließen, dass die Aufnahme bei Kriegsausbruch entstand. Wo das Foto gemacht wurde und ob der Wagen überlebt hat, wissen wir leider nicht. Sonderlich gut waren die Chancen in Leipzig selbst nicht – das historische Zentrum wurde im Krieg mehrfach bombardiert und fast zur Hälfte zerstört.

Rarität an der Ostfront: Adler „Diplomat“ Tourer

Der Begriff des Tourenwagens hat einen kuriosen Bedeutungswandel erfahren. Heute bezeichnet er Rennwagen von Großserienherstellern, bei denen sich unter einer optisch seriennahen Kunststoffkarosserie Hochleistungstechnik verbirgt. Sie dienen der Beförderung eines sportlichen Markenimage und haben mit Serienautos wenig gemein.

Ursprünglich bedeutete „Tourenwagen“ bloß eine spezielle offene Variante eines Serientyps. Gemeint waren vier- bis sechssitzige Wagen ohne festes Dach, die im Unterschied zum Cabriolet nur ein leichtes Verdeck und allenfalls Steckscheiben besaßen.

Die Tourenwagenausführung war bis in die späten 1920er Jahre beliebt, weil sie in der Regel die preisgünstigste und leichteste war. In diesem Blog finden sich unter dem Stichwort „Tourenwagen“ entsprechend viele Originalfotos aus jener Zeit.

In den 1930er Jahren kamen Tourenwagen allmählich aus der Mode. Bevorzugt wurden Fahrzeuge mit festem Aufbau oder Cabriolets, die geschlossen im Idealfall ganzjahrestauglich waren.

Wer dennoch einen Tourenwagen wollte, konnte sich nach wie vor einen anfertigen lassen. Dafür gab es Karosseriebaufirmen, die auf einem „rolling chassis“ – also Rahmen mit Fahrwerk, Motor,  Kühlermaske usw. – einen Aufbau nach Wunsch fertigten.

Eine solche Spezialanfertigung zeigt wahrscheinlich das folgende Originalfoto:

Adler_Diplomat_Tourenwagen_Ostfront

© Adler Diplomat Tourenwagen,  1940er Jahre; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Tourenwagentypisch ist das leichte, ungefütterte Verdeck, das sich im Unterschied zum Cabriolet am Heck vollständig flachlegen ließ. Auch der von den Cabrios jener Zeit vertraute seitliche Verdeckbügel fehlt.

Recht gut zu erkennen sind die seitlichen Steckscheiben, die nur mäßigen Wetterschutz boten und keinen so klaren Durchblick wie gläserne Fensterscheiben ermöglichten. Typisch ist auch die niedrige, meist senkrecht stehende Frontscheibe.

So weit, so unspektakulär. Doch schauen wir uns den Wagen einmal näher an:

Adler_Diplomat_Tourenwagen

Der Kühler ist weitgehend von einer Kühlermaske verdeckt, was auf Betrieb in der kalten Jahreszeit hindeutet. Dennoch erkennt man in den freigebliebenen Kühlerpartien die Schwingen eines Adlers, des Markenzeichens der gleichnamigen Frankfurter Marke.

Der gewölbte Kühler findet sich zwar auch beim Adler Trumpf (1936-38) und beim Adler 2 Liter (1938-40), doch verfügten diese nicht über die geschwungene Vorderstoßstange, die es bei deutschen Herstellern sonst nur bei diversen Ford-Modellen gab.

Tatsächlich wies bei Adler nur das Oberklassemodell „Diplomat“ – der 1934 vorgestellte Nachfolger des Typs Standard 6 – alle genannten Besonderheiten auf. Allerdings wurde der Diplomat vom Werk nicht mehr als Tourenwagen angeboten.

Demnach haben wir es mit einem Sonderaufbau eines unabhängigen Karosseriebauers zu tun. Zum Glück erwähnt das Standardwerk „Adler Automobile – 1900-1945“ von Werner Oswald einen Tourenwagen auf Basis des Diplomat. Dieser wurde von der Stellmacherfirma Kathe & Sohn in Halle gefertigt, die von 1833 bis 1948 existierte.

Offenbar zeigt unser Foto eine solche Rarität. Wo das Bild entstanden ist, lässt sich nicht genau sagen. Doch Holzhausarchitektur und aufgeweichter Boden weisen auf Russland oder ein anderes vom deutschen Ostfeldzug ab 1941 betroffenes osteuropäisches Land hin.

Adler_Diplomat_Tourenwagen_Offiziere

Die beiden Soldaten neben dem Adler sind Offiziere bzw. Unteroffiziere einer Wehrmachtseinheit, wie an den Schirmmützen und Schaftstiefeln nebst Reithosen zu erkennen ist. Die Männer sind unbewaffnet  – sie würden ihrem Rang gemäß eine Pistole am (hier nicht vorhandenen) Koppel tragen, weshalb diese Aufnahme fern der Front aufgenommen worden sein dürfte.

Zu einer Situation im einigermaßen sicheren Hinterland passt das taktische Zeichen auf dem in Fahrtrichtung linken Schutzblech des Adlers. Denn das Rechteck mit zwei Diagonalen steht für eine Nachschubeinheit (Verpflegung oder Gepäck), die hinter der kämpfenden Truppe agierte.

Wie Eberhard Georgens aus Berlin mittteilt, gehörte das Fahrzeug ausweislich der Kennungen zum Stab des Divisionsnachschubführers 58 der 7. Panzerdivision (siehe aufgemaltes Symbol „Y“). Die 7. Panzerdivision hatte 1940 unter General Rommel maßgeblich zum Erfolg des Frankreichfeldzugs beigetragen. Ihr unerwartet schnelles Vorrücken trug ihr beim Gegner den Namen „Gespensterdivision“ ein.

Von Sommer 1941 bis April 1942 war die Einheit am Russlandfeldzug beteiligt. Demnach muss unser Foto im Winter 1941/42 entstanden sein. Ab 1943 wurde die 7. Panzerdivision zwar erneut in Russland eingesetzt, trug dann aber eine abweichende Kennung.

Bislang nicht interpretierbar ist das sternförmige Kennzeichen auf dem rechten Kotflügel. Es dürfte sich um eigenes Symbol der Untereinheit handeln.

Da der Adler an der Ostfront eingesetzt wurde, waren seine Überlebenschancen grundsätzlich gering. Die für den Einsatz auf kaum befestigten Straßen und bei extremen Minustemperaturen völlig ungeeigneten Fahrzeuge unterlagen einem hohen Verschleiß und mussten bei fehlenden Ersatzteilen oft zurückgelassen werden.

Fototermin mit einem Adler Standard 6 Cabriolet

Vor dem 1. Weltkrieg wurde die Automobilentwicklung von französischen und deutschen Herstellern vorangetrieben. Doch nach Kriegsende 1918 gerieten die meisten europäischen Autobauer ins Hintertreffen. Technisch wie gestalterisch setzten in den 1920er Jahren US-Marken die Standards.

Selbst ein Traditionshersteller wie Adler aus Frankfurt bediente sich in den späten 20ern amerikanischer Vorbilder, was sich auszahlen sollte. Die Rede ist vom Adler Standard 6, der von 1927-34 gebaut wurde. War das erste Nachkriegsmodell von Adler (Typ 6/25 PS) noch von konventioneller Machart, gelang mit dem neuen Wagen der Anschluss an den internationalen Standard.

Der Adler Standard 6 war mit seiner Ganzstahlkarosserie auf der Höhe der Zeit. Auch technisch folgte er eng US-Vorbildern: Die hydraulischen Vierradbremsen von Teves und die Einstempel-Zentralschmierung basierten auf amerikanischen Lizenzen. Deutsche Hersteller waren in dieser Hinsicht seinerzeit wenig innovativ.

Nach Beseitigung von Kinderkrankheiten war dem Standard 6 ein großer Erfolg beschieden. Als sinnvoll erwies sich zudem das Baukastenprinzip, das auf gemeinsamer Basis weitere Varianten wie den Achtzylindertyp Standard 8 und das Vierzylinder-Éinstiegsmodell Favorit ermöglichte.

Ein erlesen schönes Exemplar eines Adler Standard 6 in der Cabriolet-Ausführung ist auf folgendem Originalfoto zu sehen:

Adler_Standard_6_Cabriolet

© Adler Standard 6 Cabriolet, Ende der 1920er Jahre; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Wir wollen zunächst einige Details des Wagens unter die Lupe nehmen, die die Identifikation des Modells ermöglichen. Wie bei vielen Autos der 1920er Jahre konzentrieren sich die typischen Elemente auf die Frontpartie. Der Passagierraum dagegen folgte meist ähnlichen Mustern, in denen gestalterische Traditionen aus dem Kutschbau weiterlebten.

Hier eine Ausschnittsvergrößerung der Kühlerpartie:

Adler_Standard_6_Cabriolet_Kühler

Typisch für frühe Exemplare des Adler Standard 6 ist das in das Kühlernetz hineinragende Markenlogo – später wanderte es nach oben in die Kühlermaske. Unterschiede zum älteren Adler 6/25 PS sind der zum Logo hin ansteigende Kühlerausschnitt und die Verbindungsstange zwischen den Scheinwerfern.

Nun finden sich dieselben Elemente auch beim Vierzylindermodell Favorit. Dass wir es hier aber mit dem 6-Zylinder-Typ mit 2,5 Liter Hubraum (später 2,9 Liter) zu tun haben, ist aus einem anderen Detail abzulesen. So verfügte der sonst äußerlich identische Favorit stets über fünf Radbolzen, während nur das 6-Zylindermodell anfänglich sieben Radbolzen aufwies:

Adler_Standard_6_Cabriolet_Detail

Offensichtlich ist der Wagen auf unserem Foto also ein Standard 6 und kein Favorit. Auf der Ausschnittsvergrößerung sind auch die waagerecht verlaufenden Luftschlitze zu erkennen, die auf eine Entstehung Ende der 1920er Jahre hindeuten. Ab 1930 weisen alle Modellvarianten senkrechte Schlitze auf.

Möglicherweise kann ein sachkundiger Leser die Plakette auf dem Seitenschweller identifizieren, die vermutlich vom Autohaus stammt, das den Adler einst verkaufte.

Zuletzt einige Überlegungen zur Aufnahmesituation. Das Originalfoto ist von hervorragender Qualität. Bildaufbau, Belichtung, Tonwertdifferenzierung und Kontrolle der Schärfenebene sprechen für eine professionelle Fotografie. Möglicherweise ist dieses Bild für eine Modezeitschrift aufgenommen worden.

Jedenfalls steht die junge Dame mit ihrem zeittypischen Kleid im Mittelpunkt und posiert mit Handtasche unter dem Arm und übereinandergeschlagenen Beinen.

Adler_Standard_6_Cabriolet_Dame

Die Kleidung unseres Modells ist übrigens der zuverlässigste Hinweis auf eine Entstehung des Fotos Ende der 1920er Jahre. Die wenig figurbetonten Kleider jener Zeit wurden in den frühen 30ern durch vorteilhafter geschnittene abgelöst.

Auf der Rückseite des Abzugs ist als Entstehungsort Freiburg im Breisgau vermerkt. Dazu passt das Nummernschild mit der Ziffern-Buchstaben-Kombination „III K“, die für den Schwarzwaldkreis stand.

Bilder von Adlers Erfolgsmodell Standard 6 gibt es eine ganze Menge. Doch dieses Foto mit dem in Gemischtbauweise entstandenen Cabriolet von Karmann gehört zu den schönsten, die dem Verfasser bislang untergekommen sind.

Außerdem gibt es auf diesem Blog einen Bildbericht über den Adler Standard 6 Tourenwagen sowie ein 2-sitziges Cabriolet mit Karosserie von Papler/Köln.

Ein Horch 830 BL Cabriolet als Winterauto…

Wie es scheint, neigt sich die kalte Jahreszeit in unseren Breiten dem Ende zu. Die Wintersportfans sind zuletzt noch einmal auf ihre Kosten gekommen, aber wenn es nach uns Oldtimerfreunden ginge, könnte jetzt ruhig die Frühjahrssaison beginnen.

Manch einer bewegt zwar seinen Klassiker ganzjährig, was bei gut vorbereiteter Karosserie vertretbar ist. Doch die meisten schonen ihre vierrädrigen Lieblinge und auch der Verfasser wartet ungeduldig darauf, dass der nächste Regen das Salz von den Straßen spült.

Bei der Gelegenheit sei daran erinnert, dass vielen klassischen Wagen in ihrem früheren Leben solche Schonung kaum gegönnt wurde. Als vor über 70 Jahren in Europa der 2. Weltkrieg tobte, wurden auf alle Seiten massenhaft private Kraftfahrzeuge beschlagnahmt und an der Front und im Hinterland eingesetzt.

Hier ein Originalfoto eines requirierten Adler Trumpf 1,7 Liter auf einer Schlammpiste. Die Kennung WM verweist auf ein Fahrzeug der Kriegsmarine, daher ist das Bild vermutlich eher in Frankreich als in Russland entstanden:

Adler Karmann_Ausschnitt

© Adler Trumpf 1,7 Liter bei der Wehrmacht; Fotoquelle: Sammlung Michael Schlenger

Wie bei allen Kriegsparteien – außer den USA – herrschte auch bei der deutschen Wehrmacht von Anfang an chronischer Mangel an PKW. Während der einfache Landser wie schon im 1. Weltkrieg mit Eisenbahn, LKW, Pferdegespann oder auf Schusters Rappen ins Feuer geschickt wurde, wurden für den Bedarf von Offizieren, Kurieren usw. Personenautos in großer Zahl benötigt.

Von den dafür vorgesehenen militärischen Baumustern (Einheits-Kfz) wurden zu keinem Zeitpunkt genügend gebaut, sodass für den Wehrmachtsbedarf alles beschlagnahmt wurde, was halbwegs robust erschien und nicht zwingend für andere Zwecke daheim gebraucht wurde.

Als typisches Beispiel hier ein Kriegsfoto eines eingezogenen Ford Eifel, vermutlich aufgenommen in Norwegen (Bildbericht):

Ford_WH_Eifel_Wk2_Ausschnitt

© Ford Eifel Baujahr 1937-39 bei der Wehrmacht; Fotoquelle: Sammlung Michael Schlenger

Aus heutiger Sicht ist es faszinierend zu sehen, was da alles von Skandinavien bis Afrika und von Frankreich bis Russland unterwegs war. Dabei wurden auch heute begehrte Luxuswagen nicht geschont – im Gegenteil:

Für hohe Offiziere war es eine Prestigeangelegenheit, in einem repräsentativen Wagen unterwegs zu sein. Speziell Typen von Horch oder Mercedes waren begehrt, aber auch erbeutete amerikanische Luxuswagen wurden gern genommen.

Dass diese Autos ungeeignet für den harten militärischen Einsatz waren, viel Kraftstoff verbrauchten und mit Frontmitteln kaum zu reparieren waren, interessierte die Herrschaften nicht. Auch darin kommt der Größenwahn eines Großteils der damaligen Führung zum Ausdruck.

Fronterprobte Generäle wie Guderian und Rommel bevorzugten im Einsatz dagegen bewährte Sonder-Kfz. Ihre Unterführer ließen ohnehin nichts auf den unverwüstlichen „Kübel“ von Volkswagen kommen.

Das folgende Originalfoto aus dem 2. Weltkrieg dokumentiert, in welchen Situationen Luxuswagen beim deutschen Militär entgegen alle Vernunft eingesetzt wurden:

Horch 830_BL

© Horch 830 BL bei der Wehrmacht; Fotoquelle: Sammlung Michael Schlenger

Man glaubt zunächst nicht, dass der Wagen auf diesem etwas unscharfen Bild zu identifizieren ist. Und doch ist es mit etwas detektivischem Spürsinn möglich.

Ausgangspunkt ist der mit schwarzem Überzug versehene quadratische Stander auf dem linken Vorderkotflügel. Er weist darauf hin, dass der Wagen einen Befehlshaber ab Armeekorps aufwärts und höchste Stäbe chauffierte, also den Kommandeur eines Großverbandes (Dank an Klaas Dierks für den sachkundigen Hinweis an dieser Stelle)

Auf dieser Führungsebene wurden außer ausländischen Luxuswagen Erzeugnisse der erwähnten deutschen Marken Horch und Mercedes bevorzugt. Die Neigung der Kühlermaske und der Mittelsteg sprechen für einen Horch, und diese Zuschreibung bestätigt sich bei einem Abgleich der Details (Scheinwerfer, Radkappen, Zierleiste, Trittbrettverlauf usw.) mit entsprechenden Abbildungen.

Horch 830_BL_Front Übrigens ist auf der Motorhaube eine wohl aus Stroh hergestellte Abdeckung zu sehen, die in Verbindung mit der weitgehend blockierten Kühlluftzufuhr das Erreichen der Betriebstemperatur des Motors bei strengem Frost erleichtern sollte.

Man darf davon ausgehen, dass diese Aufnahme im Winter irgendwo an der Ostfront entstanden ist. Die langen Wintermäntel der beiden Soldaten sind von der Machart, die im ersten russischen Kriegswinter 1941/42 fatalerweise noch kaum verfügbar war.

Hier sehen wir zudem die von der russischen Armee abgeschaute Fellmütze, auf die die deutschen Soldaten anfangs ebenfalls verzichten mussten.Wenn man genau hinschaut, sieht man neben dem linken Ärmel des Soldaten einen Verdeckbügel und einen Türgriff. Diese Details erlauben die Identifikation des Wagentyps!

Horch 830_BL_Soldat2a

Offenbar handelt es sich um ein viertüriges Cabriolet. Und das gab es von Horch in Verbindung mit der flachen Frontscheibe nur beim Modell 830 BL (mit längerem Radstand als der 830 BK). Der von 1935 bis April 1940 etwas mehr als 6.000mal gebaute Wagen verfügte je nach Baujahr über einen 75 bis 92 PS starken V8-Motor mit 3,5 Liter Hubraum.

Bei über 2 Tonnen Leergewicht waren damit natürlich keine sportlichen Fahrleistungen möglich, was auch nie Ziel der sächsischen Traditionsmarke war.  Bedenklich war allerdings der Benzinverbrauch von fast 20 Liter auf 100 km.

Doch in diesem Blog geht es ebenso um die Menschen, die in einer Verbindung zu den gezeigten Fahrzeugen standen.  Daher sollen auch die beiden Männer gewürdigt werden, die sich irgendwo an der Ostfront mit dem Horch haben ablichten lassen.

Der Kamerad, der auf Höhe der Motorhaube steht, trägt über der Schulter eine lederne Kartentasche, wie man sie oft auf zeitgenössischen Bildern von Kradmeldern findet. Auf der Brust ist links eine bei Militär und Polizei einst gängige Taschenlampe zu sehen, die über einen Drehknopf auch mit Handschuhen betätigt werden konnte.

Horch 830_BL_Soldat1

Von Dienstgradabzeichen und Auszeichnungen ist nichts zu sehen. Hier stand ganz klar der Kälteschutz im Vordergrund.

Nun könnte man vermuten, dass zwei zufällig anwesende Soldaten die Gelegenheit nutzten, sich vor einem der schon damals legendären Horch-Achtzylinder fotografieren zu lassen. Tatsächlich fällt auf, wie oft auf Kriegsfotos hochkarätige Wagen zu sehen sind, während es von weit öfter gebauten Modellen vergleichsweise wenige Bilder gibt.

Solche Aufnahmen künden vom Bedürfnis, der eigenen Existenz auch unter schlimmsten Bedingungen eine gewisse Qualität abzuringen. Und sei es nur, dass man mit den Negativen die Botschaft nach Hause schickte: „Schaut, ich lebe noch und hatte heute in der Stellung hohen Besuch.“

Doch hier liegt der Fall anders. Denn zu der Aufnahme gehört ein zweites Foto, dass die beiden Soldaten im Horch sitzend zeigt:

Horch 830_BL_Soldat2b

Offenbar gehörten die beiden Männer zu dem Wagen. Einer war der Fahrer und der andere möglicherweise der Adjutant des „hohen Tieres“, der in dem Horch auf der Rückbank unterwegs war.

Wer aber das Bild gemacht hat, wann und wo, lässt sich nicht mehr klären. Der Blick des verhalten lächelnden Fahrers berührt auch nach über 70 Jahren noch. Was wohl aus den beiden und dem Horch wohl geworden ist?

Ausflug im offenen Adler 6/25 PS

Bereits vor einiger Zeit wurde hier ein schönes Originalfoto eines Adler 6/25 PS mit Tourenwagenkarosserie aus den 1920er Jahren vorgestellt (Bildbericht). Im Unterschied zum bekannteren und moderneren Adler Standard 6 sind Bilder dieses von 1925-28 gebauten Modells selten zu finden.

Nun ist eine weitere zeitgenössische Aufnahme eines Adler 6/25 PS-Tourenwagen aufgetaucht, die von der Bildqualität zwar nicht mit dem ersten Foto mithalten kann, aber dennoch viel Zeitkolorit transportiert und zudem in der Karosserieausführung etwas abweicht:

Adler_6-25_PS_Spezial© Adler 6/25 PS Tourenwagen, späte 1920er Jahre; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Leider hat der Fotograf den Wagen und die Personen auf dem Bild mit voll aufgeblendetem Objektiv fotografiert. Dadurch ist die Schärfentiefe sehr gering, sie reicht nur etwa von den Reserverreifen bis zur rechten Hand des Fahrer. Bei voller Blendenöffnung kam es bei frühen unkorrigierten Kameraobjektiven zusätzlich zu Unschärfen im Randbereich.

Dennoch ist genug zu erkennen, um den Wagen zu identifizieren. Hier Kühler und Motorhaube im Detail:

Adler_6-25_PS_Spezial_Kühler

Die dreieckige Emailplakette an der Kühlermaske erlaubt eine eindeutige Ansprache als Adler der 1920er Jahre. Die senkrechten Luftschlitze in der Motorhaube unterscheiden das 6/25 PS-Modell vom Standard 6. Kenner könnten vielleicht auch die Scheinwerferform als typisch anführen.

Ein weiteres Detail, das für das ältere Adler 6/25-Modell spricht, ist auf dem folgenden Ausschnitt zu sehen:

Adler_6-25_PS_Spezial_Mittelteil.jpg

Die Scheibenfelgen weisen einen recht kleinen Lochkreis für die Radbolzen auf. Beim später gebauten Adler Standard 6 – der nebenbei als erster deutscher Serienwagen hydraulische Bremsen hatte – war der Durchmesser größer.

Interessant im Vergleich zu anderen Aufnahmen von Adler-Tourenwagen desselben Typs ist die weiter nach hinten versetzte Reserveradmulde, die das Trittbrett durchstößt. Diese Lösung wurde gewählt, wenn der Käufer zwei Reservereifen wollte, für die im Vorderschutzblech nicht genug Platz gewesen wäre.

Die Ballhupe dürfte nachgerüstet worden sein. Denn eigentlich verfügte der Wagen bereits über eine elektrisch betrieben Bosch-Hupe. Vielleicht traute der Besitzer ihr nicht.

Zu guter Letzt noch ein Blick auf die Personen im Adler bzw. den Herrn daneben:

Adler_6-25_PS_Spezial_Insassen

Hier sind Vertreter von zwei, wenn nicht drei Generationen zusehen. Der bullige Glatzkopf im weißen Hemd – er ist sicher nur kurz aus dem Haus gekommen – und der Beifahrer mit der Schirmmütze lassen vom Erscheinungsbild her noch etwas vom vergangenen Kaiserreich ahnen, als viele Herren  opulente Schnauzbärte trugen.

Der Fahrer und der hintere Passagier mit dem kecken Hut sind deutlich jünger. Speziell der Wagenlenker mit Schieberkappe und recht kurzem Hemdkragen hat den 1. Weltkrieg gewiss nur als Jugendlicher erlebt. Die Dame mit der Wollmütze im Heck des Adler schließlich dürfte die Jüngste im Bunde sein. 

Man darf annehmen, dass diese Aufnahme Ende der 1920er Jahre entstand. Leider ist über Anlass und Ort des Fotos nichts bekannt. Die Architektur im Hintergrund deutet auf eine großbürgerliche Wohngegend hin. Die schmucklosen Fensterlaibungen sprechen dafür, dass das Haus nach dem 1. Weltkrieg gebaut wurde, offenbar auf einem großen Grundstück mit altem Baumbestand und schmiedeeisernen Gittern des 19. Jahrhunderts.

Auf diesem Bild sind Menschen und Dinge mehrerer Epochen harmonisch vereint. Dieses Foto ist erkennbar vor dem Einbruch der Moderne in eine über Jahrhunderte gewachsene Wirklichkeit entstanden, in der auch das Automobil sich mit seinen Formen und Materialien noch in die Tradition fügte. Nur wenig später war diese Welt in Deutschland untergegangen.

Unterwegs im Adler Trumpf Cabriolet im Winter 1940

Dass der Winter in unseren Gefilden bereits vorüber ist, ist keineswegs ausgemacht. Und da der Fundus noch einige stimmungsvolle Winterbilder hergibt, bleiben wir vorerst bei dem Thema. Heute geht es um ein Cabriolet der 1930er Jahre, das auf folgendem Originalfoto zu sehen ist:Adler-Trumpf_1.7 Liter_1940

© Adler Trumpf Cabriolet, Baujahr 1934/35; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Auch ohne besondere Kennerschaft erkennt man, dass es sich um ein zum Militär eingezogenes Zivilfahrzeug handelt. Sofern der linke Teil des Nummernschildes nicht verdreckt ist, beginnt die Kennung mit der Ziffern-Buchstaben-Kombination „IA“, die auf eine Zulassung im Bezirk Berlin hinweist.

Das auf den in Fahrtrichtung linken Kotflügel gemalte Kürzel „WH“ steht für „Wehrmacht / Heer“. Darüber ist ein taktisches Zeichen angebracht, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Truppengattung – hier die Infanterie – erkennen lässt.

Der in die Ferne schauende Offizier links – zu erkennen an der silbernen Mützenkordel – dürfte zum Führungsstab seiner Einheit gehören. Auf dieser Ebene war während des 2. Weltkriegs der Transport in nicht-militärischen PKW eher die Regel als die Ausnahme – das gilt auch für die europäischen Kriegsgegner:

Adler-Trumpf_1940_Front

Was verrät die Frontpartie über den Wagen? Anhand der Gestaltung von Kühlermaske, Motorhaube, Schutzblechen und Radkappen lässt sich das Fahrzeug als Adler Trumpf identifizieren. Das markante Adler-Logo ist entweder unter dem Bezug des Kühlergrills verborgen oder bereits entfernt worden. Der Kühlerüberzug lässt nur den Mittelteil des Kühlers frei, wo ein schmaler Mittelsteg zu erkennen ist.

An der Mittelstange zwischen den eventuell nachgerüsteten, sehr großen Hauptscheinwerfern ist ein Nebelscheinwerfer montiert. Nur schemenhaft zeichnet sich die Hupe ab. Auch sie erscheint recht voluminös – vielleicht ebenfalls ein von einem größeren Wagen stammendes Ersatzteil.

Sämtliche Chromteile – Stoßstange, Scheinwerferringe, Scheibenrahmen – sind wie der gesamte Wagen grau überlackiert. Hinter der Windschutzscheibe ist eine nachträglich angebrachte Heizvorrichtung zu erkennen. Sie wurde mit Saugnäpfen von innen befestigt und an das Bordnetz angeschlossen. Dieses sinnvolle Zubehör gab es in unterschiedlichen Größen und technischen Spezifikationen zu kaufen:

Scheibenheizungen_Katalog_Otto_Plümecke_1935

© Heizgitter für die Frontscheibe, Marken “Melas” und Avog“ im Katalog des Zubehörhändlers Otto Plümecke, Hannover; Faksimile des Archiv-Verlags

Bei der genauen Identifikation des Modells ist ein Blick auf die Seitenpartie des Adler hilfreich. Denn die Grundform des Wagens findet sich sowohl beim großen „Trumpf“ in der von 1932-36 gebauten Version mit 1,5 oder 1,7 Liter-Motor als auch beim 1934 vorgestellten, kleineren „Trumpf Junior“ mit 1-Liter-Aggregat.

Der Schlüssel zur Lösung ist die Ausführung als 4-Fenster-Cabriolet. Denn diese gab es laut einschlägiger Literatur nur beim Trumpf, während die Cabrio-Ausführung des Trumpf-Junior mit zwei Fenstern auskommen musste. Die Cabrio-Limousine des Trumpf-Junior verfügte zwar ebenfalls über vier Fenster, wies aber einen stärkeren Mittelholm auf als der hier zu sehende Wagen.

Adler-Trumpf_1940_Heck

Somit haben wir es hier sicher mit einem Adler Trumpf Cabriolet zu tun, das in der 4-Fenster-Ausführung nur 1934/35 verfügbar war. Diese Version wurde im Normalfall von Karmann gebaut, seit 1932 der von Adler bevorzugte Lieferant von Cabrio-Aufbauten.

Stutzig macht nur eines: Die Unterseite der Zierleiste, die unterhalb der Fensterlinie verläuft, fällt bereits vor den Türscharnieren ab. Auf Abbildungen des Cabriolets von Karmann scheint die Leiste länger geradlinig zu verlaufen, um dann abrupter abzufallen, ähnlich übrigens wie bei der seltenen Ausführung des Trumpf-Cabriolets von Autenrieth.

Möglicherweise täuscht die Perspektive aber auch. Zudem wurden die Karosserien bei Karmann größtenteils handwerklich gefertigt, sodass wohl keine im Detail ganz genau wie die anderen ausfiel. Auf jeden Fall eine sehr gelungene Form, die von der großen Stilsicherheit kündet, die seinerzeit typisch für Karmann war.

Was lässt sich zu Ort und Zeitpunkt der Aufnahme sagen? Nur dieses: Auf der Rückseite des Fotos steht der handschriftliche Vermerk „Mein Wagen, 1940“. Damals war der Frankreichfeldzug mit dem Sieg der Wehrmacht beendet. Was das Neue Jahr bringen würde, den fatalen Angriff auf die Sowjetunion, dass wussten der Offizier auf dem Bild und sein junger Fahrer, der hinter dem Adler steht und den Fotografen uns anschaut, ganz sicher nicht.

Der finstere in die Ferne gehende Blick des Offiziers kommt uns heute dennoch wie ein Vorgriff auf das noch Kommende vor.

Russland_1943© Adler Cabriolet, Russland 1943; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Ein Adler „Primus“ von 1932 im DDR-Alltag

Spätestens in den 1960er Jahren trennten sich die Deutschen in West und Ost von Wagen, die den Krieg überlebt hatten und ihnen in den Jahren des Wiederaufbaus treue Dienste geleistet hatten. Auch in der DDR standen inzwischen zeitgemäßere Fahrzeuge zur Verfügung.

Doch damals gab es zum Glück Individualisten, die lieber ein „altes Auto“ fahren wollten als sich mit moderner Massenware abzugeben. Während heute ein dreißig Jahre altes Auto wie zum Beispiel ein Mercedes 190 ohne Einschränkungen im Alltag gefahren werden kann, sah das in den 1960er Jahren ganz anders aus.

Wer sich damals auf ein Vorkriegsauto einließ, bekam in der Regel schwachbrüstige Motoren mit unsynchronisierten Getrieben, mäßige Bremsleistung, oft nicht vorhandene Heizung und beengte Platzverhältnisse. Die überlebenden Wagen hatten meist einen harten Einsatz im Krieg hinter sich und waren technisch am Ende. Für die Ersatzteilversorgung musste der Schrottplatz herhalten.

Wir heutigen Klassiker-Enthusiasten müssen dankbar sein, dass es einst genügend Altauto-Liebhaber gab, die unter ungünstigsten Bedingungen Wagen der Vorkriegszeit am Laufen hielten. Ein schönes Beispiel dafür zeigt das folgende Originalfoto:

Adler_Primus_DDR_60er_Jahre_1

© Originalfoto Adler Primus in der DDR um 1960, aus Sammlung Michael Schlenger

Der Wagen trägt ein DDR-Nummernschild der ersten Serie, die ab 1953 vergeben wurden. Die Buchstaben standen nicht für Städte oder Landkreise wie in der Bundesrepublik, sondern für Bezirke. Hier handelt es sich um ein Fahrzeug, das im Bezirk Suhl /Thüringen zugelassen war. Der Kleidung nach zu urteilen, ist das Bild Anfang der 1960er Jahre entstanden.

Der Wagen wirkt stark gebraucht, speziell die Kotflügel sehen äußerlich mitgenommen aus. Mit Durchrostungen war aufgrund der damaligen Blechstärken und praktisch nicht vorhandener Hohlräume jedoch kaum zu rechnen. Von der Lackqualität abgesehen macht das Auto einen gesunden Eindruck. Es sind noch die typischen Bosch-Scheinwerfer der Vorkriegszeit montiert, auch der empfindliche Kühler wirkt intakt.

Dass wir es hier mit einem im Alltag genutzten Fahrzeug zu tun haben, ist am Dachgepäckträger zu erkennen, der wohl ein Eigenbau der Nachkriegszeit ist. Gleichzeitig weisen Details darauf hin, dass der Besitzer den Wagen nicht nur unter Nützlichkeitsaspekten schätzt. So erfüllen die nachgerüsteten Scheinwerferschirme keinen Zweck, sehen aber hübsch aus:

Adler_Primus_DDR_60er_Jahre_2

Der vergnügte Gesichtsausdruck der jungen Dame auf der Rückbank weist darauf hin, dass ihr der alte Wagen keineswegs peinlich war. Das Grinsen des Herrn, der unter der Motorhaube hantiert, spricht ebenfalls Bände – vielleicht hat der Fotograf kurz vor diesem Schnappschuss eine witzige Bemerkung gemacht. Wer genau hinschaut, sieht unter seiner Haartolle eine weitere Person hervorlugen – die Schwiegermutter?

Kenner werden die Marke des Wagens spätestens anhand obiger Ausschnittsvergößerung identifiziert haben – es handelt sich um einen Adler der frühen 1930er Jahre. Man kann die dreieckige Plakette des Frankfurter Herstellers auf der Kühlermaske gut erkennen.

Wie es der Zufall will, lassen sich Wagentyp und Herstellungsjahr genau benennen. Bei dem Auto handelt es sich um einen Adler „Primus„, ein konventionelles 4-Zylinder-Modell mit 32 PS aus 1,5 Liter Hubraum. Vorgestellt wurde der Primus 1932, und aus diesem Jahr dürfte auch der abgebildete Wagen stammen. Denn schon 1933 wurde der Flachkühler mit der Chrommaske durch den des  Frontantriebsmodells „Trumpf“ ersetzt.

Wir haben es also bei dem Wagen auf dem Foto mit einer Rarität zu tun. Das gilt erst recht für heutige Verhältnisse. Während der frontgetriebene Adler Trumpf noch vergleichsweise häufig anzutreffen ist, ist ein Primus mit Flachkühler nur selten zu sehen. Bei der Classic Gala 2015 im Schlosspark Schwetzingen war ein solches rares Exemplar zu bewundern:

Adler_Primus_Schwetzingen_2015

© Adler Primus, Schlosspark Schwetzingen 2015; Bildrechte: Michael Schlenger

Man darf davon ausgehen, dass der Primus auf dem alten Foto aus DDR-Zeiten heute noch existiert. Vielleicht kann jemand aus der Adler-Szene Näheres dazu beitragen.

Tropfenform – Designtrend der 1930er Jahre

Ein Fahrzeug, das auf Klassikerveranstaltungen immer wieder formal aus dem Bild fällt, ist der VW Käfer. Selbst die letzten in Mexiko produzierten Exemplare wiesen noch die typische tropfenähnliche Grundform auf.

Mexiko-Käfer© Mexiko-Käfer Bj. 1985; Bildrechte: Michael Schlenger

Der Käfer hat sich im kollektiven Gedächtnis als einzigartiges Auto verankert, auch aufgrund jahrzehntelanger Präsenz. Doch bei seiner Entstehung in den 1930er Jahren war er mit seiner an der Stromlinie orientierten Form ganz ein Kind seiner Zeit.

Beschäftigt man sich mit den Vorläufern und Geschwistern des Volkswagens, wird es rasch unübersichtlich. Nachfolgend der Versuch, für mehr Klarheit zu sorgen:

Die aerodynamische Vorarbeit wurde schon in den 1920er Jahren geleistet, im Wesentlichen von Paul Jarays Stromlinien-Karosserie-Gesellschaft. In der Folge kristallisierte sich die Tropfenform als gestalterisches Ideal heraus, an dem sich Konstrukteure in mehreren Ländern abarbeiten sollten.

Noch vor Tatra und den ersten VW-Versuchswagen hatte die US-Karosseriefirma Briggs 1933 einen Prototypen vorgestellt, der technisch und formal alle Charakteristika aufwies, die in den Folgejahren in zahllosen Varianten durchdekliniert wurden (ausführlicher Bericht). Hier der Ausschnitt eines Originalfotos:

Briggs_Prototyp_1933© Briggs Prototyp 1933; Fotoabzug: Sammlung Michael Schlenger

Ebenfalls 1933 entwickelte das Konstruktionsbüro Porsche für NSU einen Wagen, der die Wesensmerkmale des Volkswagens vorwegnahm. Das Auto wurde in einigen Exemplaren gebaut, aber von NSU letztlich nicht in Produktion genommen. Tatsächlich markiert dieser Entwurf den Anfang des VW-Stammbaums.

Porsche_Typ_32© Porsche Typ 32; Bildquelle: http://www.flickr.com; Urheberrecht: Georg Sander

Im Frühjahr 1934 stellte Tatra seine Interpretation des Themas vor, den Typ 77. Dabei ähnelt vor allem die Seitenpartie ab der A-Säule dem Briggs von 1933, ohne dass man eine direkte Beeinflussung behaupten kann. Hier eine Abbildung des Tatra-Prototyps, der in einigen Details vom Serienmodell abwich:

Tatra77_Prototyp_1934

© Sammelbild Tatra 77 Prototyp 1934; Sammlung Michael Schlenger

1935 wurden von Porsche die Vormodelle des Volkswagens entwickelt. Während die Grundform dem Entwurf für NSU folgt, erinnern Dachline und Fensterpartien an den Briggs-Prototypen und den ab 1934 gebauten Chrysler Airflow.

Die freistehenden Scheinwerfer waren dagegen nicht auf der Höhe der Zeit. Gleichzeitig fällt der Verzicht auf Trittbretter auf, die im Serienmodell wieder auftauchten.

Volkswagen-Versuchsmodell_1935-36

© Sammelbild Volkswagen Versuchsmodell 1935/36; Sammlung Michael Schlenger

1936 stellte die Steyr-Daimler-Puch AG in Österreich den Typ 50 vor. Mit vorn eingebautem Motor fällt er zwar technisch aus dem Rahmen. Doch formal gehört der Wagen in die hier vorgestellte Familie. Markant ist der Verzicht auf Trittbretter, der VW beim Käfer in 65 Jahren Produktionsdauer nicht gelungen ist.

Im Vergleich zum Kleinwagenversuch von Mercedes in Form des Typs 130 war der Steyr überzeugender. Der kompakte 4-Zylinder-Boxer erlaubte eine stromlinienförmige Frontpartie, gleichzeitig war die Gewichtsverteilung dank Heckantrieb ausgewogen. Hier eine Abbildung des leistungsstärkeren Steyr 55:

Steyr_55_1938-40

© Sammelbild Steyr 55; Sammlung Michael Schlenger

Die Fahrleistungen des Steyr entsprachen denen des Mercedes 130. Mit 12 Volt-Elektrik, 4-Gängen, Einzelradaufhängung und erstaunlich geräumigen Innenraum stellte Steyrs „Baby“ trotz seines Erscheinungsbildes ein erwachsenes Auto dar. Der Absatzerfolg war beachtlich (13.000 Stück bis 1940).

Vom Steyr war es nicht weit zum 1937 vorgestellten Adler 2,5 Liter, dem Autobahnadler. Seine Karosserie war das Werk von Karl Jenschke, der den Steyr 50 entworfen hatte. Die Seitenlinie entspricht weitgehend dem Briggs-Prototypen, während die Frontpartie an den Tatra 77 Prototypen, den Steyr 50 und an den Chrysler Airflow erinnert:

Adler_2,5_Liter_1938-40

© Sammelbild Adler 2,5 Liter „Autobahnadler“; Sammlung Michael Schlenger

Lässt man diese Vertreter des Stromlinientrends in den 1930er Jahren Revue passieren, gewinnt man den Eindruck, dass damals viele Köpfe gleichzeitig in dieselbe Richtung gedacht haben.

Oft liest man, Porsches Volkswagen sei von Tatra oder den Mobilen von Josef Ganz abgekupfert. Doch die Betrachtung zeigt, dass hier in kurzer Zeit ähnliche Konzepte realisiert wurden, die aus derselben Grundidee abgeleitet waren.

An diesem Designkonzept hielt nach dem Krieg neben Volkswagen auch Tatra bis in die 1950er Jahre fest. So wurde ab 1948 in über 6.000 Exemplaren der Tatra 600 „Tatraplan“ gefertigt.

Er war eine verkleinerte Version des Vorkriegsmodells 87 mit 4-Zylinder-Motor. Dessen 52 PS reichten je nach Übersetzung für bis zu 140 km/h Spitzengeschwindigkeit – ein schöner Beleg für die Wirksamkeit des Tropfenkonzepts.

Tatraplan_Pressefoto_1949© Tatra 600 „Tatraplan“; Pressefoto aus Sammlung Michael Schlenger

Heute ist dieser Verwandte des VW Käfer ein Exot. Sieht man den Tatraplan „in natura“, wird einem klar, wie großzügig er im Vergleich zum Volkswagen war. Mit den Fertigungskapazitäten von VW hätte das Modell großen Erfolg haben können.

1952 wurde die Produktion infolge planwirtschaftlicher Fehlentscheidungen eingestellt. Tatra sollte künftig nur noch LKWs bauen. Die späteren Wagen vom Typ 613 hatten außer dem Heckmotor wenig mit ihren Vorgängern gemeinsam.

Rarer Mercedes-Benz 130 in Friedberg

Wer sich mit allen Facetten historischer Mobilität beschäftigt, macht immer wieder überraschende Funde. Das eine Mal stößt man über eine alte Reklame auf ein eigentümliches Flugzeug aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg – die Taube von Igo Etrich.

Ein anderes Mal findet man bei eBay ein Filmnegativ der Vorkriegszeit, das außer der vertrauten Burg in Friedberg in der Wetterau wenig erkennen lässt. Was man zumindest ahnt, ist ein Fahrzeug ohne Kühlergrill im Vordergrund. Ein Tatra vielleicht?

Negativ 6x9© Negativ mit Mercedes 130 in Friedberg/Hessen; Sammlung Michael Schlenger

Das Negativ kostet nur ein paar Euro und landet nach ein paar Tagen wohlbehalten in der Post. Es hat das vor dem Krieg gebräuchliche 6×9 cm-Format, das auch bei mäßiger Optik ordentliche Ergebnisse erwarten lässt.

Mangels eigener Möglichkeit zur Anfertigung eines Abzugs wird das Negativ kurzerhand eingescannt und mit einem Bildbearbeitungsprogramm in ein Positiv verwandelt. Ein Knopfdruck und auf einmal sieht man die Szene vor dem Friedberger Burgtor, so wie sie sich vor rund 80 Jahren darbot:

Mercedes-Benz_130_in Friedberg_30er_Jahre© Mercedes-Benz 130 in Friedberg/Hessen; Sammlung Michael Schlenger

Jetzt wird auch erkennbar, um was für ein Auto es sich handelt – eine echte Rarität! Denn was dort so gedrungen neben dem stattlichen Herrn steht, ist einer der seltenen Heckmotorwagen von Mercedes-Benz, genauer gesagt ein Modell 130.

Das Fahrzeug fügt sich ein in die Bemühungen vieler Hersteller jener Zeit, mit aerodynamisch optimierter Karosserie und Heckantrieb neue Wege zu beschreiten.

Im Unterschied zu Vorläufern wie Burney in England, Briggs in den USA und Tatra in Tschechien setzte man hierzulande jedoch nicht auf 8-Zylindermotoren und großzügige Karosserien. Vielmehr sah man Potential im Kleinwagensektor und beschränkte sich entsprechend auf 4-Zylinder-Aggregate.

Dabei war Mercedes in Sachen Motorleistung ähnlich defensiv wie später VW: So leistete die längs eingebaute wassergekühlte Reihenmaschine mit 1,3 Liter gerade einmal 26 PS. Bei einem Wagengewicht von fast 1.000 kg war das arg wenig, weshalb die Höchstgeschwindigkeit nur knapp über 90 km/h betrug.

Dennoch kommt Mercedes das Verdienst zu, den ersten Serienwagen dieser Art in Deutschland zustandegebracht zu haben. Von 1934 bis 1936 wurden rund 4.300 Exemplare gefertigt. Hier eine zeitgenössische Reklame mit geschönter Karosserieform und unfreiwillig komischem Verweis auf die „überraschenden Fahreigenschaften“:

MB_130_Reklame

© Reklame der 1930er Jahre; Reproduktion in der MVC-Depesche 4/1999; Sammlung Michael Schlenger

Zwar wurden das Platzangebot im Innenraum und die Ausstattung – u.a. hydraulische Bremsen, 4-Gang-Getriebe und zwei Scheibenwischer – gelobt. Doch die für einen Mercedes ungewohnte Form und das heckmotortypische Übersteuern setzten der Verbreitung des hochwertig verarbeiteten Wagens enge Grenzen. Zudem machten der zu geringe Platz für Gepäck und der kleine Tank den 130er ungeeignet für längere Fahrten.

So dürfte das Exemplar auf dem Foto bereits damals Exotenstatus genossen haben. Wie das Nummernschild verrät, handelt es sich um ein in Württemberg (Jagstkreis) zugelassenes Fahrzeug (siehe Ausschnittsvergrößerung). Wie es scheint, verfügt der Wagen noch nicht über die ab 1935 serienmäßige Zweifarblackierung.

Mercedes-Benz_130_Detail© Mercedes-Benz 130 in Friedberg/Hessen (Ausschnittsvergrößerung); Sammlung Michael Schlenger

Die Aufnahme muss zwischen 1934 und Kriegsende entstanden sein. Da der Mercedes 130 wie andere schwach motorisierte Fahrzeuge nicht von der Wehrmacht eingezogen wurde, haben relativ viele Exemplare den Krieg überlebt. Dafür sind sie dann in den folgenden Jahren meist restlos aufgebraucht worden.

Heute sind gute Exemplare des Heckmotor-Mercedes äußerst rar und sehr begehrt. Ein historisches Foto dieses interessanten Modells, noch dazu vor unserer Haustür, ist für den Liebhaber solcher Dinge ein außergewöhnlicher Fund.

Interessant ist, dass der 130er offenbar auch als Rechtslenker für den Export gebaut wurde. Dafür spricht jedenfalls das folgende Video eines Exemplars, das in Indien (!) überlebt hat.

© Videoquelle: Youtube; Urheberrecht: Prithvi Tagore

Einen Bildbericht über das konzeptionell ähnliche, aber leistungsstärkere Nachfolgermodell 170H gibt es hier.

Weitere Entdeckungen vor dem Friedberger Burgtor gibt es übrigens hier und hier.

Rallye für Veteranen bis Baujahr 1905 in Frankreich

Die Vertreter der automobilen Frühzeit haben in Frankreich bis heute viele Freunde. Tatsächlich haben französische Marken wie De Dion, Panhard und Peugeot die Autoentwicklung bis zum 1. Weltkrieg maßgeblich vorangetrieben. Von wenigen Ausnahmen abgesehen waren die wesentlichen technischen Elemente des Automobils, wie wir es kennen, damals bereits erfunden.

Gleichzeitig waren die Fahrzeuge der Pionierzeit so individuell wie vermutlich nie wieder danach. Es war eine Zeit atemberaubenden Innovationstempos und eines heute kaum vorstellbaren Wettbewerbs zwischen Erfindern, Ingenieuren und Querköpfen.

DeDion-Bouton_Rasanz_2015

© De Dion-Bouton von 1914 bei der Kronprinz Wilhelm Rasanz 2015; Bildrechte: Michael Schlenger

Automobile aus dieser untergegangenen Welt in Aktion zu erleben, ist stets ein besonderes Erlebnis, gerade weil niemand mehr eine persönliche Erinnerung an über 100 Jahre alte Fahrzeuge hat.

Wer entsprechende Veranstaltungen in Deutschland kennt – wie die Kronprinz Wilhelm Rasanz, stellt immer wieder fest, wie präsent dabei französische Fahrzeuge sind.

Die Erinnerung an die einheimischen Marken aus der Pionierzeit hält in Frankreich seit 1935 der Club „Les Teuf Teuf“ hoch. Im Oktober 2015 jährte sich zum 25. Mal die vom Club veranstaltete „Rallye des Ancetres“ für Fahrzeuge bis Baujahr 1905.

Ausgangspunkt war das Schloss von Compiègne nördlich von Paris. Von dort aus unternahmen die 42 teilnehmenden Fahrzeugen an zwei Tagen Ausfahrten mit bis zu 80km Länge.

Nur fünf der Fahrzeuge stammten nicht von französischen Herstellern, wobei ein Adler Vis-à-vis von 1901 hervorzuheben ist. Dieser wurde von einem britischen Enthusiasten gesteuert, wie überhaupt etliche englische Fahrer mit von der Partie waren. Aus Deutschland war nur ein Teilnehmer angereist, der einen in Coventry gebauten Swift von 1904 mitbrachte.

Nachfolgend die Liste aller gemeldeten Fahrzeuge mit Angabe des Besitzers.

Rallye_des_Ancetres_Teilnehmerliste_2015

Ein Großteil der Fahrzeuge ist im folgenden Video bei der Einfahrt in den Innenhof von Schloss Compiègne zu sehen. Besagter Adler fährt übrigens bei 1:42 min durch’s Bild:

© Videoquelle: Youtube; Urheberrecht: Ria B

Adler-Werbung aus Frankfurt 1935-1937

Dass Frankfurt am Main einmal ein wichtiger Industriestandort war, an dem sogar Automobile (Adler, Detra nach Tatra-Lizenz) und Karosserien (Dörr & Schreck, Kruck) gebaut wurden, ahnt der heutige Besucher der Stadt kaum. Auch die großartige Museumsmeile entlang des Sachsenhäuser Ufers übergeht diesen Aspekt der Stadtgeschichte völlig.

Dabei war das Renommee von Goethes Geburtsstadt einst auch eng mit Firmen von Rang wie dem Automobilhersteller Adler verbunden. So ist es kein Zufall, dass in den 1930er Jahren die Programmhefte zu den Römerberg-Theaterfestspielen Reklame des am Hauptbahnhof angesiedelten Unternehmens zeigten.

Kunst und Kommerz gingen einst zusammen, ohne dass dies geschmacklos erschien. Das mag auch an der grafischen Qualität der handwerklich hergestellten Anzeigen gelegen haben.

Hier die ganzseitigen Adler-Werbeanzeigen aus originalen Festspielheften der Jahre 1935, 1936 und 1937:

© Adler Original-Reklame aus Sammlung Michael Schlenger

4. Regionaltreffen ADLERWERKE

Am 26. September 2015 fand im Raum Frankfurt das 4. Regionaltreffen ADLERWERKE statt. Hier der Bericht von Manfred Schleißing, Vorsitzender des ADLER-MOTOR VETERANEN CLUB:

„Das Regionaltreffen ADLERWERKE ist eine schöne familiäre Veranstaltung, die sich als Tradition etabliert hat. Wenige Tage vorher waren erst vier Teilnehmer angemeldet….doch dann lachte die Sonne an einem warmen Herbsttag und so konnte Fahrtleiter Rolf Ackermann 32 Personen mit 19 Adler-Fahrzeugen am Treffpunkt in der Klassikstadt Frankfurt begrüßen. Darunter befanden sich einige Nicht-Mitglieder, die unser Treffen kennenlernen wollten.

Benzingespräche, ein Rundgang durch die Ausstellungsräume der Klassikstadt und ein geselliges Mittagessen schafften beste Stimmung. Bevor die alten Herren sich zu einem Nickerchen zurückziehen konnten, scheuchte sie Fahrtleiter Rolf auf die Strecke. Ausgerüstet mit Kartenskizze und Beschreibung machten wir uns auf den Weg.

Vorneweg ein hundertjähriger ADLER 5/13. Ohne Blinker, nur mit Winkkelle und viel Optimismus nahm er die teils heftigen Steigungen über Bergen-Enkheim und Vilbel nach Bad Homburg in Angriff. Trotz einer kleinen, schnell behobenen Panne lief er auf seiner Premiere nach der Vollrestaurierung 50 km zur Zufriedenheit.

In der Central Garage in Bad Homburg wartete ein weiße ADLER 18/35 von 1906 mit 4,7 Liter Hubraum und 35 PS auf uns. Er ist Mittelpunkt einer Ausstellung mit edlen alten Reisewagen unter dem Titel „Mit dem Auto in die Kurstadt“. An über 30 Stationen trifft Kurgeschichte auf Automobilgeschichte. Schwerpunkte sind die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, die 1920/30er Jahre und die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Muss man gesehen haben!

© Ausstellung Central Garage 2015; Bildrechte: Michael Schlenger; weitere Bilder hier

Die stilvolle GASOLIN Tankstelle vor der Central Garage hatte leider kein Benzin (Preis 1935 war 38 Pfennig/Liter) für uns und so ließen wir die Adler wieder Richtung Frankfurt fliegen.

Gegen 16 Uhr trafen alle im ADLERWERK ein. Dort ließen wir in Wort und Bild die 1. Clärenore-Stinnes-Erinnerungsfahrt Revue passieren. Das machte Appetit auf die geplante 2. Fernfahrt von den ADLERWERKEN nach Berlin im Juli 2016.

Letzter Höhepunkt war ein Vortrag über ein besonderes Stück Frankfurter Geschichte: den Flugplatz Rebstock von 1926 bis 1939. Hier landeten und starteten nicht nur Flugzeuge und Zeppeline, sondern auch ADLER setzte hier mit der Übernahme des GERNER Flugzeugbau 1934 zu einem kurzen Höhenflug an, der jedoch schon 1935 mit einer Bruchlandung endete.

Ein schöner Tag ging viel zu früh zu Ende. Freuen wir uns schon auf das 5. Regionaltreffen ADLERWERKE im September 2016!“

Mit freundlicher Genehmigung von Manfred Schleißing

Passend dazu: Originalreklame der Adler-Werke aus dem Kriegsjahr 1917.

Adler_Illustrirte_Zeitung_1917© Reklame aus: Illustrirte Zeitung, 1917; Sammlung Michael Schlenger