Die Auswahl des Fotofunds des Monats Januar 2026 ist mir aus zwei Gründen schwergefallen. Erstens muss ich nicht einen Mangel an Kandidaten konstatieren, sondern eher einen Überfluss.
Das erforderte ausnahmsweise einige Überlegung, während ich meine Blog-Einräge hier meist ohne Plan herunterschreibe, was man ihnen auch anmerken darf. Merke: ein Blog ist keine akademische Abhandlung. sondern etwas Persönliches, an dem auch Dritte teilhaben können, ohne freilich irgendwelche Ansprüche an Form und Inhalt anmelden zu können.
Nachdem ich mit dem ersten Aspekt schon einiges an Zeit verplempert habe, stellt sich zweitens die Frage, was man jetzt noch schnell zuwegebringt, denn zumindest am Monatsende will ich bis Mitternacht „fertig“ sein.
Der ideale Kandidat ist unter solchen Umständen der, über den man möglichst wenig weiß, der sich aber in einer derart überzeugenden Weise präsentiert, dass er spontan den Zuschlag bekommt.
Dieser Ansatz führt bei Gebrauchtwagen und in der Politik bei gutgläubigen Zeitgenossen zwar oft zu Fehlentscheidungen, aber hier ist er goldrichtig:

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass dieses über 100 Jahre alte Dokument aus der Sammlung von Leser Matthias Schmidt (Dresden) von exzellenter Qualität ist – technisch wie formal.
Zu sehen ist ein typischer Tourenwagen, wie es ihn bereits kurz vor dem 1. Weltkrieg von etlichen Marken in Deutschland und im österreichisch-ungarischen Imperium gab.
Nur die elektrischen Scheinwerfer nebst untenliegender Lampen zur Ausleuchtung von Kurven – oder auch als Parklichter gedacht – sprechen dafür, dass wir es eher mit einem Wagen aus der Zeit kurz nach dem 1. Weltkrieg zu tun haben.
Das Kühleremblem verweist eindeutig auf die Marke Raba aus der ungarischen Győr. Der Firmenname spielt auf die an der Donau liegende römische Stadt „Arrabona“ an, die 400 Jahre bestand und die Keimzelle von Győr – deutsch: Raab – darstellt.
Die ungarischen Raba-Automobile basierten laut Literatur auf Lizenzen der Marke Praga und ein besonders beeindruckendes Exemplar habe ich vor fast genau acht Jahren hier präsentiert – ebenfalls als Fund des Monats.
Der Raba auf dem heute vorgestellten Foto ist deutlich darunter angesiedelt, doch interessant wird er dadurch, dass er auf eine Weiterproduktion noch kurz nach dem 1. Weltkrieg spricht, obwohl sich die Firma damals auf LKW zu konzentrieren begann.
Welchem Praga-Modell dieser Raba entsprach, das kann ich nicht sagen und eigentlich ist es mir auch egal. Fotos von PKW dieses noch heute existierenden Herstellers sind dermaßen selten, dass sie einen dokumentarischen Wert an sich haben.
Sicher ist unterdessen, dass dieses Exemplar einst deutschsprachige Besitzer hatte – ich vermute aufgrund des Kennzeichens eine Zulassung im böhmischen Raum (seit 1919 zur Tschechoslowakei gehörig), und umseitig ist vermerkt: „August 1923 bei Mariazell“.
Damit hätte ich für heute meine „Pflicht“ getan – wirklich ernst nehme ich ja nur die wiederkehrenden Kategorien „Fund des Monats bzw. Jahres“ und „Fotorätsel des Monats“.
Im Februar geht es dann rein willkürlich weiter, wahrscheinlich sogar mit einem ganz und gar deplatzierten dreidimensionalen Aus“flug“ an den Rhein in den 1950er Jahren, zu dem mir ein Vorkriegswagen nur einen winzigen Vorwand lieferte…
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