1951: Ein 3er BMW der Vorkriegszeit in Bayern

Beim Stichwort 3er-BMW denken die meisten Auto-Enthusiasten an die sportlichen Münchener Mittelklassewagen, die seit den 1970er Jahren gebaut werden. Bei  Klassikerfreunden gelten auch gut motorisierte BMW 02 bereits als Vorläufer des „Dreier“.

Auf diesem Blog wurden jedoch schon einige 3er-BMW der Vorkriegszeit vorgestellt, die das Konzept des sportlichen Familienwagens vorwegnahmen (Bildberichte BMW 303 und 319).

Sie boten Sechszylinder-Laufkultur, gutes Leistungsgewicht und erstmals die nierenförmige Kühlermaske, die bis heute – wenn auch in geschrumpfter Form – das einzigartige „Gesicht“ eines BMW ausmacht.

BMWs dieses Typs wurden im 2.Weltkriegs sogar in einer speziellen Kübelwagen-Version für die Wehrmacht gebaut. Der kompakte und leichte Dreier war zwar nicht für den Geländeeinsatz gedacht, scheint sich aber im Vergleich zu den schweren Kübelwagen von Adler, Hanomag, Horch, Mercedes und Wanderer bewährt zu haben.

Nach 1945 wurden die überlebenden BMW 3er noch eine ganze Weile geschätzt, wie das folgende Originalfoto zeigt:

BMW_315_oder_319_Garmisch-P_1951_Galerie

© BMW 315 oder 319; Originalfoto aus Sammlung: Michael Schlenger

Das Bild ist laut umseitiger Beschriftung 1951 entstanden. Der BMW dürfte ein 315 oder 319 sein und zwischen 1934 und 1937 gebaut worden sein.

Genauer lässt sich das nicht sagen, da die junge Dame auf unserem Foto so posiert, dass die Luftschlitze in der Motohaube verdeckt sind, deren Form eine nähere Ansprache ermöglichen würde. Ansonsten unterschieden sich die ersten 3er BMWs äußerlich kaum.

Das Nummernschild ist ein Besatzungskennzeichen, das in der amerikanischen Zone Bayern ausgegeben wurde – daher das Kürzel „AB“. Die Ziffernfolge 35 verweist auf eine Zulassung in Garmisch-Partenkirchen. Unter dem Bindestrich ahnt man eine zweistellige Zahl. Das muss eine 48 sein, da Besatzungskennzeichen nur im Jahr 1948 eine solche Datierung erhielten.

Der BMW war zum Aufnahmezeitpunkt mindestens 14 Jahre alt. Vermutlich ist er im Krieg nicht eingezogen worden, da der Besitzer einen zwingenden Bedarf nachweisen konnte – vielleicht gehörte der Wagen einem Landarzt.

Gegen ein ehemaliges Wehrmachtsfahrzeug spricht auch der hervorragende Zustand der Chromteile, die im Feldeinsatz überlackiert worden wären. Blech und Lack machen ebenfalls einen ausgezeichneten Eindruck; auch Fremdteile wurden nicht verbaut.

Es muss ein warmer, sonniger Tag gewesen sein, als dieses Bild im Jahr 1951 entstand. Unser „Fotomodell“ hätte auch vor dem Krieg gute Figur gemacht. Kleidung und Frisuren entsprachen Anfang der 1950er Jahre europaweit den Vorkriegsverhältnissen.

Der Fotograf muss mächtig stolz auf beides gewesen sein: Gefährtin und Gefährt in schweren Zeiten. Ein nachdenklich machende Aufnahme, die nicht verrät, was die beiden in den Jahren zuvor erlebt haben.

BMW Kübelwagen der 1930er Jahre im Militäreinsatz

Wer denkt beim 3er-BMW nicht an die knackigen Sportlimousinen der 1970er und 80er Jahre, die seinerzeit Agilität und Alltagstauglichkeit wie kein anderes deutsches Auto ihrer Klasse vereinten und bis heute begeistern?

Doch der Dreier hat eine viel längere Tradition, die bis in die Vorkriegszeit zurückreicht. Mit den Sechszylinder-Modellen 303, 315 und 319 reklamierte BMW schon damals eine Nische, in der der Marke kein Konkurrent das Wasser reichen konnte.

Noch weniger bekannt dürfte sein, dass es auch Kübelwagenversionen des 3er BMWs für das Militär gab. Diese ist auf zeitgenössischen Fotos eher selten zu finden, da die Kübelwagen von Horch, Mercedes, Stoewer und Wanderer prestigeträchtiger waren und weit öfter im Kriegseinsatz fotografiert wurden.

Mit etwas Geduld finden sich aber auch Originalaufnahmen des BMW „Kübel“, die von den Nehmerqualitäten der seriennahen Konstruktion zeugen. Hier ein Beispiel aus der Vorkriegszeit:

© BMW 3er Kübelwagen im Geländeeinsatz; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Das leicht verwackelte, dennoch reizvolle Foto zeigt einen BMW Kübelwagen bei einer Bachdurchfahrt.

Um welches Modell genau es sich handelt, ist schwer zu sagen. Die ersten BMW 3er ähnelten sich von vorne stark – erst die Seitenansicht ermöglicht die Identifikation der Motorisierung, die vom 900ccm Vierzylinder bis zum 1,9 Liter Sechsyzlinder reichte.

Leider sind auf der Rückseite des Fotos keine Hinweise zur Aufnahmesituation vermerkt. Doch mit etwas Spürsinn lässt sich der Anlass identifizieren. Dazu werfen wir einen näheren Blick auf das Bild:

Auffallend ist, dass der im Auto stehende, behelmte Soldat die Bachdurchfahrt zu genießen scheint. Im Auto dahinter – wohl ebenfalls ein BMW Kübelwagen – ist ebenfalls ein aufgerichteter Soldat zu sehen. Die Situation und das Fehlen von Tarnüberzügen an den Scheinwerfern spricht gegen einen Schnappschuss im Kriegseinsatz und eher für eine routinemäßige Geländeprüfung in Friedenszeiten.

Im Hintergrund sind einige Zuschauer wahrzunehmen, eventuell Angehörige der Hitler-Jugend, die wenig später ungefragt für die außenpolitischen Vorhaben der Berliner Führung herhalten mussten.

Dazu bestand ab 1939 bekanntlich umfassend Gelegenheit und so gelangten die eher kompakten BMW-Kübelwagen an diversen Fronten zum Einsatz: © BMW 3er Kübelwagen (Vordergrund); Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Wo dieses Foto mit einem ganzen Rudel an BMW-Kübelwagen entstand, ist ungewiss. Es dürfte eine Situation kurz vor Kriegsausbruch zeigen, worauf der Wachsoldat links mit Stahlhelm und geschultertem Karabiner K98 hinweist.

Die Nummernschilder der vorderen Wagen verweisen auf eine Einheit, die im Wehrkreis Dresden ausgehoben wurde (Quelle). Von den übrigen Fahrzeugen der unbekannten Wehrmachts-Einheit lassen sich einige weitere identifizieren:

So dürfte der Wagen mit geschlossenem Verdeck ein Kübelwagen des Typs Wanderer W11 sein, der auf diesem Blog noch näher vorgestellt wird.

Bei den Krädern scheint es sich um Solomaschinen zu handeln, vermutlich vom Typ DKW NZ 350, der sich als leichtes und robustes Meldemotorrad bis Kriegsende bewährte.

Die Identifikation der leichten LKW im Hintergrund bleibt interessierten Lesern überlassen, da dieser Blog sich auf Personenkraftwagen beschränkt. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang das Netz-Fotoalbum von Holger Erdmann, das die Kraftfahrzeuge der Wehrmacht mit Ausnahme von Panzern umfassend und kenntnisreich vorstellt.

Ein Nachkriegs-Ford aus England mit BMW-Kühlergrill

Der BMW-Konzern – offiziell hartnäckig als BMW Group bezeichnet – feiert 2016 sein 100-jähriges Bestehen. Grund genug, auch in diesem Blog der deutschen Traditionsmarke mit dem Propelleremblem einige PKW-Porträts zu widmen.

Die ersten Gehversuche von BMW im Autobau bis hin zu den frühen 6-Zylindermodellen der 1930er Jahre haben wir hier bereits mit Originalfotos dokumentiert (Bildergalerie bzw. Berichte).

Bevor es mit den BMW-Vorkriegsmodellen weitergeht, unternehmen wir zur Abwechslung einen Ausflug in die 1950er Jahre. Dort findet sich ein interessantes Beispiel für das Weiterleben des BMW-Gesichts mit der langgezogenen Doppelniere der Vorkriegszeit.

Wer hier mit Blick auf das britische Nummernschild und das typisch englische Fachwerk im Hintergrund auf einen Frazer-Nash nach BMW-Vorkriegslizenz oder einen von BMW inspirierten Bristol der Nachkriegszeit tippt, liegt falsch.

© Ford Anglia bzw. Popular der 1950er Jahre; Originalaufnahme aus Sammlung Michael Schlenger

Bei dem Wagen handelt es sich – so unglaublich es klingt – um einen Ford der späten 1940er und frühen 1950er Jahre. Das äußerlich ansprechende Auto bot unter dem Blech spartanische Technik und war seinerzeit der billigste PKW aus britischer Produktion.

Der simple Wagen mit seinem seitengesteuerten 4-Zylinder mit 1 Liter Hubraum und mechanischen Bremsen war in fast jeder Hinsicht veraltet. Dass Ford dennoch Erfolg mit dem Auto hatte, lag am extrem niedrigen Preis und der desolaten Lage der britischen Bevölkerung.

Dazu muss man wissen, dass England nach dem mit US-Hilfe gewonnenen Krieg kein wirtschaftlicher Aufschwung gelang, wie das in Deutschland nach der Währungsreform und den marktwirtschaftlichen Reformen von Ludwig Erhardt der Fall war.

Die Briten laborierten  – wie die Franzosen auch – bis in die 1970er Jahre mit einer planwirtschaftlichen Politik nach sozialistischem „Vorbild“, die zu Fehlentwicklungen in der Wirtschaft und permanenten Mangel führte.

Vor diesem Hintergrund bot Ford of Britain nach dem Krieg zunächst keine Neukonstruktion wie Borgward mit dem Hansa oder Fiat mit dem 1400er. Selbst Peugeot gelang trotz kriegsbedingter Zerstörungen mit dem 203 ein brillianter Neuanfang.

Offenbar blieb Ford nur die Option, dem Vorkriegsmodell Ford „Anglia“ ein neues Gesicht zu geben, das sich wohl an den sportlichen BMW-Modellen der 1930er Jahre orientierte, die auch in England hochangesehen waren:

Der 1949 mit dem markanten BMW-Gesicht ausgestattete Ford Anglia lief zwar 1953 aus. Doch bestand noch bis Ende der 1950er Jahre in England Bedarf an einem so einfachen Wagen. Daher baute Ford den Wagen kurzerhand als Ford „Popular“ weiter.

Wie der Name schon sagt, war dieses Modell als britischer „Volkswagen“ gedacht, wobei Morris mit dem neukonstruierten Minor in jeder Hinsicht das bessere Auto anbot. So gesehen markierte der Ford Popular den Anfang des Abstieg des einstigen Pioniers der Massenmotorisierung.

Ob es sich bei dem Wagen auf unserem Foto nun um einen Ford „Anglia“ oder einen „Popular“ handelt, kann vielleicht ein Kenner der britischen Ford-Automobile sagen. Anhand von Kleidung und Frisur der jungen Mutter lässt sich das Bild jedenfalls auf die erste Hälfte der 1950er Jahre datieren.

BMW 3/20 PS der 1930er Jahre in der Nachkriegszeit

Kürzlich haben wir hier den ersten von BMW selbstkonstruierten Wagen vorgestellt – das Modell 3/20 PS von 1932.

Man mag es kaum glauben, doch nach den Anfängen mit einem Lizennachbau des britischen Kleinwagens Austin Seven leistete der erste „echte“ BMW nur 20 PS. Doch dann machte die Automobilentwicklung im Eisenacher Werk der Firma rapide Fortschritte – so waren die ab 1933 vorgestellten 6-Zylinder-Modelle bereits eine Klasse für sich.

Trotz der steilen Karriere der ersten sportlichen BMWs überlebten auch einige der wenig überzeugenden Wagen des 3/20 PS-Modells den 2. Weltkrieg.

So kündet auch folgendes in den 1950er Jahren entstandene Originalfoto eines BMW 3/20 PS Cabriolets trotz des Alters des Wagens von Besitzerstolz:

© BMW Typ 3/20 PS Cabriolet; Originalaufnahme aus Sammlung Michael Schlenger

Nun mag man sich fragen, wie sich der nur ausschnitthaft abgebildete Wagen so genau identifizieren lässt. Schließlich ist außer dem zusammengelegtem Verdeck, dem Innenraum und Teilen der Motorhaube kaum etwas zu sehen.

Wie so oft bei solchen eher zufälligen Aufnahmen, bei denen das Auto nicht im Mittelpunkt steht, sind es kleine Details, die den entscheidenden Hinweis geben. Im vorliegenden Fall ist es die Zierleiste mit dem mittigen Oval auf der Tür.

Dieses Detail findet sich nach den Recherchen des Verfassers nur beim BMW 3/20 PS und dort auch nur beim 2-türigen Cabriolet. Für die Zuschreibung als BMW spricht auch das oben auf dem Kühler montierte, hier nur schwach zu erkennene Markenemblem.

Bei der Datierung hilft der im Hintergrund zu sehende Volkswagen mit Faltschiebedach und seitlich in der B-Säule montiertem Winker:

Das Faltdach war beim VW erstmals ab 1950 als Extra lieferbar, die Winker wurden bis 1960 verbaut. Kenner können das Baujahr des Käfers anhand der Stärke der Karosserieholme und der Chromleisten vielleicht noch weiter einengen.

Der Fahrer des BMW mit weitgeschnittenem Zweireiher-Jackett scheint wohlgenährt zu sein – vermutlich ist die Aufnahme in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre entstanden, als das Wirtschaftswunder auch auf die Statur vieler Bundesbürger durchschlug.

Ein selten zu sehendes Detail ist das elfenbeinfarbene Federspeichenlenkrad des BMW, das möglicherweise ein zeitgenössisches Nachrüstteil ist. Hier sind die Experten für frühe BMW-Modelle gefragt.

Der BMW scheint zum Aufnahmezeitpunkt trotz seines Alters von rund 20 Jahren noch in sehr gepflegtem Zustand gewesen zu sein. Er ist im Krieg offenbar nicht von der Wehrmacht eingezogen worden, obwohl auch leistungsschwache Wagen für frontferne Verwendungen durchaus requiriert wurden.

Heute ist ein solches 3/20 PS-Modell eine Rarität – die zur Geschichte der BMW-Automobile ebenso gehört wie die auch nicht gerade sportliche, aber charakterstarke Isetta.

BMW 319 Limousine im Berlin der Nachkriegszeit

Kürzlich wurde hier die Cabriolet-Version des BMW 319 der 1930er Jahre vorgestellt. Dabei waren die zur Identifikation des Modells entscheidenden Details nur schwach zu erkennen.

Auch wenn der 319er in seiner kurzen Bauzeit von 1935-37 nur einige tausend Mal gebaut wurde, ist dem Verfasser nun ein weiteres Originalfoto in die Hände gefallen. Darauf sind die typischen Elemente deutlich zu sehen:

© BMW 319 Limousine, Baujahr:  1935-37; Bildrechte: Michael Schlenger

Hier haben wir es mit der zweitürigen Limousine zu tun, die den Sechszylinder braver wirken lässt, als er tatsächlich war. Mit seinen 45 PS aus 1,9 Liter Hubraum war er den meisten deutschen Wagen seiner Klasse leistungsmäßig überlegen.

Alle damaligen 3er-Typen der Marke zeichnete außerdem das neu geschaffene BMW-Gesicht mit der Doppelniere aus. Nur Rosengart in Frankreich und der britische Ford Popular wiesen einen ähnlichen Kühlergrill auf – die BMW-Lizenznachbauten von Frazer-Nash natürlich auch.

Von den kleineren Modellen 305, 309 und 315 unterschied sich der BMW 319 vor allem durch die drei waagerechten Chromzierleisten auf den Seitenflächen der Motorhaube. Die großen Radkappen sind ein weiteres Indiz. Ansonsten waren die Serienkarosserien der ersten „Dreier“-BMWs nahezu identisch.

Insofern eignet sich dieses Foto gut als Muster zur Identifikation des BMW 319. Bei weiteren Details – etwa den Scheinwerfern – ist dennoch etwas Vorsicht angebracht.

Denn dieses Auto war zum Zeitpunkt der Aufnahme schon über 10 Jahre alt und hat den 2. Weltkrieg hinter sich. Das belegt das Kürzel „KB“ auf dem Nummernschild, das ab 1946 in Berlin unter Besatzungsrecht vergeben wurde und für „Kommandantur Berlin“ stand.

Der Lack des Autos sieht an der Tür zwar etwas herunterpoliert aus, doch ansonsten macht der Wagen einen erstaunlich gesunden Eindruck. Dagegen sieht man in der Nachkriegszeit fotografierten Autos der 1930er Jahre ihr bewegtes Leben meist deutlich an. Oft ist die Karosserie verbeult, es fehlen Teile oder es wurden fremde verbaut.

Auf unserem Foto dürfte aber noch alles original sein. Wenn der BMW auch die nächsten 10 Jahre so überstanden hat, stehen die Chancen gut, dass er noch heute existiert.

Offen ist übrigens, um was für ein Auto es sich bei dem Wagen hinter dem BMW handelt:

Leider ist der Schriftzug auf dem Kühler nicht zu entziffern. Doch die Kühlerform mit dem vage zu erkennenden Emblem zusammen mit der fast senkrecht stehenden Frontscheibe sollten eine Identifikation ermöglichen.

Vielleicht hat ein Leser eine zündende Idee…

Der erste „echte“ PKW von BMW: Typ 3/20 PS von 1932

Allmählich schließen sich auf diesem Blog die Lücken bei der Dokumentation der frühen BMW-Automodelle der Vorkriegszeit.

Der aus einem Austin-Seven-Lizenznachbau abgeleitete erste BMW 3/15 PS von 1929 wurde hier bereits präsentiert – im Zusammenhang mit der Vorgängermarke „Dixi“ aus Eisenach. Nach diesen bescheidenen Anfängen erkannte BMW schnell die Notwendigkeit einer zeitgemäßeren Konstruktion.

So schuf man beim ersten „echten“ BMW – dem 1932 vorgestellten Typ 3/20 PS – einen verbesserten Rahmen und einen moderneren Motor mit hängenden Ventilen. Die selbstkonstruierte Vorderachse stellte aber einen Rückschritt dar, selbst gegenüber dem veralteten Vorbild von Austin.

Auch in gestalterischer Hinsicht kann man den Wagen nur als „konservativ“ beschreiben. Wie flott ein deutscher Kleinwagen in der ersten Hälfte der 1930er Jahre aussehen konnte, zeigte der sächsische Hersteller DKW mit seinen Frontantriebsautos.

Immerhin waren die offenen Versionen des BMW 3/20 PS recht ansehnlich:

© BMW 3/20 PS, 1932-34; Foto aus Sammlung Michael Schlenger

Bei diesem Exemplar hatte der Besitzer mit einem modischen Steinschlaggitter vor dem Kühler dem Wagen eine etwas dynamischere Optik gegeben.

Die übrigen Details – das Kühlwasserthermometer mit BMW-Logo, die geschwungene Verbindungsstange zwischen den Scheinwerfern, die Form der Kotflügel und die vertikalen Luftschlitze in der Motorhaube – verweisen auf das Modell 3/20 PS.

Interessant ist der Aufbau als zweifenstrige Cabriolimousine. In der einschlägigen Literatur findet man neben der biederen geschlossenen Variante zwar auch einen Roadster und ein Cabriolet – außerdem eine 4-fenstrige Limousine mit Rolldach.

Die hier abgebildete Variante mit festen Fensterrahmen, nur zwei Fenstern und Cabrioletverdeck scheint jedoch eine Sonderanfertigung gewesen zu sein. Vielleicht weiß ein Leser mehr darüber.

Zu Ort und Zeitpunkt der Aufnahme lässt sich Folgendes sagen: Das Nummernschild ist ein Besatzungskennzeichen, das in der amerikanischen Zone „Hessen“ ausgegeben wurde – daher das Kürzel „AH“. Die anschließende Zahl 54 verweist auf den Zulassungsbezirk Frankfurt-Höchst.

Wer genau hinschaut, sieht auf dem Foto im Hintergrund blühende Obstbäume in einer waldreichen Hügellandschaft.

Vermutlich ist das Foto bei einer Frühjahrsausfahrt im nahen Rheingau oder Taunus entstanden – dank weitgehender Abwesenheit industrieller Wind“parks“ heute immer noch ein Paradies für Erholungssuchende und Klassikerfahrer.

Die rückseitige Aufschrift verrät sogar das Entstehungsjahr der Aufnahme: Es war das Jahr 1952, als der BMW bereits an die 20 Jahre alt war. Das Auto macht einen gepflegten Eindruck und der Besitzer war stolz darauf. Sonst hätte er seine Frau und den Buben hinter dem Steuer kaum so abgelichtet.

Dennoch standen die weiteren Überlebenschancen für Vorkriegsautos damals schlecht. Viele Leute wollten nach dem verlorenen Krieg und den harten Jahren des Wiederaufbaus nichts mehr von der Vergangenheit wissen.

Dem radikalen Neubeginn sind neben übriggebliebenen architektonischen Schätzen – speziell in Frankfurt am Main – damals auch zahllose Autos zum Opfer gefallen.

Einigen Querköpfen haben wir es aber zu verdanken, dass es dennoch Exemplare solcher unspektakulären Vorkriegsautos gibt, die einst der ganze Stolz der Familie waren.

Der 3er mausert sich: BMW 319 Cabriolet von 1935

BMW gehört heute zu den Automarken mit dem höchsten Renommee. Das hat sich die Firma über Jahrzehnte erarbeitet und mit jeder Typengeneration auf’s Neue verdient.

Vielen Autofreunden sind allerdings nur die Modelle nach dem mühsamen Neuanfang der Marke nach dem 2. Weltkrieg geläufig. Doch die Geschichte der PKW-Produktion von BMW reicht zurück bis in die späten 1920er Jahre.

Dabei begann BMWs Autohistorie einst sehr bescheiden. Der erste PKW der Marke war ein Lizenznachbau eines englischen Massenfabrikats, des Austin 7. Dieser als BMW Dixi bekanntgewordene Kleinwagen wurde auf diesem Blog bereits besprochen:

© BMW 3/15 PS nach Austin-Lizenz, Baujahr 1929-32; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Es ist bemerkenswert, dass deutsche Hersteller in den 1920er Jahren keinen kommerziell überzeugenden eigenen Entwurf in dieser Klasse vorlegen konnten – auch Opels Erfolgsmodell 4PS „Laubfrosch“ war die Kopie eines französischen Vorbilds.

Doch BMW machte nach der Einführung des Dixi enorme Fortschritte und zeigte mit jedem neuen Typ, dass man „nach oben“ wollte. Ab 1933/34 bot man die 6-Zylindermodelle 303 und 315 an, die etwas von BMWs kommender Klasse ahnen ließen:

© BMW 303, Baujahr 1933-34; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Aus dem BMW 303 bzw. 315 leitete man 1935 das Modell 319 ab, das ebenfalls über einen 6-Zylindermotor verfügte, nun aber mit 1,9 Liter Hubraum.

Der Wagen entsprach äußerlich weitgehend seinen Vorgängern, übernahm aber das für den Sporttyp 319/1 entwickelte leistungsfähigere Aggregat, das bereits über drei Vergaser und halbkugelige Brennräume verfügte wie später der legendäre BMW 328.

Eines von nur rund 100 gebauten Exemplaren dieses BMW 319/1 Roadsters war 2014 bei den Classic Days auf Schloss Dyck am Niederrhein zu bewundern:

© BMW 319/1 Roadster, Baujahr:  1935/36; Bildrechte: Michael Schlenger

Während diese Sportversion über 55 PS verfügte, die ein Spitzentempo von 130 km/h ermöglichte, war die „zivile“ Zweivergaservariante des BMW 319 auf 45 PS gedrosselt. Damit waren immer noch 115 km/h Höchstgeschwindigkeit drin. Man muss dies im Vergleich zu den meisten anderen Autos jener Zeit sehen, die nur 80-100 km/h erreichten.

Auf den oft noch unbefestigten Landstraßen der 1930er Jahre fühlten sich 100 km/h schon ungeheuer schnell an. Und seien wir ehrlich: Abseits unserer Autobahnen wird heute von so vielen Zeitgenossen mit 70 Stundenkilometern herumgeschlichen, dass man auch heute mit 40-50 PS mühelos mithalten kann.

Der BMW 319 in der Serienausführung, um den es hier geht, wurde von 1935-37 in rund 6.500 Exemplaren gebaut. Das war auch für damalige Verhältnisse wenig, weshalb man nicht oft auf ein originales Foto dieses Wagens stößt:

© BMW 319 Cabriolet, Baujahr: 1935-37; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Zwar scheint auf den ersten Blick auf dieser Aufnahme nichts Typspezifisches zu sehen zu sein. Doch wie so oft bei alten Autofotos, die aus ungewöhnlichen Perspektiven aufgenommen wurden, macht es sich bezahlt, genauer hinzuschauen und schon einige zeitgenössische Wagentypen studiert zu haben.

So liefert uns die Frontpartie den entscheidenden Hinweis zur Identifikation:

Hier kann man auf dem Seitenteil der Motorhaube drei Chromleisten auf den waagerecht verlaufenden Luftschlitzen  erkennen. Dieses Detail gab es nur beim BMW 319 – man fragt sich unwillkürlich, ob damit bereits der 3er BMW visualisiert werden sollte.

Dass die Autokäufer der 1930er Jahre bereits vom 3er BMW sprachen, ist aber eher  unwahrscheinlich. Es gab ja in der Vorkriegszeit ausschließlich Wagen der Marke, deren Typbezeichnung mit einer „3“ begann.

Trotz der Unschärfe der Frontpartie gut zu erkennen sind die großen tropfenförmigen Scheinwerfer, die komplett verchromt waren – keineswegs selbstverständlich in dieser Wagenklasse.

Werfen wir nun einen Blick auf die Heckpartie des Wagens:

Hier sieht man recht gut die Gestaltung der Radkappen, die größer waren als beim BMW 315 – neben den erwähnten Chromleisten der einzige äußerliche Unterschied der beiden Motorvarianten.

Die Zweifarblackierung und die farblich abgesetzte Zieleiste wirken elegant – leider wird dieser Eindruck durch das unglücklich gezeichnete Heck zunichtegemacht. Statt des senkrechten Abschlusses mit angesetztem Koffers wäre ein schräg abfallendes Heck mit integriertem Kofferraum angemessen gewesen.

Vermutlich handelt es sich um eine im Eisenacher BMW-Werk montierte Karosserie von Ambi-Budd. Daneben gab es deutlich gelungenere Aufbauten von anderen Anbietern.

Zuletzt noch ein Blick auf die großgewachsene junge Dame, die so dekorativ vor dem BMW steht und versonnen in die Ferne zu schauen scheint:

Das figurbetonte, fast schmucklose Kleid und der Pelzüberwurf sind typisch für die Mitte der 1930er Jahre. Auch  der keck sitzende Hut mit schmaler Krempe passt in die Zeit. Demnach war der von 1935-37 gebaute BMW zum Aufnahmezeitpunkt noch recht neu.

Der BMW 319 belegte damals eine Nische, in der die einheimische Konkurrenz praktisch nicht vertreten war. Zum vergleichbaren Preis bekam man bei Adler, Ford, Hanomag oder Opel keinen Wagen mit ähnlicher Leistung. Die 6-Zylinder-Modelle von Mercedes und Wanderer derselben Hubraumklasse waren weit teurer und viel behäbiger.

Man sieht erst im Vergleich der Leistungswerte mit anderen Wagen jener Zeit, dass BMW sich bereits damals mit sportlichen Fahrzeugen von der Konkurrenz absetzte.

 

BMW gegen Opel: Rallyeautos der 1930er Jahre

Einige frühe PKW-Modelle von BMW wurden auf diesem Blog bereits anhand von Originalfotos präsentiert – der Erstling BMW Dixi, das 6-Zylindermodell BMW 303 und die äußerlich ähnliche 4-Zylinderversion BMW 309.

Heute ist der Nachfolger des 303 an der Reihe – der BMW 315, dessen 6-Zylindermotor auf 1,5 Liter gewachsen war und 34 PS leistete.

Man mag mit einem „Dreier-BMW“ andere Leistungen verbinden, doch in den 1930er Jahren erarbeiteten sich die Bayern mit der Autofabrikation in Eisenach erst ihren Ruf. Das taten sie Schritt für Schritt und durchaus überzeugend.

Das folgende, außergewöhnliche Originalfoto unterstreicht dies eindrucksvoll:

© BMW Roadster, BMW 315 und Opel 2 Liter; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Der Abzug ist schon etwas mitgenommen, das Foto an sich ist aber ansprechend komponiert und einwandfrei belichtet. Es zeigt drei Fahrzeuge, die offenbar an einer Rallye teilgenommen haben.

Dafür sprechen nicht nur die seitlich aufgeklebten oder gemalten Starternummern, sondern auch die verdreckten Karosserien. Die Konstellation ist hochinteressant, sieht man doch, welch‘ unterschiedliche Fahrzeuge einst gegeneinander antraten.

Beginnen wir mit dem Roadster ganz links:

Der prächtige kleine Sportwagen sieht auf den ersten Blick wie ein Austin Seven  Special der späten 1920er Jahre aus. Wahrscheinlich ist es aber eine Sportversion des BMW Dixi, der anfangs ein Lizenznachbau des Austin 7 war.

Kenner werden vielleicht anhand von Details sagen können, um welches Modell genau es sich handelt. Jedenfalls scheint der Wagen keine Standard-Werkskarosserie zu besitzen. Wer sich einen Special auf Basis eines BMW Dixi aufbauen will, findet hier jedenfalls eine stilistisch überzeugende Vorlage.

Kommen wir zum Wagen in der Mitte, einem BMW 315:

Der Wagen entsprach äußerlich weitgehend seinem Vorgänger BMW 303 und auch das Vierzylinder-Modell 309 sah sehr ähnlich aus. Die eigenwillige Anordnung der auf sechs Felder verteilten Luftschlitze in der Motorhaube spricht aber für einen BMW 315 des Baujahrs 1934.

Mit seinem Gewicht von vollgetankt rund 850 kg ließ sich der BMW von einem engagierten Fahrer recht flott bewegen. Dabei fiel die Spitzenleistung erst bei 4.000 U/min an – der Motor war für die damalige Zeit ungewöhnlich drehfreudig.

Eine ganz andere Charakteristik wies der daneben stehende Opel mit 2 Liter messendem 6-Zylindermotor auf. Er leistete trotz um ein Drittel größeren Hubraums gegenüber dem BMW 315 gerade einmal 2 PS mehr, die bei 3.300 U/min. anfielen.

Mit einem Wagengewicht von über 1.000 kg dürfte der Opel dem agilen BMW in sportlicher Hinsicht unterlegen gewesen sein. Dass überhaupt ein Fahrer die behäbig wirkende Rüsselsheimer Limousine als Wettbewerbsfahrzeug einsetzte, spricht für einen gewissen Enthusiasmus, der fehlende PS mitunter ersetzen kann.

Leider wissen wir nichts über den Anlass, bei dem diese Fahrzeuge gegeneinander antraten. Dem Nummernschild zufolge waren es in Niederbayern zugelassene Wagen, die wohl bei einer lokalen Sportveranstaltung eingesetzt wurden.

BMW 3er mit 900ccm unterwegs mit der Eisenbahn…

Der Titel lässt zunächst einen humoristischen Beitrag erwarten – nach dem Motto: einen noch halbwüchsigen BMW transportiert man besser per Bahn, als ihn auf die Straße zu lassen. Doch der Hintergrund ist ein ernster, wie wir gleich sehen.

Besagter 3er BMW mit 900 Kubik ist der bereits präsentierte Typ 309, den BMW von 1934-36 den neuen Sechszylindermodellen 303, 315 und 319 zur Seite stellte. Mit seinem 20 PS „starken“ 4-Zylinder-Motor bot er natürlich nichts von dem sportlichen Image, das BMWs 3er Reihe der Vorkriegszeit begründen sollte. 

Aber es gab zunehmende Nachfrage in Deutschland in der Einsteigerklasse, bis dato das Revier von DKW, Hanomag und Opel. Mit seiner modernen Ganzstahlkarosserie und der markanten Frontpartie konnte der BMW 309 durchaus punkten.

Wie kommt nun ein solcher Kleinwagen auf einen Eisenbahnwaggon, wird man sich beim Anblick des folgenden Originalfotos fragen?

© BMW 309, Bj. 1935-36; Originalaufnahme aus Sammlung Michael Schlenger

Das Foto gewährt eine ganz ungewohnte Perspektive auf das Auto. Es ist auch unter außergewöhnlichen Umständen entstanden, nämlich bei einer Truppenverlegung per Güterzug mitten im 2. Weltkrieg.

Die matte Lackierung, die Tarnabdeckungen auf den Scheinwerfern und natürlich die gesprengte Brücke sprechen für sich. Auf dem Nummernschild ist das Kürzel „WL“ zu erkennen, was für „Wehrmacht Luftwaffe“ stand.

Leider erlauben die dem Verfasser zugänglichen Quellen keine Identifikation des auf dem Schutzblech aufgemalten Zeichens, das für die Art der Einheit bzw. die Zugehörigkeit zu einem Großverband stehen kann.

Auch sonst fehlen direkte Hinweise auf Aufnahmeort und -zeitpunkt. Einige Rückschlüsse lassen sich aber aus der Gesamtsituation ziehen. Die Architektur im Hintergrund – speziell der spitze Kirchturm – spricht eher für die Westfront als für eine Gegend im Osten oder Süden. 

Wahrscheinlich ist das Foto in Belgien oder Frankreich entstanden, wo im Sommer 1940 vielerorts Brücken gesprengt wurden, um den deutschen Vormarsch zu behindern. Bekanntlich hat das nichts genützt – der Westfeldzug endete nach nur sechs Wochen mit der französischen Kapitulation.

Der Zug fährt auf unserem Foto vermutlich über eine von Pionieren errichtete Behelfsbrücke. Auch an der zerstörten Brücke nebenan sind Aufräumarbeiten im Gange. Die entspannte Atmosphäre der Aufnahme spricht für eine Situation in bereits besetztem Gebiet, in dem keine Kämpfe mehr stattfinden.

Wer genau hinsieht, kann in dem BMW mit Tourenwagenaufbau einen vergnügten Landser erkennen, der zumindest hier nichts zu befürchten hat. Wohin die Reise ging, erfuhren die Truppen erst am Ziel. Solange genoss man den vergleichsweise bequemen Bahntransport – und sei es auf dem Güterwagen.

Die Einheit, der der kleine BMW angehörte, hatte vielleicht logistische Aufgaben und verrichtete im günstigsten Fall einen eher ruhigen Dienst. In Frankreich war man auch mit einem BMW mit 20 PS ausreichend motorisiert, hier gab es kein vergleichbar schweres Gelände wie in Russland oder in Afrika zu bewältigen.

Was aus dem Wagen – sicher war es ein eingezogenes Zivilfahrzeug – und seinen zeitweiligen militärischen Besitzern wurde, wissen wir nicht. Sicher ist nur: Die ursprünglichen Eigentümer haben den BMW nie wieder gesehen.

Der Vollständigkeit halber noch ein paar Worte zur Identifizierung des Wagens als Modell 309: Vom äußerlich sonst baugleichen 303 wurden keine Tourenwagen in nennenswerter Stückzahl produziert, und beim Modell 315 waren die seitlichen Luftschlitze in der Motorhaube anders angeordnet. So kommt nur der 309 in Frage, und zwar der von 1935/36, wie das aufgesetzte Blech mit den Luftschlitzen verrät.

Modifizierter BMW 309 in der Nachkriegszeit

BMWs erster „Dreier“ – der 303 mit 6-Zylindern von 1933/34 –  wurde auf diesem Blog bereits vorgestellt (Bildbericht).

Wie später ab den 1970er Jahren wurde damals außerdem ein Vierzylinder mit weitgehend identischer Karosserie angeboten, der BMW 309. Es war das erste Modell der Marke, bei dem der Hubraum Teil der Typbezeichnung war.

In Zeiten der Hubraumverkleinerung – neudeutsch: Downsizing – wirkt ein Motor mit 0,9-Liter nicht ungewöhnlich. Damals mussten sich die BMW-Freunde allerdings mit 22 PS Leistung begnügen. Da boten selbst DKWs Vierzylinder-Zweitakter mehr und das auch noch zum niedrigeren Preis.

Doch muss sich der BMW 309 einst so gut verkauft haben, dass es nach dem Krieg noch Überlebende gab. So ein Exemplar ist auf folgendem Originalfoto zu sehen:

© BMW 309, Bj. 1934-36; Originalaufnahme aus Sammlung Michael Schlenger

Dass es sich wohl um einen 309 und nicht um einen äußerlich sehr ähnlichen 303 mit 6-Zylinder-Motor handelt, lässt sich wie folgt herleiten:

Beim 303 reichte im Erscheinungsjahr 1933 die Motorhaube bis an die A-Säule, die zudem im unteren Bereich einen Schwung nach vorne aufwies. Der 309 dagegen hatte bei sonst praktisch gleicher Karosserie eine kürzere Motorhaube und eine gerade verlaufende A-Säule. Ab 1935 wichen beim 309 die eingestanzten Haubenschlitze einem aufgeschweißten geschlitzten Blech. Daher dürfte dieser 309 noch von 1934 stammen.

Unabhängig von der Frage der Motorisierung ist der 3er BMW auf unserem Foto in mehrfacher Hinsicht interessant. Werfen wir einen näheren Blick darauf:

Auffallend sind die Vorderschutzbleche mit Seitenschürzen. Sie wurden weder beim BMW 309 noch beim 303 mit 6-Zylinder verbaut. Sie finden sich beim BMW 319, der mit ähnlicher Karosserie, aber stärkerem Motor ab 1935 gebaut wurde. Vermutlich wurden sie von einem Wagen dieses Typs übernommen.

An dem Auto finden sich weitere Modifikationen: So ist an der A-Säule statt des Fahrtrichtungsanzeigers eine Antenne montiert. Der Wagen verfügt also bereits über ein Autoradio. Zudem ist auf dem Vorderkotflügel ein Blinker zu erkennen. Ein nach hinten zeigenden Blinker ist seitlich unterhalb der C-Säule angebracht:

Die Heckstoßstange ist vermutlich ebenfalls nachträglich montiert worden. Sie könnte wie der geschürzte Vorderkotflügel von einem Wagen des Typs BMW 319 stammen.

Sicher nicht von einem BMW jener Zeit wurde die zweigeteilte Vorderstoßstange gespendet. Sie könnte vorher an einem DKW der 1930er Jahre verbaut gewesen sein:

Im Unterschied zu den Vorderstoßstangen macht der nachgerüstete Nebelscheinwerfer einen guten Eindruck. Vielleicht wurde er erst kürzlich montiert.

Das Nummernschild ist leider auch auf dem Originalabzug schwer lesbar. Die ersten beiden Buchstaben könnten „KB“ lauten, was auf eine Zulassung im Berlin der frühen Nachkriegszeit hinweisen würde („Kommandantur Berlin“).

Kleidung und Frisur der Damen neben dem BMW würden zu einem Aufnahmezeitpunkt Ende der 1940er Jahre passen. Der Zustand der Häuserfassaden weist auf Bombenschäden hin. So scheint der Verputz durch den Luftdruck von Sprengbomben abgefallen zu sein und beim stärker zerstörten Haus rechts wurden die Fensterrahmen möglicherweise zur Rohstoffgewinnung ausgebaut.

Gerade vor diesem Hintergrund zeugt die Aufnahme vom Optimismus und Aufbauwillen derer, die den Krieg überlebt hatten. Der BMW mit seinen vielfältigen Modifikationen ist damit Spiegel der damaligen Zeit und so authentisch, wie es ein historisches Automobil überhaupt sein kann.

1933: Der erste „3er BMW“ mit Fotomodell

Wenn etwas für „den BMW“ schlechthin steht, dann wohl folgende Kombination: nierenförmiger Kühlergrill, Sechszylinder und mit einer „3“ beginnende Typbezeichnung.

Zwar beginnt die Historie der beliebten „3er BMWs“ offiziell erst in den 1970er Jahren. Doch schon in den 1930er Jahren findet man dieselbe Erfolgsformel der Marke mit dem blauweißen Propelleremblem.

Nach bescheidenen Anfängen mit dem BMW Dixi in den 1920er Jahren folgte ein wenig überzeugendes Übergangsmodell (3/20 PS). Doch dann gelang BMW mit dem 1933 vorgestellten Typ 303 ein Wurf, der die eingangs genannten Qualitäten auf sich vereinte. Der neue Wagen kam erstmals mit dem unverwechselbaren BMW-„Gesicht“ daher. Hier ein Originalfoto der 1930er Jahre:

© BMW 303, Bj. 1933-34; Originalaufnahme aus Sammlung Michael Schlenger

Die am deutschen Markt einzigartige Gestaltung des Kühlergrills unterstrich das selbstbewusste eigene Profil der Marke. Nur in Frankreich bediente sich der Nischenhersteller Rosengart einer ähnlichen Ästhetik, jedoch weniger gelungen.

Der „erste 3er BMW“ löste den äußerlich dokumentierten Anspruch des Besonderen auch technisch ein: Im 303 wurde ein 6-Zylinder-Motor mit zwei Solex-Vergasern und hängenden Ventilen verbaut, der 30 PS leistete. Bei einem Fahrzeuggewicht von etwas mehr als 800kg war damit eine temperamentvolle Fortbewegung möglich.

Das hier gezeigte Foto ist deshalb interessant, weil es einen neuwertigen BMW 303 als Requisite bei einer Modeaufnahme zeigt.

Dafür spricht folgende Beobachtung: Das Nummernschild mit dem Kürzel „IZ“ (Rheinland) sieht stark gebraucht aus und die niedrige laufende Nr. verweist auf eine frühe Zulassung. Unter dem Kennzeichen sieht man einen breiteren Nummernschildträger bzw. ein Blanko-Nummernschild, wie es neue Wagen in Autosalons trugen. Offenbar hat sich jemand einen noch nicht zugelassenen BMW 303 für diese Aufnahme (und weitere) ausgeliehen. Dafür sprechen auch der glänzende Lack und der Zustand des Reifenprofils.

Wäre dies eine typische Privataufnahme, würde die junge Dame im Mantel mit Pelzkragen dem Fotografen gewiss ein Lächeln schenken. Doch ihre Haltung wirkt wenig spontan, eher posiert sie wie ein Fotomodell.

Verwunderlich ist allerdings die Wahl des Aufnahmeorts. Man vergleiche dieses Bild mit anderen hier präsentierten Modeaufnahmen (Hanomag Cabriolet und Mercedes-Benz 170V). Man hat den Eindruck, dass der Fotograf hier ein nicht zur Veröffentlichung gedachtes Bild geschossen hat, vielleicht mit der privaten Kleinbildkamera, denn Aufnahmen für die Presse erforderten größere Negativformate.

Wir wissen nichts Genaues über die Aufnahmesituation, doch wird deutlich, dass der „erste 3er BMW“ von Anfang an als prestigeträchtiges Auto wahrgenommen wurde.

100 Jahre BMW: Erinnerung an die Eisenacher Marke Dixi

Dieser Tage (März 2016) wird das hundertjährige Jubiläum der bayrischen Marke BMW gefeiert. Der Hersteller selbst spricht – auch am deutschen Markt – von „100 Jahren BMW Group“.

Dass man bei den Münchener Fahrzeugbauern bemüht ist, sich auch bei der Traditionspflege einen internationalen Anstrich zu geben, irritiert. Denn BMW-Freunde auf der ganzen Welt schätzen die Marke gerade dafür, dass sie aus Deutschland kommt.

Was nun die Autos von BMW angeht, lässt sich zwar eine Herkunft aus England konstruieren. Denn der erste Wagen, den BMW 1929 fertigte, war nichts anderes als ein Lizenznachbau des britischen Austin Seven. Doch dazu kam es nur, weil man im Zuge der Übernahme der Firma Dixi aus dem thüringischen Eisenach die Rechte dazu erworben hatte. Hier ein Originalfoto eines daraus resultierenden BMW 3/15:

© BMW 3/15 PS DA2, 4-sitziges Cabriolet um 1930; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Verabschieden wir uns von der „BMW Group“ und bleiben bei der 1904 entstandenen Marke Dixi aus Thüringen, ohne die es heute vielleicht keine BMWs auf vier Rädern gäbe.

Selbst Kennern ist kaum bewusst, dass die hinter der Marke Dixi stehende Fahrzeugfabrik Eisenach bereits 1899 die Automobilfabrikation aufnahm. Zunächst fertigte man unter dem Markennamen „Wartburg“ Lizenznachbauten von französischen Decauville-Wagen. Doch schon 1904 – noch vor Opel – stellte man das erste selbstkonstruierte Automobil vor, nun unter der Bezeichnung „Dixi“. 

Bis zum 1. Weltkrieg enstand eine kaum überschaubare Vielfalt an Dixi-Wagen – meist mit 4-Zylinder-Reihenmotor und Hubräumen von unter 2 bis über 6 Liter. Schon sehr früh wurden nur noch 4-Gang-Getriebe verbaut, was selbst in den 1930er Jahren noch keine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Die Automobile von Dixi hatten einen guten Ruf, waren aber teuer und wurden nur in geringen Stückzahlen gebaut- die planlose Modellpolitik und der Manufakturbetrieb sollte auch anderen deutschen Marken zum Verhängnis werden.

Nach dem 1. Weltkrieg baute man bei Dixi in Eisenach zunächst unverdrossen die Vorkriegstypen weiter, stellte aber Anfang der 1920er Jahre ein neues Modell vor, das hier anhand eines seltenen Originalfotos vorgestellt werden soll:

© Dixi 6/24 PS Tourenwagen, Mitte der 1920er Jahre; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Eine Identifikation des abgebildeten Tourenwagens schien zunächst nicht möglich. Die gängige deutschsprachige Literatur (Schrader/Oswald: Deutsche Autos 1885-1920 bzw. 1920-45″) lieferte jedenfalls keine eindeutige Übereinstimmung.

Markenembleme oder Schriftzüge sind nicht zu erkennen. Die verwackelte Aufnahme lieferte auch in der Ausschnittsvergrößerung zunächst keine weiterführenden Details. Lediglich die markante Form der Kühlermaske weckte die Hoffnung, dass sich die Identität des Wagen früher oder später offenbaren würde.

Den entscheidenden Hinweis lieferte schließlich eine britische Publikation mit dem Titel „The New Encyclopedia of Motorcars: 1885 to the Present“. Der Verfasser dieser telefonbuchdicken Publikation – Nick Georgano – hatte nichts weniger als den Anspruch, alle PKW-Hersteller der Welt seit Erfindung des Automobils aufzulisten, die Modellgeschichte kurz zu beschreiben und anhand einiger Fotos zu illustrieren.

Man traut es am ehesten den traditionsbewussten und in diesen Dingen unerreicht gründlichen Engländern zu, wirklich noch die exotischste und kurzlebigste Marke zu würdigen. Selbst kleinste deutsche Hersteller sind im „Georgano“ vermerkt, wie einige Stichproben ergeben haben.

Der Zufall will es, dass in diesem für alle Liebhaber von Veteranenfahrzeugen  empfehlenswerten Werk  unter dem Eintrag „Dixi“ ein Fahrzeug mit Typbezeichnung abgebildet ist, das in den wesentlichen Details mit dem hier gezeigten Wagen übereinstimmt. Es handelt sich demnach um einen Dixi des Typs 6/24 PS, der von 1923-28 gebaut wurde.

Die typischen Merkmale sind auf dem folgenden Bildausschnitt zu erkennen:

Neben der eigenwilligen Form der Kühlermaske ist vor allem der dem Profil des Spitzkühlers folgende geknickte Verlauf der Verbindungsstange zwischen den Scheinwerfern markant. Von formal ähnlichen Dixi-Tourenwagen der Vorkriegszeit unterscheidet sich dieser Wagen zudem durch die konische statt trommelförmige Ausführung der Scheinwerfer.

Ein weiteres Indiz sind die schräg nach hinten verlaufenden Luftschlitze in der Motorhaube. Leider nur zu ahnen ist ein bei deutschen Wagen jener Zeit seltenes Detail: die Rudge-Flügelmuttern auf den Radnaben. Typisch ist nicht zuletzt die zweiteilige Windschutzscheibe.

Die Motorleistung von 24 PS aus nur 1,6 Liter Hubraum war für damalige Verhältnisse respektabel. Bei einem Wagengewicht von 1.150 Kg (Tourenwagen) ermöglichte das eine lebhafte Fortbewegung. Das Spitzentempo von 75 km/h war angesichts der Straße jener Zeit eher ein theoretischer Wert. Hervorzuheben ist die 12-Volt-Elektrik und (ab 1925) die Montage von Bremsen an allen vier Rädern.

Die Datierung des Wagens – und des Fotos – in die frühen bis mittleren 1920er Jahre unterstützt nicht zuletzt die Kleidung der Passagiere. Solche kessen Hüte trugen die Damen vor dem 1. Weltkrieg auf keinen Fall:

Somit haben wir es mit einem der letzten großen Modelle von Dixi vor Beginn der Lizenzproduktion des britischen Austin Seven zu tun (ab 1927). Zu diesem Zeitpunkt war die wirtschaftliche Lage der Eisenacher Marke bereits prekär und die Übernahme durch BMW bedeutete das Ende der hochwertigen Dixi-Wagen.

BMW führte anfänglich die Produktion des Austin-Lizenzmodells von Dixi fort, weshalb die ersten Automobile von BMW bis heute im Volksmund als Dixi bezeichnet werden. So ist mit dem Namen Dixi für die meisten Klassikerfreunde heute nur noch die Erinnerung an einen Kleinstwagen verbunden, der nicht einmal eine deutsche Konstruktion war.

Tatsächlich war die Marke Dixi ein Qualitätshersteller im oberen Mittelklassesegment und verdient es, nicht lediglich als Starthelfer für BMWs Autoproduktion in Erinnerung zu bleiben.

© Michael Schlenger, 2016. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://www.klassiker-runde-wetterau.com with appropriate and specific direction to the original content.

Bescheidene Anfänge: BMW 3/15 PS von 1929

Die Bemühungen um den Bau von Kleinwagen oder Autos für’s Volk in den 1920er Jahren sind nicht gerade ein Ruhmeskapitel der deutschen Automobilgeschichte.

Hanomags „Kommissbrot“ war ein Kuriosum, das schon aufgrund seines Erscheinungsbilds nicht massentauglich war. Erst mit dem ab 1929 gebauten Modell 3/16 bzw. 4/20 PS gelang der Firma aus Hannover ein Kompaktwagen, der formal wie technisch überzeugte:

© Hanomag 3/16 oder 4/20 PS; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Opel aus Rüsselsheim unternahm erst gar nicht den Versuch einer eigenen Kleinwagenkonstruktion – die Marke stand bis dahin für gehobene Fahrzeuge – und kopierte ab 1924 Citroens Erfolgsmodell 5CV, ohne Erlaubnis der Franzosen. Hier ein solcher Opel mit eleganter Dame am Steuer:

© Opel 4/14 PS, Baujahr: 1925-26; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

DKW – der renommierte Motorradhersteller aus Zschopau/Sachsen – hatte mit dem 1928 vorgestellten Typ P 15 PS ein eigenständiges Gefährt in der Einsteigerklasse geschaffen, das wie ein richtiges Auto aussah:

© DKW Typ P 15 PS, 4-sitziges Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Doch zum Publikumserfolg wurden erst die ab 1931 gebauten Frontantriebswagen (siehe Bildberichte zu F2, F4, F5, F7 und F8).

In dieser Gemengelage trat 1929 auch die Firma BMW auf den Plan, die bis dato nur Motorräder gebaut hatte. Zunächst wollte man als PKW-Erstling eine Konstruktion von SHW weiterentwickeln, doch ergab sich die Möglichkeit, durch Übernahme des Herstellers Dixi dessen Kleinwagen 3/15 PS ins eigene Programm zu übernehmen.

Dixi ist ein weiteres Beispiel für das Unvermögen vieler deutscher Hersteller jener Zeit, erfolgreiche Kompaktautos zu entwerfen. Das 1925/26 realisierte Dixi 3/12 PS-Modell war zu kompliziert geraten und kam für eine Massenfertigung nicht in Frage. Offenbar waren sich viele deutsche Ingenieure zu gut dafür, sich auf die speziellen Anforderungen im Kleinwagenbau einzulassen.

Jedenfalls fiel auch Dixi – wie Opel – nichts Besseres ein, als ein ausländisches Modell nachzubauen, in diesem Fall wenigstens mit ordentlicher Lizenz. Man entschied sich für den britischen Austin Seven, der sich seit seiner Vorstellung 1922 zum Erfolgsmodell entwickelt hatte.

© Austin Seven beim Goodwood Revival 2015; Bildrechte: Michael Schlenger

1927 schließlich begann Dixi, die nicht mehr ganz taufrische, aber unvermindert populäre Austin-Konstruktion unter eigenem Namen zu fertigen.

Nach Übernahme der Dixi-Werke Ende 1928 fertigte BMW das 3/15 PS-Modell noch wenige Monate unverändert weiter. Ab Sommer 1929 wurde der Wagen dann mit BMW-Markenlogo und Vierradbremse gebaut. Ein solches Fahrzeug ist auf folgendem Originalfoto zu sehen:

© BMW 3/15 PS, 4-sitziges Cabriolet um 1930; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

So unglaublich es erscheint: Dies ist ein viersitziges Cabriolet, wohl eines der kürzesten überhaupt. Technisch war das Gefährt mit seinem 750ccm großen 4-Zylinder und einer Leistung von 15 PS unspektakulär. Immerhin lag der Verbrauch niedriger als beim gleichstarken DKW Typ P 15 PS, dessen Zweizylinder-Zweitakter zudem lauter war.

Wirtschaftlich gesehen war der erste BMW also vernünftig.  Immerhin 16.000 Exemplare konnte man bis 1932 absetzen. Verglichen mit der formalen Klasse des DKW war es allerdings ein sehr bescheidenes, schmucklos daherkommendes Fahrzeug. BMWs Einstieg in die PKW-Produktion war somit denkbar schlicht. Es war noch ein langer Weg zu eigenständigen Qualitätswagen unter dem blauweißen Propeller-Logo

Wer sich für die hochwertigen Eigenkonstruktionen der Marke Dixi interessiert, dem wird vielleicht dieser Bildbericht gefallen.

© Michael Schlenger, 2017. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://www.klassiker-runde-wetterau.com with appropriate and specific direction to the original content.

Ein rarer 3er BMW aus der Vorkriegszeit

BMW feiert 2015 das 40-jährige Jubiläum des 3er BMW, der das moderne Image der Marke entscheidend geprägt hat.

Der BMW 02 wird zwar auch gern in den Stammbaum einbezogen, doch war der 3er oberhalb des kernigen Vorgängers angesiedelt. Mit mehr Fahrkomfort, hochwertigerem Interieur und 6-Zylinder-Laufkultur kam der 3er deutlich gediegener daher.

Damit stellen die 3er BMWs der Vorkriegszeit frühe Verkörperungen des ab Mitte der 1970er Jahre wiedererwachenden Qualitätsanspruchs von BMW dar. Intuitiv denkt man an hochkarätige Typen wie 327 und 328, deren Konzepte bis in die Nachkriegszeit nachwirkten (Bristol, EMW).

Doch schon die kompakteren BMW 315 und 319 trugen Gene, die den späteren Ruf der Marke prägten. Denn sie verfügten bereits über kultivierte 6-Zylinder-Motoren, die für viele Enthusiasten bis heute einen Großteil der Faszination von BMW ausmachen.

Ein rassiger Vertreter dieser Klasse war der Roadster 319/1, von dem 1935-36 nur 178 Exemplare gebaut wurden. Mit 3-fach-Vergaser leistete sein 1,9 Liter-Sechszylinder standfeste 55 PS.

Das klingt nach nicht viel, doch dank niedrigen Gewichts (unter 800 kg) und geringer Stirnfläche war eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 140km/h möglich. Das reichte seinerzeit, um den meisten größeren Fahrzeugen das Heck zu zeigen.

Man glaubt kaum, dass eines dieser raren Modelle überlebt hat. Doch soll es tatsächlich noch einige Dutzend geben. Ein wunderschönes Exemplar war im Jahr 2014 bei den Classic Days auf Schloss Dyck zu bewundern.

© BMW 319/1 Roadster Classic Days 2014; Bildrechte: Michael Schlenger

Angesichts weit größerer und stärkerer Fahrzeuge werden viele Besucher den kleinen Roadster von BMW allenfalls am Rande registriert haben. Echte Exklusivität und Publikumsgeschmack gehen nun einmal nicht zusammen.