Eigentlich hatten wir das Opel 4 PS-Modell – Liebhabern von Vorkriegsautos auch als „Laubfrosch“ bekannt – auf diesem Oldtimerblog bereits umfassend gewürdigt.
Doch der Fundus des Verfassers birgt noch einige historische Originalaufnahmen dieses Typs, die zu schön sind, um im Fotoalbum weiterzuschlummern.
So gehen wir heute auf eine Tour mit dem Opel 4 PS, ohne technische Unterschiede oder Ausstattungsdetails zu erörtern. Stattdessen befassen wir uns mit Porträtaufnahmen, auf denen der Wagen nur eine Statistenrolle einnimmt.
Beginnen wir mit dem Opel 4/12 PS-Modell:

Opel 4/12 PS, Baujahr 1924; Originalaufnahme aus Sammlung Michael Schlenger
Die sieben Luftschlitze in der Motorhaube und der angedeutete Spitzkühler verraten, dass wir es mit einem der ersten Opel 4 PS-Modelle zu tun haben.
So wurde der Typ nur im Jahr 1924 gebaut. Wer sich damals einen dieser ersten Opel-Großserienwagen leisten konnte – und das war nur ein Bruchteil der Bevölkerung – durfte stolz darauf sein.
Das Paar auf der Aufnahme ließ dieselbe vom Fotoatelier Schröck im oberbayrischen Tittmoning (damals Landkreis Laufen) zur Erinnerung anfertigen.
Das war kein Schnappschuss, sondern eine professionelle Fotografie, und das Besitzerpaar durfte zufrieden mit dem gelungenen Konterfei sein:

Man präge sich bei der Gelegenheit das markante Profil der Lenkradspeichen und die Details des Verdeckgestänges ein – wir kommen noch darauf zurück.
Wer heute so einen Wagen besitzt, kann sich hier abschauen, wie man selbst mit einem 12 PS „starken“ Zweisitzer einen gelungenen Auftritt hinbekommt.
Wer sich von dem Blick der beiden nicht losreißen kann, der einen Moment vor über 90 Jahren konserviert, dem sei gesagt: es ist noch einiges auf Lager.
Hier haben wir eine weitere Porträtaufnahme, bei der ein Opel 4 PS – wohl das 1925/26 gebaute 4/14 PS-Modell – bloß eine Nebenrolle spielt:

Opel 4/14 PS, Baujahr: 1925/26; Postkarte aus Sammlung Michael Schlenger
Dies ist ein Porträt des österreichischen Schauspielers Alphons Fryland, der in den 1920er Jahren in zahlreichen Stummfilmen mitwirkte.
Leser Klaas Dierks verdanken wir folgende Details: Das Foto läßt sich anhand der Nummer auf ca. Februar 1927 datieren. In jenem Jahr war Fryland in Deutschland in sechs Filmen zu sehen, u.a. in „Das Spielzeug schöner Frauen“.
Man sieht: Einst genügte ein Opel 4 PS-Modell, um sich wirkungsvoll als Sportsmann und Frauenheld zu inszenieren.
Keck nach oben gestellte Schirmmütze, Manschettenhemd mit Krawatte sowie das Lenkrad entschlossen packende Lederhandschuhe ergeben ein perfektes Bild, das zu einem echten Sportwagen jener Zeit passen würde.
Auch hier kann man nur sagen: Es bedarf bloß einiger Details, um die Goldenen Zwanziger mit einem zeitgenössischen Wagen wiederaufleben zu lassen.
Weiter geht’s mit dem Opel 4/16 PS-Modell, wie es ab Herbst 1927 gebaut wurde:

Zu erkennen ist das Modell an der Form der Kühlermaske, die man beim US-Premiumhersteller Packard geklaut hatte – auch das ein Plagiat also.
Der nachdenklich wirkende junge Mann neben dem Opel scheint sich dagegen seinen Stil nicht woanders abgeschaut zu haben. Sein Erscheinungsbild mit Scheitel, schmaler Krawatte, Jackett und Weste in Kombination mit Knickerbocker-Hosen wirkt absolut typgerecht.
Bevor sich der Verfasser jetzt über heutige Dreiviertelhosen, Baseball-Kappen, Tätowierungen auf bleichem Gebein, Piercings im Gesicht und andere Peinlichkeiten auslässt, wenden wir uns lieber der nächsten Aufnahme zu:

Opel 4/20 PS; Originalaufnahme aus Sammlung Michael Schlenger
Die Qualität des Abzugs lässt etwas zu wünschen übrig, doch eine charmante Aufnahme ist das allemal.
So gekonnt der Opel – mit Verbindungsstange zwischen den Scheinwerfern, wohl ein später 4/16 PS oder früher 4/20 PS – hier auch inszeniert wurde, stehlen ihm die beiden kessen Thüringer Mädels auf dem Trittbrett die Schau.
Doch auch der zufrieden wirkende Schirmmützenträger hinter dem Opel ist ein angenehmer Anblick. Bei heutigen Veranstaltungen mit historischen Fahrzeugen versucht man eher, keine Zeitgenossen mit abzulichten…
Kommen wir zum nächsten Kandidaten: dieses Mal ein junger Opelfahrer, der die Lässigkeit von Filmhelden der Nachkriegszeit vorwegzunehmen scheint:
An seinem äußeren Erscheinungsbild wirkt nichts wie auf Krawall gebürstet: sauberer Kragen, ordentlich sitzende Krawatte, Armbanduhr und Ring am Finger.
Doch es ist etwas Lauerndes, Unzufriedenes an ihm – so einem traut man einiges zu. Die Mischung aus korrekter Oberfläche und abschätzigem Blick hat etwas Unheimliches.
In Hollywood hätte er damit vielleicht Chancen gehabt, doch kam der Krieg dazwischen. Die Aufnahme entstand 1935 in Freudenstadt, dazu passt die Zulassung des Opel 4/20 PS (Kennung „IV B“ für Baden).
Damit wären wir bei der letzten Version des Opel 4 PS angelangt, dessen Produktion 1931 nach über 100.000 Exemplaren endete.
Das Beste hebt man sich bekanntlich auf bis zum Schluss:

Opel 4 PS Zweisitzer; Originalaufnahme aus Sammlung Michael Schlenger
Nein, das ist keine Ausschnittsvergrößerung – diese Aufnahme wurde einst genau so gemacht – einfach perfekt!
Wer aufgepasst hat, wird an Details wie Lenkrad, Fensterrahmen und Verdeckgestänge erkennen, dass auch hier ein Opel 4 PS im Spiel ist. Doch bei diesem Foto hat der Wagen nur eine sehr untergeordnete Rolle.
Hier haben wir einen Opel-Besitzer, wie ihn sich die Werbung nicht besser hätte ausdenken können: Jung, sorgfältig gekleidet und frisiert, entschlossen blickend – stolz und glücklich!
Dieses berührende Bild verrät mehr als tausende Worte darüber, was ein Opel 4 PS im Deutschland der 1920er Jahre für seinen Besitzer bedeutete.
Solche Fotos macht man heute nicht mehr – und schon daran kann man ermessen, was sich seither verändert hat. Doch wer sich heute in seinem Opel 4 PS derartig zurechtmacht, kann sicher sein, das ihn niemand belächeln wird.
Mit stilgerechter Aufmachung ist selbst ein simples Vorkriegsauto wie dieses eine Zeitmaschine, und die Leute hungern nach allem, was sie aus ihrem banalen Arbeitsbienen- und Abgabenzahlerdasein in eine andere Welt transportiert…

Die Rinder scheinen von dieser Konkurrenz auf ihrem Viehtrieb gar nicht begeistert zu sein, obwohl Opel mit diesem Modell ebenfalls nur dem Herdentrieb folgte.


Dem finanziellen Status gemäß waren die Herrschaften im Opel deutlich „besser genährt“ als das Personal im Hintergrund, das wohl zum Hausstand gehörte.









Die Form der Vorderschutzbleche und der Kühlermaske deuten auf einen DKW F4 oder 5 hin (Bauzeit: 1934-38). Der kantige Verlauf des oberen Frontscheibenrahmens verrät aber, dass dies ein Cabriolet des Typs F5 sein muss. Den F4 gab es nur als Cabrio-Limousine, die oberhalb der Scheibe einen stabilen Querholm aufwies.





Das sind allesamt gestandene Charaktere, die trotz Anzug mit Krawatte eine natürliche Individualität ausstrahlen. Solche echten Persönlichkeiten brauchten weder auffällige Tätowierungen, durchbohrte Ohläppchen oder sonstige Insignien einer herbeiphantasierten „Stammeszugehörigkeit“.



Auch dies muss ein Typ 4/20 PS sein, und zwar eine späte Version, wie sie 1930/31 gebaut wurde. Das verrät der Verlauf der von der A-Säule ausgehenden Zierleiste.












Wer schon einmal am Deutschen Eck war, wird den nur schemenhaft sich abzeichnenden Hintergrund wiederkennen. Es handelt sich um die auf der gegenüberliegenden Rheinseite liegende Festung Ehrenbreitstein. Der Fiat muss demnach auch auf diesem Foto am Deutschen Eck stehen, die Blicke der Insassen sind auf das Reiterdenkmal gerichtet.



Der prächtige kleine Sportwagen sieht auf den ersten Blick wie ein Austin Seven Special der späten 1920er Jahre aus. Wahrscheinlich ist es aber eine Sportversion des BMW Dixi, der anfangs ein Lizenznachbau des Austin 7 war.


Im vorliegenden Fall haben wir es mit einem Opel-Spitzkühler zu tun, worauf die dem Kühlerausschnitt folgende Sicke hinweist. Die übrigen auf dem Ausschnitt zu sehenden Details sind zwar weniger markant, passen aber allesamt zum Erscheinungsbild eines Opel der frühen 1920er Jahre. 
© Opel 8/25 PS, 1913; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

In Fahrtrichtung links außen sieht man einen wohl mechanisch betätigten Fahrtrichtungsanzeiger. Die geneigte V-förmige Windschutzscheibe – damals sehr sportlich wirkend – ist auf der Fahrerseite horizontal unterteilt, das Oberteil ist ausklappbar. Rechts am Scheibenrahmen sieht man einen kleinen Knauf zur Fixierung dieses Ausstellfensters. Darunter ist die damals übliche Kombination aus Suchscheinwerfer und Rückspiegel montiert.

Auch wenn der linke Teil des Kennzeichens durch die vordere Rahmenspitze und die Blattfederaufnahme teilweise verdeckt ist, braucht es nicht viel Fantasie, um dort „SAAR“ zu lesen. Tatsächlich wurde diese Buchstabenkombination von 1920-35 im Saargebiet vergeben, das offiziell unter Verwaltung des Völkerbunds stand, faktisch aber französisch besetzt war und wirtschaftlich Frankreich angegliedert war, das erheblichen Nutzen aus den Bodenschätzen der Region zog.


© Ausschnitt Originalfoto Opel; Sammlung: Michael Schlenger 
















































