Von der Festung zur Ruine: Opel Tourer um 1912

Alles hat seine Zeit und alles geht irgendwann zugrunde – weicht Neuem. Das kann man im Naturkundemuseum am Beispiel längst verschwundener Arten ebenso erfahren wie beim Studium von menschlichen Bauwerken. Eine Ausnahme ist möglicherweise „Stuttgart 21“, ein Monument deutscher Detailversessenheit (oder Dummheit) , das sich einfach dadurch der Vergänglichkeit entzieht, dass es nicht fertigwird. Worum es dabei ursprünglich ging – längst vergessen. Als Geld noch eine Rolle spielte, weil man … Weiterlesen

Alles so schön bunt hier: Berliet Tourenwagen

Heute bekommen Sie hier wieder einiges zugemutet. Es beginnt damit, dass ich mir keine große Mühe gemacht habe, den schönen Tourenwagen aus dem französischen Hause Berliet – vor allem bekannt für LKW – auf dem folgenden Foto näher zu bestimmen: Irgendein Modell von Anfang der 1920er Jahre meine ich hier zu sehen, doch Genaueres konnte und wollte ich auf die schnelle nicht ermitteln. Es wäre auch sinnlos, in einen solchen … Weiterlesen

Vorsicht, frische Farbe! Ein Audi der frühen 20er Jahre

Heute unternehme ich den Versuch, das gewohnte Bild von einem Audi ein wenig zu korrigieren. Ob mir das am Ende gelingt, werden Sie mir im Zweifelsfall schon sagen. Was einem heute unter der Marke „Audi“ auf der Straße begegnet. ist gewiss exzellent. Ein modernes Exemplar dieses Fabrikats steht einem Mercedes in nichts nach, ohne dass man sich zwischenzeitlich ähnlich eklatante Verarbeitungsmängel geleistet hätte. Insofern markieren die großen Audis heute eine … Weiterlesen

Mehr Luce für die Luzi: Adler „Trumpf“ 1,7 Liter

Mein heutiger Blog-Eintrag dient eher der persönlichen Traumabewältigung als dem automobilhistorischen Erkenntnisgewinn. Also: Wer in dieser Hinsicht keinen Spaß & Spott versteht, sollte sich ein anderes Thema suchen – Auswahl ist hier ja reichlich vorhanden. Wer jetzt noch dabei ist, hat vielleicht kürzlich auch den neuen Ferrari „Luce“ mit Erstaunen zur Kenntnis genommen – das erste Batterievehikel der legendären Sportwagenmarke. Nun habe ich nichts gegen den Elektroantrieb, er hat seine … Weiterlesen

Hier ist für immer August! NAG K3 Tourer

Nach einem erbärmlichen Frühjahr hat sich das Wetter in unseren Breiten – also in meinem Fall in der Wetterau zwischen Taunus und Vogelsberg – eines weitaus Besseren besonnen. Bei satten 30 Grad Celsius lässt sich genüsslich die Gartenarbeit nachholen, die während meines kurzen Italienaufenthalts liegengeblieben war. Die mit einem Mal tausendfach aufgehenden Rosenknospen brauchen wenig mehr als Bewunderung – außer abendlichem Wässern natürlich. Leider gedeiht indessen auch das Unkraut wie … Weiterlesen

Nichts für den kleinen Mann? Mannesmann WII 5/20 PS

Selbst die vielen deutschen Leicht-Automobile der frühen 1920er Jahre waren nichts für den sprichwörtlichen „kleinen Mann“. Für den Durchschnittsbürger standen Kauf und Unterhalt jedes Autos (und meist auch Motorrads) damals völlig außer Betracht. Es war wohl der deutsche Hang zu unfundiertem Heroismus – ein irrationaler Zug, der schon im Idealismus des 19. Jh. „intellektuellen“ Ausdruck fand und bis heute fortlebt – dass zahllose Kleinsthersteller etwas versuchten, was nüchternes ökonomisches Kalkül … Weiterlesen

Hoch hinaus – auf’s Land! Horch 350 Limousine

Hoch hinaus strebt mancher, oft leider nicht hoch genug qualifiziert – mir genügt es meist schon, wenn es auf dem Thermometer endlich nach oben geht. In dieser Hoffnung strebte ich am letzten Wochenende gen Süden – in der zweiten Mai-Hälfte sollte es in Mittelitalien eigentlich schon ganz angenehm sein, so dachte ich. Bei 11 Grad verließ ich das kalte Germanien, doch auch in der Schweiz sah es diesbezüglich nicht besser … Weiterlesen

Wirkt so gleich viel charmanter: Chandler von 1927

Wenn mein seit über 10 Jahren betriebener Blog für irgendetwas gut ist, dann sicher dies: Er rückt die phänomenale Präsenz amerikanischer Automarken im Deutschland der 1920/30er Jahre wieder ins verdiente Licht. Ich wüsste von keiner anderen Publikation – sei es in gedruckter oder digitaler Form – die der großen Zeit der US-Automobile im Vorkriegsdeutschland in ähnlicher Weise gerecht wird. Dabei hatte ich es ursprünglich gar nicht darauf angelegt. Ich habe … Weiterlesen

Grüße von der Meta-Ebene: Chevrolet Six von 1934

Soziologen und andere akademisch geadelte Welterklärer fordern gerne die Rückkehr auf die Metaebene, wenn ihnen einer mit den zeitlos-irdischen Wahrheiten kommt, die sich aus der Anwendung des praktischen Hausverstands ergeben. Gemeint ist damit, dass ihnen die banale Bühne des Alltagserlebens zu niedrig ist und sie sich lieber mit darüber angesiedelten Sphären befassen wollen, in denen sie höhere Prinzipien vermuten und mit großer Selbstgewissheit wortreich verorten. Ein Meister dieses Fachs, das … Weiterlesen

Hier ist einiges merkwürdig: Mercedes 230 Limousine

Merkwürdig kommt einem ja fast täglich einiges vor – bisweilen denkt man: „Das meinen die jetzt nicht ernst, oder?“ Doch Anlass zu dergleichen Stirnrunzeln gibt heute ausnahmsweise kein aktuelles Tagesgeschehen, sondern ein bald 90 Jahre altes Dokument. Es zeigt einen Mercedes-Benz 230 – den ich mit Cabriolet-Aufbau durchaus gelungen finde – wie ich überhaupt meine, dass die offenen Wagen der Marke in den 1930er Jahren am harmonischsten gestaltet waren. Die … Weiterlesen

Eisenacher Alteisen: BMW 321 Limousine

Wenn mir wie heute bei der abendlichen Runde mit unserem türkisfarbenen Fiat 500 – auch als „rollende Eisdiele“ bezeichnet – ein BMW aktueller Produktion begegnet, dann denke ich oft: „Was hätten wohl die Gestalter der Marke von einst zu diesen Montrositäten gesagt?„ Heute weiß vermutlich kaum noch einer der verantwortlichen Deformationskünstler, wie klar und unaufgeregt, zugleich aber unverkennbar die klassischen BMWs waren. Vermutlich ist diesen Herrschaften auch nicht mehr bekannt, … Weiterlesen

Fund des Monats: Ein Kissel „Gold Bug“ Speedster

„Wo aber bleibt das Positive, Genosse?“ – diese zeitlos aktuelle Frage in Bezug auf die Segnungen, die den Deutschen (und Nachbarn) seit Jahrzehnten aus dem offiziellen Berlin zuteil werden – diese Frage beantworte ich regelmäßig ausweichend. Angesichts ebenso zeitloser Risiken der Majestätsbeleidigung meidet man das Feld des Politischen möglichst und begibt sich stattdessen hinaus auf eine ideologisch unbelastete Grünfläche im Berliner Umland. Dort findet man dann mit etwas Glück das … Weiterlesen

Bleibende Eindrücke – nicht alle willkommen: Hansa 1700

Je älter man wird, desto größer wird der Bestand an bleibenden Eindrücken. Nicht alle davon sind jedoch willkommen. Immerhin kann man gezielt bei denen Zuflucht suchen, die einem helfen, über die Zumutungen des Hier und Jetzt hinwegzukommen – oder sie zumindest für eine Weile in den Hintergrund zu drängen. Wer etwa in unseren Tagen die Eleganz und Geschmeidigkeit eines 6-Zylinderwagens vermisst, der kann sich beispielsweise einen feinen Jaguar XJ 4.2 … Weiterlesen

Welche Klasse!? Ein Fiat „Tipo 3“ in Ungarn

Heute wird es wieder mal (vordergründig) politisch – denn wir müssen uns mit der Klassenfrage auseinandersetzen. Meine ostdeutschen Leser werden dabei vielleicht schmunzeln, sofern sie noch das sozialistische Massenexperiment in der DDR erleben „durften“. Dort war es offiziell überaus wichtig, auch Alltagsfragen vom „richtigen“ Klassenstandpunkt aus anzugehen. Das ist zwar zum Glück Geschichte, wenngleich ähnlich alberne Übungen im Sachen „richtige“ Haltung zu aktuellen Fragestellungen inzwischen gefragt sind. Doch heute nichts … Weiterlesen

Frühling, frische Farben! Ein Presto 6-Zylinder von 1927

Nur noch wenige Tage, dann ist Mai – und der ersehnte Frühling hat sich endlich eingestellt. Ich weiß nicht, wer auf die Idee gekommen ist, in Deutschland schon im März das Ende des Winters auszurufen. Nach meiner langjährigen Wahrnehmung gibt es im März vielleicht eine schöne Woche, die einen voreilig auf die Ankunft des Frühlings hoffen lässt. Nachdem man den Winter wie in einem Film-Noir zugebracht hat (auf der Leinwand … Weiterlesen

Das Mirakel von Altötting: Ein AF1 der ÖAF…

Eines gleich vorab: der mysteriöse Titel mit verstörendem Buchstabensalat stammt von mir – dafür kann Leser Erhard Schmidt nichts, der mir eine hübsche kleine Geschichte nebst selten schönem Autofoto eingeliefert hat. Eigentlich schuld an der Begriffsverwirrung ist ohnehin jemand anderes und die Sache ist längst verjährt: Dazu müssen wir zurück in die frühen 1920er Jahre, als die Österreichische Automobil-Fabrik AG (ÖAF) die Nachfolge der Österreichischen Fiat-Werke (bzw. Austro-Fiat) antrat, die … Weiterlesen

Wenigstens die Fassade wahren… Ein Vauxhall 14 Light 6

Wenn die Fassade bröckelt, gilt es, zumindest vordergründig den schönen Schein zu wahren. Diesem Motto folgend nutzte ich das prächtige Wetter heute dazu, der alten Ziegelsteinhalle, in der meine historischen Gefährte wohnen, ein wenig auf den Putz zu rücken. Eigentlich wollte ich nur ein paar lose Stücke entfernen und nach Potemkinscher Manier übermalen, damit der erste Eindruck erhalten bleibt. Dummerweise kam dabei mehr herunter als erwartet – mehrere Generationen hatten … Weiterlesen

Davon träumt der Busfahrer… Ein „Bolide“ von 1906

Wer beim letzten Blog-Eintrag aufgepasst hat, konnte bereits ahnen, was ich heute im Programm habe – eine eher seltene Ausnahme übrigens. Meist weiß ich ja selbst noch nicht, wo ich bei dieser abendlichen Beschäftigung lande, welche übrigens eine meiner Meditationsmethoden ist, neben händischem Rasenmähen, Löwenzahnstechen, Kleinholzmachen, Reinigung von Oldtimerteilen und dergleichen. Nun aber „muss“ ich mich dem in Aussicht gestellten „Boliden“ widmen, der keineswegs irgendein rasantes Vorkriegsgeschoss war, ich habe … Weiterlesen

Nicht wirklich alt – oder doch? Ein Delage von 1933

Kennen Sie das? Da hat jemand die 80 schon eine Weile hinter sich, vergisst hin und wieder mal etwas und entschuldigt sich dann: „Bin halt halt…“. Als Experte für die automobile Welt von gestern und Kenner wirklicher Alters-Erscheinungen auf historischen Fotos kann ich das natürlich nicht gelten lassen. Nicht nur ist mir das Vergessen von allem Möglichen auch schon mit Ende 50 nur zu vertraut – ich fühle mich deshalb … Weiterlesen

Immer dieser Leistungsdruck: Stoewer „Gigant“ Cabrio

Nachdem der Fund des Monats März dem Besuch eines alten Freunds „zum Opfer gefallen“ war – wir diskutierten die Weltlage noch weit nach Mitternacht draußen in der Kälte – muss ich nun an schon gewohnheitsmäßig erwartete Standards anknüpfen. Als Freund des Leistungsprinzips als Leitstern für alle, die nicht objektiv gehandicapt sind – sonst wird das nämlich nichts mit dem Wahren der Standards im Wettbewerb – will ich den Ausfall wieder … Weiterlesen