Heute befasse ich mich mit einem Fall „vornehmer Blässe“ in zweierlei Hinsicht. Vordergründig geht es dabei natürlich um ein Automobil, daneben aber auch um die komplizierte Frage, ob Blässe zu Blasiertheit wird, wenn sie zu sehr zur Schau getragen wird – so wie übertriebene Bescheidenheit ein Ausweis besonderer Eitelkeit sein kann. Den Anlass dazu liefert die Aufnahme eines „Berliet“ aus den späten 1920er Jahren, die in einer französischen Zeitschrift abgedruckt … Weiterlesen
Typ aus der Neuen Welt: Hupmobile „R“ von 1924
Meine letzten Blog-Einträge waren einigen Spitzkühlermodellen gewidmet, wie sie typisch für Automobile aus dem deutschen Sprachraum waren, die von 1914 bis in die frühen 1920er Jahre gebaut wurden. Regelmäßige Leser wissen, dass ich diese noch in die Zeit des Jugendstils zurückreichende expressive Ästhetik sehr schätze und der schlichten „modernen“ Linie vorziehe, wie sie sich nach dem 1. Weltkrieg in den meisten Ländern durchsetzte. Wie groß der Kontrast zwischen der „alten“ … Weiterlesen
Günstiger Einstieg: Hansa-Lloyd 18/60 PS Tourer
Wer sich mit deutschen Vorkriegswagen auskennt, wird gewiss stutzen, wenn ein 60 PS-Wagen hier als „günstiger Einstieg“ angepriesen wird – leistungsmäßig bewegte man sich damit einst ganz klar in der Oberklasse. Dennoch ist einiges dran, wenn ich den ab 1920 gebauten Typ 18/60 PS der in Bremen ansässigen Hansa-Lloyd-Werke mit einem günstigen Einstieg in Verbindung bringe. Die Vorgeschichte dieses mächtigen Vierzylindermodells mit mehr als 4 Liter Hubraum habe ich vor … Weiterlesen
Fund des Monats: Dürkopp Typ P 10/30 PS
Meine Reise zum Fund des Monats führt mich genau 100 Jahre zurück in die Vergangenheit – ins Jahr 1921. Zwar passt der überlieferte Aufnahmezeitpunkt – September – nicht ganz, aber in der hessischen Wetterau herrschen gerade ebenfalls herbstliche Temperaturen: 15 Grad bei leichtem Regen und das Ende Juni. Klimawandel? Nein, ebenso wie die hochsommerliche Wärme vor kurzem schlicht im Rahmen üblicher Wetterkapriolen. Wirklich außergewöhnlich ist dagegen der Wagen, der auf … Weiterlesen
An der Maske zu erkennen: Horch 6/18 und 8/24 PS
Gerade lese ich, dass unsere niederländischen Nachbarn dem Mummenschanz ein Ende gemacht haben: Die Pflicht zum Tragen von Gesichtsmasken in Geschäften und in der Innengastronomie ist aufgehoben (launiger Kommentar dazu hier). Schon im Sommer 2020 verriet die Datenlage, dass „Corona“ – was Infektiosität und Letalität angeht – mit gängigen Atemwegserkrankungen vergleichbar ist. Ja, es gibt Fälle schwerwiegender und hartnäckiger Verläufe – ein Grund mehr die bekannten Hochrisikogruppen zu schützen, aber … Weiterlesen
Hat’s nie gegeben? Austro-Fiat Typ AF1 9/32 PS
Das Auto, das ich heute vorstelle, ist in mehrfacher Hinsicht ein Phantom. Denn einen Austro-Fiat des Typs AF1 9/32 PS hat es offiziell nie gegeben. Gleichzeitig findet man die Bezeichnung jedoch in der traditionellen Automobilliteratur und im Netz. Ähnlich verhält es sich mit Fotos dieses Phantoms – es scheint nur ganz wenige davon zu geben, wenn ich mich nicht täusche. Ein erhaltenes Exemplar ist hier zu sehen. Doch dieses Fahrzeug … Weiterlesen
Volle Pulle? Volle Kanne! Citroen C6 „Grand Luxe“
Die deutsche Sprache gilt gemeinhin als schwierig und wird von vielen gefürchtet. Das gilt nicht nur für europäische Nachbarn, die das teutonische Idiom meiden, wo es nur geht (die Niederländer ausgenommen), sondern scheint – nach allem, was man so hört und liest – auch auf weite Teile des politischen „Führungs“personals hierzulande zuzutreffen. Beispiele für peinliches Gestammel und sinnfreies Daherplappern fallen Ihnen vermutlich selbst ein, sodass ich mir Namen sparen kann. … Weiterlesen
Makkaroni machten’s möglich: NAG Typ D 10/45 PS
Italienische Nudeln und ein deutscher Vorkriegswagen – wie soll das zusammengehen? Nun ganz ausgezeichnet, denn als die Berliner NAG 1924 den Nachfolger des verbreiteten Typs C4 10/30 PS vorstellte – das Modell D 10/45 PS – waren Makkaroni fester Bestandteil der deutschen Küche, jedenfalls in großbürgerlichen Kreisen. So machte ich meine erste Bekanntschaft mit Makkaroni anhand eines Rezepts, das meine aus Schlesien gebürtige Mutter dem Kochbuch meiner Oma entnommen hatte: … Weiterlesen
Exklusive Erscheinung: Wanderer W8 Coupé
Wenn alle das Gleiche zu denken und zu tun beginnen, ist der Individualist gut beraten, sich auf’s Gegenteil zu besinnen. Neuerdings macht ja „Inklusion“ von alles und jedem Furore, weil angeblich jeder alles gleich gut kann. Dieses Märchen ist zwar eigentlich schon länger durch Männerballett und Frauenfußball widerlegt – aber herrje, auch damit lässt sich Geld verdienen. Die Beschäftigung mit Vorkriegsautomobilen ist bislang noch nicht auf den Radar derer geraten, … Weiterlesen
Die Schönen und das Biest: Renault Reinastella
„Jetzt wiederholt er sich aber“ – mag angesichts des Titels einer meiner rund 4.000 Leser denken, die monatlich Beiträge oder Dokumente in meinen Blog aufrufen. „Nicht ganz“, sage ich da – wobei die meisten Freunde von Vorkriegsautos Wiederholungen durchaus schätzen, speziell wenn es um „ihre“ Marke oder „ihren“ Wagen geht. Tatsächlich habe ich unter ganz ähnlichem Titel „Die Schöne und das Biest“ vor einiger Zeit einen Delahaye vorgestellt. Es ist … Weiterlesen
Für feldtauglich befunden: NSU von 1912
Heute unternehme ich wieder einmal einen Ausflug in die Frühgeschichte von NSU – aber nicht auf dem Feld der heute noch wohlbekannten Zweiräder. Ins Feld geht es dabei zwar auch, aber mit vier Rädern und das bereits vor weit über 100 Jahren, was für manchen Freund von NSU-Nachkriegsklassikern wie „Prinz“ und „RO 80“ eine Überraschung sein mag. 1905 hatte NSU damit begonnen, die ausgezeichneten Wagen der belgischen Marke „Pipe“ in … Weiterlesen
Ein ganzer Kerl, dank DEROP: Buick von 1929
„Schon wieder ein Ami, und dann bloß ein Buick – dabei hat der Juni doch so grandios begonnen – mit Sonne satt nach einem unterkühlten und feuchten Frühjahr!“ Wer so denkt, dem sei gesagt: „Das muss so sein, denn auch das war Alltag auf deutschen Straßen vor gut 90 Jahren. Und ein Buick vom Fließband war damals große Klasse.“ Tatsächlich begegnete man damals den eindrucksvollen Buick-Sechszylindertypen des Modelljahrs 1929 mit … Weiterlesen
Fund des Monats: Ein „Nacke“ von 1909
Außerhalb Sachsens dürfte es vermutlich kaum Freunde von Vorkriegswagen geben, die je etwas von der Marke „Nacke“ gehört haben, die den Fund des Monats Mai 2021 stellt. Dabei nimmt die einst hochbedeutende sächsische Automobilgeschichte ihren Anfang mit einem vom Maschinenbauunternehmer Emil Nacke 1901 in Coswig gebauten Motorwagen. Nacke war im Unterschied zu einigen Zeitgenossen kein Hinterhoftüftler, sondern hatte nach seinem Studium zunächst Erfahrungen im Lokomobilbau gesammelt und auf Reisen den … Weiterlesen
Neu entdeckt: Stoewer D12 Sport-Tourer
Bei einem Automobil, von dem überhaupt nur wenige hundert Exemplare in Manufaktur entstanden, ist jedes historische Foto bereits eine Neuentdeckung. Selbst Leser mit gut bestückter Bibliothek werden Schwierigkeiten haben, eine Originalaufnahme der 1920er Jahre zu finden, die einen der mächtigen Sechszylinderwagen des Typs D12 zeigt, welchen Stoewer in Stettin ab 1924 fertigte. Mir selbst war bisher nur dieses bekannt, das Eingang in die Neuausgabe von Werner Oswalds Klassiker „Deutsche Autos … Weiterlesen
Sinn für Tradition: Laurin & Klement-Skoda
Die ältere Literatur zu Vorkriegswagen betrachtete die Automobilindustrie im deutschsprachigen Raum oft in ihrer Gesamtheit – dazu gehörten nicht nur Hersteller aus dem Deutschen Reich, sondern auch solche aus dem böhmischen Raum und Österreich. Diese Sichtweise ist mindestens bis in die 1920er Jahre gerechtfertigt, da damals die gemeinsamen Traditionsstränge noch unübersehbar und wirksam waren. Das vielleicht beste Beispiel dafür ist das frühe Wirken von Ferdinand Porsche, der als gebürtiger Böhme … Weiterlesen
Der Sommer kann kommen: Hanomag 4/23 PS Cabrio
Nach gefühlt monatelang anhaltendem kühlen Regenwetter in unseren Gefilden sagen uns die Wetterfrösche – bei aller gebotenen Skepsis gegenüber ihren prognostischen Fähigkeiten – für die nächsten Tage einen Umschwung voraus. Im bisherigen Jahresverlauf war die Limousine das Fahrzeug der Wahl, selbst wenn man vereinzelt durchaus schöne Tage genießen konnte – so wie hier Mitte der 1930er Jahre beim Ausflug mit einem Hanomag des Mittelklassetyps 4/23 PS: Die Kinderschar wurde sorgfältig … Weiterlesen
Vor 100 Jahren schon ein Veteran: Audi-Lieferwagen
Der Titel meines heutigen Blog-Eintrags mag in doppelter Hinsicht stutzig machen: Veteranen gab es doch bereits vor 2.000 Jahren in Rom – das waren Soldaten, die 20-25 Jahre Dienst absolviert hatten und eine Abfindung, ein Militärdiplom und – sofern sie aus den Provinzen stammten – das begehrte römische Bürgerrecht erhielten. Vor 100 Jahren indessen konnte der Veteranenstatus weit schneller erreicht werden – wenn man nämlich als Soldat am 1. Weltkrieg … Weiterlesen
Glanzvoll in den Untergang: Gräf & Stift 18/32 PS
Für die Kenner österreichischer Vorkriegsautomobile, von denen es in Deutschland leider nur wenige zu geben scheint, geht nichts über die Kreationen der Wiener Manufaktur Gräf & Stift, deren Tradition bis ins späte 19. Jh. zurückreicht. Nach ersten Gehversuchen mit konventionellen Modellen, die wie bei so vielen Herstellern in deutschsprachigen Raum anfänglich noch französischen Vorbildern folgten, beschritt man ab 1907 eigene Wege und widmete sich ganz der Fertigung von Oberklasse-Automobilen. Bald … Weiterlesen
Ganz groß in Mode: Ein Apollo 10 PS-Typ
Die Automobile der Apollo-Werke aus dem thüringischen Apolda spielten in der Anfangszeit meines Blogs kaum eine Rolle – zu selten fanden sich zeitgenössische Fotos und zu wenig geschult war mein Blick für diese oft technisch interessanten und markant gestalteten Wagen. Doch seit einiger Zeit könnten meine Leser den Eindruck gewinnen, als käme die Marke bei mir groß in Mode – erst vor kurzem habe ich den trotz seiner Kompaktheit konstruktiv … Weiterlesen
Die ungeklärte K-Frage: Ein Mercedes-Benz 630
Derzeit arbeiten sich die deutschen Medien an der K-Frage ab – wer also vom nächsten Bundestag ins Kanzleramt gewählt wird. Das Format der Aspiranten ist aus meiner Sicht für eine hochentwickelte Volkswirtschaft und Kulturnation von erschreckender Dürftigkeit. Vielleicht ist es aber mittlerweile auch gleichgültig, wer der Regierung vorsteht – wird doch deren Handlungsspielaum immer mehr von der Brüsseler Bürokratie eingeengt, während die großen Themen der Zeit von globalen Organisationen bestimmt … Weiterlesen
