Deutschlands am weitesten östlich gelegene Automobilfabrik befand sich einst in Elbing in Ostpreußen. Wer keinen familiären Bezug dorthin hat, dem sagt der Name dieser Stadt vermutlich wenig – ich selbst kannte ihn bis vor einiger Zeit ebenfalls nicht. Die verlorenen deutschen Ostgebiete existierten nach meiner Erinnerung im Schulunterricht an einem hessischen Gymnasium praktisch nicht. Generell war die Welt hinter dem „Eisernen Vorhang“ merkwürdig entrückt – über dortige Landschaften, Städte und … Weiterlesen
Archiv des Autors: Michael Schlenger
Zweitakter mit Charakter: DKW F7 Reichsklasse Spezial
Nach längerer Abstinenz kehre ich heute wieder einmal zu den charmanten Frontantriebswagen von DKW zurück, die in den 1930er Jahren zu den meistverkauften Wagen in Deutschland zählten. Mancher mag die Nase rümpfen, wenn er an die unkultivierten Zweitaktmotoren mit 18 bis 20 PS denkt, die in denkbar großem Kontrast zu der schönen Form der Wagen standen. Doch das war damals der Preis, der für ein halbwegs erschwingliches Automobil hierzulande zu … Weiterlesen
„Unterwegs“! Reiselust pur mit BMW DA2 3/15 PS…
Heute kommen wieder die Freunde der ganz frühen BMW-Automobile auf ihre Kosten. Doch es lohnt sich auch für sonstige Liebhaber historischer Mobilität bis zum Schluss dranzubleiben – denn dort lockt ein Buchtipp der besonderen Art. BMW-Kenner werden mit der Typbezeichnung DA2 3/15 PS nicht unbedingt als erstes die pure Reiselust verbinden. Vielmehr werden die meisten daran denken, dass der automobile Erstling mit BMW-Propelleremblem fast noch ein – nach Lizenz von … Weiterlesen
Früher war alles besser: Ein Panhard von 1934/35
Natürlich war früher – und damit meine ich die automobile Welt der Vorkriegszeit – nicht alles besser. Doch ein Blog ist ein Format, in dem Zuspitzungen erlaubt sind – denn es ist ein online geführtes Tagebuch über persönliche Ansichten, in dem andere mitlesen dürfen. Das gibt mir die Freiheit zu Urteilen und gern auch einer Kulturkritik, die ernsthaften Automobilhistorikern verschlossen bleibt. Zugleich hat diese „künstlerische Freiheit“ produktivitätsfördernde Wirkung, da ich … Weiterlesen
Glanzvolle Premiere: Ein Packard „Eight“ von 1929
Das Jahr 1929 steht in vielerlei Hinsicht für eine bedeutende Zäsur. So sorgte die Weltwirtschaftskrise nicht nur für gravierende ökonomische Verwerfungen, sie wirkte auch als politischer Brandbeschleuniger, was Deutschlands Weg in einen Staat betrifft, der sich die totale Unterwerfung der Bürger auf die Fahnen geschrieben hatte. Gleichzeitig zeichnete sich auf ganz anderer Ebene eine wahrhaft glanzvolle Entwicklung ab, mit der ich mich heute anhand der US-Luxusmarke Packard beschäftige. Dabei blende … Weiterlesen
Exklusive Eleganz: Steyr Typ 120/220 „Gläser“-Cabriolet
Für mich zählen die Manufakturwagen der österreichischen Marke Steyr zum Interessantesten, was die Welt der Vorkriegswagen im deutschsprachigen Raum zu bieten hat. Die Autos aus dem gleichnamigen Ort in Oberösterreich zeichneten sich immer durch moderne Technik und attraktive Linienführung aus. Das galt auch noch, als man in den 1930er Jahren neben reinen Luxusautos wie dem rassigen Typ 430 bzw. 530 auch volkstümlichere Modelle zu bauen begann. Den Auftakt stellte der … Weiterlesen
Kaffee „to go“ vor hundert Jahren: Peugeot 120/122
Wenn man sich ein wenig mit der Welt von gestern auskennt, stellt man immer wieder staunend fest, womit man ahnungslose Zeitgenossen überraschen kann: Wie, in Berlin wurde vor dem 1. Weltkrieg dreimal am Tag Post zugestellt? Echt, Elektroautos waren vor über hundert Jahren schon ein alter Hut? Nee, frische Lebensmittel direkt vor die Tür geliefert gab’s auch schon? Vermutlich denken die Hipster von heute mit „Bätschelor-Abschluss“ in irgendwas mit Medien, … Weiterlesen
Fund des Monats: Ein Simson Typ Co an der Ostsee
Ende Oktober 2019 – seit Tagen ziehen Formationen von Kranichen und Wildgänsen über die hessische Wetterau hinweg nach Westen auf das Taunusgebirge zu. An dieser Landmarke biegen sie dann ab Richtung Winterquartier im Süden. Das Bild ist jeden Herbst dasselbe und doch schaut man immer wieder fasziniert zum Himmel, wo die Vögel dahinziehen. Es wird vermutet, dass sie sich dabei an Anomalien des Erdmagnetfelds orientieren, die geologisch bedingt sind. Erstaunlich, … Weiterlesen
Die Reife bringt das gewisse Etwas: Hanomag 4/23 PS
Mit fortgeschrittenem Alter geht – hoffentlich – nicht nur zunehmende Lebenserfahrung und Abgeklärtheit einher. Im günstigen Fall reifen über die Jahre auch Qualitäten, die das schwer erklärbare „gewisse Etwas“ ausmachen. Das gilt für ausgesuchte Zeitgenossen, deren Charisma von auch äußerlich sichtbarer Reife profitiert – an dieser Stelle möge sich der Leser eine verehrte Persönlichkeit seiner Wahl aus dem öffentlichen Leben oder dem privaten Umfeld imaginieren. Ähnliches lässt sich bisweilen bei … Weiterlesen
Offene Frage: Ein unbekanntes Fiat 1100 Cabriolet
Wer sich ein Bild von der Vielfalt an Marken und Typen machen will, die die automobile Welt der Vorkriegszeit in deutschen Landen auszeichnete, hat jenseits der Classic Days auf Schloss Dyck und der Classic Gala in Schwetzingen wenig Auswahl. Für meinen Geschmack verdirbt bei vielen anderen Veranstaltungen ein Überangebot an Gebrauchtwagen der 1980/90er Jahre das Gesamtbild . Zwar wurden damals auch noch der unzerstörbare VW Käfer, Citroens genial einfacher 2CV … Weiterlesen
Stilistisches Vorbild für den Audi 920: Buick von 1937
Manche Freunde deutscher Vorkriegswagen hören es nicht gern und ich musste es im Lauf der Jahre ebenfalls erst lernen: Die US-Großserienhersteller übernahmen nach dem 1. Weltkrieg technisch wie stilistisch die Führung und ließen die meisten Autos aus deutscher Produktion im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen. Ende der 1920er Jahre hatten amerikanische Wagen im Deutschen Reich einen heute unvorstellbaren Marktanteil von mehr als einem Drittel, in der Hauptstadt Berlin waren … Weiterlesen
Ein Bergmann-Metallurgique Tourer von 1912
Gut zwei Monate ist es her, dass ich (hier) ein großartiges Foto eines Tourenwagens des belgischen Herstellers Metallurgique vorstellen konnte. Die Aufnahme stieß auf einige Resonanz, vor allem bei internationalen Lesern, die echte Veteranenwagen eher zu schätzen als viele „Oldtimer-„Freunde in Deutschland, denen die spannende automobile Welt vor 1939 zunehmend fremd zu sein scheint. Es mag am deutschen Hang zum Herdentrieb liegen, dass man sich mehr für jüngere Massenfabrikate interessiert, … Weiterlesen
Aus der verbotenen Stadt hinaus auf’s Land: Ford Model Y
Regelmäßige Leser meines Blogs wissen: Die Überschrift eines neuen Eintrags ist nicht immer ernst gemeint, aber sie trifft in jedem Fall zu. Wer kein Rheinländer ist, könnte mit der „Verbotenen Stadt“ die kaiserliche Palastanlage in Peking assoziieren, die lange für den ordinären Untertan unzugänglich war. Wer jetzt an den geplanten Absperrgraben um den Reichstag in Berlin denken muss, übersieht, dass die Monarchie in Deutschland abgeschafft ist – eigentlich… Dabei gibt … Weiterlesen
Mit den richtigen Zutaten ganz schön sexy: Opel 4/14 PS
Zugegeben: Titel und Inhalt meines heutigen Blog-Eintrags sind gewagt – und in der Tat geht es um eine verwegene Mischung aus Reetdach und Pfeifenrauch, jungen Burschen beim Putzen, Weißwandreifen und schönen Frauen. Das alles in Verbindung mit dem braven Opel 4/PS-Modell der 1920er Jahre – kann das gutgehen? Wir werden sehen… Am Anfang steht eine technisch herausragende Aufnahme – sicher die Arbeit eines Profis – auf der die erste Ausführung … Weiterlesen
Pure Eleganz: Wanderer W250 „Gläser“ Cabriolet
Beim Namen „Gläser“ leuchten die Augen von Kennern deutscher Vorkriegsautomobile. Was auch immer die Dresdner Manufaktur mit ihrer bis weit in das 19, Jahrhundert zurückreichenden Tradition in die Hand nahm, gelang in meisterhafter Form. Besonderen Ruf genießen zurecht bis heute die Cabriolet-Aufbauten der 1930er Jahre, die Gläser für zahlreiche deutsche und ausländische Hersteller entwarf und baute. Doch bevor ich ein Exemplar zeige, das das stilistische Gespür und handwerkliche Können der … Weiterlesen
Kennzeichen ROMA: Der „O.M.“ von der Oma…
Der Spender des Fotos, das ich heute besprechen darf, verzeiht mir hoffentlich den Kalauer, den ich mir mit dem Titel meines Blog-Eintrags erlaubt habe. Aber genau so verhält es sich nun einmal: Das Auto, um das es geht, gehörte einst den Großeltern von Klaus Twedell, die in der Zwischenkriegszeit in Rom lebten und deren „O.M.“ auf dem Nummernschild eine grandiose Kennung trug: „ROMA“. Wenn ich es richtig sehe, ist es … Weiterlesen
Von Damen bevorzugt: BMW 326 Cabriolet
Auch wenn ich den Freunden feiner BMW-Vorkriegswagen in meinem Blog bislang wenig Neues bieten konnte (Ausnahme hier), möchte ich heute zu einem der Wagen mit der markanten Doppelniere an der Front zurückkommen, obwohl nicht mehr als solider Standard zu sehen ist, jedenfalls im Hinblick auf das abgebildete Auto… Doch hat es seinen ganz eigenen Reiz, den fraglichen Wagen – einen BMW 326 – aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel zu betrachten, nämlich … Weiterlesen
Rätsel auf vier Rädern: „Bianchi“ von ca. 1910
Bianchi – wer denkt bei diesem Namem nicht spontan an die begehrenswerten Rennräder der Mailänder Marke? Als ich mich als Schüler in den 1980er Jahren für den Radrennsport zu begeistern begann und selbst ohne größere Ambition einige Mal pro Woche auf dem Rad meine Runde durch die heimische Wetterau und den Taunus machte, waren die Bianchi-Rennmaschinen im markentypischen Türkisgrün unerreichbar. Mehr als ein englisches Raleigh-Rennrad war damals nicht drin – … Weiterlesen
Gestern und heute: Neues vom Protos Typ „G“
Beinahe kommt es mir wie gestern vor, dass ich einen Blog-Eintrag zum G-Typ der einstigen Berliner Marke Protos gemacht habe (hier). Tatsächlich war das bereits im Frühjahr 2018 – nun haben wir Herbst 2019… Doch war es ganz sicher heute, dass mich eine Nachricht zu genau diesem Vierzylindermodell erreichte, das 1910-14 in zwei Varianten erhältlich war: als Typ G1 6/18 PS mit 1,6 Liter bzw. Typ G2 8/21 PS mit … Weiterlesen
Überleben im Sozialismus: Adler Standard 6 Landaulet
„Überleben im Sozialismus“ – ist das nicht ein unnötiger Widerspruch? Schließlich geben sich die Vertreter der sozialistischen Ideologie – ob in braunem, rotem oder grünem Gewand – gern als große Menschenfreunde. In Wahrheit ist es von jeher das Ziel sozialistischer Fanatiker, das Individuum – diesen unbotmäßigen Lümmel – zu vernichten. Dazu äußerte sich ein hierzulande bis 1945 amtierender Reichskanzler: „Was haben wir das nötig, Sozialisierung der Banken und Fabriken?… Wir … Weiterlesen